Alkohol ist eine weit verbreitete psychoaktive Substanz, deren Konsum in vielen Kulturen tief verwurzelt ist. Obwohl oft mit Entspannung und Geselligkeit assoziiert, birgt Alkoholkonsum erhebliche Risiken für die Gesundheit, insbesondere für das Gehirn. Dieser Artikel beleuchtet die Auswirkungen von Alkohol auf das Gehirn, beginnend mit den Grundlagen des Alkohols und seinen Konsummotiven, über seine Wirkung auf das Gehirn bis hin zu den langfristigen Folgen und Präventionsmöglichkeiten.
Was ist Alkohol?
Aus chemischer Sicht gibt es verschiedene Alkohole, wobei Ethanol der in alkoholischen Getränken enthaltene "Trinkalkohol" ist. Ethanol ist eine farblose, brennbare Flüssigkeit mit einem scharf-brennenden Geschmack und einem würzigen Geruch. Er wird durch die Vergärung von Zucker in pflanzlichen Stoffen wie Weintrauben oder Gerste hergestellt.
Warum trinken Menschen Alkohol?
Menschen trinken Alkohol aus verschiedenen Gründen. Dazu gehören Genuss, das Streben nach Vergnügen oder aufregenden Erlebnissen sowie als Bewältigungsstrategie, um mit Ängsten, schlechten Gefühlen und Stress umzugehen. In geringen Mengen kann Alkohol entspannend, angstlösend und stimulierend wirken und kurzfristig die Stimmungslage verbessern. Soziale Einflüsse spielen ebenfalls eine wichtige Rolle, da Alkoholkonsum in vielen Gesellschaften akzeptiert und in Traditionen eingebunden ist. Familie, Freundeskreis, Schule und Arbeitsumfeld können ebenfalls das Trinkverhalten beeinflussen.
Wie gelangt Alkohol ins Gehirn?
Alkohol wird hauptsächlich über die Schleimhaut des Dünndarms ins Blut aufgenommen und verteilt sich innerhalb weniger Minuten im gesamten Körperwasser. Da der menschliche Körper größtenteils aus Wasser besteht, sind die meisten Gewebe im Körper und damit Organe wie Herz, Gehirn und Muskeln dem Alkohol ausgesetzt. Stark durchblutete Organe wie Leber und Gehirn nehmen Alkohol schneller auf als weniger stark durchblutete Organe. Die Aufnahme von Alkohol wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst, darunter ein leerer oder voller Magen, warme Getränke, Zucker, Kohlensäure und Medikamente. Frauen nehmen im Vergleich zu Männern bei gleichen Trinkmengen mehr Alkohol auf, da sie einen geringeren Wasseranteil im Körper aufweisen.
Die Auswirkungen von Alkohol auf das Gehirn
Alkohol ist ein Zellgift, das sich im ganzen Körper verteilt und besonders empfindliche Organe wie das Gehirn beeinträchtigt. Im Gehirn beeinflusst Alkohol verschiedene Botenstoffe, die für die Informationsübertragung zwischen Nervenzellen zuständig sind. Er wirkt hemmend oder dämpfend auf die Informationsübertragung, was zu einer Verlangsamung der Wahrnehmung und des Reaktionsvermögens führt.
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Kurzfristige Auswirkungen
In geringen Mengen kann Alkohol stimmungshebend, entspannend und angstlösend wirken, da er das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert. In größeren Mengen wirkt er jedoch betäubend. Das Gehirn "merkt" sich, wie Alkoholkonsum in bestimmten Situationen entspannend gewirkt hat, was zu Verlangen nach Alkohol führen kann, selbst durch Gerüche oder Personen, die an solche Situationen erinnern.
Langfristige Auswirkungen
Regelmäßiger und übermäßiger Alkoholkonsum kann langfristige Schäden im Gehirn verursachen. Dazu gehören:
- Nervenschäden (Polyneuropathie): Alkohol kann die Nerven schädigen, was zu Taubheitsgefühlen, Kribbeln und Schmerzen führen kann.
- Schädigungen des Kleinhirns: Alkohol kann das Kleinhirn schädigen, was zu Koordinationsproblemen und Gleichgewichtsstörungen führen kann.
- Verschlechterung der Gehirnfunktion: Alkohol kann die kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigen, was zu Gedächtnisproblemen, Konzentrationsschwierigkeiten und verminderter Urteilsfähigkeit führen kann.
- Demenz: Langfristiger Alkoholkonsum kann das Risiko für Demenz erhöhen, insbesondere für das Korsakow-Syndrom, eine schwere Form der Alkoholdemenz.
- Psychische Erkrankungen: Alkohol kann psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen und Persönlichkeitsstörungen auslösen oder verstärken.
- Erhöhte Gewaltbereitschaft: Alkohol kann die Selbstkontrolle und Kritikfähigkeit beeinträchtigen, was zu aggressivem Verhalten und Straftaten führen kann.
- Soziale Ausgrenzung: Alkoholkonsum und seine Folgen können zu sozialer Ausgrenzung, Problemen am Arbeitsplatz und finanziellen Schwierigkeiten führen.
Alkoholabbau im Körper
Ein geringer Teil des Alkohols wird über die Atemluft, die Haut und die Nieren ausgeschieden. Der Großteil wird jedoch von der Leber abgebaut. Die Leber wandelt Alkohol durch Enzyme in Acetaldehyd und dann weiter in Essigsäure um, die der Körper ausscheiden kann. Der Abbau beginnt bereits in der Magenschleimhaut, bevor der Alkohol ins Blut gelangt. Der Alkoholgehalt im Blut sinkt bei Frauen durchschnittlich um 0,13 Promille und bei Männern um 0,15 Promille pro Stunde.
Risikoarmer Alkoholkonsum
Einen vollständig risikofreien Alkoholkonsum gibt es nicht. Auch geringe Trinkmengen können zu gesundheitlichen Problemen beitragen. Daher empfehlen sowohl die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) als auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), am besten gar keinen Alkohol zu konsumieren. Als risikoarm wird eine Trinkmenge bezeichnet, bei der das Risiko von schädlichen Folgen für die körperliche und psychische Gesundheit relativ gering ist. Die DGE legte 2024 den aktuellen Schwellenwert für einen risikoarmen Alkoholkonsum mit weniger als 27 Gramm reinen Alkohol pro Woche fest. Das entspricht etwas mehr als einem Liter Bier oder 0,3 Liter Wein. Dieser Wert kann aber nur zur groben Orientierung dienen. Die alkoholbezogenen Schwellenwerte gelten nur für gesunde Erwachsene.
Hinweise auf einen problematischen Alkoholkonsum
Es ist nicht immer einfach, zu erkennen, wann Alkoholkonsum problematisch wird. Einige Hinweise können jedoch auf einen problematischen Konsum hindeuten:
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- Häufiges Trinken von Alkohol
- Trinken großer Mengen Alkohol
- Verlust der Kontrolle über den Alkoholkonsum
- Alkoholbedingte Probleme in Beziehungen, am Arbeitsplatz oder finanziell
- Entzugserscheinungen bei Reduzierung oder Absetzen des Alkoholkonsums
Prävention und Behandlung von Alkoholproblemen
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Alkoholproblemen vorzubeugen und sie zu behandeln. Dazu gehören:
- Aufklärung über die Risiken des Alkoholkonsums: Es ist wichtig, sich über die schädlichen Auswirkungen von Alkohol auf die Gesundheit zu informieren.
- Verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol: Wer Alkohol konsumiert, sollte dies in Maßen tun und die empfohlenen Schwellenwerte für risikoarmen Alkoholkonsum einhalten.
- Alternativen zum Alkoholkonsum suchen: Es gibt viele Möglichkeiten, sich zu entspannen und Spaß zu haben, ohne Alkohol zu trinken.
- Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen: Wer Schwierigkeiten hat, den Alkoholkonsum selbstständig einzuschränken, kann professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Es gibt zahlreiche Selbsthilfegruppen und Therapieangebote für Menschen mit einem problematischen Alkoholkonsum.
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