Jörg Immendorffs Kampf mit ALS: Krankheit, Behandlung und Vermächtnis

Jörg Immendorff, einer der bedeutendsten deutschen Nachkriegskünstler, kämpfte jahrelang mit der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS), einer unheilbaren und fortschreitenden neurodegenerativen Erkrankung. Dieser Artikel beleuchtet Immendorffs Krankheitsverlauf, seine unkonventionellen Behandlungsversuche, sein Engagement für die ALS-Forschung und sein künstlerisches Vermächtnis.

Die Diagnose und der Umgang mit ALS

Im Sommer 1997, während eines Urlaubs, bemerkte Immendorff erstmals Schwierigkeiten beim Skizzieren mit seiner linken Hand. Nachfolgende Untersuchungen führten zur Diagnose ALS, einer Krankheit, bei der die Nervenzellen, die die Muskeln steuern, allmählich absterben. Die ersten Symptome zeigten sich an Händen und Armen, was das Heben und Halten von Gegenständen erschwerte. Nach und nach griff die Krankheit auf andere Körperbereiche über.

ALS ist eine Herausforderung für Neurologen, da die Symptome vielfältig sind und sich oft von anderen Nervenkrankheiten unterscheiden. Die Krankheit führt zu Lähmungen und kann innerhalb von drei bis fünf Jahren nach Ausbruch zum Tod führen.

Trotz der niederschmetternden Diagnose ließ sich Immendorff nicht von seinem Schaffensdrang abbringen. Er suchte nach Wegen, mit der Krankheit umzugehen und seine künstlerische Arbeit fortzusetzen.

Umstrittene Behandlung in China

In seiner Verzweiflung unternahm Immendorff einen medizinisch und ethisch umstrittenen Schritt: Er unterzog sich in China einer Behandlung, bei der ihm fötale Zellen ins Gehirn gespritzt wurden. Chinesische Ärzte im Pekinger West-Berge-Krankenhaus implantierten ihm zwei Millionen Nasenzellen von abgetriebenen Föten.

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Immendorff betrachtete sich als Teilnehmer eines Experiments und war sich der Gefahren bewusst. Er berichtete von einer Besserung: Er konnte einige Finger an der rechten Hand wieder besser bewegen und die Hand wieder auf die Höhe des Kopfes heben. Auch seine Balance sei besser geworden.

Allerdings informierte er seinen behandelnden Arzt, Thomas Meyer von der Berliner Charité, erst nach der Operation in China. Meyer hätte ihm abgeraten, da aus wissenschaftlicher Sicht völlig unklar ist, was die Hüllzellen im Gehirn von ALS-Kranken bewirken können.

Die Bedeutung von Thomas Meyer

Thomas Meyer, Neurologe an der Berliner Charité, wurde zu Immendorffs wichtigstem Partner und Beistand im Kampf gegen ALS. Meyer betreute Immendorff in der ALS-Ambulanz der Charité und unterstützte ihn bei der Bewältigung der Krankheit.

Meyer war es, der die erste Einschätzung, dass Immendorff an ALS erkrankt sei, belegen konnte. Er riet ihm auch, sich beatmen zu lassen, als er wegen Atemnot ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Immendorff vertraute Meyer bedingungslos und würde ihn fragen, wenn er genug hatte und die Maschine abgeschaltet werden sollte.

Gemeinsam mit Meyer engagierte sich Immendorff auch in der ALS-Forschung. Sie gründeten eine Stiftung zur Erforschung der ALS an der Charité und sammelten Spenden für Studien.

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Immendorffs Engagement für die ALS-Forschung

Immendorff setzte sich aktiv für die Erforschung der seltenen Krankheit ALS ein. Gemeinsam mit seinem Arzt Thomas Meyer gründete er eine Initiative, mit der 100.000 Euro für Studien gesammelt wurden. Er stiftete Geld für ein Forschungsstipendium an der Berliner Charité zum Kampf gegen ALS.

Immendorff wollte auch anderen, weniger prominenten ALS-Patienten helfen. Er bekannte sich öffentlich zu seinen "Angstschüben" angesichts eines von den Ärzten lang vorhergesagten qualvollen Endes.

Künstlerisches Vermächtnis und Tod

Jörg Immendorff war einer der bedeutendsten deutschen Künstler der Nachkriegszeit. Sein Schaffen war von Anfang an von einem politischen und gesellschaftskritischen Impetus geprägt. Ab 1977 beschäftigte sich Immendorff intensiv mit der Teilung Deutschlands. Seine Werke sollten die Gesellschaft aufrütteln und Missstände anprangern.

Zu seinen bekanntesten Werken gehört der Bilderzyklus "Café Deutschland", in dem er die deutsche Teilung in expressiver Malweise anprangerte. Immendorff schuf Bühnenbilder für die Salzburger Festspiele und porträtierte den ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Trotz seiner Krankheit arbeitete Immendorff bis zu seinem Tod weiter. Er nutzte neue Techniken und arbeitete mit Assistenten zusammen, um seine künstlerischen Visionen umzusetzen.

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Jörg Immendorff starb im Alter von 61 Jahren in seinem Haus in Düsseldorf an den Folgen seiner ALS-Erkrankung. Sein Tod bedeutete einen großen Verlust für die Kunstwelt.

Aktuelle Forschungsergebnisse zu ALS

Die Forschung zur ALS hat in den letzten Jahren Fortschritte gemacht. Forscher haben Gene identifiziert, die mit der Krankheit in Verbindung stehen, und Biomarker entdeckt, die bei der Diagnose helfen können.

Eine britisch-australische Forschergruppe entdeckte ein Gen auf dem Chromosom 1, das in mutierter Form den selektiven Untergang von Motoneuronen auslösen kann. Ein Ulmer Forscherteam konnte bei ALS-Patienten eine erhöhte Konzentration der Neurofilamente nachweisen, die als vielversprechende Marker für die Diagnose gelten.

Obwohl es noch keine Heilung für ALS gibt, gibt es Behandlungen, die die Symptome lindern und die Lebensqualität der Patienten verbessern können. Die Forschung konzentriert sich auf die Entwicklung neuer Therapien, die das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen oder aufhalten können.

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