Kreativ sein auf Knopfdruck - das wäre wünschenswert. Doch niemand muss darauf warten, von der Muse geküsst zu werden. Es existieren über 200 Techniken, um die Kreativität zu steigern. Ob diese Techniken tatsächlich wirksam sind, ist schwer zu beurteilen, da es weltweit nur wenige Kreativitätsforscher gibt. Neurowissenschaftliche Studien liefern jedoch Hinweise darauf, wie das Gehirn zu einem Geistesblitz-Generator werden kann.
Was ist Kreativität?
Die Definitionen von Kreativität sind vielfältig und es gibt keine einheitliche Begriffsbestimmung. Der kleinste gemeinsame Nenner ist wohl, dass Kreativität eine Art des Denkens ist, bei dem Neues oder Nützliches entstehen kann. So fasste es der Intelligenz- und Kreativitätsforscher Robert Sternberg zusammen. Der Begriff Kreativität hat seinen Ursprung im Lateinischen: „creare“ bedeutet erschaffen, gebären oder zeugen; „crescere“ steht für entstehen oder wachsen.
Die Rolle des Gehirns bei der Kreativität
Kreativität entsteht nicht nur im Gehirn. Für das Entstehen von Kreativität im Gehirn ist eine relativ offene, ungehemmte Aufmerksamkeit entscheidend, die aus einer Fülle von Informationen schöpfen kann. Und dennoch muss es so etwas wie einen gedanklichen Rahmen geben. Neuronen sind miteinander verbunden und üben eine der beiden Funktionen aufeinander aus: Hemmung (Inhibition) oder Erregung (Aktivierung, Verstärkung). So werden bestimmte Informationen und Prozesse verstärkt oder abgeschwächt. Dopamin gilt als Glückshormon und ist Teil von einer positiven Erregung und eines starken inneren Antriebs. Dopamin trägt nachweislich zu Kreativität bei. Serotonin gilt ebenso als Glückshormon und sorgt für eine positive Grundstimmung. Angstzustände und Depressionen blockieren für gewöhnlich Kreativität und gehen einher mit einem Mangel an Serotonin. Ebenso wie Depressionen und Ängste hemmt psychischer Stress die Kreativität: Unter Adrenalin erfahren wir vielleicht einen starken Schub an Aktivität, aber selten tiefgreifende Kreativität. Neuronen leiten Informationen und Reize weiter über elektrische Impulse. Das Gehirn besteht aus Milliarden Neuronen, die elektrische Impulse feuern und daraus ergeben sich Schwingungen und emergente Zustände. Je nach Rhythmus der Schwingung werden werden die Schwingungen in verschiedene Frequenzbänder: Alpha, Beta, Delta, Theta, Gamma. Alpha-Wellen treten auf bei Entspannung bzw.entspannter Wachheit, insbesondere bei geschlossenen Augen. Betawellen treten z. B. beim konstanten Anspannen eines Muskels oder bei aktiver Konzentration auf. Von allen Gehirnfrequenzen ist Gamma die höchste und wird auch mit Höchstleistungen des Gehirns in Verbindung gebracht, in denen Menschen Erfahrungen von starker Konzentration und Transzendenz machen. Vor allem im traumlosen Tiefschlaf treten Deltawellen auf und werden deswegen mit Regeneration und körpereigenen Heilungsprozessen in Verbindung gebracht. Theta-Wellen treten an den Übergängen zwischen Schlaf und Wachen auf, oft mit starken visuellen traumartigen Reizen.
Kreativitätstechniken im Überblick
Es gibt eine Vielzahl von Kreativitätstechniken, die Ihnen helfen können, Ihre Ideen sprudeln zu lassen. Hier sind einige der bekanntesten und effektivsten Techniken:
Brainstorming
Brainstorming ist die wohl bekannteste Kreativitätstechnik. Es handelt sich um eine Gruppentechnik, bei der spontan Ideen zu einer bestimmten Fragestellung gesammelt werden. Die Teilnehmenden äußern spontan ihre Ideen zur Lösung eines vorher definierten Problems. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt und es ist sogar erwünscht, dass man bereits genannte Ideen weiterverarbeitet. Nicht erlaubt sind daher Unterbrechungen in Form von frühzeitiger Kritik, Kommentaren oder Korrekturen. Bei dieser Technik kann bereits Gelerntes gut in neuem Kontext angewendet werden. Das Ganze wird von einem Moderator begleitet, der die genannten Ideen festhält und z.B. auf Karteikarten oder an ein Flipchart schreibt. Nach dem etwa 10- bis 15-minütigen Ideenaustausch werden die genannten Ideen dann vom Moderator mithilfe der Teilnehmenden geordnet, strukturiert und unpassende Vorschläge aussortiert.
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Die 4 Gesetze des Brainstormings:
- Quantität vor Qualität
- Keine Kritik, Diskussion oder Kommentierung während der Session
- Lückenlose Protokollierung aller Ideen
- Querdenken und gegenseitige Inspiration
Varianten des Brainstormings:
- Brainwriting: Eine Alternative zum Brainstorming, bei der die Gruppenzwänge umgangen werden, indem die Teilnehmer zuerst anonym ihre eigenen Ideen verschriftlichen, bevor es zu einem Austausch mit den anderen Gruppenmitgliedern und anschließender Diskussion kommt.
- Elektronisches Brainstorming: Ähnelt dem Brainwriting, hat aber den Vorteil, dass es selten zu gleichen und daher doppelten Ideen kommen kann, da online jeder User sofort wie in einem Chat die anonymen Ideen in Echtzeit angezeigt bekommt.
Mind-Mapping
Mind-Mapping ist eine hervorragende Methode zur Ideensammlung, weil sie die Kreativität fördert und den Denkprozess visualisiert. Dabei schreibt das Team ein zentrales Thema in die Mitte eines Blattes Papier oder eines Whiteboards. Von dort aus entwickeln sich unterschiedlich verlaufende Zweige, die zu weiteren Ideen führen. Diese Visualisierungen sind sehr hilfreich, wenn es darum geht, komplexe Themen zu erfassen, denn sie demonstrieren auch die jeweiligen Verbindungen zwischen den einzelnen Themen. Diese Methode lässt sich allein oder in einem Team einsetzen, sowohl digital als auch vor Ort.
Brainwriting (6-3-5 Methode)
Bei dieser Methode schreibt jeder Teilnehmer bis zu drei Ideen auf jeweils ein Blatt Papier oder in ein Dokument. Jedes Teammitglied gibt im Anschluss das eigene Dokument an die nächste Person weiter, die wiederum ihre eigenen Ideen hinzufügt - und so weiter. Alle Personen, die das Blatt anschließend erhalten, spinnen die Idee weiter, fügen Anmerkungen hinzu oder schlagen Details vor. Je nach Teamgröße kann sich so jeder an der Ausarbeitung einer Vielzahl von Ideen beteiligen und neue Ideen vorschlagen. Diese Methode der Ideensammlung ist sehr effektiv, weil sie es den Teammitgliedern ermöglicht, ihre Gedanken frei auszudrücken, ohne sich von anderen beeinflussen zu lassen. Es gibt außerdem keine Diskussion über die Ideen, sodass niemand versucht, seine eigene durchzusetzen. Stattdessen konzentriert sich jede Person ganz darauf, neue Ideen zu generieren und andere weiterzuentwickeln.
Starbursting
Bei Starbursting handelt es sich genau genommen um ein nachgelagertes Brainstorming. Mit dieser Methode lässt sich eine bereits ausgewählte Idee konkretisieren und weiter ausarbeiten. Der Name bezieht sich auf einen Stern. In der Mitte steht eine Idee, die weiterbearbeitet werden soll, außen in sechs Zacken finden sich diverse W-Fragen, welche das Team nun beantworten soll: wer, was, wann, wo, wie und warum? Dabei lassen sich die Fragen mehrfach in unterschiedlichen Konstellationen stellen.
Die 6 Denkhüte
Diese Kreativitätstechnik wurde von Edward de Bono begründet. Die Methode sieht vor, dass Teilnehmer in eine Rolle schlüpfen, beziehungsweise einen Hut aufsetzen und diesen das gesamte Meeting über aufbehalten. Jeder „Hut“ blickt aus einem anderen Blickwinkel auf die Herausforderung, das Problem oder eine Idee. Edward de Bono unterscheidet folgende Denkhüte:
- Analytisches Denken (Faktensicht)
- Emotionales Denken (Gefühlsorientierte Sicht)
- Kritisches Denken (Risikobetrachtung)
- Optimistisches Denken (Chancenorientierte Betrachtung)
- Ordnendes Denken (Prozesssicht)
Für das Brainstorming können auch andere „Denkhüte“ kreiert werden, je nachdem welche Faktoren und Betrachtungen dem Team und dem Unternehmen wichtig sind. Im Verlauf des Meetings beurteilen die Teilnehmer nur aus Sicht ihres Hutes. So kann das Team sichergehen, dass jede Idee aus verschiedenen Betrachtungswinkeln beleuchtet wurde.
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Trittleiter-Technik
Diese Methode erfordert zwar etwas Zeit, stellt aber sicher, dass auch introvertierte Teilnehmer zu Wort kommen und die Ideen von „lauten Teilnehmern“ keinen höheren Stellwert erhalten. Und so funktioniert die Trittleiter:
- Das Brainstorming Thema wird vorgestellt.
- Alle bis auf zwei Teilnehmer verlassen den Raum. Die Teilnehmer draußen können jeder für sich bereits an Ideen feilen, dürfen diese aber noch nicht miteinander teilen. Die zwei Teammitglieder im Raum hingegen beginnen damit, einander die Ideen zu erläutern und zu diskutieren.
- Ein weiterer Teilnehmer betritt den Raum und stellt seine Idee vor. Erst danach besprechen die drei die anderen Ideen.
- Dies wiederholt sich so oft, bis alle wieder im Raum sind und nun eine gemeinsame Bewertung aller Ideen vornehmen können.
Weitere Kreativitätstechniken
Neben den bereits genannten Techniken gibt es noch viele weitere, die Ihnen bei der Ideenfindung helfen können:
- Kopfstandtechnik (Reverse Brainstorming): Den Sachverhalt einmal auf den Kopf stellen, um Fehler und Probleme zu erkennen, anstatt direkt die Lösung im Kopf zu haben.
- Scribbeln: Kritzeleien, die nicht schön, sondern praktisch sein sollen, um kurz und direkt gedankliche Vorstellungen zu visualisieren.
- SCAMPER-Methode: Ein schon bestehendes Produkt zu einem neuen weiterentwickeln, indem eine Liste mit Attributen und Eigenschaften erarbeitet wird.
- Morphologischer Kasten: Einzelne Parameter eines Produkts so gegenüber stellen, dass sie zu neuen Kombinationen bzw. Lösungsansätzen verknüpft werden können.
- Raikov-Methode: Ein Problem aus der Perspektive einer prominenten Person bewerten.
- World Café: In sehr großen Gruppen an mehreren separaten Tischen mit wechselnden Teilnehmern jeweils 2 bis 3 Fragen zu der allgemeinen Problemstellung diskutieren.
Tipps für den Einsatz von Kreativitätstechniken
Damit Sie tatsächlich einen kreativen Raum öffnen und halten können, haben wir einige Tipps für Sie zusammengestellt:
- Moderation: Ein aufmerksamer Moderator kann sicherstellen, dass die beiden Phasen des Brainstormings tatsächlich voneinander getrennt verlaufen und die Regeln konsequent von allen eingehalten werden.
- Vorbereitungszeit: Geben Sie dem Team nach Bekanntgabe des Themas einige Minuten Zeit, damit jeder sich kurz Gedanken dazu machen kann. Noch besser ist es, wenn Teammitglieder bereits mit der Einladung zum Termin erfahren, welche Problemstellung auf sie wartet.
- Atmosphäre: Schaffen Sie eine respektvolle Atmosphäre, in der jeder frei reden kann, ohne von anderen kritisiert zu werden.
- Abwechslung: Variieren Sie die Kreativitätstechniken, die Zusammensetzung des Teams und die Rahmenbedingungen, um starre Denkmuster zu durchbrechen.
- Entspannung und Zerstreuung: Sorgen Sie für eine entspannte und inspirierende Atmosphäre, sowohl in Bezug auf die Stimmung im Team als auch auf den räumlichen Rahmen.
Vor- und Nachteile von Kreativitätstechniken
Kreativitätstechniken bieten viele Vorteile, aber auch einige Nachteile:
Vorteile:
- Generierung mehrerer Ideen gleichzeitig
- Förderung kreativen Denkens
- Förderung der Zusammenarbeit im Team
- Schnelle und effektive Problemlösung
- Einfache Durchführung
- Unterstützung der Strukturierung von Gedanken
- Einnahme verschiedener Perspektiven
- Überwindung von Blockaden
Nachteile:
- Teilnehmer könnten sich nicht aufs Brainstorming konzentrieren, sondern nur noch auf Details einer bestimmten Idee (Ankereffekt)
- Introvertierte Persönlichkeiten könnten sich im gruppendynamischen Prozess unwohl fühlen
- Zu viele Ideen können Chaos oder Überforderung auslösen
- Ein Moderator muss den Prozess gezielt steuern
- Es kann Konfliktpotenzial wecken, wenn gegensätzliche Meinungen aufeinandertreffen
- Es entstehen viele „Nebenideen“, die sich nicht verwenden lassen
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