Kann sich die Hornhaut regenerieren? Ein umfassender Überblick

Die Hornhaut (Cornea) ist der vordere, glasklare Teil des Auges, der für ein gutes Sehen unerlässlich ist. Sie lässt das Licht ins Auge und übernimmt zusammen mit der Augenlinse den größten Teil der Lichtbrechung. Die Hornhaut ist etwa einen halben Millimeter dick und enthält Nerven, aber keine Blutgefäße.

Aufbau der Hornhaut

Die Hornhaut besteht aus fünf Schichten:

  1. Tränenfilm: Die äußerste Schicht, die die Hornhaut benetzt und bei jedem Lidschlag neu verteilt wird. Er sorgt für eine scharfe optische Wirkung.
  2. Epithel: Eine dünne Zellschicht, die das Eindringen von Keimen verhindert und in der die Hornhautnerven enden. Oberflächliche Verletzungen des Epithels heilen in der Regel innerhalb von 1-2 Tagen von selbst.
  3. Stroma: Die dicke Schicht in der Mitte der Hornhaut, die für Festigkeit und Elastizität sorgt. Ihre Transparenz wird durch die parallele Anordnung der Kollagenfasern gewährleistet.
  4. Descemet-Membran: Eine Basalmembran zwischen Stroma und Endothel.
  5. Endothel: Die innerste Zellschicht, die den Wassergehalt der Hornhaut reguliert. Die Endothelzellen regenerieren sich nicht.

Regeneration der Hornhaut

Die Fähigkeit der Hornhaut zur Regeneration hängt von der betroffenen Schicht und dem Ausmaß der Schädigung ab.

Epithel

Das Epithel besitzt eine hohe Regenerationsfähigkeit. Oberflächliche Verletzungen, wie Hornhauterosionen, heilen in der Regel innerhalb von 24 bis 48 Stunden ab. Dabei erneuert sich das mehrschichtige, nicht verhornende Plattenepithel narbenlos.

Stroma

Schäden am Stroma können zu Narbenbildung führen, die die Transparenz der Hornhaut beeinträchtigen und das Sehvermögen mindern.

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Endothel

Die Zellen des Endothels sind nicht regenerationsfähig. Ein Verlust von Endothelzellen kann zu einer Trübung der Hornhaut führen, da die Wasserregulation gestört ist.

Ursachen für Hornhautschäden

Hornhautschäden können verschiedene Ursachen haben:

  • Verletzungen: Kratzer, Abschürfungen oder Fremdkörper im Auge.
  • Infektionen: Bakterielle, virale oder Pilzinfektionen.
  • Entzündungen: Zum Beispiel Herpeskeratitis.
  • Degenerative Erkrankungen: Altersbedingte Veränderungen oder Formveränderungen des Auges (z.B. Keratokonus).
  • Trockene Augen: Unzureichende Befeuchtung der Hornhaut.
  • Kontaktlinsen: Unsachgemäßer Gebrauch oder zu langes Tragen von Kontaktlinsen.
  • Chemische oder photoelektrische Schädigung: Verätzungen durch Säuren oder Laugen.

Symptome von Hornhautschäden

  • Gerötete Augen
  • Schmerzen
  • Erhöhte Lichtempfindlichkeit
  • Fremdkörpergefühl im Auge
  • Vermehrter Tränenfluss
  • Verschwommenes oder verzerrtes Sehen
  • Eingeschränkte Sehschärfe

Diagnose von Hornhautschäden

Die Diagnose von Hornhautschäden erfolgt in der Regel durch eine augenärztliche Untersuchung. Dabei werden verschiedene Verfahren eingesetzt:

  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und der aktuellen Beschwerden.
  • Spaltlampenuntersuchung: Untersuchung der Hornhaut mit einem Mikroskop, um Veränderungen wie Trübungen, Einlagerungen oder Verletzungen zu erkennen.
  • Visusbestimmung: Test der Sehschärfe.
  • Hornhauttopografie: Analyse der Form und Krümmung der Hornhaut.
  • Pachymetrie: Messung der Hornhautdicke.
  • Fluoreszenz-Färbung: Anfärbung von Schädigungen der äußersten Zellschicht der Hornhaut, um sie besser sichtbar zu machen.
  • Weitere Untersuchungen: In einigen Fällen können zusätzliche Untersuchungen erforderlich sein, um die tieferen Schichten der Hornhaut zu beurteilen.

Behandlung von Hornhautschäden

Die Behandlung von Hornhautschäden richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung.

  • Konservative Therapie:
    • Schmerzlindernde Augentropfen oder Tabletten: Zur Linderung von Schmerzen und Beschwerden.
    • Antibiotikahaltige Augentropfen: Zur Behandlung bakterieller Infektionen.
    • Künstliche Tränen: Zur Befeuchtung der Hornhaut bei trockenen Augen.
    • Therapeutische Kontaktlinsen: Zum Schutz der Hornhaut und zur Förderung der Heilung.
    • Sonnenbrille: Bei erhöhter Lichtempfindlichkeit.
  • Lasertherapie (PTK):
    • Abtragung oberflächlicher Hornhautvernarbungen mit einem Laser.
    • Glättung der Hornhautoberfläche.
  • Chirurgische Therapie:
    • Hornhauttransplantation (Keratoplastik): Ersatz der erkrankten Hornhaut durch eine Spenderhornhaut.
      • Perforierende Keratoplastik: Vollständiger Ersatz der Hornhaut.
      • Lamelläre Keratoplastik: Teilweiser Ersatz der Hornhaut.
        • Vordere lamelläre Keratoplastik (DALK): Übertragung der mittleren und obersten Hornhautschicht.
        • Hintere lamelläre Keratoplastik (DMEK/DSAEK): Behandlung von Störungen der Innenschicht (Endothel).
    • Amnionmembran-Transplantation: Aufnähen einer Amnionmembran zur Förderung der Regeneration bei Beschädigung der äußeren Hornhautschichten.
    • Limbalen Stammzelltransplantation: Transplantation eigener Stammzellen zur Erneuerung der Hornhaut bei schweren Oberflächenproblemen.
    • Künstliche Hornhautimplantation: Einsatz einer künstlichen Teilhornhaut zur Behandlung von Hornhautödemen und zur Verbesserung der Sehkraft.
  • EDTA-Abrasio: Entfernung von Kalkablagerungen bei Bandkeratopathie.

Neue Entwicklungen in der Hornhautregeneration

  • Stammzellforschung:
    • Identifizierung von Stammzellen im Limbus corneae, die die Hornhaut regenerieren können.
    • Transplantation dieser Stammzellen zur Reparatur von Hornhautdefekten.
    • Generierung von Stammzellen aus Hautzellen zur Reparatur von Cornea-Defekten.
  • Künstliche Hornhaut:
    • Entwicklung von künstlichen Hornhautschichten zur Behandlung von Hornhauterkrankungen.

Vorbeugung von Hornhautschäden

  • Tragen einer Schutzbrille bei Arbeiten mit potenziellen Gefahrenquellen.
  • Sorgfältiger Umgang mit Kontaktlinsen.
  • Vermeidung von Augenreiben.
  • Schutz der Augen vor UV-Strahlung durch das Tragen einer Sonnenbrille.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr und eine ausgewogene Ernährung.
  • Regelmäßige augenärztliche Untersuchungen.
  • Vermeidung von Rauchen und übermäßigem Alkoholkonsum.
  • Regelmäßige Pausen bei der Arbeit am Computer, um trockene Augen zu vermeiden.

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