"Ihre Nerven liegen blank?": Frühe Hilfen für Familien in Belastungssituationen

Einführung

Das frühkindliche Schreien stellt für viele Eltern eine enorme Belastung dar. Wenn die Nerven blank liegen, ist es wichtig, frühzeitig Hilfe in Anspruch zu nehmen. "Frühe Hilfen" sind Angebote für Eltern ab der Schwangerschaft und Familien mit Kindern bis drei Jahre, die Unterstützung in verschiedenen Lebenslagen bieten. Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung Früher Hilfen, insbesondere im Kontext von exzessivem Schreien, und stellt konkrete Angebote vor.

Die Belastung durch frühkindliches Schreien

Viele Babys schreien in den ersten Monaten sehr viel. Dieses Schreien kann für Eltern sehr belastend sein und zu Gefühlen der Hilflosigkeit, Erschöpfung und Überforderung führen. Langanhaltendes Schreien gilt als Hauptauslöser für das Schütteln eines Babys im Affekt, was schwerwiegende gesundheitliche Folgen für das Kind haben kann. Das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) informiert daher mit verschiedenen Medien über das frühkindliche Schreien und klärt über die Gefahren des Schüttelns von Säuglingen auf.

Angebote der Frühen Hilfen

Die Frühen Hilfen umfassen verschiedene Angebote, die auf die individuellen Bedürfnisse der Familien zugeschnitten sind. Sie helfen, wenn Eltern in der Schwangerschaft oder nach der Geburt unsicher oder nervös sind, sich genervt oder gestresst fühlen. Die Angebote unterscheiden sich je nach Wohnort.

Unterstützung zu Hause

  • Familienhebammen und Familien-Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen und -pfleger (FGKiKP): Sie begleiten die Familie bis zum ersten Geburtstag des Babys, kümmern sich um eine gute Versorgung von Mutter und Kind und helfen bei Fragen, Sorgen und Ängsten.
  • Familienpatinnen und Familienpaten: Ehrenamtliche Helfer kommen zum Spielen mit dem Kind, zum Spazierengehen oder begleiten zu Arztbesuchen. Sie helfen im Alltag und entlasten die Eltern.
  • Willkommensbesuche: Nach der Geburt des Kindes werden Eltern zu Hause besucht und über Angebote für junge Familien in der Nähe informiert.
  • Lotsinnen und Lotsen: Sie arbeiten in Geburtskliniken oder besuchen die Familie nach der Geburt zu Hause und informieren über Unterstützungsmöglichkeiten. Sie helfen beispielsweise bei der Suche nach einem Eltern-Kind-Treff oder beim Ausfüllen von Anträgen.

Angebote, die Eltern besuchen können

  • Schwangerschaftsberatungsstellen: Sie bieten Beratung und Unterstützung bei Fragen und Unsicherheiten rund um Schwangerschaft und Familienplanung.
  • Schreiambulanzen: Wenn ein Baby viel schreit und sich nur schwer beruhigen lässt, bieten Schreiambulanzen professionelle Hilfe.
  • Familien- und Erziehungsberatungsstellen: Sie helfen bei Streit in der Familie, Sorgen um die Kinder oder Fragen zur Erziehung.
  • Eltern-Kind-Treffs: Sie bieten die Möglichkeit, andere junge Familien kennenzulernen, sich auszutauschen und Kontakte zu knüpfen.
  • Offene Sprechstunden: In Familien- und Stadtteilzentren können Fragen und Probleme zur Familie, Erziehung und Entwicklung des Kindes besprochen werden.

Materialien und Informationen des NZFH

Das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) stellt verschiedene Materialien zur Verfügung, um Eltern über frühkindliches Schreien aufzuklären und sie zu ermutigen, bei Bedarf Hilfe zu suchen.

  • Flyer "Ihre Nerven liegen blank?": Dieser Flyer vermittelt einen Notfallplan in vier Punkten, falls Eltern merken, dass sie die Nerven verlieren, weil ihr Baby viel schreit. Er ermutigt Eltern, den Raum zu verlassen und sich zu beruhigen, wenn sie merken, die Beherrschung zu verlieren. Der Flyer liegt neben Deutsch in sechs weiteren Sprachversionen vor.
  • Plakat "Ihre Nerven liegen blank?": Das Plakat im DIN-A2-Format vermittelt ebenfalls einen Notfallplan und kann kostenlos bei der BZgA bestellt werden.
  • Informationsfilm „Wenn Babys schreien: Über das Trösten und Beruhigen“: Der Film zeigt, wie Eltern ihr schreiendes Baby Schritt für Schritt dabei unterstützen können, sich selbst zu beruhigen. Er richtet sich neben Eltern auch an Fachkräfte und ist in den Sprachen Deutsch, Arabisch, Englisch, Französisch, Russisch und Türkisch verfügbar.
  • Aufklärungsfilm zum Thema: "Niemals schütteln! Wenn Babys nicht aufhören zu schreien": Der Film verdeutlicht, warum Babys in den ersten Monaten oft und viel schreien können und weshalb Eltern ihr Baby nie schütteln dürfen. Er ist in den Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch, Russisch, Türkisch, Arabisch und Farsi verfügbar.
  • Broschüre in Leichter Sprache: Die achtseitige Broschüre erklärt Eltern in Leichter Sprache, warum Babys schreien und wie man ein Baby beruhigen kann. Sie erklärt zudem, warum Schütteln gefährlich ist und wo sie Hilfe bekommen.

Wo finde ich Frühe Hilfen?

Informationen über Angebote der Frühen Hilfen finden Sie unter elternsein.info. Hier gibt es auch eine Orts- und Postleitzahlensuche für Anlaufstellen der Frühen Hilfen in Ihrer Nähe. Sie können sich auch an Ihren Frauenarzt, Kinderarzt, Ihre Geburtsklinik, das Jugendamt oder eine Schwangerschaftsberatungsstelle wenden.

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Weitere Unterstützungsangebote

  • Nummer gegen Kummer: Unter der Nummer gegen Kummer erhalten Eltern anonym und kostenlos Beratung.
  • bke-Onlineberatung für Eltern: Die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung bietet eine Online-Beratung für Eltern an.
  • Elterncampus des Deutschen Roten Kreuzes: Auf der Online-Plattform erhalten junge Eltern praktische Tipps, fachkundige Beratung sowie eine mehrteilige Kursreihe, die sich den ersten Lebensjahren des Kindes widmet.

Angebote im Landkreis Kassel

Auch im Landkreis Kassel gibt es vielfältige Angebote und Unterstützungsmöglichkeiten für Schwangere und Eltern. Eine Broschüre mit Informationen und Adressen von zuständigen Ämtern, Anlauf- und Beratungsstellen sowie anderen wichtigen Unterstützungsmöglichkeiten steht zum Download bereit. Zudem gibt es einen Wegweiser für (Allein‐)Erziehende, der einen Schwerpunkt auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf legt. Verschiedene Familienzentren im Landkreis Kassel bieten ebenfalls Unterstützung und Angebote für Familien an.

Die Bedeutung der Stärkung der Elternkompetenzen

Um die Elternkompetenzen zu stärken, erläutern zehn Merkblätter (A4, 6 Seiten) die seelischen Bedürfnisse und entwicklungsbezogenen Bedarfe der Kinder von Geburt an bis zum sechsten Lebensjahr. Zehn anschauliche Filme ergänzen die Merkblätter.

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