Der Ideenfindungsprozess im Gehirn: Brainstorming und mehr

Brainstorming ist eine altbekannte und beliebte Methode zur Ideenfindung und zur Erstellung eines groben Ablaufplans. Der Fokus liegt dabei meist auf der Spontaneität der Teilnehmer. Durch spontane Ideen, die ohne ablehnende Kritik geäußert werden, sollen die Beteiligten ermutigt werden, Problemstellungen leichter und schneller zu bearbeiten. Doch wie genau funktioniert dieser Prozess im Gehirn, und welche anderen Methoden können uns dabei helfen, kreative Lösungen zu finden?

Was ist Brainstorming?

Alex Osborn, der Erfinder des Brainstorming, definierte die Methode als "Das Gehirn zum Sturm auf ein Problem verwenden". Ob alleine oder im Team, Brainstorming ist eine Kreativitätstechnik, um Ideen, Gedanken und Anregungen zu sammeln, die Probleme und Herausforderungen lösen sollen. Osborn, der neben dem klassischen Brainstorming auch die Methode des Creative Problem Solving entwickelte, stellte bei firmeninternen Kreativtreffen fest, dass seine Mitarbeiter nicht auf Knopfdruck kreativ sein konnten. Daraufhin erstellte er die vier Grundregeln für das Brainstorming.

Brainstorming kann vielseitig eingesetzt werden, insbesondere bei ungewöhnlichen Problemen, mit denen man noch nicht viel Erfahrung hat oder zu denen einem spontan nicht viel einfällt. Dies kann ein Thema für eine Party, einen Aufsatz oder einen Kongress sein, aber auch konkrete Fragen wie "Wie kann ich meinen Umsatz steigern?" oder "Wie kann ich Kinder dazu animieren, sich mehr mit Naturwissenschaften zu beschäftigen?".

Voraussetzungen für ein erfolgreiches Brainstorming

Um ein Brainstorming mit dem Team effektiv und produktiv zu gestalten, sollten einige Punkte beachtet werden:

  • Vorbereitung: Übereilt einberufene Meetings sind keine gute Grundlage. Geben Sie dem Team eine Vorlaufzeit, in der sich jeder in Ruhe vorbereiten kann. Es ist wünschenswert, dass alle Teilnehmer bereits vorab Ideen entwickeln, notieren und mitbringen.
  • Angenehme Atmosphäre: Bereiten Sie einen Besprechungsraum oder ein ruhiges Zimmer vor. Wichtig ist eine gute Ausstattung wie eine Tafel, ein Beamer oder ein Flipchart, sowie Blöcke und Stifte. Bei längeren Sitzungen sind Getränke und kleine Erfrischungen willkommen. Die maximale Dauer für ein Brainstorming wird jedoch auf eine Stunde empfohlen.
  • Moderation: Um Ordnung zu gewährleisten und hitzige Diskussionen zu vermeiden, ist ein Moderator erforderlich, der die Runde leitet. Die optimale Gruppengröße variiert zwischen 4 und 10 Personen. Grundsätzlich ist Brainstorming auch mit nur 2 Personen und ohne Moderator möglich, abhängig von Hintergrund und Zielsetzung.
  • Gleichstellung: Es ist hilfreich, wenn alle Anwesenden einander gleichgestellt sind. Hierarchiedenken sollte bei der Ideensammlung nicht auftauchen, um das Brainstorming nicht zu behindern.
  • Klare Regeln und Problembeschreibung: Legen Sie vorab die Spielregeln fest und beschreiben Sie das zu klärende Problem genau. Nach welchen Kriterien soll die Lösung gefunden werden? Welche Punkte muss das Ergebnis beinhalten? Je genauer diese Eckdaten mitgeteilt werden, desto besser wird das Brainstorming verlaufen.
  • Fokus auf Quantität: Informieren Sie die Kollegen darüber, dass es in dem Meeting nur um das Sammeln von Ideen geht und nicht um deren Bewertung. Daher darf keine Kritik geäußert oder diskutiert werden. Im ersten Schritt zählt nur die Quantität und nicht die Qualität!

Grundregeln des Brainstorming

Damit aus dem "Sturm" kein zerstörerischer Tornado wird, gibt es einige Grundregeln, die beachtet werden müssen:

Lesen Sie auch: Gehirn-Hacks für Ideen

  • Keine Kritik: Es ist egal, wie verrückt sich eine Idee anhört. Jede Idee wird angenommen - jegliche Diskussion, Gegenargumente und Kritik sollten vermieden werden.
  • Mehr ist besser: Anfangs zählt hauptsächlich die Masse an Ideen, die vorgebracht wird. Je mehr Ideen, desto besser. Alle Vorschläge sollten notiert und für jeden sichtbar aufgehängt werden.
  • Weiterführung: Das Weiterführen von Ideen anderer ist erwünscht. Es gibt kein "das war meine Idee". Ideen sollten immer weiter ausgebaut werden.
  • Querdenken ist gut: Phantasieren, Abschweifen und "rumspinnen" ist nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht. So werden mehr Ideen geschaffen, die auch ganz neue Türen öffnen können.

Klassischer Ablauf eines Brainstormings

Soll ein Brainstorming durchgeführt werden, ist der richtige Ablauf entscheidend. Der klassische Ablauf umfasst folgende Schritte:

  1. Vorstellen des Problems: Stellen Sie den Teilnehmern das Problem vor und erläutern Sie, welche Ideen gesucht werden. Das Thema sollte eingegrenzt und am Rande aufgeworfene Themen ausgeschlossen werden. Auch die Regeln des Brainstormings sollten aufgezeigt werden, damit keine Missverständnisse aufkommen.
  2. Durchführung des Brainstormings: Jeder Gedanke spielt eine Rolle und kann zur Lösung des Problems beitragen. Jeder notiert seine Ideen, die zum Thema passen. Das Niederschreiben kann jeder für sich machen oder alles wird auf einem großen Blatt zusammengetragen. Jeder Teilnehmer sollte nur seine eigenen Ideen vorstellen. Erlaubt ist es aber, sich durch andere inspirieren zu lassen.
  3. Start der Diskussion: Um die Themen weiter auszuschmücken, empfiehlt es sich, die Themen in der Runde zu diskutieren. Während der Diskussion ist es wichtig, dass eine offene Diskussion geführt wird, in der sich alle untereinander ergänzen können. Themen, die sich ähneln, sollten gebündelt und gruppiert werden.
  4. Ideen bewerten: In der Phase der Ideenbewertung besprechen alle die jeweiligen Vor- und Nachteile der einzelnen Ideen. Es ist empfehlenswert, wenn jeder Fachbereich seine Meinung dazu abgibt. Es ist auf Sachlichkeit zu achten, denn hier soll den Teilnehmern eine Grundlage für die Entscheidung gegeben werden. Es ist nicht das Ziel, diese Grundlage zu beeinflussen. Normalerweise endet diese Bewertung mit einer Abstimmung. Die Ideen werden auf einer Tafel oder einem Flipchart gesammelt. Jeder Teilnehmer erhält eine bestimmte Anzahl an Stimmen, die er zur Wahl abgeben darf. Schließlich werden die fünf Ideen mit den meisten Stimmen weiter bearbeitet.
  5. Nachbereitung: Um Ziele zu erreichen, müssen in der Nachbereitung weitere Schritte geprüft werden. Es sind Aufgaben zu verteilen, wo alle überlegen, wer was tut. Es können verschiedene Dinge zu erledigen sein, wie Angebote einholen oder zum Beispiel eine Zeichnung anfertigen. Nachdem beim Brainstorming Ideen herausgearbeitet wurden, sollten diese sinnvoll strukturiert werden.

Kreativitätstechniken für das Brainstorming

Für ein geplantes Brainstorming können verschiedene Methoden und Techniken angewendet werden. Einige der bekanntesten sind:

  • Didaktisches Brainstorming (Gordon-Little-Technik): Die Teilnehmer werden vorab nicht informiert und können sich noch keine eigenen Gedanken machen. Nur der Moderator kennt alle Eckdaten und die Problematik, die gelöst werden soll. Er führt die Teilnehmer schrittweise auf dem Ideenfindungsprozess voran und füttert sie mit weiteren Details, sobald die Kreativität und der Gedankenfluss ins Stocken kommen.
  • Silent Brainstorming: Jeder Gruppenteilnehmer entwickelt seine Ideen für sich alleine und erst am Ende dieses Prozesses werden die fertigen Ideen gesammelt und den anderen vorgestellt. Dadurch reduziert sich die Gefahr, dass die anderen Teilnehmer sich über Ideen lustig machen oder durch kontraproduktive Kommentare den Ideenfluss hemmen.
  • Speed Brainstorming: Die Gruppe bekommt eine kurze Zeitvorgabe von wenigen Minuten, die mittels Stoppuhr kontrolliert wird. Alle Ideen werden notiert und am Ende soll jeder innerhalb von 5 Minuten seine Top 3 Ideen aussuchen und weiterentwickeln.
  • Reverse Brainstorming: Das Problem wird von einem anderen Gesichtspunkt aus angegangen. Die Teilnehmer sollen sich vorstellen, was aus dem Problem resultiert und wie man es samt Ergebnis noch verschlimmern könnte. Die dabei gefundenen negativen Lösungen werden dann als Grundlage für die Problemlösung herangezogen und umgedreht.
  • Pinnwandkarten: Die Teilnehmer schreiben ihre Ideen auf Karteikarten, die dann an die Pinnwand geheftet werden. Anschließend diskutiert das ganze Team und sortiert nicht passende Ideen aus.
  • Hemmingway Notizbuch: Die Teilnehmer haben immer ein Notizbuch oder einen Zettel und einen Stift bei sich, um spontane Ideen festzuhalten.
  • Disney Methode: Hierbei nimmt jeder Teilnehmer eine andere Rolle ein: Der Träumer (kreative Ideen), der Realist (Umsetzbarkeit), der Kritiker (Schwachstellen) und eine neutrale Person.
  • Die Bono 6 Hüte Denken: Jeder der sechs Teilnehmer bekommt einen Hut in seiner Farbe auf, der eine bestimmte Denkweise repräsentiert: Blau (Moderator), Gelb (Optimist), Grün (Denker), Rot (Emotionaler), Schwarz (Kritiker), Weiß (Objektiver).
  • Business Model Canvas: Diese Methode konzentriert sich auf neun Schlüsselelemente eines Geschäftsmodells, wie Schlüsselpartner, Wertversprechen und Kundenbeziehungen.
  • Mind Mapping: Im Gegensatz zu Brainstorming gehört das Mindmapping zu den strukturierteren Kreativitätsmethoden. Das Thema wird in die Mitte eines Blattes geschrieben, und dann werden frei Assoziationen und Unterbereiche hinzugefügt.

Macht Brainstorming Sinn? Vor- und Nachteile

Das Konzept des Brainstormings hat seine Vor- und Nachteile. Die Kosten spielen eine geringe Rolle, da lediglich ein Flipchart, Papier, Stifte und kreative Menschen benötigt werden. Allerdings ist das Brainstorming sehr abhängig von den Teilnehmern, und es findet eine aufwendige Selektion der geeigneten Ideen statt. Wie bei jeder Gruppe hat nicht jeder Teilnehmer dasselbe Potenzial oder dieselbe Kreativität.

Brainstorming wird heutzutage viel kritisiert oder als altmodisch bezeichnet. Grund dafür ist, dass sich das klassische Brainstorming oft als nicht effektiver erweist als die Ideenfindung einzelner Personen. Beispielsweise müssen die Teilnehmer immer warten, bis der andere ausgesprochen hat und werden so in ihrer eigenen freien Ideenäußerung gehemmt.

Alternativen zum klassischen Brainstorming:

  • Brainwriting: Die Ideen werden vorab aufgeschrieben. Anschließend werden die Zettel gemeinsam sortiert und bewertet. Vorteil dabei ist, dass auch zurückhaltendere Teilnehmer ihre Ideen äußern können und dass die gegenseitige Blockierung ausfällt. Allerdings entfällt hierbei die Möglichkeit, an die Ideen eines anderen anzuknüpfen.
  • 6-5-3-Methode: Sechs Teilnehmer schreiben in fünf Minuten je drei Vorschläge auf. Die trägt er in die oberste Zeile einer Tabelle mit drei Spalten und sechs Zeilen ein. Nach fünf Minuten reicht jeder seine Tabelle im Uhrzeigersinn weiter. Der nächste ergänzt und erweitert die Ideen seines Vorgängers. Das geht so lange, bis jeder jedes Blatt einmal hatte.
  • Walt-Disney-Methode: In drei Phasen schlüpfen die Teilnehmer in verschiedene Rollen (Träumer, Realist, Kritiker), um ein Problem aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten.

Was Kreativität wirklich braucht

Kreativität ist keine angeborene Gabe, sondern eine Fähigkeit, die trainiert werden kann. Laut dem amerikanischen Psychologen Joy Paul Guilford haben vier Eckpfeiler Einfluss auf die Kreativität: die kreative Person, der kreative Prozess, das kreative Umfeld und das kreative Produkt.

Lesen Sie auch: Alles über Gehirn-Memes

Die kreative Persönlichkeit: Kreative Menschen sind oft offen, flexibel, unabhängig, risikobereit und haben weitgespannte Interessen. Sie sind in der Lage, ungewöhnliche Standpunkte einzunehmen und durch den Wechsel eingefahrener Denkweisen auf neue, unwahrscheinliche Wege zu gelangen.

Der kreative Prozess: Beim kreativen Denken werden mehrere Stadien durchlaufen: die Betrachtung eines Problems, das Finden möglicher Lösungen und das Bewerten dieser Lösungsansätze. Dabei wechseln wir immer wieder zwischen assoziativem und logischen Denken. Der kreative Denkprozess läuft grundsätzlich in vier Phasen ab:

  1. Vorbereitung: Auseinandersetzung mit der Thematik
  2. Inkubation: Ruhephasen für das Gehirn
  3. Inspiration: Kreative Einsicht
  4. Gestaltung: Bewertung, Ausarbeitung und Umsetzung der Ideen

Das kreative Produkt: Die Bewertung, ob etwas kreativ ist oder nicht, hängt vom Kontext, der Zeit und der Gesellschaft ab, in der eine Idee entstanden ist.

Das kreative Umfeld: Entspannte Bedingungen, Bewegung und ein individuell gestalteter Arbeitsplatz können die Kreativität fördern.

Tipps zur Förderung der Kreativität

  • Sich auf andere Perspektiven einlassen: Führt eher zu neuen, originellen Ideen als traditionelle, eingefahrene Denkweisen.
  • Jeder Gedanke zählt: Auch wenn er noch eine gewisse Inkubations- und Inspirationszeit braucht.
  • Eine Umgebung schaffen, in der man seine Kreativität am besten ausleben kann: Das kann ein aufgeräumtes Arbeitszimmer, ein chaotisches Atelier oder ein Spaziergang im Freien sein.
  • Kreativitätstechniken nutzen: Wie Mindmapping, Walt-Disney-Methode oder die Kopfstandtechnik.

Weitere Methoden und Konzepte

  • Brainwalking: Teilnehmer gehen in Gruppen gemeinsam spazieren und betreiben dabei Ideenfindung und Problemlösung.
  • Design Thinking: Ein Prozess, der Probleme ideal lösen kann, wenn unterschiedliche Menschen in einem Umfeld zusammenkommen, das die Kreativität fördert und flexibel ist wie das echte Leben.
  • MindLab: Ein Raum, der es ermöglicht, eigene Vorstellungen mit Hilfe der Einrichtung sichtbar zu machen und mit anderen zu teilen.

Lesen Sie auch: Denken und Gehirn

tags: #idee #nachdenken #gehirn