Ischias, umgangssprachlich oft als "Hexenschuss" bezeichnet, ist keine Diagnose, sondern ein Symptom, das durch eine zugrunde liegende Erkrankung verursacht wird. Medizinisch spricht man von Ischialgie, einem Schmerzsyndrom, das durch Schmerzen, Kribbeln, Schwäche und/oder Taubheit in den unteren Extremitäten gekennzeichnet ist. In der Regel wird dies durch eine Kompression oder Reizung eines oder mehrerer Nerven im Rückenmark (Spinalnerven) oder des Ischiasnervs verursacht. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Ischiasnerv-Injektion, einschließlich der Ursachen, Diagnose, Behandlungsmöglichkeiten und der Rolle von Injektionen bei der Schmerzlinderung.
Ursachen und Diagnose von Ischias
Der Ischiasnerv ist der dickste und längste Nerv im menschlichen Körper und erstreckt sich von der unteren Wirbelsäule über das Gesäß und die Rückseite des Oberschenkels bis in die Kniekehle, wo er sich verzweigt. Er leitet motorische und sensorische Signale weiter, die für die Bewegung der Beinmuskulatur und die Wahrnehmung von Empfindungen in den unteren Extremitäten unerlässlich sind.
Eine Ischialgie entsteht durch eine Reizung oder Kompression des Ischiasnervs. Häufige Ursachen sind:
- Bandscheibenvorfall: In über 80 % der Fälle wird Ischias durch einen Bandscheibenvorfall ausgelöst, bei dem der Gallertkern der Bandscheibe austritt und auf die Nervenwurzeln des Ischiasnervs drückt.
- Bandscheibenprotrusion: Eine Bandscheibenvorwölbung kann ebenfalls auf die Nervenwurzeln drücken.
- Wirbelkörpererkrankungen: Frakturen, Blockaden, Fehlstellungen der Wirbelsäule oder Spondylolisthesis (Verschiebung von Wirbelkörpern) können den Ischiasnerv reizen oder einklemmen.
- Entzündungen: Entzündungen der Bandscheiben, Wirbelkörper (Spondylodiszitis) oder der Nervenwurzel selbst können Ischias verursachen.
- Piriformis-Syndrom: Eine Verspannung oder Verkürzung des Musculus piriformis im Gesäßbereich kann den Ischiasnerv komprimieren.
- Iliosakralgelenk-Dysfunktion (ISG): Eine Dysfunktion des Iliosakralgelenks kann Schmerzen verursachen, die in das Bein ausstrahlen und Ischias-ähnliche Symptome hervorrufen.
- Weitere Ursachen: Hüftfrakturen, Hüftluxationen, Tumore, Schwangerschaft oder chronische Krankheiten wie Diabetes können ebenfalls zu Ischias führen.
Die Diagnose von Ischias umfasst in der Regel eine gründliche Anamnese, bei der der Arzt nach Beginn, Dauer, Art und Lokalisation der Schmerzen fragt, sowie eine körperliche Untersuchung. Dabei werden Reflexe, Muskelkraft und Sensibilität in den Beinen geprüft. Um die genaue Ursache der Schmerzen zu ermitteln, können bildgebende Verfahren wie Röntgen, MRT oder CT eingesetzt werden. Provokationstests können helfen, die Beteiligung des Iliosakralgelenks festzustellen.
Konservative Behandlungsansätze
In vielen Fällen bessern sich Ischias-Beschwerden innerhalb weniger Wochen von selbst oder mit konservativen Behandlungsmaßnahmen. Zu den gängigen konservativen Therapien gehören:
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- Schmerzmittel: Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac (NSAR) können akute Schmerzen lindern. In einigen Fällen können stärkere Schmerzmittel wie Opioide verschrieben werden, obwohl diese aufgrund des Risikos von Nebenwirkungen und Abhängigkeit nicht für die langfristige Anwendung empfohlen werden.
- Muskelrelaxantien: Diese Medikamente können helfen, Muskelverspannungen zu lösen, die zu den Schmerzen beitragen.
- Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Stärkung der Rücken- und Bauchmuskulatur, Dehnübungen und manuelle Therapie können helfen, die Beschwerden zu lindern und die Beweglichkeit zu verbessern. Die McKenzie-Therapie mit dem Konzept der "Zentralisierung" kann ebenfalls angewendet werden.
- Wärme- und Kälteanwendungen: Wärme kann helfen, Muskelverspannungen zu lösen, während Kälte Entzündungen reduzieren kann.
- Stufenlagerung: In Rückenlage die Unterschenkel auf einem Kissenstapel oder Stuhl im rechten Winkel ablegen, um den Rücken zu entlasten.
- Akupunktur: Die Akupunktur hat in der Sportmedizin einen wichtigen Stellenwert und kann bei der Behandlung von Schmerzen eingesetzt werden. Die GERAC-Studien in Deutschland haben die Wirksamkeit der Akupunktur bei chronischer Migräne, Spannungskopfschmerz, Kreuzschmerz und Kniegelenksarthrose untersucht.
- Axomera-Therapie: Dieses elektronische Stimulationsverfahren, entwickelt von Prof. Albrecht Molsberger, wird zur Behandlung von Erkrankungen der Sehnen, Bänder und Muskeln eingesetzt. Feine Sonden werden über einen Mikroprozessor mit einem speziellen Gleichstrommuster aktiviert.
- Perkutane Bioelektrische Stromstimulation (PBCS): Ein nicht-invasiver Ansatz, der statische elektrische Felder im Bereich natürlich vorkommender elektrischer Potenziale erzeugt. PBCS hat sich als vielversprechender Behandlungsansatz für chronische Clusterkopfschmerzen erwiesen und könnte auch bei anderen Schmerzzuständen wirksam sein.
Injektionen bei Ischiasnerv: Eine Option zur Schmerzlinderung
Wenn konservative Behandlungen nicht ausreichend helfen, können Injektionen eine Option zur Schmerzlinderung sein. Es gibt verschiedene Arten von Injektionen, die bei Ischias eingesetzt werden können:
- Epidurale Kortikosteroid-Injektionen (ESI): Bei dieser Injektion wird Kortison in den Epiduralraum um die Nervenwurzeln gespritzt. Kortison ist ein starkes entzündungshemmendes Medikament, das helfen kann, die Schwellung und Reizung der Nervenwurzeln zu reduzieren und so die Schmerzen zu lindern.
- Periradikuläre Therapie (PRT): Bei der PRT wird eine dünne Nadel unter Bildkontrolle (MRT oder CT) in die Nähe der betroffenen Nervenwurzel eingeführt. Anschließend wird eine Medikamentenmischung aus Lokalanästhetika und Kortikosteroiden injiziert, um die Nervenwurzel direkt zu umfluten und die Entzündung zu reduzieren.
- Iliosakralgelenk-Injektionen: Wenn die Schmerzen von einer ISG-Dysfunktion verursacht werden, kann eine Injektion mit Lokalanästhetika und/oder Kortikosteroiden in das Gelenk die Schmerzen lindern und die Diagnose bestätigen.
Durchführung der Injektion
Die PRT wird in der Regel in Rücken- oder Bauchlage auf einem Tomographentisch durchgeführt. Nach Desinfektion der Haut wird die Einstichstelle unter MRT- oder CT-Kontrolle lokal betäubt. Eine dünne Nadel wird dann bis in unmittelbare Nähe zur Nervenwurzel vorgeschoben. Um sicherzustellen, dass die Nadelspitze richtig platziert ist und keine Gefäße oder Nerven verletzt werden, werden kleine Mengen von Röntgenkontrastmitteln injiziert. Anschließend wird die Medikamentenmischung injiziert.
Wirkung und Nutzen der Injektion
Die Injektion von Lokalanästhetika um den Nerv kann zu einer sofortigen Schmerzlinderung führen, die jedoch vorübergehend sein kann. Kortikosteroide wirken entzündungshemmend und können die Schmerzen langfristig reduzieren. Viele Patienten stellen bereits nach der ersten PRT-Behandlung eine Besserung fest, aber in der Regel sind mehrere Sitzungen im Abstand von einer Woche erforderlich.
Mögliche Risiken und Nebenwirkungen
Wie bei jedem medizinischen Eingriff sind auch mit Injektionen Risiken und Nebenwirkungen verbunden. Zu den möglichen Risiken gehören:
- Schmerzen und Unbehagen an der Injektionsstelle
- Taubheitsgefühl und Schwäche in den Beinen (vorübergehend)
- Blaue Flecken
- Infektionen
- Nervenreizung
- Allergische Reaktionen
- In seltenen Fällen schwerwiegende Komplikationen wie Rückenmarkinfarkt oder bleibende Lähmungen
Es ist wichtig, dass Patienten vor der Injektion umfassend über die möglichen Risiken und Nebenwirkungen aufgeklärt werden.
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Alternativen zu Kortikosteroid-Injektionen
In einigen Fällen können anstelle von Kortikosteroiden andere Medikamente injiziert werden. Nichtsteroidale Entzündungshemmer wie Etanercept wurden in Studien untersucht, zeigten aber keine signifikanten Unterschiede im Vergleich zu Placebo.
Operation als letzte Option
Wenn konservative Behandlungen und Injektionen nicht ausreichend helfen, kann eine Operation in Betracht gezogen werden. Eine Operation wird in der Regel erwogen, wenn die Beschwerden den Alltag erheblich einschränken, sich innerhalb von 6 bis 12 Wochen nicht gebessert haben und konservative Behandlungen keinen Erfolg hatten. Bei einem Bandscheibenvorfall kann das vorgefallene Bandscheibengewebe operativ entfernt werden, um den Nerv zu entlasten.
Prävention von Ischias
Es gibt verschiedene Maßnahmen, die helfen können, Ischias vorzubeugen:
- Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung hilft, die Rücken- und Bauchmuskulatur zu stärken und die Wirbelsäule zu stabilisieren.
- Ergonomisches Arbeiten: Achten Sie auf eine gute Körperhaltung beim Sitzen und Heben von Lasten.
- Gewichtskontrolle: Übergewicht kann die Wirbelsäule zusätzlich belasten.
- Stressmanagement: Stress kann zu Muskelverspannungen führen, die Ischias begünstigen können. Entspannungsverfahren wie progressive Muskelrelaxation oder Yoga können helfen, Stress abzubauen.
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