Einführung
Gehirntumoren, sowohl gutartige als auch bösartige, stellen eine bedeutende medizinische Herausforderung dar. Sie können direkt im Hirngewebe entstehen (primäre Gehirntumoren) oder als Metastasen von Krebsgeschwüren außerhalb des Gehirns auftreten. Während Gehirntumoren insgesamt selten sind, können sie aufgrund ihrer Lage im Gehirn lebensbedrohlich sein. Die Symptome sind vielfältig und hängen von der Lokalisation des Tumors ab. Zu den häufigsten Beschwerden gehören Kopfschmerzen, Krampfanfälle, Wesensveränderungen und neurologische Ausfälle. In diesem Artikel werden wir uns auf das schwallartige Erbrechen als ein mögliches Symptom konzentrieren, insbesondere im Zusammenhang mit dem Glioblastom, einer spezifischen Art von Gehirntumor.
Gehirntumoren: Ein Überblick
Definition und Klassifikation
Gehirntumoren sind Geschwülste, die im Hirngewebe entstehen oder sich von anderen Körperregionen ins Gehirn ausbreiten. Man unterscheidet zwischen primären und sekundären Gehirntumoren. Primäre Gehirntumoren entstehen direkt im Gehirn, während sekundäre Gehirntumoren Metastasen anderer Krebsarten sind. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) klassifiziert Gehirntumoren in vier Grade, wobei Grad 1 gutartig und Grad 4 hoch bösartig ist.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursachen für die Entstehung von primären Gehirntumoren sind weitgehend unbekannt. Ein bekannter Risikofaktor ist die Bestrahlung des Gehirns im Rahmen einer Krebstherapie. Es gibt auch Hinweise auf genetische Prädispositionen und Zusammenhänge mit bestimmten Krankheiten wie Neurofibromatose und HIV-Infektion.
Symptome von Gehirntumoren
Die Symptome eines Gehirntumors sind vielfältig und hängen von der Größe, Lage und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors ab. Häufige Symptome sind:
- Kopfschmerzen: Oft diffus und morgens am stärksten.
- Krampfanfälle: Können fokal oder generalisiert sein.
- Neurologische Ausfälle: Lähmungen, Sensibilitätsstörungen, Sehstörungen, Sprachstörungen.
- Wesensveränderungen: Interesselosigkeit, Reizbarkeit, Verlangsamung, Antriebs- oder Konzentrationsstörungen.
- Übelkeit und Erbrechen: Insbesondere schwallartiges Erbrechen am Morgen kann ein Zeichen für erhöhten Hirndruck sein.
Diagnose von Gehirntumoren
Bei Verdacht auf einen Gehirntumor ist die Kernspintomographie (MRT) die wichtigste diagnostische Maßnahme. Weitere Untersuchungen können eine Computertomographie (CT), eine Elektroenzephalographie (EEG) und eine Lumbalpunktion umfassen. Eine Gewebeuntersuchung des Tumors ist erforderlich, um den genauen Typ und Grad des Tumors zu bestimmen.
Lesen Sie auch: Was tun bei wochenlanger Übelkeit?
Behandlung von Gehirntumoren
Die Behandlung von Gehirntumoren umfasst in der Regel eine Operation, Strahlentherapie und/oder Chemotherapie. Die Wahl der Behandlung hängt von der Art, Lage und Größe des Tumors sowie vom Alter und Allgemeinzustand des Patienten ab.
Glioblastom: Ein hochaggressiver Gehirntumor
Was ist ein Glioblastom?
Das Glioblastom ist ein hochgradig bösartiger (WHO-Grad IV) Hirntumor, der von den Gliazellen ausgeht. Es ist die häufigste und aggressivste Form der Gliome. Glioblastome wachsen schnell und infiltrieren das umgebende Hirngewebe, was eine vollständige operative Entfernung erschwert.
Ursachen und Risikofaktoren für ein Glioblastom
Die genauen Ursachen für die Entstehung eines Glioblastoms sind nicht bekannt. Wie bei anderen Gehirntumoren spielen genetische Faktoren und vorangegangene Bestrahlungen eine Rolle. Es gibt auch Hinweise auf Zusammenhänge mit bestimmten genetischen Syndromen.
Symptome eines Glioblastoms
Die Symptome eines Glioblastoms sind vielfältig und hängen von der Lage des Tumors ab. Häufige Symptome sind:
- Kopfschmerzen: Oft verbunden mit Übelkeit und Erbrechen.
- Neurologische Ausfälle: Lähmungen, Sprachstörungen, Sehstörungen.
- Krampfanfälle: Können ein erstes Anzeichen sein.
- Wesensveränderungen: Persönlichkeitsveränderungen, Gedächtnisprobleme.
- Schwallartiges Erbrechen: Kann ein Zeichen für erhöhten Hirndruck sein, insbesondere wenn es morgens auftritt.
Schwallartiges Erbrechen als Symptom
Schwallartiges Erbrechen, insbesondere am Morgen und auf nüchternen Magen, kann ein Hinweis auf einen erhöhten Hirndruck sein. Dieser entsteht, wenn der Tumor wächst und den Raum im Schädelinneren einnimmt. Der erhöhte Druck kann das Brechzentrum im Gehirn reizen und zu schwallartigem Erbrechen führen. Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Patienten mit einem Glioblastom schwallartiges Erbrechen entwickeln. Es ist jedoch ein wichtiges Symptom, das bei der Diagnose berücksichtigt werden sollte.
Lesen Sie auch: Schlaganfall: Ein umfassender Überblick
Diagnose eines Glioblastoms
Die Diagnose eines Glioblastoms erfolgt in der Regel durch eine MRT des Gehirns. Die MRT kann die Größe, Lage und Ausdehnung des Tumors zeigen. Eine Biopsie des Tumors ist erforderlich, um die Diagnose zu bestätigen und den molekularen Subtyp des Glioblastoms zu bestimmen.
Behandlung eines Glioblastoms
Die Behandlung eines Glioblastoms ist komplex und umfasst in der Regel eine Kombination aus Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie. Ziel der Behandlung ist es, den Tumor so weit wie möglich zu entfernen, das Wachstum zu verlangsamen und die Symptome zu lindern.
- Operation: Die operative Entfernung des Tumors ist oft der erste Schritt der Behandlung. Eine vollständige Entfernung ist jedoch aufgrund der Infiltration des Tumors in das umliegende Hirngewebe oft nicht möglich. Modernste Verfahren der Neuronavigation ermöglichen es, den Weg der Operationsinstrumente bereits vor der Operation mithilfe z. B. von Kernspin oder CT zu planen, während der Operation "nachzufahren" und die Position der Instrumente auf dem Bild einzublenden. An einigen Zentren können sogar während der Operation Kernspins angefertigt werden. Dadurch soll eine weitestmögliche Schonung funktionell wichtiger Gehirngebiete bei gleichzeitig größtmöglicher Tumorentfernung erreicht werden.
- Strahlentherapie: Die Strahlentherapie wird in der Regel nach der Operation eingesetzt, um verbleibende Tumorzellen abzutöten. Es stehen heute vielfältige Möglichkeiten zur Verfügung, von der Ganzhirnbestrahlung über die sehr präzise Radiochirurgie mit dem Gamma-Knife bis zum Einbringen kleinster "strahlender" Teilchen, die nur ihre unmittelbare Umgebung bestrahlen.
- Chemotherapie: Die Chemotherapie wird oft in Kombination mit der Strahlentherapie eingesetzt. Das Chemotherapeutikum Temozolomid ist ein Standardmedikament zur Behandlung des Glioblastoms. Um den Gehirntumor erreichen zu können, müssen die Wirkstoffe die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Dies können jedoch nur wenige Chemotherapeutika wie etwa Temozolomid, welches beim Glioblastom verwendet wird (z. B. Temodal®).
Prognose eines Glioblastoms
Die Prognose eines Glioblastoms ist trotz intensiver Behandlungsmöglichkeiten schlecht. Die durchschnittliche Überlebenszeit beträgt etwa 12 bis 18 Monate nach der Diagnose. Es gibt jedoch individuelle Unterschiede, und einige Patienten leben deutlich länger.
Palliativtherapie
Bei fortgeschrittenen Glioblastomen, bei denen eine Heilung nicht mehr möglich ist, steht die Palliativtherapie im Vordergrund. Ziel der Palliativtherapie ist es, die Lebensqualität des Patienten zu verbessern und die Symptome zu lindern. Dies kann die Behandlung von Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und anderen Beschwerden umfassen. Kortison kann gut gegen Kopfschmerzen helfen, da es die Umgebung des Tumors abschwellen lässt und dadurch den Hirndruck senkt. Zerebrale Krampfanfälle behandeln die Ärzte mit Antiepileptika.
Übelkeit und Erbrechen bei Krebserkrankungen
Ursachen von Übelkeit und Erbrechen
Übelkeit und Erbrechen sind häufige Symptome bei Krebserkrankungen. Sie können durch den Tumor selbst, durch die Krebsbehandlung (Chemotherapie, Strahlentherapie) oder durch Begleiterkrankungen verursacht werden. Zum einen kann der Tumor selbst Auslöser sein, beispielsweise bei Magenkrebs, Tumoren im Gehirn oder Ausbreitung auf die Leber. Die Beschwerden können aber auch indirekt durch die Krebserkrankung verursacht werden, z. B. infolge von Stoffwechselveränderungen, Verstopfung, Gewichtsverlust und Schwäche, Infektionen, Immobilisierung oder durch ein sog. paraneoplastisches Syndrom (der Tumor produziert verschiedene Substanzen mit Auswirkung auf den Körper).
Lesen Sie auch: Ursachen für Epilepsie, Erbrechen und Durchfall
Behandlung von Übelkeit und Erbrechen
Die Behandlung von Übelkeit und Erbrechen richtet sich nach der Ursache. Medikamente gegen Übelkeit (Antiemetika) können helfen, die Beschwerden zu lindern. Bei anhaltendem Erbrechen können die Wirkstoffe auch als Infusion oder Zäpfchen verabreicht werden. Bei allgemeiner Übelkeit wird häufig Metoclopramid gegeben. Eine mögliche Alternative sind Antipsychotika, die eine ähnliche Wirkung haben. Antihistaminika (z. B. Dimenhydrinat) oder Anticholinergika werden vor allem eingesetzt, wenn die Beschwerden mit Bewegung in Zusammenhang stehen. Dexamethason kann zur Linderung von Übelkeit und Erbrechen bei erhöhtem Hirndruck durch Hirnmetastasen eingesetzt werden. Serotonin-Rezeptor-Antagonisten (Setrone) erweisen sich häufig als wirksam und sollten insbesondere bei durch Chemo- oder Strahlentherapie verursachter Übelkeit in Betracht gezogen werden. Bei Patientinnen, die zusätzlich unter Angst und Unruhe leiden, können Benzodiazepine angewendet werden. Wenn die Wirkung nicht ausreicht, können verschiedene Wirkstoffe kombiniert werden. Wenn andere Medikamente nicht wirken, können auch Cannabinoide verschrieben werden. Opioidinduzierte Übelkeit: Übelkeit ist eine häufige Nebenwirkung bei der Anwendung von Opioiden. Aus diesem Grund sollten vor Beginn einer Opioid-Behandlung vorbeugende Maßnahmen in Betracht gezogen werden. Bei manchen Patientinnen klingt die Übelkeit nach 3-5 Tagen ab. Andernfalls kann ein Wechsel des Opioids erwogen werden. Mit Dopaminantagonisten (z. B.
Nicht-medikamentöse Maßnahmen
Neben Medikamenten können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen helfen, Übelkeit und Erbrechen zu lindern. Dazu gehören:
- Achtsame Ernährung: Kleine, leichte Mahlzeiten, Vermeidung von fettigen und stark gewürzten Speisen.
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Um Dehydration zu vermeiden.
- Entspannungstechniken: Atemübungen, Meditation, progressive Muskelentspannung.
- Akupunktur: Kann bei einigen Patienten helfen, Übelkeit zu reduzieren.
Hirntumoren im Kindesalter
Besonderheiten von Hirntumoren bei Kindern
Im Kindes- und Jugendalter (<15 Jahre) stehen die Tumoren des zentralen Nervensystems (ZNS) mit einem Anteil von ca. 25 % an 2. Stelle aller onkologischen Erkrankungen. Insgesamt erkranken in Deutschland jährlich ca. 430 Kinder an einem ZNS-Tumor. Die häufigsten ZNS-Tumoren sind Astrozytome (46 %), gefolgt von Medulloblastomen (12 %), Ependymomen (10 %), Kraniopharyngeomen (4 %) und die anderen embryonalen Tumoren des ZNS (ehemals stPNETs; 2 %). Die klinischen Symptome sind vor allem abhängig vom Alter des Kindes, d. h. seinem physischen und psychomotorischen Entwicklungsstand, sowie von der Lokalisation, Ausbreitung und Histologie des Tumors. Im Säuglings- und Kleinkindalter ist die Diagnostik durch die mangelnde Kooperationsfähigkeit bzw. -bereitschaft der Kinder erschwert. Ältere Kinder zeigen häufig Symptome, die mit denen bei Erwachsenen vergleichbar sind.
Symptome bei Kindern
Bei Säuglingen sind die Zeichen der intrakranialen Druckerhöhung eine gespannte Fontanelle, dehiszente Schädelnähte, eine opisthotone Körperhaltung und eine unphysiologische Zunahme des Kopfumfangs. Ein Papillenödem wird meist nicht oder erst spät beobachtet. Aber auch unspezifische Symptome wie Gewichtsstagnation, Erbrechen und Verhaltensänderungen können auftreten. Ältere Kinder zeigen als Zeichen der intrakranialen Druckerhöhung häufig Kopfschmerzen, Erbrechen und eine Parese des N. abducens (langer extraduraler Verlauf des Nervs an der Schädelbasis) mit Doppelbildern und kompensatorischer Kopfschiefhaltung. Eine Stauungspapille ist häufig und oft frühzeitig mit einer Störung des Farbsehens (Dyschromatopsie) und einer Vergrößerung des zentralen Skotoms vergesellschaftet. Das Erbrechen im Rahmen der intrakranialen Druckerhöhung wird durch die Reizung des Vaguskerns bzw. des Brechzentrums am Boden des 4. Ventrikels ausgelöst. Es tritt häufig morgendlich, z. T. schwallartig, bei nüchternem Patienten und mit nachfolgendem Wohlergehen auf. Dennoch findet es sich auch zu anderen Tageszeiten.
Diagnostik bei Kindern
Die computertomografische Diagnostik hat heute nur noch Bedeutung in der Notfalldiagnostik (Neudiagnose, Therapiekomplikationen, Shuntkontrolle), Beurteilung von verkalkten Tumoranteilen (z. B. beim Kraniopharyngeom), Beurteilung vo…
Therapie bei Kindern
Die Therapie von Hirntumoren im Kindesalter erfordert eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Neurochirurgen, Onkologen, Strahlentherapeuten und anderen Fachärzten. Die Behandlung richtet sich nach der Art, Lage und Größe des Tumors sowie dem Alter des Kindes.
Differenzialdiagnosen
Es ist wichtig zu beachten, dass schwallartiges Erbrechen nicht immer auf einen Gehirntumor hinweist. Es gibt eine Reihe anderer Erkrankungen, die ähnliche Symptome verursachen können. Dazu gehören:
- Magen-Darm-Infektionen: Können Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen verursachen.
- Migräne: Kann mit Übelkeit und Erbrechen einhergehen.
- Meningitis: Entzündung der Hirnhäute, die zu Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Nackensteifigkeit führen kann.
- Hypertrophe Pylorusstenose: Bei Babys kann diese angeborene Erkrankung zu schwallartigem Erbrechen führen. Babys, die an Pylorusstenose erkrankt sind, zeigen in den ersten Lebenswochen zunehmend häufig nach der Milchmahlzeit schwallartiges Erbrechen. Etwa eine halbe bis eine Stunde nach dem Stillen erbrechen sie die aufgenommene Nahrung teilweise oder vollständig. Blut oder Galle sind im Erbrochenen meist nicht enthalten. Unmittelbar nach dem Erbrechen sind die betroffenen Kinder wieder hungrig und zeigen dies, indem sie nach dem Fläschchen oder der Brust suchen und gierig trinken.
tags: #schwallartiges #erbrechen #glioblastom