Fersenschmerzen und Polyneuropathie: Ursachen, Behandlung und Linderung

Fersenschmerzen und Polyneuropathie können erhebliche Beschwerden verursachen und die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Ursachen von Fersenschmerzen im Zusammenhang mit Polyneuropathie, stellt verschiedene Behandlungsansätze vor und gibt praktische Tipps zur Schmerzlinderung.

Einführung in Fersenschmerzen und Polyneuropathie

Fersenschmerzen sind ein weit verbreitetes Problem, das Menschen jeden Alters betreffen kann. Sie können in Ruhe oder bei Belastung auftreten und unterschiedliche Ursachen haben. Polyneuropathie hingegen ist eine neurologische Erkrankung, die die peripheren Nerven betrifft und Empfindungen, Muskelbewegungen sowie das vegetative Nervensystem steuern kann. Oftmals leiden Diabetiker infolge dauerhaft erhöhter Blutzuckerwerte unter dieser Nervenschädigung. Die Erkrankung beginnt meist an den unteren Extremitäten, ist oft symmetrisch ausgeprägt und schreitet allmählich voran.

Ursachen von Fersenschmerzen bei Polyneuropathie

Fersenschmerzen können im Zusammenhang mit Polyneuropathie verschiedene Ursachen haben. Es ist wichtig, die genaue Ursache der Schmerzen zu ermitteln, um eine gezielte Behandlung einzuleiten.

Neuropathische Schmerzen

Polyneuropathie verursacht nicht bei allen Patienten Schmerzen. Es kann vorkommen, dass zwei Menschen die exakt gleiche Diagnose gestellt bekommen, einer aber sehr starke Schmerzen hat, der andere hingegen gar nichts merkt. Schmerzen entstehen durch die Art, wie Signale im Nervensystem verarbeitet werden. Bei Polyneuropathie können bestimmte Hirnareale überempfindlich sein und deshalb Schmerzen melden, obwohl gar kein "echtes" Problem besteht. Deshalb kann es gegen die Schmerzen helfen, wenn man das Nervensystem speziell trainiert. Insbesondere das Training der Wahrnehmung des Körpers und der Koordination sind dafür hilfreich.

Das Nervensystem ist ein System zur Signalübertragung und lässt sich bildlich gesprochen mit einem Radio vergleichen. Es gibt einen Sender (die Nerven in Füßen oder Händen) und einen Empfänger (das Gehirn). Wenn das Signal gestört wird, kommt statt einem klaren Signal ein Rauschen (Schmerzen) beim Empfänger an. Das ist beim Nervensystem nicht anders als beim Radio. Wenn man statt einem klaren Signal im Radio ein Rauschen empfängt, neigt man dazu, die Lautstärke zu erhöhen, um trotzdem etwas verstehen zu können. Auch das Gehirn ist in der Lage, das „Empfängerareal“ empfindlicher einzustellen. Die Gehirnareale, die die Signale aus Händen oder Füßen empfangen, werden dann empfindlicher. Man kann sagen, das Gehirn hört genauer hin. Dadurch wird allerdings auch das „Rauschen“ stärker.

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Muskelüberlastung und veränderte Bewegungsmuster

Aufgrund der Polyneuropathie sinkt die Muskelkraft und die Bewegungsmuster verändern sich. Wenn das der Fall ist, lassen sich die Schmerzen oft sehr gut durch Massage und Dehnung reduzieren. Es ist dazu sehr wichtig, genau zu wissen, an welchen Stellen der Schmerz ist. Zum Beispiel benötigen Schmerzen des Fußrückens Massage und Dehnung ganz anderer Stellen als Schmerzen an der Fußsohle.

Wenn Sie aufgrund der Polyneuropathie schlechter Gehen können und weniger Kraft haben, dann ist das problematisch für die Muskeln. Aufgrund der Überlastung neigen sie dazu sich zu verspannen oder zu verkrampfen, was unglaubliche Schmerzen verursachen kann. Man nennt solche schmerzenden Muskeln medizinisch das Myofasziale Schmerzsyndrom und es ist die mit Abstand häufigste Ursache von Schmerzen am Bewegungsapparat. Allerdings ist die Behandlung überraschend einfach und jeder kann sie selbst durchführen, wenn man einige wenige Grundlagen darüber weiß. Das Wichtigste was man wissen muss um sich selbst gegen die Schmerzen zu helfen ist, dass sich nicht immer die gesamten Muskeln verkrampfen, sondern meist nur Anteile weniger Muskelfasern. Diese sind oft nur so klein wie eine Murmel, bewirken aber große Schmerzen in einem ganzen Körperteil. Sie werden deshalb Triggerpunkte genannt (Trigger heißt auf Englisch Auslöser, es handelt sich also um Schmerzauslösepunkte). Das einzig Komplizierte dabei ist, den richtigen Triggerpunkt zu finden. Häufig liegt dieser an einer ganz anderen Stelle, als wo der Schmerz gefühlt wird. Triggerpunkte im Unterschenkel können zum Beispiel häufig Schmerzen in der Fußsohle auslösen. Jeder Triggerpunkt verursacht Schmerzen an einer typischen Stelle. Diese wiederholen sich von Mensch zu Mensch.

Nervenkompressionssyndrome

An der Außenseite der Ferse verlaufen Nerven, die den Fuß versorgen. Eine Einengung oder Reizung dieser Nerven führt zu seitlichen Fersenschmerzen. Zwei Erkrankungen, welche die nervöse Versorgung des Fußes mit sensiblen Reizen betreffen, können zu seitlichen Fersenschmerzen führen: die Einengung (Kompression) des Schienbeinnervs (Tarsaltunnelsyndrom) und die Baxter-Neuropathie.

Im Tarsaltunnel, der sich zwischen einem Fußinnenband (Ligamentum laciniatum) und dem Sprungbein (Talus) befindet, läuft der Schienbeinnerv. Beim Tarsaltunnelsyndrom ist dieser Kanal im inneren (medialen) Bereich des Fußes verengt. Die Beschwerden des Tarsaltunnelsyndroms sind oft von Patient und Arzt schwer zu deuten und unterscheiden sich individuell. Verschiedene Nerven verlaufen im Tarsaltunnel und versorgen die Fußsohle. Die Gefühlswahrnehmung der Fußsohle ist wichtig für die Steuerung des Gleichgewichts und den aufrechten Gang. Die Enge im Tarsaltunnel kann durch Schwellung und Flüssigkeitsansammlungen (Ödeme) nach Unfällen, Diabetes, Arthritis oder Arthrose im Sprunggelenk aufgrund von Fußfehlstellungen hervorgerufen werden. Bildgebende Untersuchungen, ein Nervenleit- oder Muskelfunktionstest sowie das Patientengespräch geben dem Arzt wichtige Hinweeise auf die exakte Ursache des Tarsaltunnelsyndroms.

Die Einengung des Baxter-Nervs zählt wie das Tarsaltunnelsyndrom zu den Nervenkompressionssyndromen und wird nicht selten bei Laufsportlern beobachtet. Direkt lässt sich eine Baxter-Nerv-Einengung nicht auf Röntgen- oder MRT-Aufnahmen nachweisen. Eventuell erkennt der Orthopäde Begleiterkrankungen wie eine Fußfehlstellung oder eine Sprunggelenksarthrose.

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Weitere Ursachen

Neben den genannten Ursachen können auch andere Faktoren zu Fersenschmerzen bei Polyneuropathie beitragen:

  • Entzündungen: Entzündungen der Plantarsehne (Plantarfasziitis) oder der Achillessehne (Achillodynie) können Fersenschmerzen verursachen.
  • Fersensporn: Ein Fersensporn ist ein knöcherner Fortsatz am Fersenbein, der durch Überlastung oder Fehlbelastung entstehen kann.
  • Fußfehlstellungen: Fußfehlstellungen wie Knick-, Senk- oder Plattfüße können zu einer ungleichmäßigen Belastung der Ferse führen und Schmerzen verursachen.
  • Übergewicht: Übergewicht belastet die Füße zusätzlich und kann Fersenschmerzen verstärken.
  • Schlechtes Schuhwerk: Ungeeignete Schuhe, die nicht ausreichend stützen oder dämpfen, können Fersenschmerzen verursachen oder verschlimmern.
  • Systemische Erkrankungen: In einigen Fällen können auch systemische Erkrankungen wie Rheuma, Morbus Bechterew oder Diabetes mellitus zu Fersenschmerzen führen.

Diagnose von Fersenschmerzen bei Polyneuropathie

Um die Ursache von Fersenschmerzen bei Polyneuropathie zu ermitteln, ist eine gründliche Diagnose erforderlich. Diese umfasst in der Regel:

  • Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten, einschließlich der Art, Lokalisation und Intensität der Schmerzen, sowie eventuelle Vorerkrankungen und Medikamenteneinnahme.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht den Fuß und die Ferse auf Druckschmerzhaftigkeit, Schwellungen, Rötungen und Fehlstellungen. Er prüft auch die Beweglichkeit des Fußes und die Funktion der Nerven.
  • Neurologische Untersuchung: Bei Verdacht auf Polyneuropathie wird eine neurologische Untersuchung durchgeführt, um die Funktion der peripheren Nerven zu überprüfen.
  • Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall oder MRT erforderlich sein, um die Ursache der Fersenschmerzen zu identifizieren.
  • Nervenleitgeschwindigkeitsmessung: Um die Diagnose der Polyneuropathie zu bestätigen und das Ausmaß der Nervenschädigung zu beurteilen, kann eine Nervenleitgeschwindigkeitsmessung durchgeführt werden.

Behandlung von Fersenschmerzen bei Polyneuropathie

Die Behandlung von Fersenschmerzen bei Polyneuropathie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache und dem Schweregrad der Beschwerden. Es gibt verschiedene konservative und operative Behandlungsmöglichkeiten.

Konservative Behandlung

Die konservative Behandlung zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die Funktion des Fußes zu verbessern und die Lebensqualität des Patienten zu erhöhen. Sie umfasst in der Regel:

  • Schmerzmittel: Schmerzmittel wie Paracetamol, Ibuprofen oder Diclofenac können zur kurzfristigen Schmerzlinderung eingesetzt werden. Bei neuropathischen Schmerzen können spezielle Medikamente wie Antidepressiva oder Antikonvulsiva erforderlich sein.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskulatur zu stärken, die Beweglichkeit des Fußes zu verbessern und Fehlbelastungen zu korrigieren.
  • Orthopädische Einlagen: Orthopädische Einlagen können den Fuß stützen, die Belastung der Ferse reduzieren und Fehlstellungen korrigieren.
  • Dehnübungen: Regelmäßige Dehnübungen können helfen, die Plantarsehne und die Achillessehne zu dehnen und die Flexibilität des Fußes zu verbessern.
  • Massagen: Massagen können die Muskulatur entspannen, die Durchblutung fördern und Schmerzen lindern.
  • Kälte- oder Wärmeanwendungen: Kälte- oder Wärmeanwendungen können je nach Ursache der Schmerzen zur Linderung beitragen. Bei Entzündungen ist Kühlung oft wohltuend, während Wärme bei Muskelverspannungen helfen kann.
  • Gewichtsreduktion: Bei Übergewicht kann eine Gewichtsreduktion helfen, die Belastung der Füße zu reduzieren und Schmerzen zu lindern.
  • Anpassung des Schuhwerks: Das Tragen von geeignetem Schuhwerk, das ausreichend stützt und dämpft, ist wichtig, um Fersenschmerzen vorzubeugen und zu lindern.

Training des Nervensystems

Als Sporttherapeut wendet man dauernd Trainingsmethoden an, um körperliche Probleme zu lösen. Das kann bedeuten, ein Körperteil zu stärken um Schäden an einer anderen Stelle auszugleichen. Wer zum Beispiel einen Bandscheibenvorfall hat, kann durch Kräftigung der Rückenmuskeln häufig die Schmerzen loswerden. Dadurch wird der Bandscheibenvorfall nicht geheilt, denn die Bandscheibe selbst wird nicht trainiert. Die Schmerzen werden aber trotzdem besser, wenn die Muskeln stärker und die Wirbelsäule dadurch stabiler wird. Stärken an einer Stelle können also Schwächen an anderer Stelle ausgleichen. Denn wenn bei der Polyneuropathie die Nerven in Füßen oder Händen Schaden nehmen, lässt sich das durch Training nicht umkehren.

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Das Nervensystem ist das am schnellsten und besten trainierbare Organ das wir haben. Und es lässt sich fast ohne körperliche Anstrengung trainieren. Man kann also auch wenn man sehr schwach ist Übungen für das Nervensystem machen. Solche Übungen werden schon seit langem erfolgreich als Koordinationstraining angewandt. Dass man das Nervensystem trainieren und dadurch die Schmerzen reduzieren kann, wurde quasi zufällig festgestellt. Auf der Suche nach einer Methode, Patienten mit Polyneuropathie besseres und sichereres Gehen zu ermöglichen, trainierten Wissenschaftler mit den Patienten das Gleichgewicht. Das heißt, man übte, in wackeligen Positionen stehen zu bleiben. Dabei muss das Nervensystem andauernd genau spüren, in welcher Position man sich befindet, wie der Untergrund sich anfühlt und wieviel Muskelspannung vorhanden ist. Dadurch verbesserte sich wie erwartet das Gleichgewicht der Patienten deutlich. Bei weiteren Untersuchungen stellte man allerdings fest, dass die Nerven der Patienten, die trainierten genauso geschädigt waren wie die der Patienten, die nicht trainierten. Das heißt also: Die Verbesserung der Schmerzen kam nicht durch eine Heilung der Nerven zustande.

Das beste Mittel das wir dazu haben ist das Training des Gleichgewichts. Dadurch verbessert sich Ihre Fähigkeit, den Körper wahrnehmen und steuern zu können, also das Körpergefühl. Ihr Körper lernt also, Reize aus den Nerven besser zu verarbeiten. Dass das Körpergefühl trainierbar ist, ist seit langem bekannt. Sportler trainieren so seit langem und schützen sich damit vor Verletzungen, Ältere verbessern ihre Gangsicherheit und stürzen nach dem Training seltener. Es ist wichtig zu verstehen, dass durch ein solches Training nicht alle Schmerzen verschwinden, denn die Schäden in den Nerven können durch das Training nicht geheilt werden. Es kommt aber häufig zu einer Besserung der Symptome. Es gibt auch Menschen, bei denen die Schmerzen sich durch Training nicht verbessern .Woran das liegt ist bis jetzt nicht geklärt.

Wenn Ihre Schmerzen beim Gehen besonders stark sind, kann es hilfreich sein, Gleichgewichtsübungen zu machen. Außerdem sollten Sie versuchen, die betroffenen Regionen wie unten beschrieben zu massieren und zu dehnen. Häufig entstehen nämlich Schmerzen beim Gehen durch überlastete Muskeln. Wenn die Muskeln gelockert werden lindert das oft auch die Schmerzen - obwohl die Polyneuropathie weiterhin besteht.

Falls Sie ausschließlich beim Gehen Schmerzen haben und in Ruhe keine Schmerzen empfinden, sollten Sie darüber hinaus auf die richtigen Schuhe achten. Da man seine Füße aufgrund der Polyneuropathie nicht mehr so gut spüren kann, nimmt man häufig nicht genau wahr, wenn Schuhe zu eng sind oder nicht richtig passen. Probieren Sie einmal verschiedene Schuhe aus und achten Sie darauf, ob die Schmerzen mit einem bestimmten Modell weniger sind. Leider gibt es nicht "das Modell" das für jeden Polyneuropathiepatienten sinnvoll ist. Tendenziell ist allerdings zu stabilen Schuhen zu raten, die genug Stabilität bieten um Stolpern und Umknicken zu verhindern.

Um während des Übens keine Gefahr einzugehen zu stürzen, sollten Sie immer auf sichere Weise üben. Stellen Sie sich deshalb zum Üben zwischen einen Tisch und einen stabilen Stuhl oder Sessel. Stellen Sie sich zunächst ganz normal hin. Wenn Ihnen das gut gelingt schließen Sie die Augen. Das Schließen der Augen bewirkt, dass Sie auf die Informationen aus Ihrem Körper angewiesen sind statt auf das Sehen. Wenn Ihnen die erste Übung leicht fiel, setzen Sie jetzt einen Fuß nach vorne, sodass sich der Fußballen des hinteren Fußes und die Ferse des vorderen Fußes berühren. Die nächst schwierigere Variante ist, die Füße direkt voreinander zu stellen, sie also nicht mehr seitlich zu versetzen. Falls Sie diese Übung nicht schaffen, ist das völlig in Ordnung. Als letzte und schwierigste Übung können Sie sich einbeinig auf die Zehenspitzen stellen. Mit diesem Training verbessern Sie nicht nur Ihr Körpergefühl und hoffentlich Ihre Schmerzen, sondern schützen sich außerdem vor Stürzen.

Massage und Dehnung bei Muskelüberlastung

Um den Schmerzen bei Polyneuropathie beizukommen gibt es einen zweiten Ansatz: die Behandlung der Muskeln mit Massage und Dehnung. Ich hatte bereits einige Patienten, die nach einer solchen Behandlung komplett schmerzfrei waren. Eine meiner Patientinnen hatte zum Beispiel starke Schmerzen an den gesamten Füßen, von den Zehenspitzen bis zur Achillessehne. Nach einigen Behandlungen verschwanden die Schmerzen am Großteil der Füße, lediglich die Zehen taten ihr weiterhin weh. Ein weiterer Patient mit Polyneuropathie hatte starke Schmerzen am Unterschenkel. Aber wie kann das sein? Das liegt daran, dass sich bei Polyneuropathie die Muskelkraft verringert und die Bewegungsmuster sich verändern. Außerdem spürt man oft aufgrund des eingeschränkten Gefühls nicht mehr, was genau in den Muskeln vor sich geht. Deshalb werden die Muskeln häufig bereits im Alltag überlastet.

Um die Schmerzen zu reduzieren massieren Sie die mit einem Kreuzchen markierte Stelle. Stellen Sie sich dazu vor einen Stuhl und legen Sie ein Bein auf die Sitzfläche. Ziehen Sie die Fußspitze nach oben und strecken Sie das Knie. Schmerzen der Waden können auch bei Polyneuropathie recht oft durch Massage und Dehnung reduziert werden. Die Schmerzen treten bei Polyneuropathie meist zuerst in den Zehenspitzen oder Fingern auf. Wenn die Schmerzen hingegen näher am Körperzentrum auftreten ist es relativ wahrscheinlich, dass die Ursache der Schmerzen eine Muskelüberlastung ist. Diese Muskelüberlastung entsteht als Folge der Polyneuropathie, weil die Bewegungen sich verändern und man weniger leistungsfähig wird. Ich hatte wiederholt Patienten mit Polyneuropathie, die Schmerzen in der Wade hatten und nach einer Behandlung der Muskeln komplett schmerzfrei waren.

Die Beuger der großen Zehe können Schmerzen in der großen Zehe verursachen. Allerdings liegt der lange Zehenbeuger (Musculus flexor hallucis longus) weit entfernt an der Rückseite des Unterschenkels. Auch der kurze Zehenbeuger (Musculus flexor hallucis brevis) kann Schmerzen der Großzehe verursachen. Um die Zehenbeuger zu dehnen wird die Fußspitze so auf einen Stuhl gestellt, dass die Ferse frei nach unten gedrückt werden kann und eine Vorspannung entsteht. Dann wird mit den Händen die Großzehe nach oben gezogen.

Die Zehenspitzen sind meist als erstes von Polyneuropathie betroffen und danach breiten sich die Symptome weiter in die Füße aus. Das liegt daran, dass die Nerven, die die Zehen versorgen die längsten Nerven am ganzen Körper sind. Sie müssen Signale über den ganzen Weg vom Rückenmark bzw. Gehirn bis in die Zehenspitzen leiten. Bei der Polyneuropathie sammeln sich auf dieser langen Strecke oft viele kleine Schäden in den Nerven an und verschlechtern die Reizleitung. Allerdings spielen häufig auch Muskelverkrampfungen in den Muskeln die die Zehen bewegen eine Rolle für die Schmerzen.

Übrigens kann es manchmal gegen die Schmerzen helfen, die Füße etwas zu kühlen. Auch bei Schmerzen der Ferse haben Sie relativ gute Chance auf Besserung, wenn die Schmerzen sich auf die Ferse beschränken. Dabei spielt ein Muskel an der Fußsohle, der Quadratus Plantae eine wichtige Rolle. Legen Sie dazu einfach einen Tennisball oder einen kleinen harten Gummiball (zum Beispiel einen Flummi) unter die Fußsohle, drücken Sie mit dem Fuß darauf und bewegen Sie ihn vor und zurück. Schmerzen der Ferse können außerdem von Triggerpunkten in einem Muskel im Unterschenkel ausgelöst werden: dem M. Soleus. Dieser Muskel neigt allgemein dazu überlastet zu werden.

Operative Behandlung

In einigen Fällen kann eine operative Behandlung erforderlich sein, um die Ursache der Fersenschmerzen zu beheben. Dies kann beispielsweise bei Nervenkompressionssyndromen wie dem Tarsaltunnelsyndrom oder der Baxter-Neuropathie der Fall sein. Bei der Operation wird der eingeengte Nerv entlastet, um die Schmerzen zu lindern.

Weitere Maßnahmen zur Linderung von Fersenschmerzen

Neben den genannten Behandlungsmöglichkeiten gibt es noch weitere Maßnahmen, die zur Linderung von Fersenschmerzen beitragen können:

  • Regelmäßige Fußpflege: Regelmäßige Fußpflege, einschließlich des Schneidens der Zehennägel und des Entfernens von Hornhaut, kann helfen, Druckstellen und Reizungen zu vermeiden.
  • Fußbäder: Fußbäder mit warmem Wasser und Zusätzen wie Meersalz oder ätherischen Ölen können die Durchblutung fördern und die Muskulatur entspannen.
  • Hochlegen der Füße: Das Hochlegen der Füße kann helfen, Schwellungen zu reduzieren und die Durchblutung zu verbessern.
  • Vermeidung von Überlastung: Vermeiden Sie Aktivitäten, die die Fersenschmerzen verstärken, und gönnen Sie Ihren Füßen ausreichend Ruhe.
  • Achtsamkeit: Achten Sie auf die Signale Ihres Körpers und vermeiden Sie es, Schmerzen zu ignorieren.

Prävention von Fersenschmerzen bei Polyneuropathie

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die Sie ergreifen können, um Fersenschmerzen bei Polyneuropathie vorzubeugen:

  • Gute Blutzuckereinstellung: Bei Diabetikern ist eine gute Blutzuckereinstellung entscheidend, um Nervenschädigungen vorzubeugen oder zu verlangsamen.
  • Gesunder Lebensstil: Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, ausreichend Bewegung und dem Verzicht auf Nikotin und übermäßigen Alkoholkonsum kann helfen, die Nervenfunktion zu erhalten.
  • Regelmäßige Fußkontrollen: Untersuchen Sie Ihre Füße regelmäßig auf Verletzungen, Druckstellen und andere Auffälligkeiten.
  • Geeignetes Schuhwerk: Tragen Sie Schuhe, die gut passen, ausreichend stützen und dämpfen.
  • Vermeidung von Überlastung: Vermeiden Sie Aktivitäten, die Ihre Füße überlasten, und gönnen Sie ihnen ausreichend Ruhe.
  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann helfen, die Muskulatur zu stärken, die Durchblutung zu fördern und die Nervenfunktion zu verbessern.

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