E-Zigaretten: Schäden für Lunge und Nervensystem – Eine umfassende Analyse

E-Zigaretten erfreuen sich wachsender Beliebtheit, insbesondere bei jungen Menschen. Die DEBRA-Studie (Deutsche Befragung zum Raucherverhalten) zeigt, dass der Konsum von E-Zigaretten in Deutschland zwischen 2016 und 2023 um 38 Prozent gestiegen ist. Aktuell liegt der Konsum bei 2,2 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren. Gesundheitsökonomin Stephanie Klosterhalfen vom Universitätsklinikum Düsseldorf betont die Popularität von Einwegprodukten bei Jugendlichen. Trotzdem rauchen weiterhin rund 30 Prozent der Bevölkerung klassische Tabakzigaretten. Mediziner warnen jedoch davor, E-Zigaretten als harmlos zu betrachten, da die Auswirkungen vieler Inhaltsstoffe auf den Körper noch unklar sind.

Der Unterschied zwischen E-Zigaretten und Tabakzigaretten

Der Hauptunterschied liegt im Prozess: E-Zigaretten verdampfen eine Flüssigkeit (Liquid) bei Temperaturen zwischen 150 und 300 Grad Celsius, während Tabakzigaretten Tabak bei etwa 900 Grad Celsius verbrennen. E-Zigaretten gibt es als Einwegprodukt oder zum Wiederbefüllen mit Patronen oder Tanks.

Die potenziellen Gefahren des Dampfens

Lungenfacharzt Matthias Urlbauer vom Klinikum Nürnberg betont, dass E-Zigaretten anders gefährlich sind als herkömmliche Zigaretten. Die Dämpfe können tiefer in die Lunge eindringen, und die langfristigen Schäden der Inhaltsstoffe sind noch unklar. Urlbauer erwartet, dass in 20 Jahren neue Krankheitsbilder auftreten werden und beobachtet bereits vermehrt Asthma bei E-Zigaretten-Nutzern, obwohl ein direkter Zusammenhang noch nicht belegt ist.

Unklare Wirkung der Aromen

Es existieren etwa 16.000 Aromen für E-Zigaretten-Liquids, deren Auswirkungen auf den Körper weitgehend unbekannt sind. Es ist bereits belegt, dass E-Zigaretten Schadstoffe wie Blei, Formaldehyd und Arsen enthalten, die nicht in den Körper gelangen sollten.

Irreführende Werbung und Suchtgefahr

Urlbauer kritisiert die Industrie für irreführende Werbung, die E-Zigaretten als Produkte mit 95 Prozent weniger Schadstoffen bewirbt. Zudem bemängelt er, dass die bunten, gut schmeckenden Produkte Nikotin enthalten und schnell abhängig machen können, insbesondere bei Jugendlichen, deren Gehirne besonders anfällig sind.

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"Dual Use" als besondere Gefahr

Die DEBRA-Studie zeigt, dass Nutzer von Einweg-E-Zigaretten jünger und häufiger weiblich sind und diese oft mit normalen Zigaretten kombinieren. Dieser "Dual Use" ist besonders gefährlich, da die Lunge sowohl verdampfte Aromen, die bis in die Lungenbläschen gelangen, als auch verbrannte Partikel der Zigarette abbekommt.

Nikotin ist immer schädlich

Urlbauer betont, dass Rauchen von Nikotin immer schädlich für die Lunge und die Gesundheit ist. Er fordert eine bessere Aufklärung junger Menschen über die Gefahren von E-Zigaretten und Verbote für bestimmte Aromen.

Langzeitstudien und gesundheitliche Auswirkungen

Lange Zeit fehlten aussagekräftige Langzeitstudien zu den gesundheitlichen Folgen von E-Zigaretten. Eine aktuelle Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Riccardo Polosa von der Universität Catania liefert nun bahnbrechende Erkenntnisse.

Die Polosa-Studie: Methodik und Ergebnisse

Um das Problem zu umgehen, dass fast alle Dampfer Ex-Raucher sind und bereits Lungenschäden haben könnten, suchte Polosa Dampfer, die noch nie geraucht hatten. Die Dampfer und eine Kontrollgruppe wurden 3,5 Jahre lang begleitet und regelmäßig untersucht.

Die Ergebnisse zeigten, dass selbst intensives Dampfen der Lunge nicht schadet. Es wurden keinerlei Verminderung des Lungenvolumens, Entwicklung von Atemwegssymptomen, Veränderungen der Marker für eine Entzündung der Lunge oder Anzeichen von frühen Lungenschäden im CT Scan festgestellt. Auch wurden keine Veränderungen im Blutdruck oder der Herzfrequenz gemessen.

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Einschränkungen und weitere Forschung

Trotz der positiven Ergebnisse betont Polosa, dass weitere Untersuchungen notwendig sind, um streitbare Fragen abschließend zu beantworten. Dennoch steht fest, dass sich der gesundheitliche Zustand der Dampfer nach 3,5 Jahren normaler Nutzung nicht verschlechtert hatte und keiner der Dampfer auf die Zigarette umstieg.

Die Risiken der Inhaltsstoffe

Viele halten E-Zigaretten für ungefährlich, doch die über 7700 verfügbaren Aromen stellen ein unkalkulierbares Gesundheitsrisiko dar. Studien zeigen ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko bei Konsumenten. Die Ergebnisse sind jedoch schwer zu vergleichen, da es eine Vielfalt an Geräten, Liquids und Studiendesigns gibt.

Analyse der Inhaltsstoffe

Im Dampf von E-Zigaretten wurden signifikante Konzentrationen von Nikotin, Carbonylverbindungen (Formaldehyd, Acetaldehyd, Acrolein), Feinstaub, Metallen und Aromastoffen nachgewiesen. Nikotin stimuliert das sympathische Nervensystem und kann zu kardialen Fibrosen und Arrhythmien führen. Carbonylverbindungen und Aromastoffe verursachen oxidativen Stress und Inflammation.

Die Rolle der Aromen

Viele Aromen gelten hinsichtlich des Gesundheitsrisikos als unerforscht. Für Zimtaldehyd wurde gezeigt, dass das Aerosol eine Dysfunktion pulmonaler Immunzellen induziert. Feinstaubpartikel können die Blut-Luft-Schranke überwinden und die Entstehung von Atherosklerose, Thrombosen, KHK und Bluthochdruck begünstigen.

Auswirkungen auf den Körper

In vitro wirkt die akute Exposition mit E-Zigaretten-Dampf proinflammatorisch, prothrombotisch und zytotoxisch. Bei Probanden lassen sich nach dem Rauchen Indikatoren für sympathische Überaktivität, endotheliale Dysfunktion sowie vaskuläre Verletzungen identifizieren. Langzeitstudien sind Mangelware, aber präklinische Daten bringen den Langzeitgebrauch von E-Zigaretten mit Krebs- und diversen kardiovaskulären Erkrankungen in Verbindung.

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E-Zigaretten, Vapes und Co.: Ein Überblick

E-Zigaretten und Vapes sind besonders bei jungen Leuten im Trend. Es gibt eine Vielzahl alternativer Produkte zu Tabakzigaretten mit unterschiedlichen Liquids und Geschmacksrichtungen. E-Zigaretten werden oft als weniger schädliche Alternative angesehen oder zur Rauchentwöhnung genutzt.

Unterschiede zwischen E-Zigaretten, Vapes, Tabakerhitzern und E-Shishas

  • E-Zigarette: Verdampft Flüssigkeiten (Liquids), die nikotinhaltig oder nikotinfrei sein können.
  • Vapes: Einwegzigaretten, bei denen die Flüssigkeit über ein batteriebetriebenes Heizelement verdampft wird.
  • Tabakerhitzer: Erhitzen Tabakstücke statt Liquids bei niedrigeren Temperaturen als Zigaretten.
  • E-Shisha: Einweggeräte, die aromatisierte Flüssigkeiten elektrisch erhitzen und als Dampf inhalieren.

Gift im Dampf?

Studien über langfristige Folgen und das Krebsrisiko fehlen. Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2024 identifizierte 127 Substanzen mit giftigen Eigenschaften in E-Shishas, darunter Nickel, Silber, Aluminium, Diacetyl und Pentandion. Schädliche Chemikalien wie Glycerin oder Propylenglykol bilden bei Erhitzung Aldehyde wie Formaldehyd und Acrolein, die in höherer Konzentration giftig sind.

Belastung für Atemwege und Lunge

Dämpfe können Irritationen auslösen und eine Entzündung der Bronchien hervorrufen, was zu Husten und Atembeschwerden führen kann. Langfristig beeinträchtigen sie die Selbstreinigung der Atemwege, wodurch sich der „Raucherhusten“ entwickeln kann. Studien erhöhen das Risiko für Atemwegserkrankungen wie chronische Bronchitis, Asthma und COPD um den Faktor 1,3.

Belastung für Herz, Gefäße und Immunsystem

Das Rauchen und Dampfen führt bereits bei einmaliger Nutzung zu einem Anstieg der Herzfrequenz und des Blutdrucks. Die Blutgefäße versteifen sich, was das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Bestimmte Aromastoffe können eine toxische Wirkung auf Herzmuskelzellen haben und Herzinsuffizienz und Rhythmusstörungen begünstigen. Nikotinsalze fördern das Auftreten von Herzrhythmusstörungen und steigern die Aktivität des sympathischen Nervensystems.

Entzündungen und Stress

Der Dampf und seine Inhaltsstoffe können Entzündungen und oxidativen Stress in den Blutgefäßen verursachen. Vanille- und Zimt-Aromen unterdrücken die natürlichen Abwehrmechanismen im Körper, was entzündungsfördernde Prozesse verstärkt und zellulären Stress auslöst.

Gefährdung der Umwelt

Einweg-E-Zigaretten bestehen aus Plastik, Aluminium und Lithium-Ionen-Akkus und gelten als Elektroschrott. Oftmals werden sie jedoch einfach im Restmüll oder in der Umwelt entsorgt, was zu Umweltproblemen führt.

Inhaltsstoffe: Liquids unter der Lupe

Liquids enthalten in der Regel Wasser, Propylenglykol und/oder Glycerin, Aromastoffe und meist auch Nikotin. Die Zusammensetzung ist oft unklar, obwohl in der EU eine Kennzeichnungspflicht gilt. Die Mehrzahl der aromatisierten Inhaltsstoffe ist bisher wenig toxikologisch untersucht.

Vaping und E-Zigaretten: Verstecktes Krebsrisiko?

E-Zigaretten enthalten im Vergleich zu Tabakzigaretten weniger gesundheitsgefährdende Inhaltsstoffe, sind aber keineswegs risikofrei. Es fehlen Studien und Nachweise von Langzeitfolgen zu Krebserkrankungen. Viele Produkte enthalten Stoffe und Rückstände, die nachweislich als krebserregend gelten.

Machen Vapes und E-Zigaretten abhängig?

Studien zeigen, dass Dampfen die Suchtgefahr erhöhen kann. Besonders Jugendliche sind gefährdet, da E-Zigaretten als Einstiegsdroge wirken können. Produkte mit Nikotin haben ein hohes Abhängigkeitspotenzial.

Umsteigen, Aufhören oder Doppelkonsum: Was bringt es?

Eine Studie der Boston University School of Public Health untersuchte die Auswirkungen des Umstiegs von Rauchen auf Dampfen auf Atemwegsbeschwerden.

Ergebnisse der Studie

  • Ein vollständiger Rauchstopp ohne Ersatz durch E-Zigaretten zeigte die deutlichste Verbesserung von Husten und Keuchatmung.
  • Der Umstieg auf E-Zigaretten verbesserte die Keuchatmung, aber nicht den Husten.
  • Die Kombination aus Rauchen und Dampfen führte zu keiner Verbesserung der Symptome, sondern verschlimmerte sie sogar.

Kombi aus Rauchen und Dampfen besonders riskant?

Eine Studie deutet darauf hin, dass die Kombination aus Dampfen und Rauchen riskanter sein könnte als Rauchen allein, mit einem vierfach erhöhten Lungenkrebsrisiko.

Kühlstoffe in E-Zigaretten: Eine Risikobewertung

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bewertet die gesundheitlichen Risiken von Kühlstoffen wie WS-23, WS-3 und WS-5 in E-Zigaretten. Anlass ist ein Bericht über eine schwerwiegende Lungenschädigung mit Todesfolge nach Konsum einer E-Zigarette, die WS-23 enthielt.

Die Wirkung von Kühlstoffen

Kühlstoffe erzeugen eine kühlende Wirkung, indem sie den TRPM8-Rezeptor aktivieren, der für die Wahrnehmung von Kälte verantwortlich ist. Die Datenlage zur Inhalationstoxizität dieser Substanzen ist unzureichend.

Risikobewertung und Sicherheitsmargen

Die Risikobewertung basiert auf der Sicherheitsmarge für die Exposition (MOE) und der Ableitung eines DNEL-Werts (Derived No Effect Level). Ein niedriger MOE-Wert deutet auf ein erhöhtes Gesundheitsrisiko hin.

Schädigung von Lunge, Herz und Gehirn durch E-Zigaretten

Eine Studie der Universitätsmedizin Mainz, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und der Harvard Universität in Boston (USA) identifizierte neue molekulare Mechanismen, die zu Schädigungen an Lunge, Herz und Gehirn führen können.

Ergebnisse der Studie

  • Der Konsum einer E-Zigarette erhöht die Herzfrequenz und versteift die Arterien.
  • Die Endothelfunktion ist eingeschränkt, was die Funktionalität der Blutgefäße beeinträchtigt.
  • Das Enzym NOX-2 in den E-Zigaretten-Dämpfen löst die Schädigung von Blutgefäßen, auch in der Lunge und im Gehirn, aus.

Die Rolle von NOX-2

NOX-2 wird durch das toxische Aldehyd Acrolein aktiviert und stimuliert die Bildung freier Radikale in Gefäßen, der Lunge und im Gehirn.

Einschätzung der Gesundheitsgefährdung

Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel schätzt E-Zigaretten als gesundheitsgefährdend ein: „Unsere Studie belegt, dass ein Kurzzeitgebrauch von E-Zigaretten den oxidativen Stress in Gefäßen, Lunge und Gehirn erhöhen kann. Dies kann sowohl kurzfristig als auch langfristig negative Auswirkungen auf die Funktion dieser Organe haben.

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