Ich nerve: Bedeutung, Ursprung und Auswirkungen des Begriffs

Der Begriff "nerven" ist im Deutschen weit verbreitet und wird in unterschiedlichen Kontexten verwendet. Er kann sich sowohl auf körperliche Empfindungen als auch auf psychische Zustände beziehen. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Bedeutungen von "nerven", seine historischen Wurzeln und seine Auswirkungen auf unser tägliches Leben.

Ursprung und Bedeutungswandel

Ursprünglich leitet sich das Wort "Nerv" von der lateinischen Bezeichnung "nervus" ab, die sowohl Sehne als auch Nerv bedeutete. In älteren Vorstellungen wurde der Nerv als Träger von Empfindung, Bewegung, Geist und Seele betrachtet.

Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Bedeutung des Wortes weiter. In Bezug auf die körperliche Bewegung und Empfindung beschreibt "Nerv" die zarten Fäden, die aus dem Gehirn, dem verlängerten Mark und dem Rückenmark entspringen und sich im Körper verteilen. Diese Nerven sind hauptsächlich für Empfindung und Bewegung zuständig.

Die Nerven als Sinnesorgane

Die Nerven spielen eine entscheidende Rolle bei der Wahrnehmung unserer Umwelt. Sie leiten Empfindungen wie Schmerz, Berührung, Temperatur und Geschmack an das Gehirn weiter. Haller beschrieb beispielsweise, wie Wohlgerüche die Nerven ermüden können. Lessing schrieb davon, wie eine "Nerve des Gefühls" getötet werden kann. Herder hingegen betonte, dass kein Nerv isoliert existiert, sondern mit anderen Nerven in Verbindung steht.

Schiller betrachtete die Nerven als Kanäle, die ein feines Fluidum führen, das Äther und elektrische Materie übertrifft. J. Paul beschrieb das Gehirn als den "größten und gröbsten Nerven". Gellert sprach von Vergnügungen, die in jeder Nerve gefühlt werden, und E. v. Kleist von den Eindrücken und Empfindungen der Nerven, die sich zu dem unbekannten Göttlichen vereinen, das wir Gedanke nennen.

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"Nerven" im übertragenen Sinne

Im übertragenen Sinne bedeutet "nerven" so viel wie lästig sein, ärgern oder auf die Nerven gehen. Es beschreibt eine Situation, in der jemand oder etwas eine Person stört oder emotional belastet.

Knigge schrieb, dass das Hohngelächter der Feinde und Neider jede Nerve erschüttert. Schiller beschrieb die "zärtliche Nerve" der Frauen und warnte davor, die Nerven des Geistes durch Gewohnheit einer wollüstigen Leidsamkeit einzuschläfern.

"Nerven" im modernen Sprachgebrauch

Heute wird "nerven" häufig in der Umgangssprache verwendet, um auszudrücken, dass etwas oder jemand als störend oder unangenehm empfunden wird. Es kann sich auf Personen, Situationen oder sogar Gegenstände beziehen.

"Jemanden nerven" bedeutet, dass man jemanden belästigt, ärgert oder ihm auf die Nerven geht. Es kann sich um Kleinigkeiten handeln, die sich im Laufe der Zeit zu einer größeren Belastung entwickeln.

Die Wissenschaft des "Genervtseins"

Psychologen betrachten "Genervtsein" als eine milde Form von Ärger. Michael Cunningham, ein Psychologe, hat den Begriff der "sozialen Allergene" geprägt, um Verhaltensweisen anderer Menschen zu beschreiben, die einen anfangs nur leicht stören, mit der Zeit aber ganz gewaltig.

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Cunningham fand in einer Studie heraus, dass Freunde, Lebensgefährten, Kollegen, Vorgesetzte, Lehrer und Familienmitglieder am ehesten soziale Allergien auslösen können. Jeder Mensch reagiert also mal sozial allergisch.

Beispiele aus dem Alltag

Ein typisches Beispiel für "nerven" im Alltag ist die Geschichte einer Frau, die von ihrem Bruder und dessen Verhalten mit der Klopapierrolle genervt ist. Obwohl es sich um eine Kleinigkeit handelt, löst es bei ihr eine heftige Reaktion aus.

Auch in den Medien findet sich der Begriff "nerven" häufig. So wurde beispielsweise berichtet, dass die Warterei beim Tennisspielen die besten Tennisspieler sichtlich nervt.

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