Eine Hirnblutung ist ein ernstes medizinisches Ereignis, das das Leben der Betroffenen nachhaltig verändern kann. Viele Patienten und ihre Familien stehen vor der Frage, ob Flugreisen nach einer solchen Erkrankung sicher sind. Dieser Artikel beleuchtet die Risiken, die mit dem Fliegen nach einer Hirnblutung verbunden sind, und stellt alternative Transportmöglichkeiten vor, die mehr Sicherheit bieten.
Was ist eine Hirnblutung?
Eine Hirnblutung, oft auch als hämorrhagischer Schlaganfall bezeichnet, tritt auf, wenn ein Blutgefäß im Gehirn reißt oder angerissen wird und Blut austritt. Im Gegensatz dazu entsteht ein ischämischer Schlaganfall durch eine Verengung der Gefäße im Gehirn. Hirnblutungen werden in intrazerebrale Blutungen (innerhalb des Gehirns) und extrazerebrale Blutungen (in den Hirnhäuten) unterteilt. Die Gefährlichkeit einer Hirnblutung hängt von der Menge des austretenden Blutes ab, da der Schädel nur begrenzt Raum für Ausdehnung bietet und das austretende Blut Druck auf das Gehirn ausüben kann, was zu Sauerstoffmangel und dem Absterben von Nervenzellen führt.
Warum eine Flugreise nach einer Hirnblutung problematisch sein kann
Nach einer Hirnblutung sind die Gefäße im Gehirn oft geschwächt. Das bedeutet, dass die betroffene Person allgemein in einem schlechten Zustand ist. Es besteht die Gefahr, dass es in der Folgezeit zu einer weiteren Blutung an anderer Stelle des Gehirns kommt.
Wenn ein Flugzeug auf Reiseflughöhe aufsteigt, sinkt der Luftdruck in der Kabine. Dieser entspricht dann ungefähr dem Luftdruck auf der Zugspitze, mit knapp 3000 m. Für gesunde Menschen ist dies in der Regel kein Problem. Rund eine halbe Million Besucher kommen jedes Jahr auf die Zugspitze. Doch auf der Zugspitze sowie im Flugzeug erweitern sich durch den niedrigen Luftdruck die Gefäße. Das Gehirn und mit ihm die Adern und Venen dehnen sich aus. Die Gefahr einer weiteren Hirnblutung ist in diesem Fall groß. Grundsätzlich sollte vor Antritt einer Flugreise nach einer Hirnblutung mit dem behandelnden Arzt gesprochen werden.
Es ist wichtig zu beachten, dass Operationen an Augen und Nasennebenhöhlen oder Eingriffe an inneren Organen und Atemwegen für Fluggäste nicht ungefährlich sind. Denn der niedrige Druckausgleich und die geringe Sauerstoffkonzentration in der Kabine können zu heftigen Beschwerden und weiteren Komplikationen führen.
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Die sicherere Alternative: Ambulanzflugzeug
Wenn ein Flug nach einer Hirnblutung unumgänglich ist, beispielsweise weil sich der Patient im Ausland befindet, stellt ein Ambulanzflugzeug die sicherste Option dar. Im Ambulanzflugzeug kann eine Umgebung geschaffen werden, die die Ausdehnung des Gehirns und der Gefäße verhindert.
Ein Ambulanzflugzeug verfügt über einen verstärkten Rumpf, der es ermöglicht, einen höheren Luftdruck in der Kabine aufzubauen. Dies verhindert die Ausdehnung der Gefäße und senkt somit das Risiko einer erneuten Hirnblutung erheblich. Zusätzlich kann ein sogenannter Sea-Level-Flug durchgeführt werden, bei dem das Flugzeug etwas niedriger als bei regulären Linienflügen fliegt. Während des gesamten Fluges ist ein speziell geschultes medizinisches Team anwesend, das den Patienten überwacht und bei Bedarf sofort medizinisch versorgen kann.
Auch, wenn bereits in der Vergangenheit eine Hirnblutung oder andere Verletzung am Kopf operativ behandelt wurde, kann es riskant werden: Luft, die während der OP in der Schädelhöhle eingeschlossen wurde, kann sich beim Fliegen ausdehnen und zu Komplikationen führen. Nach einer kürzlich erfolgten OP wird deshalb eine 6-monatige Wartezeit empfohlen, bevor ein Flug angetreten wird.
Kosten eines Ambulanzfluges
Die Organisation eines Ambulanzfluges ist aufwendig und die Kosten können stark variieren. Faktoren, die die Kosten beeinflussen, sind:
- Aufenthaltsort des Patienten: Wo befindet sich der Patient?
- Zielort: Wohin soll der Patient verlegt werden?
- Erkrankung: Art und Schwere der Erkrankung.
- Datum: Wann soll der Flug stattfinden?
Um die Kosten kalkulieren zu können, sind diese Informationen erforderlich.
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Übernahme der Kosten durch Versicherungen
Ob die Kosten für einen Ambulanzflug von einer Versicherung übernommen werden, hängt von den individuellen Versicherungsbedingungen ab. Eine private Auslandskrankenversicherung, die eine Auslandsrückholung beinhaltet, übernimmt in der Regel die Kosten, insbesondere wenn eine vollständige Genesung des Patienten unwahrscheinlich ist und ein Ambulanztransport die einzige Möglichkeit darstellt, den Patienten ohne höheres Risiko nach Hause zu bringen.
Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten einer Auslandsrückholung grundsätzlich nicht. Daher ist es ratsam, auch bei kurzen Reisen ins Ausland eine private Auslandskrankenversicherung abzuschließen.
Zusätzliche Risikofaktoren und Vorsichtsmaßnahmen beim Fliegen
Neben den spezifischen Risiken nach einer Hirnblutung gibt es auch allgemeine gesundheitliche Aspekte, die bei Flugreisen beachtet werden sollten:
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Die Höhe über den Wolken stellt für Herzerkrankte eine besondere Anstrengung dar.
- Thrombose und Lungenembolie: Nach einer Thrombose oder Lungenembolie kann Fliegen riskant sein, da der reduzierte Kabinendruck und langes Sitzen die Gerinnungsneigung erhöhen und die Durchblutung weiter beeinträchtigen können.
- Infektionen: Bei akuten hochinfektiösen Erkrankungen (z.B. Windpocken oder Röteln) ist ein Flug tabu, um andere Passagiere nicht zu gefährden. Bei akuter Nasennebenhöhlen- oder Mittelohrentzündung sollte man eine Flugreise ebenfalls verschieben.
- Schwangerschaft: Bei normalem Schwangerschaftsverlauf ist die Flugtauglichkeit von dem individuellen Wohlbefinden abhängig. Solange sich die Schwangere wohlfühlt, spricht nichts gegen eine Flugreise, denn der verminderte Sauerstoffdruck stellt kein Risiko dar. Schwangere ab der 37. Schwangerschaftswoche und Mütter bis zu 7 Tage nach der Geburt werden von den Fluggesellschaften nicht mitgenommen. Es sollten aber die Strahlengrenzwerte beachtet werden.
- Tauchen: Nach dem Tauchen sollte man genügend Ruhezeit bis zum Rückflug einplanen, um die Entstehung der Taucher-Dekompressionskrankheit zu vermeiden.
Allgemeine Tipps für Flugreisen
- Viel trinken: Die Luft in einer Flugzeugkabine ist sehr trocken, daher sollte man während einer Flugreise viel trinken, am besten Wasser und Fruchtsäfte.
- Alkohol vermeiden: Alkohol hat eine gefäßerweiternde Wirkung und sollte vermieden werden.
- Druckausgleich: Die bei Start und Landung auftretenden Druckunterschiede kann man am besten durch Gähnen, Schlucken oder Kaugummikauen ausgleichen. Bei Bedarf kann ein abschwellendes Nasenspray helfen.
- Bewegung: Langes Sitzen ist eine Belastung für die Beine und erhöht das Thromboserisiko. Regelmäßige Bewegung, wie Aufstehen und Umhergehen im Gang, sowie Beingymnastik sind empfehlenswert.
- Medikamente: Diabetiker sollten ihr Insulin im Handgepäck mitnehmen und sich vorher bei der Fluggesellschaft über die Regelungen informieren. Auch bei Schmerzmitteln, die als Betäubungsmittel gelten, sind besondere Bestimmungen zu beachten. Auf jeden Fall sollte man eine Bescheinigung von der Ärztin oder dem Arzt dabei haben.
Leben nach dem Schlaganfall: Rehabilitation und Anpassung
Ein Schlaganfall kann das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen stark verändern. Eine umfassende Rehabilitation ist entscheidend, um verlorene Fähigkeiten wiederzuerlangen und den Alltag bestmöglich zu gestalten.
Rehabilitation und Therapie
Die Rehabilitation umfasst verschiedene Therapieformen, wie Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und neuropsychologische Therapie. Ziel ist es, die körperlichen, geistigen und sprachlichen Fähigkeiten des Patienten zu verbessern und ihm die größtmögliche Selbstständigkeit im Alltag zu ermöglichen.
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Anpassung des Wohnraums
Oft ist es notwendig, den Wohnraum behindertengerecht umzugestalten, um den Alltag zu erleichtern. Dazu gehören beispielsweise der Einbau von Rampen, Haltegriffen und behindertengerechten Badezimmern.
Unterstützung für Betroffene und Angehörige
Es gibt zahlreiche Organisationen, die Schlaganfall-Patienten und ihre Angehörigen unterstützen. Dazu gehören Krankenkassen, Pflegedienste, Sozialämter, Selbsthilfegruppen und Gesundheits- und Behinderten-Organisationen. Diese bieten Beratung, finanzielle Unterstützung und praktische Hilfe im Alltag.
Autofahren nach dem Schlaganfall
Die Fahrtüchtigkeit nach einem Schlaganfall ist oft beeinträchtigt. Betroffene sollten sich von ihrem Arzt beraten lassen und gegebenenfalls ein Gutachten erstellen lassen, um ihre Fahrtauglichkeit überprüfen zu lassen.
Berufliche Wiedereingliederung
Für berufstätige Schlaganfall-Patienten stellt sich die Frage nach der beruflichen Zukunft. Die Agentur für Arbeit und die Träger der Rentenversicherung unterstützen die berufliche Wiedereingliederung durch Einarbeitungs-Zuschüsse und Umschulung.
Reisen nach dem Schlaganfall
Nach der Erholung von einem Schlaganfall sind Reisen grundsätzlich wieder möglich. Es ist jedoch wichtig, die Reise gut vorzubereiten und die eigenen Leistungsgrenzen nicht zu überschätzen. Eine genaue Absprache mit dem Arzt ist unerlässlich.
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