Klinische Studien spielen eine zentrale Rolle in der neurologischen Forschung und bieten Patienten die Möglichkeit, von innovativen Therapieansätzen zu profitieren. Sie ermöglichen die Entwicklung neuer Medikamente und die Verbesserung bestehender Behandlungen. Die Neurologische Klinik bietet ein breites Spektrum an Studien in verschiedenen Bereichen an.
Klinische Studien in der Neurologie: Ein Überblick
In allen Bereichen der Neurologie werden stetig neue Substanzen und Therapiemethoden entwickelt, mit denen schwere und manchmal noch nicht heilbare Erkrankungen besser behandelt werden können. Die Klinik für Neurologie erforscht diese Therapien und ihre Wirkweise. Klinische Studien sind essenzieller Bestandteil der Forschung unserer Klinik. Nur durch klinische Forschung werden unsere diagnostischen Möglichkeiten und Therapien in Zukunft besser werden. In fast allen Bereichen besteht für Patientinnen und Patienten und oft auch für die Angehörigen die Möglichkeit, an solchen Forschungsprojekten teilzunehmen.
Was ist eine klinische Studie?
Wollen Wissenschaftler klären, ob eine neue Behandlung sicher und wirksam ist, so tun sie dies meist über klinische Studien. Das gilt für Medikamente ebenso wie für Diäten oder medizinische Geräte (z.B. ein Hirnschrittmacher). Andere klinische Studien testen Methoden, eine Krankheit frühzeitig zu erkennen, manchmal noch bevor Symptome auftreten. Wieder andere erproben Wege zur Prävention.
Ablauf einer klinischen Studie
Jede klinische Studie muss vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und der Ethikkommission genehmigt werden. Klinische Studien durchlaufen vier Phasen. In den ersten drei Phasen testen Forscher, ob ein Medikament oder eine andere Intervention sicher und wirksam ist. Ist das der Fall, erfolgt eine Zulassung für die die klinische Anwendung. Bevor ein Medikament zugelassen wird, durchläuft es zunächst eine Vielzahl von klinischen Prüfungen. Hierbei werden ausgesprochen hohe Auflagen an die Sicherheit gelegt. Die in der Klinik im Rahmen von sog. Phase II- oder Phase III-Studien untersuchten Substanzen/Medizinprodukte haben bereits eine umfangreiche Prüfung hinter sich, die eine Abschätzung der erwünschten und unerwünschten Wirkungen erlaubt.
Arten von Studien
- Therapiestudien (auch klinische Studien genannt): Diese prüfen neue Medikamente oder Behandlungen auf ihre Wirksamkeit und Sicherheit.
- Registerstudien: In diesen Studien werden Daten von Patientinnen und Patienten systematisch gesammelt, um den Verlauf von Krankheiten, die Wirksamkeit von Therapien oder die Qualität der Versorgung zu untersuchen. Wichtig: In Registerstudien erhalten Sie keine neue Behandlung.
- Kohortenstudien: Um den Verlauf bestimmter chronischer Erkrankungen, wie der Multiplen Sklerose, des M. Parkinson oder der ALS, besser zu verstehen, führen wir Kohortenstudien durch. Hierbei werden in regelmäßigen Abständen Patient*innen untersucht, um den Verlauf der Erkrankung zu dokumentieren. Hierbei werden oft auch Biomaterialien (beispielsweise Blut, Urin, Tränenflüssigkeit oder Nervenwasser) gesammelt. Aus solchen Bioproben gewinnen wir sogenannte “Biomarker”, also Moleküle, die die Erkrankung besser charakterisieren oder ihren Verlauf beschreiben können.
- Anwendungsbeobachtungen: Die Neurologische Klinik führt auch Anwendungsbeobachtungen durch.
- Arzneimittel- und Medizinprodukte-Studien: Die Neurologische Klinik führt Arzneimittel- und Medizinprodukte-Studien durch.
Gründe für die Teilnahme an einer Studie
Es gibt viele Gründe, warum Menschen an einer klinischen Studie teilnehmen:
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- Ihre bisherige Behandlung schlägt nicht an.
- Sie leiden unter Krankheiten, für die es bisher keine Therapie gibt.
- Sie möchten eine Behandlung erhalten, die noch nicht allgemein verfügbar ist.
- Sie sind gesund, wollen aber helfen, Krankheiten vorzubeugen.
- Die Teilnahme an einer klinischen Prüfung kann für Patienten einen frühen Zugang zu noch nicht zugelassenen Wirkstoffen/Medizinprodukten bedeuten.
Teilnahme an neurologischen Studien
Voraussetzungen und Ablauf der Teilnahme
Da es sich um eine Studie handelt, werden in der Regel nur Patient*innen mit bestimmten Voraussetzungen eingeschlossen. Für alle klinischen Studien gilt: die Teilnahme ist immer freiwillig und Sie können Ihre Teilnahme jederzeit widerrufen.
Wenn Sie sich oder ihr Kind generell als Studienteilnehmerin oder Studienteilnehmer registrieren möchten, füllen Sie bitte einfach kurz das Anmeldeformular unten auf der Seite aus und wir kontaktieren Sie, sobald wir eine für Sie passende Studie haben. Sie können sich aber auch für eine der aktuellen laufenden Studien anmelden. Auf den Seiten "Studiengesuche für Erwachsene" und "Studiengesuche für Kinder" sehen Sie, welche Studien dazu aktuell am Institut durchgeführt werden. Sie gehen bei der Anmeldung keinerlei Verpflichtungen zur Teilnahme ein.
Wie läuft die Teilnahme ab?
- Kontaktaufnahme: Nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf. Wir klären gemeinsam mit Ihnen, ob derzeit eine für Sie passende Studie verfügbar ist und vereinbaren ggf. einen Termin. Sprechen Sie bitte direkt mit den Ärztinnen und Ärzten Ihrer Spezialambulanz oder auf der Station.
- Information und Screening-Phase: Sie werden im Vorfeld detailliert über die Studie informiert. In der anschließenden „Screening-Phase" werden Sie genau untersucht, um sicherzustellen, dass Sie für die Studie geeignet sind. Je nach Studie sind Blutentnahmen, Bildgebungen (MRT oder PET), kognitive oder physische Tests oder auch EKG notwendig.
- Baseline-Besuch und Zuteilung: Werden Sie für eine Studienteilnahme zugelassen, findet ein erster Besuch (der „Baseline-Besuch“) statt. Dabei werden Sie meist per Zufallsprinzip einer Behandlungs- oder Kontrollgruppe zugeteilt.
- Behandlung und Nachsorge: Das Medikament wird meist (je nach Studie) als Infusion, Injektion oder als Tablette verabreicht.
Was ist ein Scheinmedikament (Placebo)?
Ein Placebo ist eine Substanz oder Behandlung, die so konzipiert ist, dass sie keinen therapeutischen Wert hat. Bei klinischen Studien kann ein Placebo so gestaltet werden, dass es einem aktiven Medikament oder einer aktiven Therapie ähnelt, so dass es als Kontrolle fungiert. Damit soll verhindert werden, dass der Empfänger oder andere Personen (mit ihrer Zustimmung) wissen, ob eine Behandlung aktiv oder inaktiv ist. Denn die Erwartungen über die Wirksamkeit einer Methode können die Ergebnisse der Studie beeinflussen. Die meisten Studien laufen verblindet ab.
Beispiele für aktuelle Studien
ROSSINI-Studie
Bei der Globale Real-World-Evidence-Studie wird die Langzeiteffektivität des Medikaments ABBV-951 bei Patienten mit fortgeschrittenem Morbus Parkinson in der klinischen Standardpraxis untersucht. Der Auftraggeber der nicht-interventionellen Studie ist AbbVie (nachfolgend „AbbVie“), der Hersteller von Produodopa (Wirkstoffe: Foscarbidopa und Foslevodopa [gemeinsam: ABBV-951]). Das Forschungsprojekt umfasst ausschließlich die Erhebung und Nutzung von Daten und ist nicht auf die Prüfung eines Arzneimittels ausgelegt.
Patienten mit fortgeschrittener Parkinson-Erkrankung und motorischen Komplikationen (Off-Phasen, Dyskinesien) benötigen einen Therapieansatz, der auf ihre individuellen Bedürfnisse und ihr Ansprechen auf Levodopa zugeschnitten ist. ABBV 951 ist eine leicht lösliche Formulierung der Prodrugs Levodopa/Carbidopa (Foslevodopa/Foscarbidopa), die mittels kontinuierlicher subkutaner Infusion (CSCI) über 24 Stunden verabreicht wird und so das breite Spektrum an Levodopa-Dosen abdeckt, die zur adäquaten Kontrolle motorischer Komplikationen bei Studienteilnehmern mit fortgeschrittener Parkinson-Erkrankung erforderlich sind. Daher könnte diese neuartige Behandlung für viele Patienten eine Alternative sein, deren motorische Komplikationen mit ihrer derzeitigen Behandlung nur unzureichend kontrolliert werden.
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Ablauf der Studie
Über einen Zeitraum von drei (3) Jahren werden Ihr Arzt, seine Mitarbeiter und Sie (als Patient mittels Fragebögen) bei den routinemäßigen Arztbesuchen Informationen zu ihren Parkinson-Symptomen (u. a. motorische Symptome, Aktivitäten des täglichen Lebens, Krankheitsprogression, Schlafqualität) und zu anderen Arzneimitteln, die Sie anwenden, erfassen. Hierbei erfasst Ihr Arzt jeweils Gesundheitsdaten in einem Standardformular, wie sie im Abschnitt „Welche personenbezogenen Daten werden von Ihnen erhoben?“ beschrieben sind. Das Ausfüllen der Fragebögen während der Visiten nimmt jeweils ca. 30 min in Anspruch. Die Teilnahme an der Studie umfasst bis zu zehn (10) Studienbesuche.
Vorraussetzungen für die Teilnahme
Voraussetzung für die Teilnahme an der Studie ist eine fortgeschrittene Parkinson-Erkrankung, die mit ABBV-951 gemäß der Fachinformation und den lokalen Erstattungsregelungen behandelt wird.
Studie zu Schmerzempfinden bei chronischen Erkrankungen
Zahlreiche Patientinnen mit chronisch-entzündlichen oder funktionellen Darmerkrankungen leiden unter wiederkehrenden Schmerzen oder Beschwerden im Magen-Darm-Trakt. Insbesondere lang andauernde (chronische) Verläufe können zu einer Schmerzzunahme auch anderer Schmerzen führen. Viele Patientinnen, die an chronischen Schmerzerkrankungen leiden, leiden auch an Depressionen, die überwiegend mit trauriger oder niedergeschlagener Stimmung einhergehen.
Ziel dieser Studie ist es, zunächst bei Gesunden die Wahrnehmung von wiederholten Dehnungsreizen aus dem Enddarm im Vergleich zu wiederholt auf der Haut applizierten Hitzereizen im Rahmen einer schmerzlindernden Behandlung zu untersuchen. Hierzu werden alle Teilnehmenden dem Zufallsprinzip nach (wie beim Werfen einer Münze) in verschiedene Gruppen zugelost. Entsprechend ihrer Zuordnung wird Teilnehmer*innen entweder traurige oder gefühlsmäßig „neutrale“ Musik und Sätze präsentiert, um vorübergehend eine negative bzw. „neutrale“ Stimmung herbeizuführen. Direkt im Anschluss wird jeweils die Empfindlichkeit gegenüber Reizen aus dem Darm und auf der Haut untersucht. Dies ermöglicht uns Rückschlüsse auf die Wirkmechanismen von Schmerzbehandlungen für verschiedene Körperregionen unter negativer und neutraler Stimmung und ist ein wichtiger Schritt, um zu verstehen, wie chronische Schmerzen entstehen und sich auf die Behandlung auswirken.
Ablauf der Studie
Die Studie gliedert sich in drei Tage auf. An Tag 1 führen wir eine MRT-Messung durch, um die Struktur und die Ruheaktivität des Gehirns zu erheben, an diesem Tag erhalten Sie keine Schmerzreize und auch KEIN Kontrastmittel (ca 1h). An Tag 2 (ca. 4h) und 3 (ca. 1,5h) erfolgen die eigentlichen Untersuchungstermine in der Klinik für Neurologie. Tag 2 umfasst außerdem noch eine kurze körperliche Voruntersuchung.
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Das Studienzentrum der Neurologischen Klinik
Aufgaben und Schwerpunkte
Zentrale Aufgabe des klinischen Studienzentrums der Neurologischen Klinik ist die Vorbereitung und Durchführung von klinischen Studien. Thematische Schwerpunkte liegen in den Bereichen zerebrovaskulärer Erkrankungen, neurodegenerativer Erkrankungen, entzündlicher Erkrankungen sowie der Neuroonkologie.
Interdisziplinäre Kooperation
Klinische Studien zu komplexen Erkrankungen lassen sich nur umsetzen, wenn Experten über verschiedene Fachgebiete hinweg kooperieren. In dieser interdisziplinären Zusammenarbeit haben wir am Universitätsklinikum Erfahrung. So wird das Team des Studienzentrums von Experten aus der klinikeigenen Apotheke, Nuklearmedizin, Dermatologie, Augenklinik und Radiologie unterstützt.
Qualitätssicherung
Alle Studien in der Klinik für Neurologie werden nach den Grundsätzen der Guten Klinischen Praxis (ICH-GCP) durchgeführt. Regelmäßige Schulungen unseres Fachpersonals dienen zur Sicherstellung höchster Qualitätsstandards.
Informationen für Sponsoren
Wir sind ein etabliertes Studienzentrum mit langjähriger Erfahrung in einer Vielzahl neurologischer Indikationen, eingebunden in die Strukturen des Universitätsklinikums. Unsere Expertise liegt in der Planung, Organisation und Durchführung klinischer Studien.
Was wir bieten
- Professionelles Studienmanagement
- Zugang zu einer großen Patientenkohorte mit diversen neurologischen Krankheitsbildern
- Schnelle Machbarkeitsprüfung und zügige Rekrutierung
- Erfahrene Prüfärztinnen und Prüfärzte mit fundierter Studienpraxis
- Enge Zusammenarbeit mit zentralen Einrichtungen des Universitätsklinikums
Karrieremöglichkeiten
Die Neurologische Klinik bietet eine abwechslungsreiche Tätigkeit in einem zukunftsorientierten Umfeld. Offene Stellen finden Sie auf der Karriereseite der Neurologie. Auch Initiativbewerbungen für die Neurologische Klinik sind jederzeit herzlich willkommen. Am 27. Juni 2025 findet der Karrieretag der Pflege am LMU Klinikum statt - ein Tag voller inspirierender Einblicke in den anspruchsvollen und ganzheitlichen Pflegealltag. Treffen Sie Experten, entdecken Sie vielfältige Karrierechancen und erhalten Sie spannende Informationen zu Jobs, Ausbildungen und Weiterbildungen.
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