Rückenmarkläsionen: Ursachen, Syndrome und Behandlung

Eine Rückenmarkläsion ist eine Schädigung des Nervengewebes innerhalb des Spinalkanals. Jedes Jahr erleiden in Deutschland zahlreiche Menschen eine Rückenmarksverletzung, meist als Folge von Unfällen. Die Art der Läsion und ihre Lokalisation bestimmen das klinische Bild und den Grad der resultierenden Beeinträchtigungen.

Akute und Chronische Phasen

In der Akutphase einer Rückenmarksverletzung befindet sich der Patient unmittelbar nach dem Trauma in Behandlung. Die Art der Rückenmarksläsion (vollständig oder unvollständig) wird als erster Kode angegeben. Die funktionale Höhe (Ebene) der Rückenmarksläsion ist ebenfalls zu verschlüsseln. Die chronische Phase betrifft Patienten mit Paraplegie/Tetraplegie, die wegen anderer Erkrankungen aufgenommen werden, die mit ihrem Zustand in Zusammenhang stehen können oder nicht.

Ursachen von Rückenmarkläsionen

Die Ursachen für Rückenmarkläsionen sind vielfältig. Zu den häufigsten gehören:

  • Traumatische Ereignisse: Autounfälle, Stürze (insbesondere aus großer Höhe), Sportverletzungen und penetrierende Verletzungen (z. B. Schuss- oder Stichwunden) können zu direkten Schädigungen des Rückenmarks führen.
  • Nicht-traumatische Ursachen: Tumore, Metastasen, Bandscheibenvorfälle, Entzündungen des Rückenmarks (Myelitis), Durchblutungsstörungen, Blutungen, Infektionen (z. B. Meningitis, Tuberkulose, Syphilis), degenerative Veränderungen der Wirbelsäule und Autoimmunerkrankungen (z. B. Multiple Sklerose) können ebenfalls Rückenmarkläsionen verursachen.
  • Gefäßerkrankungen: Aortendissektion (Riss in der inneren Schicht der Aorta) kann die Blutzufuhr zum Rückenmark unterbrechen und zu Lähmungen führen.
  • Iatrogene Ursachen: Komplikationen nach Operationen im Bereich der Wirbelsäule oder des Herzens können ebenfalls zu Rückenmarkläsionen führen.
  • Dekompressionskrankheit: Kompression und Dekompression von im Körper enthaltenen Gasen beim Tauchen und schnellen Aufstieg beim Tauchen.

Klinisches Bild und Diagnose

Das klinische Bild einer Rückenmarkläsion hängt von der Verletzungsstelle und dem Ausmaß der Schädigung ab. Es kann zu einer kompletten oder inkompletten Querschnittslähmung kommen. Die Symptome können folgende Bereiche betreffen:

  • Motorik: Willentlich angesteuerte Bewegungen sind im betroffenen Körperabschnitt nicht oder nur unvollständig möglich. Es kann sich um eine spastische oder schlaffe Lähmung handeln.
  • Sensibilität: Störungen des Temperatur-, Berührungs-, Schmerz-, Lage- und Vibrationsempfindens.
  • Vegetatives Nervensystem: Funktionsausfälle oder Beeinträchtigungen von Atmung, Kreislauf, Darm, Blase, Schweißproduktion, Gefäßspannung und Sexualorganen.

Die Diagnose erfolgt in der Regel anhand einer neurologischen Untersuchung und bildgebenden Verfahren wie Röntgenaufnahmen, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT). Eine Liquoranalyse kann bei Verdacht auf Entzündungen oder Infektionen durchgeführt werden.

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Spezifische Rückenmarkssyndrome

Neben der kompletten und inkompletten Querschnittslähmung gibt es verschiedene spezifische Rückenmarkssyndrome, die durch charakteristische Symptomkonstellationen gekennzeichnet sind:

  • Zentrales Rückenmarkssyndrom (CCS): Eine Verletzung des Zentrums des Rückenmarks betrifft die spinothalamischen Bahnen (sensorisch) und den medialen Anteil der kortikospinalen Bahnen (motorisch). Klinische Manifestationen sind motorische Defizite, die in den Armen stärker ausgeprägt sind als in den Beinen, und variable sensorische Defizite unterhalb der Verletzungsgrenze. Ursachen sind häufig Traumata bei Patienten mit zervikaler Spondylose oder Syringomyelie.
  • Ventrales (vorderes) Rückenmarksyndrom (ACS): Eine Verletzung des vorderen (ventralen) Teils des Rückenmarks unter Schonung der dorsalen Säulen. Klinische Manifestationen sind der Verlust der motorischen und sensorischen Funktion unterhalb des Verletzungsniveaus.
  • Posterior Cord Syndrom (PCS): Ein inkomplettes Rückenmarkssyndrom, das den hinteren Teil des Rückenmarks betrifft und durch einen Verlust von Vibrationssin und Tiefensensibilität unterhalb der Verletzungsgrenze gekennzeichnet ist.
  • Brown-Séquard-Syndrom (BSS): Eine Hemisektion des Rückenmarks führt zu einer ipsilateralen Parese mit beeinträchtigter Berührungs- und Tiefensensibilität sowie einer kontralateralen Schmerz- und Temperaturwahrnehmungsstörung.
  • Schiff-Sherrington-Phänomen: Eine neurologische Erkrankung bei Katzen, die durch eine charakteristische Körperhaltung gekennzeichnet ist, bei der die Vorderbeine steif gestreckt sind, während die Hinterbeine gelähmt oder schwach sind.

Behandlung von Rückenmarkläsionen

Die Behandlung von Rückenmarkläsionen ist komplex und erfordert einen multidisziplinären Ansatz. Sie umfasst in der Regel:

  • Akutversorgung: Stabilisierung des Patienten, Vermeidung weiterer Schäden, gegebenenfalls operative Dekompression und Stabilisierung der Wirbelsäule.
  • Medikamentöse Therapie: Kortikosteroide zur Reduktion von Schwellungen und Entzündungen, Schmerzmittel, Antibiotika bei Infektionen.
  • Rehabilitation: Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie zur Verbesserung der motorischen Fähigkeiten, der Selbstständigkeit im Alltag und der Kommunikationsfähigkeit.
  • Hilfsmittelversorgung: Anpassung von Rollstühlen, Orthesen und anderen Hilfsmitteln zur Unterstützung der Mobilität und Selbstständigkeit.
  • Psychologische Betreuung: Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung und Anpassung an die veränderte Lebenssituation.

Therapie des Schiff-Sherrington-Phänomens

Die Behandlung des Schiff-Sherrington-Phänomens hängt von der zugrunde liegenden Ursache der Rückenmarksschädigung ab. Medikamente wie Kortikosteroide werden häufig eingesetzt, um Schwellungen und Entzündungen im Bereich des Rückenmarks zu reduzieren. Bei traumatischen Verletzungen kann eine chirurgische Dekompression notwendig sein, um den Druck auf das Rückenmark zu verringern. Physiotherapie und Rehabilitation spielen eine wichtige Rolle in der Genesung. Übungen zur Förderung der Mobilität und zum Erhalt des Muskeltonus können den Heilungsprozess unterstützen. Langfristige Pflege kann auch die Anpassung der Lebensumgebung der Katze umfassen, um ihre Lebensqualität zu verbessern.

Prognose

Die Prognose nach einer Rückenmarkläsion ist variabel und hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Schwere der Verletzung, die Lokalisation der Läsion, das Alter und der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten sowie die Qualität der medizinischen Versorgung und Rehabilitation. Eine frühzeitige Diagnose und Intervention sind entscheidend für die Verbesserung der Prognose. Viele Patienten mit inkompletter Querschnittslähmung können ihre Gehfähigkeit wiedererlangen, während Patienten mit kompletter Querschnittslähmung auf einen Rollstuhl angewiesen sein können.

Prävention

Viele Rückenmarkläsionen sind Folge von Unfällen und könnten durch präventive Maßnahmen vermieden werden. Dazu gehören:

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  • Verwendung von Sicherheitsgurten im Auto.
  • Tragen von Helmen beim Motorradfahren, Radfahren und anderen risikoreichen Aktivitäten.
  • Sicherheitsvorkehrungen bei der Arbeit und im Haushalt, um Stürze zu vermeiden.
  • Vermeidung von riskanten Verhaltensweisen wie Alkohol- und Drogenkonsum.

Aktuelle Forschung

Die Forschung zum Thema Rückenmarkläsionen konzentriert sich auf die Entwicklung neuer Therapien zur Förderung der Regeneration des Rückenmarks und zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Rückenmarksverletzungen. Vielversprechende Forschungsansätze umfassen Stammzelltherapie, Gentherapie, Neurostimulation und die Entwicklung von Medikamenten, die das Nervenwachstum fördern.

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