Migräne: Ursachen, Symptome und moderne Behandlungsmethoden

Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es handelt sich um eine komplexe neurologische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und die vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten von Migräne, um Betroffenen ein besseres Verständnis und effektive Strategien zur Bewältigung zu ermöglichen.

Was ist Migräne? Eine Definition

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende, heftige Kopfschmerzattacken äußert. Diese Attacken gehen oft mit weiteren Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit einher. Experten schätzen, dass es etwa 300 verschiedene Kopfschmerzarten gibt, wobei Migräne eine davon ist. Im Laufe eines Jahres sind etwa zehn bis 15 von 100 Menschen von Migräne betroffen.

Migräne verstehen

Migräne ist unberechenbar und individuell. Sie ist mehr als „nur“ Kopfschmerzen. Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die mit intensiven, meist einseitigen Kopfschmerzen einhergeht. Migräne bedeutet oft auch Übelkeit, Erbrechen und extreme Empfindlichkeit gegenüber Licht, Lärm und Gerüchen. Migräne ist bei jedem anders und unberechenbar. Migräne kann den Alltag massiv beeinträchtigen. Vielleicht erlebst du nur gelegentlich Attacken, vielleicht setzt sie dich jeden Monat für Tage außer Gefecht. Damit die Symptome als Migräne klassifiziert werden, müssen sie mindestens fünfmal aufgetreten sein.

Ursachen und Auslöser von Migräne

Die genauen Ursachen von Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass genetische Faktoren, neuronale Botenstoffe und Entzündungsprozesse eine Rolle spielen. Während einer Migränephase arbeitet das Schmerzsystem nicht wie gewohnt: die Nervenzellen im Hirnstamm reagieren viel empfindlicher auf Reize.

Die Rolle der Botenstoffe

Die Botenstoffe des Gehirns, wie Serotonin, spielen bei der Entstehung von Migräne eine wichtige Rolle. Serotoninspiegel können zum Beispiel durch den Zyklus beeinflusst werden - was erklärt, warum Frauen während bestimmter Zyklusphasen häufiger Migräne bekommen. Auch Genussmittel wie Rotwein können diese Botenstoffe beeinflussen.

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Häufige Triggerfaktoren

Bestimmte Faktoren können Migräneattacken auslösen. Zu den häufigsten Triggern gehören:

  • Stress: Besonders unregelmäßiger Tagesablauf, emotionaler Stress oder auch nach einer anstrengenden, stressigen Zeit können Migräneanfälle auslösen.
  • Hormonelle Schwankungen: Viele Frauen berichten von Migräneanfällen kurz vor und während der Menstruation.
  • Ernährung: Bestimmte Lebensmittel wie Rotwein können als Auslöser wirken. Aber auch der Verzicht auf Lebensmittel kann Anfälle triggern. So kann beispielsweise Fasten Migräne fördern.
  • Schlafmangel: Zu wenig Schlaf oder ein unregelmäßiger Schlafrhythmus erhöhen das Risiko.
  • Flüssigkeitsmangel: Häufig beginnen Migräneanfälle, wenn zu wenig getrunken wurde.
  • Wetter und Reizüberflutung: Migräne kann außerdem durch Überflutung mit Licht- und Lärmreizen ausgelöst werden.
  • Veränderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus: (z. B. am Wochenende)
  • Psychische Belastung:
  • Saunabesuch
  • Einnahme von Hormonpräparaten (z. B. die Pille)

Es ist wichtig, die eigenen Trigger zu identifizieren, um ihnen entgegenwirken zu können. Ein Kopfschmerztagebuch kann dabei helfen.

Symptome und Verlauf einer Migräneattacke

Eine Migräneattacke kann in verschiedenen Phasen verlaufen, die unterschiedlich lange dauern und nicht zwingend alle auftreten müssen.

Prodromalphase

In vielen Fällen kündigen Gereiztheit, Müdigkeit, Heißhunger und Lichtempfindlichkeit eine Migräne an. Diese Vorbotenphase kann mehrere Stunden bis zwei Tage vor dem Kopfschmerz auftreten.

Aura

Anschließend kann eine Migräne-Aura auftreten. Diese kann verschiedene Anzeichen haben:

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  • Sehstörungen: Bei einer visuellen Aura kommt es zum Beispiel zu einem Flimmersehen oder zum Sehen von Zickzack-Linien, zu Gesichtsfeldausfällen (Skotome) oder die Betroffenen sehen Objekte verzerrt, unscharf, vergrößert oder verkleinert (Metamorphopsie).
  • Empfindungsstörungen: Ein häufiges Aura-Symptom ist ein Kribbeln, das sich langsam von der Hand über den Arm bis zum Kopf ausbreitet.
  • Weitere Einschränkungen: Zum Beispiel kann das Sprachvermögen gestört sein (Aphasie). Sehr selten kommt es zu Orientierungsstörungen und Lähmungserscheinungen (Paresen). Die Migräne-Aura geht manchmal auch mit Gleichgewichtsstörungen einher.

Kopfschmerzphase

Die heftigste Phase geht mit starken, einseitigen Kopfschmerzen einher, die bis zu drei Tage anhalten können. Die Schmerzen werden als pulsierend oder stechend beschrieben und treten meist im Bereich von Stirn, Schläfen und den Augen auf. Kinder und Jugendliche haben typischerweise kürzere Migräneanfälle. Sie nehmen die Kopfschmerzen meist beiderseitig im Bereich von Stirn und Schläfen wahr.

Weitere Symptome

Neben den typischen Kopfschmerzen können auch folgende Symptome auftreten:

  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen und Gerüchen
  • Schwindel
  • Benommenheit

Diagnose von Migräne

Um eine Migräne zu diagnostizieren, erkundigt sich die Ärztin oder der Arzt zunächst nach den Beschwerden ihrer Patienten. Unter anderem wird nach der Häufigkeit und Dauer der Anfälle, Art und Stärke der Kopfschmerzen und nach Begleitsymptomen gefragt. Auch ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, diese Fragen zu beantworten. Meist kann bereits auf diese Weise Migräne diagnostiziert werden. Es ist wichtig, die Erkrankung von anderen Kopfschmerzen oder weiteren Krankheiten abzugrenzen. Ist das allein anhand der Beschwerden nicht möglich, können eine bildgebende Untersuchung oder weitere Tests nötig werden.

Behandlung von Migräne

Die Behandlung von Migräne zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Häufigkeit von Attacken zu reduzieren. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die individuell auf die Bedürfnisse der Patienten abgestimmt werden.

Akutbehandlung

Zur Linderung akuter Migräne-Anfälle werden Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure sowie koffeinhaltige Kombinationspräparate eingesetzt. Migränespezifische Medikamente wie Triptane oder Ditane sind wirksam gegen starke Symptome und sollten frühzeitig eingenommen werden. Gegen Übelkeit helfen zum Beispiel Metoclopramid und Domperidon. Die neue Wirkstoffgruppe der Gepante kann eingesetzt werden, wenn Schmerzmittel oder Triptane nicht wirksam sind oder nicht vertragen werden. Außerdem ist die Remote Electrical Neuromodulation eine Ergänzung oder Alternative zur Standardtherapie - etwa dann, wenn etwas gegen Medikamente spricht.

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Vorbeugung

Bei häufiger Migräne sind möglicherweise vorbeugende Maßnahmen sinnvoll - etwa regelmäßiger Sport oder Entspannungsübungen. Die Daten zur Wirksamkeit von Akupunktur sind widersprüchlich. Bei häufigen oder schweren Migräne-Attacken können Medikamente helfen vorzubeugen (Prophylaxe). Dafür kommen beispielsweise bestimmte Betablocker oder Krampflöser wir Topiramat oder das Antidepressivum Amitriptylin infrage. Welche Mittel wann helfen. Seit einigen Jahren ist in Deutschland eine besondere Antikörpertherapie zur Vorbeugung von Attacken bei chronischer Migräne zugelassen. Die ist gut wirksam, kommt aber nicht für jeden infrage. Ähnlich verhält es sich mit der neuen Wirkstoffgruppe der Gepante. Die sogenannte Remote Electrical Neuromodulation (REN) ist eine weitere Möglichkeit, einer Migräne vorzubeugen oder sie zu behandeln. Dabei werden Nervenfasern außerhalb der Migräneschmerzregion stimuliert. In der Folge schüttet das Gehirn Botenstoffe aus - und der eigentliche Migränekopfschmerz wird unterdrückt. Auch Migräne-Apps können dabei helfen, Trigger zu meiden und Migräne-Attacken vorzubeugen.

Medikamentöse Prophylaxe

  • Betablocker:
  • Antidepressiva:
  • Antiepileptika:
  • CGRP-Antikörper: Diese werden alle vier Wochen unter die Haut gespritzt und richten sich gegen Calcitonin Gene-Related-Peptide, ein Molekül, das an der Entstehung von Migräneattacken beteiligt ist.
  • Gepante: Eine neue Wirkstoffgruppe, die verhindern soll, dass sich überhaupt CGRP-Proteine bilden. Sie sollen nicht nur vorbeugend wirken, sondern auch bei akuten Migräneattacken.

Nicht-medikamentöse Behandlung

  • Regelmäßiger Ausdauersport: Laufen, Schwimmen oder Radfahren können den Stresspegel verringern und helfen, Migräneattacken vorzubeugen.
  • Entspannungsverfahren: Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training können ebenfalls helfen, Stress abzubauen.
  • Regelmäßigkeit: Das gilt für Schlafens- und Aufwachzeiten aber auch für Mahlzeiten.
  • Psychotherapeutische Verfahren: Verhaltenstherapie, Achtsamkeitstraining, Entspannungsübungen und Yoga können zu einem Rückgang von Migräneattacken beitragen.
  • Akupunktur:
  • Biofeedback-Therapie:

Leben mit Migräne

Migräne ist eine chronische Erkrankung, mit der Betroffene lernen müssen zu leben. Dazu gehört, die eigenen Trigger zu kennen und zu meiden, einen regelmäßigen Lebensstil zu pflegen und sich bei Bedarf professionelle Hilfe zu suchen.

Tipps für den Alltag

  • Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch, um Ihre Trigger zu identifizieren.
  • Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus.
  • Vermeiden Sie Stress und sorgen Sie für Entspannung.
  • Trinken Sie ausreichend Wasser.
  • Essen Sie regelmäßig und ausgewogen.
  • Meiden Sie bekannte Trigger wie bestimmte Lebensmittel oder Alkohol.
  • Treiben Sie regelmäßig Sport.
  • Nutzen Sie Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training.
  • Suchen Sie bei Bedarf professionelle Hilfe bei einem Arzt oder Therapeuten.

Migräne bei Kindern

Bereits Kinder können an Migräne leiden, typisch ist aber ein erstes Auftreten nach der Pubertät. Jungen und Mädchen sind in etwa gleich häufig betroffen. Bei der kindlichen Migräne können neben Kopfschmerzen auch andere Symptome auftreten (z.B. Bauchschmerzen). Schmerzmittel müssen in der Dosierung entsprechend angepasst werden. Auch aufgrund der möglichen Nebenwirkungen sollte eine Behandlung mit Medikamenten bei ihnen immer genau mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt abgestimmt sein.

Migräne in der Schwangerschaft

Auch in der Schwangerschaft lässt sich Migräne behandeln. In jedem Fall sollte eine Therapie dann mit einer Ärztin oder einem Arzt abgesprochen werden, um Schäden am Ungeborenen durch Medikamente zu vermeiden. Glücklicherweise verlieren viele betroffene Frauen während der Schwangerschaft vorübergehend ihre Migräne.

Migräne und Stigma

Viele Betroffene spüren bis heute das Stigma, Migräne sei keine echte Erkrankung, sondern nur eine gelegentlich sogar willkommene Ausrede, die es erlaubt, unangenehme Aufgaben zu vermeiden. Es ist wichtig zu betonen, dass Migräne eine neurologische Erkrankung ist, die ernst genommen werden muss.

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