Neurologische Untersuchung: Ein umfassender Überblick

Die neurologische Untersuchung ist ein zentraler Bestandteil der Diagnostik neurologischer Erkrankungen. Sie ermöglicht es dem Arzt, den Zustand und die Funktionen von Gehirn, Nerven und Muskeln zu überprüfen, oft ohne den Einsatz aufwendiger technischer Hilfsmittel. Dieses Verfahren umfasst verschiedene Tests, die Muskelkraft, Koordination und Gedächtnis untersuchen. Eine spezielle Vorbereitung ist in der Regel nicht erforderlich, da die Ärztin oder der Arzt normale Bewegungen und Reaktionen prüft, um eine korrekte Diagnose zu stellen. Da das Nervensystem nahezu alle Körperfunktionen steuert, kann eine neurologische Untersuchung zeitaufwendig sein.

Anamnese: Das Gespräch als Grundlage

Am Anfang jeder neurologischen Untersuchung steht ein ausführliches Anamnesegespräch. Hierbei erfragt der Arzt die Beschwerden des Patienten und dessen Krankengeschichte.

  • Bei Schwindel: Handelt es sich um einen Dauerschwindel oder Attackenschwindel? Wie lange dauern die Attacken? Was genau wird mit dem Wort „Schwindel“ gemeint (Drehen, Schwanken, Benommenheit, anderes)? Gibt es bestimmte Auslöser für den Schwindel (z.B. bestimmte Bewegungen, Geräusche, o.a.)? Treten mit dem Schwindel weitere Begleitsymptome auf?
  • Bei Schmerzen: Seit wann bestehen Schmerzen? Wie fühlen sich die Schmerzen an (stechend ziehend, brennend o.a.)? Strahlen die Schmerzen aus? Wohin? Was provoziert die Schmerzen und was lindert die Schmerzen? Besteht eine Überempfindlichkeit auf Berührung? Bestehen Mißempfindungen (Kribbeln, Ameisenlaufen, Nadelstechen o.a.)? Wo genau? Sind bestimmte Bewegungen eingeschränkt? Besteht eine Kraftminderung? Für welche Bewegungen? Bzw. bei welchen Tätigkeiten wird dies bemerkt?

Dieses Gespräch ist von entscheidender Bedeutung, um die nachfolgenden Untersuchungen gezielt auszurichten.

Klinisch-neurologische Untersuchung: Der Ablauf

Die neurologische Untersuchung folgt einem klaren Ablauf, beginnend mit dem Anamnesegespräch, in dem die Ärztin oder der Arzt nach Beschwerden und Vorerkrankungen fragt. Danach wird geprüft, ob es äußere Anzeichen für eine Erkrankung gibt, erkennbar an der Art zu gehen, der Körperhaltung, dem Gleichgewicht oder Bewegungseinschränkungen. Bei einer kurzen körperlichen Untersuchung hört die Ärztin oder der Arzt die Lunge und das Herz ab und misst den Puls.

Die klinisch-neurologische Untersuchung ist sehr vielfältig, da unser Nervensystem hochkomplexe Leistungen erbringt. Es steuert unterschiedlichste Organfunktionen, Sinnesempfindungen, Motorik, Sprache sowie unser Fühlen, Denken und Handeln. Eine vollständige Untersuchung kann daher zeitaufwendig sein und erfordert die aktive Mitarbeit des Patienten. Je nach Zustand, Verdachtsdiagnose oder Anlass richtet der Arzt sein Augenmerk auf bestimmte Aspekte und hält andere kürzer, sofern keine Auffälligkeiten vorliegen.

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Motorisches System

Zunächst verschafft sich der Arzt einen allgemeinen Eindruck vom Patienten, beobachtet seine Körperhaltung, sein spontanes Bewegungsverhalten und seine Sprache. Um das Bewegungssystem genauer zu beurteilen, stehen Funktionsprüfungen zur Verfügung. Der Arzt untersucht die passive Beweglichkeit der Gliedmaßen und die Muskelgrundspannung, den Muskeltonus. Dazu bewegt er die großen Gelenke ohne Zutun des Patienten hin und her, indem er sie mehrmals beugt und streckt. Bei diesem Test kann beispielsweise die Parkinson-Krankheit zu Auffälligkeiten führen. Weitere Untersuchungen wie beidseitiger Händedruck oder das Anheben der Beine im Liegen gegen einen Widerstand können Unterschiede in der Muskelkraft aufdecken und so auf Schwächen oder Lähmungen von Muskeln hinweisen. Gleiches gilt für Halteversuche, bei denen der Patient beide Arme beziehungsweise Beine auf gleicher Höhe halten muss. Beim Armvorhalten mit gespreizten Fingern lässt sich auch beobachten, ob es zu unwillkürlichen Bewegungen kommt, beispielsweise Zittern. Zittern in Ruhehaltung kann bei der Haltebewegung nachlassen.

Auch aktive Bewegungsprüfungen können aufschlussreich sein. Ist etwa der Mittelnerv (Nervus medianus), der unter anderem die Beugemuskulatur von Daumen, Zeige- und Mittelfinger versorgt, beeinträchtigt, haben die Betroffenen beispielsweise Schwierigkeiten, mit Daumen und Zeigefinger ein O zu formen oder den Drehverschluss einer Flasche aufzuschrauben. Durch die Überprüfung des motorischen Systems (gezielte Krafttestung einzelner Muskeln und Reflexe u.a.) können Nervenverletzungen durch Sport aufgedeckt werden. Bei V.a. eine Verletzung der Nervenstränge in Arm oder Bein sollte die Funktion einzelner Muskeln gut untersucht werden.

Reflexe

Ein bekannter Teil der neurologischen Untersuchung ist die Prüfung der Muskeldehnungsreflexe. Dabei klopft der Arzt meist mit dem Reflexhammer auf die Sehne eines Muskels. Die plötzliche Dehnung löst dann über einen Reflexbogen, der über das Rückenmark läuft, ein unwillkürliches Zusammenziehen des Muskels aus. Einseitig abgeschwächte Muskeleigenreflexe etwa weisen in der Regel auf Schädigungen des Reflexbogens hin, zum Beispiel eine Entzündung des Nervs, der den betroffenen Muskel versorgt. Es können aber auch andere Ursachen zugrunde liegen, beispielsweise eine Muskelerkrankung.

Darüber hinaus testet der Neurologe auch so genannte pathologische Reflexe, wie den diagnostisch bedeutsamen Babinski-Reflex. Dieser tritt bei Erwachsenen nur im Rahmen von Erkrankungen des zentralen Nervensystems auf. Um ihn auszulösen, streicht der Arzt mit einem Stab oder der Hand fest über den äußeren Fußsohlenrand von der Ferse nach vorne. Hebt sich daraufhin die große Zehe des Patienten und spreizen sich dabei die kleinen Zehen, gilt dies als Indiz für eine mögliche Schädigung von Nervenbahnen im zentralen Nervensystem.

Bewegungskoordination

Koordinierte Bewegungen erlauben uns situationsgerechte und zielgerichtete Abläufe, seien sie grobmotorisch (zum Beispiel stabiles Stehen) oder feinmotorisch (Fingerfertigkeit, Schreiben). Dafür sind auch Rückmeldungen der Sinnesorgane unerlässlich.

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Bei der Koordinationsprüfung macht sich der Arzt vor allem ein Bild davon, ob das Zusammenspiel der Muskeln reibungslos funktioniert. Dazu bittet er seinen Patienten zunächst, einige Male durch den Raum zu gehen, vorwärts, rückwärts und mit geschlossenen Augen. Weitere Tests der Bewegungskoordination sind der wechselseitige Einbeinstand und das Gehen auf der Stelle, jeweils mit geschlossenen Augen. Zur Koordinationsprüfung gehören zudem Zielversuche wie der Finger-Nase-Versuch. Dabei muss der Patient mit geschlossenen Augen den Finger in einem großen Bogen zur Nase führen. Hat er damit Schwierigkeiten, kann das auf eine Funktionsstörung des Kleinhirns hindeuten. Auch das Sprech- und Schreibvermögen prüft der Arzt bei diesem Abschnitt der neurologischen Untersuchung.

Sensibilität

Die verschiedenen Aspekte der sensiblen Wahrnehmung, also des Fühlens, sind ebenfalls ein wichtiger Punkt bei der klinisch-neurologischen Untersuchung. Das Berührungsempfinden testet der Arzt beispielsweise durch das Schreiben von Zahlen mit dem Finger auf der Haut. Ob der Patient Schmerzen empfinden kann, zeigt zum Beispiel ein leichtes Kneifen oder ein Piekser mit einem spitzen Gegenstand.

Das Temperaturempfinden offenbart sich, indem der Arzt Röhrchen mit kaltem und warmem Wasser an die Haut seines Patienten hält. Indem er eine kräftig angeschlagene Stimmgabel auf verschiedene Knochenvorsprünge hält, kann der Arzt das Vibrationsempfinden prüfen. All diese Tests führt der Arzt im Seitenvergleich durch und bewertet, ob es zwischen linker und rechter Körperseite Unterschiede gibt. Bei der Sensibilitätsprüfung wird der Arzt möglichst genau zu bestimmen versuchen, auf welches Gebiet des Körpers sich eine festgestellte Störung erstreckt. Denn das erlaubt in der Regel Rückschlüsse auf den Schädigungsort. Die Körperoberfläche lässt sich unter anderem in zahlreiche sensible Gebiete einteilen, sogenannte Dermatome, die je einem, teils auch mehreren Rückenmarksnerven zugeordnet sind. So können sich benachbarte Dermatome manchmal überlappen. Für die Berührungsempfindung sind die Überschneidungen größer als zum Beispiel für die Schmerzempfindung. Daher lassen sich sensible Ausfälle manchmal klinisch nicht so gut objektivieren. Dennoch kann das Dermatome-Muster bei der Diagnose nützlich sein.

Hirnnerven

Der Mensch besitzt zwölf Hirnnerven-Paare. Mehrheitlich entspringen sie in sogenannten Hirnnervenkernen im Gehirn und versorgen die Kopf- und Halsgegend. Jeder Hirnnerv erfüllt ganz bestimmte Aufgaben und kann deshalb mit Funktionstests überprüft werden. Einige Hirnnerven werden bei der neurologischen Untersuchung routinemäßig getestet. Dazu gehört der Gesichtsnerv (Nervus facialis), der insbesondere für die Versorgung der mimischen Muskulatur zuständig ist. Daneben vermittelt er noch andere Sinnesleistungen, zum Beispiel Geschmackswahrnehmungen. Die motorische Funktion des Gesichtsnerven kann der Arzt prüfen, indem er den Patienten zum Beispiel die Stirn runzeln, die Augenbrauen hochziehen, die Lider schließen und die Lippen wie beim Pfeifen spitzen lässt.

Zum anderen testet der Arzt Hirnnerven, die für Augenbewegungen zuständig sind (Hirnnerven III, IV und VI). Um die Funktion zu überprüfen, muss der Patient die Bewegung des Fingers des Arztes mit den Augen verfolgen.

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Von Bedeutung ist auch die Kontrolle der Pupillenreaktionen auf Licht und Naheinstellung. Normalerweise sind beide Pupillen gleich weit (isokor, in der Regel mittelweit) und reagieren prompt auf Licht. Dies prüft der Arzt anhand der direkten und konsensuellen Lichtreaktion: Bei einseitiger Beleuchtung eines Auges mithilfe einer geeigneten Taschenlampe, etwa einer Pupillenleuchte, verengt sich beim Gesunden sowohl die Pupille des beleuchteten (direkte Lichtreaktion) als auch des nicht beleuchteten Auges (konsensuelle Lichtreaktion). Es werden beide Augen untersucht. Bei der Konvergenzreaktion prüft der Arzt die Mitbewegung (Verengung) der Pupille bei Naheinstellung der Augen. Zunächst schaut der Patient in die Ferne; die Pupillen sind weitgestellt. Dann führt der Arzt ihm einen Zeigefinger oder Text im Nahbereich vor die Augen und bittet den Patienten, den Finger oder Text mit den Augen zu fixieren. Dabei wenden sie sich einwärts (Konvergenz), und die Pupillen verengen sich. Dies prüft der Arzt wiederum auf beiden Seiten.

Störungen der Pupillen können sich in verschiedenen Kombinationen ausgefallener und erhaltener Reaktionen zeigen. Der Neurologe beurteilt sie in ihrer Gesamtheit und kann so Rückschlüsse auf mögliche Schädigungen ziehen. Über merkliche Sehstörungen berichten Patienten oft spontan, da sie die Veränderungen häufig als beunruhigend erleben. Die genaue Untersuchung der Augen hinsichtlich Augenerkrankungen und Sehvermögen obliegt dem Augenarzt. Auch er wird dann bei Bedarf die Pupillenreaktionen überprüfen. Je nach Befund stimmen sich Augenarzt und Neurologe über das weitere Vorgehen miteinander ab. Andere Hirnnerven testet der Neurologe im praktischen Alltag meist erst dann eingehend, wenn er den Verdacht hat, dass die Schädigung im Kopfbereich liegt. Die Nervenbahnen, die die Weite der Pupille regeln und je nach Lichtverhältnissen anpassen, gehen einmal von vorne nach hinten quer durch (fast) das ganze Gehirn. Daher ist dies ein wichtiger Test nach einem Schädel-Hirn-Trauma oder auch bei Kopfschmerzen.

Vegetative Funktionen

Wir holen gerne mal tief Luft oder atmen ganz bewusst, um herrlich frische Luft in freier Natur zu genießen oder zu entspannen. Unabhängig davon funktioniert die Atmung "automatisch" oder autonom. Dafür ist das vegetative Nervensystem zuständig. Es reguliert viele Körperfunktionen, auf die der Mensch überwiegend keinen oder nur bedingt Einfluss hat, etwa durch Veränderung des Aktivitätsniveaus oder bestimmte geistige Techniken. Außer der Atmung geht es bei den vegetativen Funktionen aber auch noch um andere lebenswichtige Vorgänge - etwa Verdauung, Herztätigkeit, Blutdruck, Durchblutung, Temperaturregulation. Vegetativ gesteuert sind zudem Drüsentätigkeiten (zum Beispiel Speichel- , Tränen-, Schweißdrüsen) oder die Pupillenweite (siehe oben).

Um die Grundfunktionen des vegetativen Nervensystems zu prüfen, beobachtet der Arzt zum Beispiel die Atmung seines Patienten. Außerdem fragt er ihn, ob ihm beim Wasserlassen und Stuhlgang Besonderheiten aufgefallen sind. Darüber hinaus misst der Arzt Puls und Blutdruck und begutachtet die Temperatur und Feuchtigkeit der Haut.

Psyche

Neurologische Erkrankungen können den psychischen Zustand und die kognitiven (geistigen) Funktionen beeinträchtigen. Umgekehrt können auch psychische Erkrankungen neurologische Ausfälle verursachen. Deshalb erhebt der Arzt bei der klinisch-neurologischen Untersuchung auch immer einen psychischen Befund. Dazu prüft er die Bewusstseinslage seines Patienten, also ob er wach, schläfrig, aber reaktionsfähig auf Aufforderungen oder Schmerzreize, oder gar nicht kommunikationsfähig ist. Bei Anhaltspunkten auf mögliche psychische Veränderungen beurteilt der Arzt außerdem im Gespräch und mit Hilfe von Tests, wie gut der Patient sich orientieren und konzentrieren kann, wie es um seine Merkfähigkeit bestellt ist und in welcher Grundstimmung er sich befindet.

Technische Diagnosemaßnahmen

Je nach Fragestellung kommen vertiefende neurologische Untersuchungen und technische Diagnosemaßnahmen in Betracht.

Elektrophysiologische Tests

  • EEG (Elektroenzephalografie): Messung der Hirnströme. Das EEG gibt es seit 1932 und wurde von dem Neurologen Hans Berger entdeckt. Er hoffte damit, die Gedanken, Gefühle und die Intelligenz eines Menschen aufzeichnen zu können, aber das gelang ihm mit dem EEG nicht. Ein EEG wird zur Untersuchung von Funktionsstörungen des Gehirns eingesetzt. Die Untersuchung ist schmerzfrei. Die Untersuchung findet in einem bequemen Sessel statt. Eine Haube aus Gummischläuchen wird auf den Kopf aufgesetzt, darunter werden Oberflächenelektroden geklemmt, die die hirneigene elektrische Aktivität aufnehmen. Der Patient sollte während der Untersuchung entspannt sitzen und die Augen locker geschlossen halten. Während der Untersuchung wird der Patient mehrfach aufgefordert, die Augen zu öffnen und wieder zu schließen. Die Untersuchung dauert insgesamt mit Vorbereitung ca. Bei Verdacht auf Epilepsie kann ein Schlaf-EEG nach Schlafentzug sinnvoll sein. Das EEG wird morgens nach einer durchwachten Nacht abgeleitet und der Patient sollte dabei einschlafen und wieder erweckt werden.
  • EMG (Elektromyografie): Messung der Muskelaktivität. Die elektromyographische Untersuchung dient der Messung elektrischer Aktivität in ausgewählten Muskeln. Anhand der elektrischen Aktivität lässt sich die Muskel- und Nervenfunktion beurteilen. Anhand dieser Informationen lassen sich verschiedene Muskel- und Nervenerkrankungen feststellen. Die Muskelaktivität wird dabei durch die Form von Muskelaktionspotentialen (MAP) dargestellt. Gemessen wird die Aktivität des Muskels in Ruhe (spontane MAPs), bei leichter sowie bei maximaler Muskelanspannung. Um die elektrische Aktivität eines Muskels abzuleiten, werden dünne Nadelelektroden durch die Haut in den ausgewählten Muskel eingeführt. Die Elektrode leitet dann direkt die elektrische Aktivität der umgebenen Muskelfasern ab und stellt sie in Form von Spannungskurven auf dem Bildschirm dar. Bei einer Schädigung der Muskulatur oder der dazugehörigen Nerven wird eine veränderte elektrische Aktivität gemessen, wobei sich die Muskelaktionspotentiale beispielsweise in ihrer Zeitdauer verlängern als auch verkürzen oder in ihrer Potentialkurve erhöhen oder erniedrigen können. Bei speziellen Fragestellungen wird der Muskel wiederholt in einer Serie von elektrischen Reizen stimuliert, um die Ermüdbarkeit der Muskulatur beurteilen und somit die entsprechende Therapie festlegen zu können. Die Untersuchung dauert je nach Fragestellung wenige Minuten bis zu einer Stunde.
  • ENG (Elektroneurografie) / NLG (Nervenleitgeschwindigkeit): Messung der Nervenleitung. Bei dieser Untersuchung wird die Geschwindigkeit der Nervenleitung bestimmt. Durch elektrische Reizung von Nerven in den Armen oder Beinen mit sehr niedrigen Stromstärken, wird im Nerven ein elektrisches Potential erzeugt, dessen Ausbreitung in der Zeit gemessen werden kann. Ein normaler Nerv leitet den elektrischen Impuls mit einer Geschwindigkeit von ca. 45m/sec. Dieser Wert ist ein Mittelwert, weil der Nerv aus vielen Fasern besteht, die unterschiedlich schnell leiten. Eine Verlangsamung der Nervenleitung bedeutet meist eine Schädigung der Hülle des Nerven (Myelinscheide) und weniger der Nervenfasern selbst. Sie ist sozusagen ein Hinweis auf eine Schädigung der Isolierung des Nervenkabels. Diese kann angeboren oder erworben sein. Die Verlangsamung der Nervenleitung kann auch auf ein ganz kurzes Stück des Nerven beschränkt sein, etwa an einer Stelle, an der ein Nerv gedrückt (komprimiert) wird. Häufigstes Beispiel hierfür ist das Carpal-Tunnel Syndrom, bei der ein Nerv (der Nervus medianus) am Handgelenk gedrückt wird, was zum Einschlafen der Finger oder auch zu einer Kraftlosigkeit der Handmuskeln führen kann.

Elektromyographie (EMG) im Detail

Die Elektromyographie (EMG) ist eine diagnostische Methode, bei der die elektrische Aktivität von Muskeln gemessen wird. Diese Messung ermöglicht es, die Funktion der Muskeln und der sie versorgenden Nerven zu beurteilen. Es gibt zwei Hauptarten von EMG:

  • Nadel-EMG: Hierbei wird eine feine Nadelelektrode durch die Haut in den Muskel eingeführt, um die elektrische Aktivität direkt zu messen.
  • Oberflächen-EMG: Bei dieser Methode werden Elektroden auf die Hautoberfläche geklebt, um die elektrische Aktivität eines größeren Muskelbereichs zu erfassen.

Das EMG wird zur Diagnose verschiedener orthopädischer Erkrankungen eingesetzt, insbesondere um zu differenzieren, ob eine Muskelschädigung durch eine Schädigung des Nervs oder des Muskels selbst verursacht wird. Es hilft auch, Entspannungsstörungen der Muskeln zu erkennen oder festzustellen, ob die falschen Muskeln für eine bestimmte Bewegung angesteuert werden.

Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) im Detail

Die Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) ist ein elektrophysiologischer Test, der die Funktion der peripheren Nerven in Armen und Beinen untersucht. Dabei wird überprüft, ob die Nervenleitung blockiert oder verlangsamt ist und ob die Nervenkabel normal leiten oder geschädigt sind. Liegt ein Nervenschaden vor, können durch die NLG-Untersuchung Aussagen über den Ort, die Art und das Ausmaß einer Nervenschädigung getroffen werden.

Die NLG-Untersuchung wird häufig bei Verdacht auf Polyneuropathie (eine allgemeine Erkrankung der Nerven) oder auf eine Schädigung einzelner Nerven (z.B. durch Verletzung, Einklemmung oder Nervenwurzeleinklemmung infolge eines Bandscheibenvorfalls) eingesetzt.

Bildgebende Verfahren

  • Ultraschall der hirnversorgenden Gefäße: Durch den Ultraschall hirnversorgender Gefäße können Gefäßverletzungen oder Einengungen dargestellt werden. Schlaganfälle werden häufig durch Verengungen oder Verschlüsse der Blutgefäße verursacht, die das Gehirn mit Blut versorgen. Diese Verengungen lassen sich mit Hilfe von Ultraschalluntersuchungen besonders gut und risikolos darstellen. Die wichtigsten Stellen, an denen die meisten Gefäßverengungen auftreten, liegen im Bereich der gut darstellbaren Teilung der Haupthalsschlagader (Arteria carotis communis) in die Schlagader, die das Hirn (A. carotis interna) und die, die den Gesichtsbereich (A. carotis externa) versorgt. Bei der Doppler-Sonographie (benannt nach dem österreichischen Physiker Christian Doppler) wird eine Sonde auf die Haut aufgesetzt, die die Blutkörperchen beschallt. Die Bewegung der Blutkörperchen wird von dem Untersuchungsgerät in Zischlaute umgesetzt, die man als Patient bei der Untersuchung mithören kann. Bestimmte Eigenschaften der Zischlaute gestatten dem Untersucher, das Ausmaß von Verengungen über die auftretenden Blutflußgeschwindigkeitesänderungen zu messen. Bei der Duplex-Sonographie lässt sich ein Blutgefäß mit seinem Hohlraum direkt darstellen. Verengungen und Ablagerungen (Plaque) werden direkt bildhaft sichtbar. Der Blutfluß innerhalb des Gefäßes lässt sich farbig darstellen („farbkodiert“).
  • Nervenultraschall: Hat sich der Verdacht auf ein Problem eines peripheren Nerven erhärtet, dann kann ich mir mit der neuen Methode des Nervenultraschall ein genaueres Bild der Nerven machen. Ist der Nerv eingeklemmt? Wodurch? Drückt etwas auf den Nerv? Was drückt auf den Nerv: Zyste, vergrößerter Muskel, anatomische Engstelle, etc? Liegt eine Entzündung vor? Auch die Nerven im Verlauf von Beinen und Füßen können mit dem Nervenultraschall gut untersucht werden. Wir bieten die neue Methode der Ultraschalldiagnostik von Nerven an. Die Nervensonographie kann Nervenverletzungen, Nerventumoren oder Einklemmungen von Nerven sichtbar machen. Die Darstellung vieler Nerven gelingt mit dem Ultraschall besser als mit der Kernspintomographie.

Liquordiagnostik (Lumbalpunktion)

Manchmal ist die Entnahme von Nervenwasser (Flüssigkeit, die Gehirn und Rückenmark umgibt) durch eine Lumbalpunktion notwendig. Eine Lumbalpunktion ist die Entnahme von Nervenwasser aus dem Wirbelsäulenkanal in Höhe der Lendenwirbelsäule. Dabei wird mit einer dünnen Nadel zwischen den Wirbelkörpern bis in den Wirbelsäulenkanal gestochen, der auf Höhe der Lendenwirbelsäule kein Rückenmark, sondern nur noch Nervenwurzeln enthält. Das entnommene Nervenwasser kann nun auf seine Bestandteile, insbesondere Zellen und Eiweiße untersucht werden. Diese Untersuchung ist geeignet, entzündliche Erkrankungen des Nervensystems, wie z.B. Die Lumbalpunktion kann ambulant in unserer Praxis durchgeführt werden. Dazu sind eine Blutentnahme und eine Aufklärung einige Tage vor der Untersuchung notwendig. Die Punktion wird in der Regel im Sitzen durchgeführt. Im Anschluss ist eine mindestens einstündige Nachbeobachtungszeit notwendig.

Kognitive Testung und neuropsychologische Testung

Neben der körperlichen neurologischen Untersuchung ist auch die Untersuchung der geistigen Funktionen des Gehirns (kognitive Testung, neuropsychologische Testung) nach einer Kopfprellung wichtig. Defizite bei Konzentration oder Gedächtnis werden oft nicht gezielt untersucht. Unerkannt und unberücksichtigt besteht nach einer Kopfprellung ein erhöhtes Risiko, letztlich auch bleibende Schäden zu entwickeln. Hilfreich bei der Diagnosestellung und zur Überprüfung des Verlaufs einer Demenz sind neben der Krankengeschichte zunächst einfache psychometrische Testverfahren wie der MMSE (Mini-Mental State Examination), der Uhrentest oder der DemTect. Wenn Kurztests auffällig sind, kann eine ausführliche Diagnostik, z.B.

Bedeutung der neurologischen Untersuchung

Die neurologische Untersuchung ist ein unverzichtbarer Schritt zur Diagnose von Erkrankungen des Nervensystems. Sie ermöglicht es, die Ursache von Beschwerden wie Lähmungserscheinungen, Schwindel, Sprachproblemen, Muskelschwäche, Empfindungsstörungen oder Verwirrtheit zu erkennen. Anhand der Ergebnisse kann der Arzt Ausfälle und Funktionseinschränkungen des Nervensystems genauer einordnen und Rückschlüsse auf die betroffenen Anteile des Nervensystems ziehen. Teilweise lässt sich so bereits eine erste Verdachtsdiagnose stellen.

Die Ergebnisse der neurologischen Untersuchung sind entscheidend für die Festlegung weiterer diagnostischer Schritte und die Einleitung einer geeigneten Behandlung.

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