Horner-Syndrom: Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapie

Das Horner-Syndrom ist ein seltenes neurologisches Syndrom, das durch eine Störung der sympathischen Nervenversorgung des Auges und des umliegenden Gesichtsbereichs verursacht wird. Es handelt sich dabei um einen Symptomkomplex, der durch eine Trias aus Ptosis (Herabhängen des Oberlids), Miosis (Verengung der Pupille) und Enophthalmus (Zurücksinken des Augapfels in die Augenhöhle) gekennzeichnet ist. In einigen Fällen kann auch Anhidrose (verminderte Schweißproduktion) im betroffenen Gesichtsbereich auftreten.

Einführung

Das Horner-Syndrom ist keine eigenständige Krankheit, sondern vielmehr ein Symptomkomplex, der auf eine Schädigung der Nervenbahnen des Sympathikus zurückzuführen ist. Diese Nervenbahnen steuern unwillkürliche Körperfunktionen wie die Pupillenweite, die Schweißproduktion und den Blutdruck. Eine Schädigung dieser Nervenbahnen kann an verschiedenen Stellen auftreten, vom Gehirn über das Rückenmark bis hin zum Auge.

Ursachen des Horner-Syndroms

Die Ursachen des Horner-Syndroms sind vielfältig und hängen von der Lokalisation der Schädigung der sympathischen Nervenbahnen ab. Grundsätzlich wird zwischen drei Arten von Horner-Syndrom unterschieden:

  • Zentrales Horner-Syndrom: Hier liegt die Schädigung im Gehirn oder Hirnstamm vor. Mögliche Ursachen sind Hirntumore, Schlaganfälle, Multiple Sklerose oder Syringomyelie (flüssigkeitsgefüllte Hohlräume im Rückenmark).

  • Präganglionäres Horner-Syndrom: Die Schädigung befindet sich im Bereich des Rückenmarks, des Brustkorbs oder der Lungenspitze. Ursachen können Tumore (z. B. Pancoast-Tumor), Verletzungen, Operationen an Schilddrüse oder Lymphknoten, Bandscheibenvorfälle oder Entzündungen sein.

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  • Postganglionäres Horner-Syndrom: Die Schädigung betrifft die Nervenbahnen im Bereich des Halses oder Schädels. Mögliche Ursachen sind Dissektion der Arteria carotis (Riss in der Halsschlagader), Tumore im Epipharynx oder Sinus cavernosus, Schädelbasistumore, Orbitatumore oder autonome Funktionsstörungen wie Cluster-Kopfschmerz.

In etwa 40 Prozent der Fälle bleibt die Ursache des Horner-Syndroms unbekannt (idiopathisches Horner-Syndrom).

Ursachen beim Tier (Katze):

Auch bei Tieren, insbesondere bei Katzen, kann das Horner-Syndrom auftreten. Hier sind mögliche Ursachen:

  • Chronische Ohrenentzündung
  • Bandscheibenvorfall
  • Verletzungen im Hals- oder Brustbereich
  • Tumore
  • Idiopathisch (ohne erkennbare Ursache), möglicherweise in Verbindung mit einer FeLV-Infektion (Leukose)

Symptome des Horner-Syndroms

Die typischen Symptome des Horner-Syndroms treten in der Regel nur auf einer Seite des Gesichts auf (einseitig) und umfassen:

  • Ptosis: Herabhängen des Oberlids. Dies entsteht durch die Denervierung der Nerven, die den Musculus tarsalis superior versorgen. Die Ptosis ist meist nur partiell, da der Musculus levator palpebrae superioris weiterhin funktioniert.
  • Miosis: Verengung der Pupille. Die Pupille reagiert normal auf Licht, jedoch ist die Dilatation (Erweiterung) in dunkler Umgebung verlangsamt oder unvollständig. Die Anisokorie (Größenunterschied zwischen den Pupillen) ist meist gering ausgeprägt (1-2 mm).
  • Enophthalmus: Zurücksinken des Augapfels in die Augenhöhle. Dies entsteht durch einen Ausfall des Musculus orbitalis und einen dadurch entstehenden Höherstand des Unterlids, was zu einem scheinbaren Enophthalmus führt.
  • Anhidrose: Verminderte oder fehlende Schweißproduktion im betroffenen Gesichtsbereich. Dieses Symptom tritt jedoch nicht immer auf, insbesondere wenn die Schädigung im Bereich des 3. Neurons (postganglionär) liegt, da die Schweißdrüsen der Stirn hauptsächlich von Fasern der Arteria carotis externa versorgt werden.
  • Weitere Symptome: Rötung des Auges (durch erhöhte Durchblutung),Nickhautvorfall

Symptome beim Tier (Katze):

Bei Katzen können zusätzlich zu den oben genannten Symptomen folgende Anzeichen auftreten:

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  • Vorfall des dritten Augenlids (Nickhautvorfall)
  • Erhöhte Durchblutung des Auges, wodurch es gerötet erscheint

Diagnose des Horner-Syndroms

Die Diagnose des Horner-Syndroms basiert in erster Linie auf der klinischen Untersuchung und der Beurteilung der typischen Symptome. Folgende Untersuchungen können zur Diagnosestellung und zur Abklärung der Ursache durchgeführt werden:

  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte, einschließlichVorerkrankungen, Medikamenteneinnahme und möglicher Auslöser (z. B. Verletzungen,Operationen).
  • Klinische Untersuchung: Beurteilung der Pupillenweite, der Lidstellung, derAugenbeweglichkeit und der Schweißproduktion.
  • Pupillometrie: Messung des Pupillendurchmessers nach einem kurzen Aufenthalt in einemdunklen Raum, um den Unterschied zwischen den Pupillen zu quantifizieren.
  • Augentropfen-Tests:
    • Kokain-Test: Kokain blockiert die Wiederaufnahme von Noradrenalin im synaptischen Spalt und führt bei intakter sympathischer Bahn zu einer Pupillenerweiterung. Bleibt die Pupille auf der betroffenen Seite verengt, liegt ein Horner-Syndrom vor.
    • Apraclonidin-Test: Apraclonidin ist ein Alpha-2-Rezeptor-Agonist, der bei Vorliegen eines Horner-Syndroms zu einer Pupillenerweiterung führt.
    • Hydroxyamphetamin-Test: Hydroxyamphetamin bewirkt eine Freisetzung von Noradrenalin aus intakten adrenergen Nervenendigungen, was zu einer Pupillenerweiterung führt. Dieser Test kann helfen, zwischen einem prä- und postganglionären Horner-Syndrom zu unterscheiden.
  • Bildgebende Verfahren:
    • Magnetresonanztomographie (MRT): Zur Beurteilung von Gehirn, Hirnstamm, Rückenmark, Hals und Orbita, um mögliche Ursachen wie Tumore, Schlaganfälle, Entzündungen oder Verletzungen zu identifizieren.
    • Computertomographie (CT): Insbesondere bei Verdacht auf einen Schlaganfall oder eine knöcherne Ursache.
    • Röntgenaufnahme des Brustkorbs: Bei Verdacht auf einen Lungentumor (z. B. Pancoast-Tumor).
    • Ultraschalluntersuchung der Halsschlagader: Bei Verdacht auf eine Dissektion der Arteria carotis.
  • Weitere Untersuchungen: Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen wie Blutuntersuchungen, Liquoruntersuchung oder neurologische Tests erforderlich sein.

Diagnose beim Tier (Katze):

Bei Katzen erfolgt die Diagnose in ähnlicher Weise wie beim Menschen. Der Tierarzt wird eine allgemeine und neurologische Untersuchung durchführen und gegebenenfalls bildgebende Verfahren (Röntgen, CT, MRT) einsetzen, um die Ursache des Horner-Syndroms zu finden.

Therapie des Horner-Syndroms

Die Therapie des Horner-Syndroms richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Da das Horner-Syndrom selbst keine eigenständige Erkrankung ist, sondern ein Symptomkomplex, steht die Behandlung der auslösenden Ursache im Vordergrund.

  • Behandlung der Grunderkrankung:
    • Tumore: Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie.
    • Schlaganfall: Akuttherapie und Rehabilitation.
    • Dissektion der Arteria carotis: Vaskuläre chirurgische Versorgung.
    • Entzündungen: Entzündungshemmende Medikamente.
    • Bandscheibenvorfall: Konservative Therapie oder Operation.
  • Symptomatische Therapie: In einigen Fällen können Augentropfen, die die Pupille erweitern, die Symptome lindern und die Sicht verbessern, insbesondere bei Dunkelheit.
  • Idiopathisches Horner-Syndrom: In vielen Fällen verschwindet das idiopathische Horner-Syndrom von selbst wieder, sodass keine spezifische Therapie erforderlich ist.

Therapie beim Tier (Katze):

Auch bei Tieren zielt die Therapie darauf ab, die Grunderkrankung zu behandeln. Zusätzlich können Augentropfen zur Pupillenerweiterung eingesetzt werden, um die Symptome zu lindern. Bei idiopathischem Horner-Syndrom wird in der Regel abgewartet, da die Erkrankung oft spontan wieder abheilt.

Verlauf und Prognose des Horner-Syndroms

Der Verlauf und die Prognose des Horner-Syndroms hängen von der Ursache und der Möglichkeit, diese zu behandeln, ab.

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  • Günstige Prognose:
    • Idiopathisches Horner-Syndrom: Heilt oft spontan innerhalb weniger Monate ab.
    • Horner-Syndrom als Folge einer Verletzung oder Infektion: Gute Prognose nach erfolgreicher Behandlung der Ursache.
  • Ungünstige Prognose:
    • Horner-Syndrom aufgrund von Tumoren oder anderen schwerwiegenden Erkrankungen: Prognose hängt von der Behandelbarkeit der Grunderkrankung ab.
    • Hunde, bei denen das Horner-Syndrom häufig nicht heilbar ist, leiden z. B. an

Wichtig: Bei einem plötzlich auftretenden, schmerzhaften Horner-Syndrom sollte sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden, da dies auf eine Dissektion der Halsschlagader hindeuten kann.

Horner-Syndrom beim Hund

Auch bei Hunden kann das Horner-Syndrom auftreten. Die Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapie ähneln denen beim Menschen und bei der Katze. Besonders häufig betroffen sind männliche Golden Retriever, aber auch Labrador Retriever, Collies und Cocker Spaniel.

Differenzialdiagnose

Die Symptome des Horner-Syndroms können denen anderer Erkrankungen ähneln. Daher ist eine sorgfältige Differenzialdiagnose wichtig, um die richtige Diagnose zu stellen und eine angemessene Behandlung einzuleiten.

Einige Erkrankungen, die ähnliche Symptome wie das Horner-Syndrom verursachen können, sind:

  • Adie-Syndrom: Eine seltene neurologische Störung, die die Pupille des Auges betrifft und zu einer großen, erweiterten Pupille führt, die langsam auf Licht reagiert.
  • Wallenberg-Syndrom: Eine seltene Erkrankung, die durch ein Blutgerinnsel im Hirnstamm verursacht wird und neben anderen neurologischen Symptomen auch zu einem Horner-Syndrom führen kann.
  • Okulomotoriusparese: Eine Lähmung des dritten Hirnnerven, die zu einer stark erweiterten Pupille führt, die nicht mehr auf Licht reagiert, sowie zu einer Ptosis und Doppelbildern.
  • Myasthenia gravis: Eine Autoimmunerkrankung, die zu einer Schwäche und Ermüdung der Augenmuskulatur führt und eine Ptosis verursachen kann.
  • Uveitis anterior: Eine Entzündung der Uvea anterior (Iris und Ziliarkörper), die zu Schmerzen, Rötung, Lichtscheu und einer verengten Pupille führen kann.
  • Pupillenschließmuskelriss: Ein Riss des Pupillenschließmuskels, der durch ein Trauma verursacht werden kann und zu einer einseitigen oder beidseitigen Mydriasis (Pupillenerweiterung) führt.
  • Aponeurotische Ptosis: Die häufigste Form der erworbenen Ptosis, die durch eine Überdehnung des Musculus levator palpebrae verursacht wird.

Anisokorie: Unterschiedlich große Pupillen

Anisokorie bezeichnet einen Zustand, bei dem die Pupillen beider Augen unterschiedlich groß sind. Diese Größenunterschiede können sowohl harmlos als auch ein Hinweis auf ernsthafte Erkrankungen sein. Etwa 20 Prozent der Bevölkerung weisen eine leichte, physiologische Anisokorie auf, die völlig normal ist. Jedoch können plötzlich auftretende oder ausgeprägte Pupillendifferenzen ein wichtiges Warnsignal darstellen, das eine sofortige ärztliche Abklärung erfordert.

Ursachen der Anisokorie:

Die Ursachen für unterschiedlich große Pupillen sind vielfältig und reichen von harmlosen Normvarianten bis hin zu schwerwiegenden neurologischen Erkrankungen.

  • Physiologische Anisokorie: Etwa ein Fünftel der Bevölkerung hat eine natürliche, angeborene Anisokorie, die keine medizinische Bedeutung hat. Diese physiologische Form bleibt meist konstant und verändert sich nicht wesentlich über die Zeit.
  • Medikamente: Bestimmte Augentropfen, die in der augenärztlichen Untersuchung verwendet werden, können stundenlang eine Anisokorie verursachen.
  • Neurologische Ursachen: Schwerwiegendere Ursachen betreffen oft das Nervensystem. Das Horner-Syndrom entsteht durch eine Schädigung des sympathischen Nervensystems und führt zu einer verkleinerten Pupille auf der betroffenen Seite. Eine Lähmung des dritten Hirnnerven (Okulomotoriusparese) kann zu einer stark erweiterten Pupille führen, die nicht mehr auf Licht reagiert.

Symptome der Anisokorie:

Anisokorie selbst verursacht meist keine direkten Beschwerden. Die betroffenen Personen bemerken oft lediglich den kosmetischen Unterschied zwischen den Pupillen. Bestimmte Begleitsymptome sollten immer ernst genommen und umgehend ärztlich abgeklärt werden. Dazu gehören starke Kopfschmerzen, die plötzlich auftreten, Doppelbilder oder Sehstörungen, Übelkeit und Erbrechen sowie Nackensteifigkeit. Bei einem Horner-Syndrom können zusätzlich zur verkleinerten Pupille ein leicht hängendes Augenlid und verminderte Schweißproduktion im Gesicht auftreten.

Diagnose und Behandlung der Anisokorie:

Die Diagnose einer Anisokorie erfordert eine gründliche augenärztliche und neurologische Untersuchung. Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Eine harmlose, physiologische Anisokorie benötigt keine Therapie. Neurologische Ursachen erfordern oft eine spezialisierte Behandlung durch Neurologen.

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