In unserer schnelllebigen und anspruchsvollen Welt ist es keine Seltenheit, dass Menschen schnell die Nerven verlieren. Ob im beruflichen Alltag, in zwischenmenschlichen Beziehungen oder angesichts der ständigen Reizüberflutung - Stress und Überforderung können sich negativ auf unsere psychische Gesundheit auswirken. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen und Symptome von Nervosität und Reizbarkeit und bietet praktische Strategien, um die Nerven zu stärken und mehr Gelassenheit im Leben zu finden.
Die schleichende Gefahr: Stiller Burnout und seine Folgen
Während ein Burnout oft mit deutlichen Symptomen und schneller Entwicklung einhergeht, ist der "stille Burnout" eine tückische, schleichende Variante. Betroffene nehmen Warnsignale wie intensive Ungeduld und Gereiztheit nicht ernst und suchen keine alternativen Möglichkeiten, um den Druck des Alltags abzubauen. So gleiten sie langsam aber sicher in einen schweren Burnout, der dann scheinbar plötzlich und unerwartet mit einem vollständigen "Nervenzusammenbruch" zutage tritt.
Ein Nervenzusammenbruch ist ein Begriff aus der Alltagssprache und wird in der Fachsprache als akute Belastungsreaktion bezeichnet. Gemeint ist damit eine vorübergehende, aber extreme Reaktion auf ein ebenso extremes Ereignis. Diese Reaktion tritt meist wenige Minuten nach dem Auslöser ein. Andere Bezeichnungen für diese Reaktion sind zum Beispiel auch psychischer oder seelischer Schock.
Bleibt der Burnout auch nach dem Nervenzusammenbruch unbehandelt, drohen starke körperliche Symptome, langfristige Arbeitsunfähigkeit und Depression. Eine Psychotherapie - ob in Form einer Verhaltenstherapie - und begleitende Verfahren können Sie aber auch aus den späten Phasen des Burnout herausholen.
Ursachenforschung: Warum liegen die Nerven blank?
Die Ursachen für kreisende Gedanken und nervöse Zustände sind vielfältig: Reizüberflutung, ständige Erreichbarkeit, Versagensängste und hohe Ansprüche an sich selbst spielen eine Rolle. Oftmals fühlen sich Menschen gestresst, ohne genau zu wissen, warum.
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Häufig berichten Betroffene von einer schwierigen Kindheit, in der sie keine Strategien zum Umgang mit Problemen und Konflikten erlernt haben. Sie sind quasi stets in einer Hab-Acht-Stellung, in der Erwartung, dass etwas Schlimmes passieren könnte, dem sie nicht gewachsen sein könnten. Ihnen fehlt das Vertrauen in sich und in andere Menschen.
Auch traumatische Erlebnisse wie schwere Erkrankungen, Missbrauch, emotionale Erpressung, Naturkatastrophen oder Schicksalsschläge können dazu führen, dass die Nerven blank liegen. Betroffene sehen sich im Vergleich zu anderen als weniger stabil und unfähig, angemessen mit auftretenden Problemen umzugehen.
Symptome erkennen: Warnzeichen des Körpers ernst nehmen
Wie sich eine Belastungsreaktion äußert, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Typische Anzeichen sind:
- Sprachlosigkeit
- Veränderte Wahrnehmung
- Einengung des Bewusstseins
- Nacherleben der Situation in Form von Alpträumen und Flashbacks
- Lücken in der Erinnerung
- Überreizung
- Stimmungsschwankungen
- Körperliche Reaktionen wie Schweißausbrüche, Herzrasen, Blässe und Übelkeit
Dauerhafter seelischer Stress kann sich auf vielfältige Weise äußern: körperlich, emotional und mental. Zu den häufigsten körperlichen Anzeichen zählen Zittern, starkes Weinen oder regelrechte Weinkrämpfe, begleitet von Schwitzen, Übelkeit, Herzklopfen und Kopfschmerzen. Betroffene fühlen sich oft nervös, innerlich unruhig, niedergeschlagen oder kraftlos. Auch Schlafprobleme, Schwindel, Muskelverspannungen, Atembeschwerden oder ein Kloßgefühl im Hals sind typische Begleiterscheinungen. Nicht zuletzt leidet auch die geistige Leistungsfähigkeit: Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sind häufige Folgen von anhaltendem psychischem Druck.
Strategien für starke Nerven: Was hilft wirklich?
Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihre mentalen Akkus sich immer mehr entleeren, ohne wieder aufgefüllt werden zu können, sollten Sie sich schnellstmöglich um etwas Selbstfürsorge kümmern. Hier sind einige bewährte Strategien, um die Nerven zu stärken und mehr Gelassenheit im Leben zu finden:
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1. Bewegung bringt Segen
Bewegung, vor allem an der frischen Luft, ist ein wirksames Mittel gegen nervöse Unruhezustände. Studien zeigen, dass beim Sport ein Hormon (ANP) gebildet wird, das Panik lindert. Ein flotter Spaziergang in der Mittagspause oder eine lockere Runde Laufen nach Feierabend helfen dabei, Ängste zu "verstoffwechseln". Zudem verschafft die körperliche Aktivität den Gedanken eine Verschnaufpause. Wichtig dabei ist, dass die Bewegung Freude bereitet und ohne Zwang erfolgt. Sportarten wie Yoga oder Pilates haben eine besonders entspannende Wirkung.
2. Die richtige Ernährung für Körper und Geist
Was Menschen essen, bestimmt, wie sie sich fühlen. Der Blutzuckerwert hat beispielsweise Einfluss auf Gefühle wie Anspannung und Ärger. Eine vollwertige und vielseitige Ernährung ist wichtig für einen ruhigen Geist. Einige Nahrungsmittel enthalten stimmungsaufhellende Inhaltsstoffe:
- Bananen: Liefern einen hohen Anteil des B-Vitamins Pyridoxin (B6), Kalium und Tryptophan. Aus Tryptophan wird der Botenstoff Serotonin gebildet, der eine Vielzahl emotionaler Prozesse beeinflusst.
- Omega-3-reiche Lebensmittel (z.B. Fisch): Haben Einfluss auf eine gesunde Nervenfunktion.
- Nüsse: Sind durch ihren hohen Gehalt an B-Vitaminen und Magnesium ein optimaler Snack für zwischendurch.
- Paprika: Enthält doppelt so viel Vitamin C wie Zitronen und eignet sich daher wunderbar zur Auffüllung des Vitamin-C-Speichers nach einer stressigen Situation.
- Spinat: Weist neben einem hohen Magnesiumgehalt außerdem Vitamin B6 und Kalium auf, die alle zu einer normalen Funktion des Nervensystems beitragen.
- Kakao: Ungesüßtes Kakaopulver beinhaltet die Aminosäure Tryptophan, die unser Körper in das Glückshormon Serotonin umwandelt und so das Stressniveau senkt.
- Avocados: Sind reich an B-Vitaminen, Magnesium und Kalium.
- Hülsenfrüchte: Sind ergiebige Vitamin B1- und Magnesium-Lieferanten.
- Haferflocken: Enthalten Vitamin B1 und komplexe Kohlenhydrate, die von unserem Körper langsamer und gleichmäßiger verwertet werden.
- Eier: Sind ein guter Lieferant für Vitamin B12 sowie Vitamin D.
Vermeiden Sie stark zuckerhaltige Lebensmittel, da diese zu einem schnellen Anstieg und Abfall des Blutzuckerspiegels führen können, was sich negativ auf die Stimmung auswirkt.
3. Ausreichend Ruhepausen und Schlaf
Ein ausgeglichener Geist und ein leistungsfähiger Körper brauchen ausreichend Ruhepausen. Möglichst 7,5 Stunden pro Nacht empfiehlt die moderne Schlafforschung. Durch Schlafmangel erhöht sich die Reizbarkeit, die Belastungsfähigkeit und die Stressresistenz werden gemindert. Auch tagsüber sind ausreichend Ruhepausen notwendig. Die psychologische Forschung zeigt, dass sich viele kurze Entspannungsphasen beispielsweise günstiger auf die Erholung von körperlicher Arbeit auswirken als wenige lange Pausen. Menschen, die viel arbeiten, sollten jede Stunde für einige Minuten innehalten.
4. Ursachenforschung und Gegenstrategien entwickeln
Führen Sie ein Tagebuch, um den Auslösern für Ihre Sorgen auf den Grund zu gehen. Kennen Sie die Gründe für Ihre Sorgen, können Sie gezielt Gegenstrategien entwickeln. Kommt der Geist z.B. aufgrund einer Überzahl an Reizen nicht zur Ruhe, können Sie entscheiden, welchen und wie vielen Sie sich täglich aussetzen möchten.
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5. Atemübungen und Achtsamkeit
Wer sich der Verbindung von Körper und Geist bewusst ist, fühlt sich weniger ausgeliefert und lernt zielgerichteter mit Grübelei und Sorgen umzugehen. Eine einfache Atemübung kann helfen, zur Ruhe zu kommen:
- Schließen Sie die Augen.
- Atmen Sie durch die Nase ein. Konzentrieren Sie sich darauf, wie der Atem durch Ihre Nase in die Lungen strömt.
- Halten Sie kurz inne.
- Atmen Sie danach durch den Mund aus. Konzentrieren Sie sich auf den natürlichen Rhythmus des Atems, ohne ihn verändern zu wollen.
- Bleiben Sie mit den Gedanken beim Atem: Denken Sie an die Worte "Einatmen/Ausatmen".
Üben Sie regelmäßig, am besten täglich. Beginnen Sie mit einer Minute und steigern Sie sich langsam.
6. Gedankenstopp
Wenn Sie sich beim sorgenvollen Grübeln ertappen, beobachten Sie, welcher Gedanke Sie konkret belastet. Stellen Sie sich dann ein rotes Stoppschild vor und sagen Sie sich laut oder in Gedanken "Stopp". Wenden Sie sich dann sofort etwas anderem (z.B. dem Atem, einem beruhigenden Gedanken) zu.
7. Gefühle bewusst wahrnehmen
Leidvolle Gefühle wie Angst oder Unsicherheit rauben Energie und trüben die Lebensfreude. Wie im Umgang mit den Gedanken lohnt es sich, Gefühle bewusst wahrzunehmen und nicht wegzuschieben. Konzentrieren Sie sich auf ein momentan vorherrschendes Gefühl (z.B. Angst). Fühlen Sie, wie es sich im Körper anfühlt, wo es zu spüren ist. Nehmen Sie das Gefühl wahr, ohne es zu beurteilen. Richten Sie Ihren Fokus aber auf die Beobachtung (da ist Angst), um sich nicht im Gefühl zu verlieren.
8. Eigene Ressourcen aktivieren
Quälende Ängste und Sorgen zehren auf Dauer an den Kräften. Um dennoch leistungsfähig zu bleiben, sollten die Batterien regelmäßig aufgeladen werden. Dafür sollte man die eigenen Kraftquellen kennen. Fragen Sie sich: Was gibt mir Energie? Was macht mir Freude? Bei der Beantwortung dieser Fragen gibt es kein "Falsch" oder "Richtig". Entscheidend ist, dass sie positive Gefühle auslösen und dadurch die Lebensqualität verbessern.
9. Soziale Kontakte pflegen
Wer ein sicheres soziales Netz hat, das ihn auch in schwierigen Lebensphasen auffängt, der kann mit diesen besser umgehen. Dazu gehören die Familie, aber natürlich auch Freunde und Bekannte. Unabhängig davon, ob Sie über Ihre Probleme sprechen, von engen Vertrauenspersonen Hilfe erhalten oder einfach auf die Sicherheit eines Gemeinschaftsgefühls bauen können - Hauptsache, Sie sind nicht allein. Umgeben Sie sich mit Menschen, die Ihnen guttun und Kraft geben.
10. Grenzen setzen und "Nein" sagen lernen
Lernen Sie, "Nein" zu sagen: Nicht jede zusätzliche Aufgabe muss übernommen werden. Vor allem dann nicht, wenn sie unnötigen Druck erzeugt. Bürden Sie sich selbst nicht zu viel auf und sagen Sie es auch anderen, wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihnen eine Aufgabe über den Kopf wächst.
Wann professionelle Hilfe ratsam ist
Wenn Sie sich dauerhaft unruhig und gereizt fühlen, sollten Sie mit einem Arzt sprechen. Denn hinter diesen Symptomen verbergen sich manchmal auch behandlungsbedürftige, körperliche Ursachen (z.B. Schilddrüsenüberfunktion, starker Bluthochdruck, Unterzuckerung bei Typ-1-Diabetes). Aber auch bestimmte psychische Erkrankungen wie z.B. Angststörungen oder Depressionen gehen mit Nervosität und innerer Unruhe einher.
Auch ein Coaching (z.B. im Stressmanagement) kann den Umgang mit den Herausforderungen des Lebens verbessern. Daneben kann es sinnvoll sein, das aus der Balance geratene Nervensystem mit einem homöopathischen Komplexmittel wie dystoLoges zu unterstützen.
Wenn die Freudlosigkeit den Alltag so sehr belastet, dass selbst kleine Aufgaben zur Herausforderung werden, kann es sinnvoll sein, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Eine psychologische Beratung oder Therapie bietet nicht nur einen geschützten Raum, um über belastende Gefühle zu sprechen, sondern auch konkrete Wege aus einer emotionalen Krise.