Hörspiel "Mein prähistorisches Gehirn": Eine Reise in die Tiefen des menschlichen Bewusstseins

Das Hörspiel "Mein prähistorisches Gehirn" des Autors Andreas Liebmann ist ein vielschichtiges Werk, das sich auf poetische Weise mit den großen Fragen des Lebens auseinandersetzt. Es behandelt Themen wie Leben, Tod, Zeit, Unendlichkeit und Nichts und bewahrt sich dabei eine selbstironische Leichtigkeit. Das Stück ist ein starkes Stück Literatur über das Verhältnis des Menschen zu seinem Gehirn. Die Fallhöhe markiert der Satz, dass die Evolution den Mensch mit seinem Gehirn überfordert hat und dass das Gehirn nicht dafür konstruiert ist, so lange zu leben, wie die Apparatmedizin es ermöglicht. Die Folge wird ein Planet der Dementen.

Andreas Liebmann: Ein vielseitiger Künstler

Andreas Liebmann ist ein vielseitiger Künstler, der sich in seinen Arbeiten zwischen ortsspezifischer Performance und Theater bewegt. Er integriert Erfahrungen und Ansätze aus unterschiedlichen Feldern wie Naturwissenschaft, persönliche Begegnungen, Anthropologie und Politik. Liebmann studierte an der Schauspiel Akademie Zürich und arbeitet seit August 2015 als Dozent an der Dansk Scenekunstskole Kopenhagen für konzeptuelle Regie. Er lebt in Berlin und Zürich. Für sein Hörstück "Meiers prähistorisches Hirn" erhielt er den 2. Publikumspreis beim Hörspielfestival Berlin 2015.

Hannes Strobl, Bassist, Komponist und Klangkünstler, lebt ebenfalls in Berlin. Wesentlicher Ausgangspunkt seiner Musik ist das klangbasierte Potenzial am elektrischen Bass/Kontrabass. Dieses charakteristische Ausdrucksrepertoire erweitert Hannes Strobl durch die Verwendung von speziellen Spieltechniken in Kombination mit Live-Elektronik.

Die Inszenierung von "Mein prähistorisches Hirn"

"Mein prähistorisches Hirn" ist ein Abend für vier Schauspieler und zwei Musiker. Das Stück basiert auf einer einjährigen Begegnung des Regisseurs und Autors Andreas Liebmann mit einem schwerkranken Neurologen.

Die Neue Zürcher Zeitung beschreibt Andreas Liebmann als einen Autor, der sich von seinen Anfängen wegbewegt hat und sich den alten Fragen von Leben und Tod, Zeit, Unendlichkeit und Nichts widmet. Theater heute betont, dass der Schweizer Autor poetische Szenen der Erinnerung montiert und dass jede Inszenierung aus diesen Texten den jeweils eigenen Schnitt erfinden könnte.

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Inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Gehirn

Das Hörspiel "Mein prähistorisches Hirn" beschäftigt sich intensiv mit dem menschlichen Gehirn. Die Hauptfigur Meier ist Hirnforscher und weiß alles über seine Krankheit und einiges über seinen Geist. Meier hat 40 Jahre Gehirne untersucht, in Händen gehalten, aufgeschnitten, fotografiert und entsorgt. Er hat Ahnung vom Gehirn, liebt und hasst es. Er träumt vom Gehirn und will es wieder vergessen.

Meier wird immer hilfloser, da sein Gehirn nicht mehr das tut, was er will. Auch sein Körper und seine Kollegen machen nicht, was er will. Meier wird sterben und seinen Zerfall beobachten, mitdenken und mitteilen. Das Hörspiel erzählt davon.

Der parkinsonkranke Arzt, Hirnforscher und Künstler Prof. Benedikt Volk-Orlowski weiß alles über seine Krankheit, kann aber nichts dagegen tun - ein Selbstrettungsversuch eines Gehirns.

Weitere Werke von Andreas Liebmann

Neben "Mein prähistorisches Hirn" hat Andreas Liebmann noch weitere bemerkenswerte Werke geschaffen:

explodiert

"explodiert" ist ein Vorschlag für einen Theaterabend mit 6-8 Schauspielern. Die Familie ist eine Musikerfamilie. Die Mutter erhält ein Angebot, für ein, zwei Monate in die Mongolei zu fahren, was der Vater unterstützt. Kaum ist sie weg, bricht seine Welt zusammen und er spürt, dass ihn nichts Eigenes mehr hält. Er verschwört sich mit seinen Töchtern und gibt der Mutter in einem Telefonat klar zu verstehen, dass sie nicht mehr zurückzukommen braucht. Anschließend macht er sich auf eine Reise nach Sizilien, auf der Suche nach etwas Ursprünglichem, was er verloren zu haben glaubt. Da seine Tochter Anna seinen alleinigen Abgang nicht akzeptiert und mitgeht, reisen sie zu zweit. Das Stück arbeitet mit starken Schnitten und häufigen Ortswechseln, die über die Sprache erreicht und signalisiert werden. Es zeigt Menschen einer Familie, die so stark zusammengefügt ist, dass eine kleine Änderung alles ins Wanken bringt und stellt die Frage, wie sehr wir zu unseren „Nächsten“ wirklich gehören und wie sehr wir überhaupt Individuen sein können, in der dauernden und starken Verbindung mit anderen. Alle Personen, die in dem Stück vorkommen, kämpfen mit dem Druck, jemand sein zu müssen, aber ohne genau zu wissen, wie sie das überhaupt erfahren können. So suchen sie sich ihre Wege: in der Verbindung mit einem Liebespartner, im Ausreißen aus festen Strukturen, auf der Suche nach Essenzen in der Musik. Am Ende des Stückes sind die Personen versprengt in der Welt oder tot. Ihre alte Heimat haben sie aufgelöst, aber was ist an deren Stelle getreten? "explodiert" wurde unter dem Titel "die toten von heilbronn" bei den Werkstatttagen des Burgtheaters Wien vorgestellt.

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Wie man Noma überlebt

"Wie man Noma überlebt" thematisiert den Kontrast zwischen dem weltberühmten Restaurant NOMA in Kopenhagen und der Krankheit Noma, die durch Hunger und Mangelernährung ausgelöst wird. Während die "Neue Nordische Küche" abseitige Naturprodukte zelebriert, suchen Menschen in armen Ländern nach Nahrung, um vor dem Verhungern zu retten. Zwei Welten treffen aufeinander: NOMA, das weltberühmte Restaurant, und Noma, die Krankheit.

Blue Garden

"Blue Garden" erzählt von altem Zürcher Bürgertum, zerfallenden Biographien und heimischem Geld. Eine Old Lady blickt auf ihr von materiellen Sorgen unbeschwertes Leben zurück: In den 30ern residierte sie mit ihrer Familie in einem herrschaftlichen Anwesen am Zürichhorn - dem heutigen Museum Bellerive. Der Stoff basiert auf Lebenserinnerungen von Mitgliedern eines Zweigs der Familie des Autors und Regisseurs Andreas Liebmann. Die Cousine seines Vaters ist im heutigen Museum Bellerive aufgewachsen, das ihr Vater, ein Zürcher Seidenhändler, hatte bauen lassen. Wegen des Krieges zieht die jüdische Familie nach Amerika, wo sie später heimisch wird und ihren Reichtum in Eigentumswohnungen und lebenslange Absicherung verwandelt. Der Vater und Hausbesitzer aber kehrt noch Anfang der 40er Jahre nach Zürich zurück, wo er in seinen selbst gebauten Mauern mit Blick auf den See stirbt. Die 90jährige Grand Dame lebt noch heute in New York. Ihr Geld bewahrte sie vor der Erwerbsarbeit, von der sie lapidar sagt: »I tried it once, but I didn't like it«. Das Hörspiel war im Sommer 2015 im Rahmen der von Barbara Weber veranstalteten Reihe zu "Grey Gardens" im Theater der Künste Zürich in Kombination mit einem Live-Auftritt von Peter Liebmann (Andreas Liebmanns 84jähriger Vater) am Cembalo als Performance zu erleben.

Labyrinth. Chor

"Labyrinth. Chor" ist Sprachmaterial für Theater. Der Faden, das Liebesgeschenk Ariadnes, dient Theseus als Navigationssystem, um im Labyrinth bei der Vielzahl an möglichen Wegen die Orientierung zu behalten. Was aber geschieht, wenn der Held vergisst, warum er überhaupt losgelaufen ist? Labyrinth.Chor ist eine Studie über das Verschwinden der vertrauten Welt: Alle scheinen mit den Leitsystemen vertraut und wissend um das eigentliche Leben. Nur bei einem selbst setzt die Erinnerung an das, was man zuletzt gesagt hat, aus. Erst wirkt man nur wunderlich, doch schon bald darauf lebt man außerhalb der kausalen Welt. Das Stück zeigt nicht nur auf skurrile Weise, wie sich bei der irritierenden Flut an (Großstadt-)Eindrücken schnell der Faden verlieren lässt, sondern greift auch spielerisch den Mythos von Ariadne und Theseus auf.

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