Elektrische Synapsen: Verbreitung und Besonderheiten in verschiedenen Geweben

Einleitung

Elektrische Synapsen, auch bekannt als Gap Junctions, sind spezialisierte Zellverbindungen, die den direkten Austausch von Ionen und kleinen Molekülen zwischen benachbarten Zellen ermöglichen. Im Gegensatz zu chemischen Synapsen, die Neurotransmitter zur Signalübertragung verwenden, ermöglichen elektrische Synapsen eine schnelle und bidirektionale Kommunikation. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Koordination zellulärer Aktivitäten in verschiedenen Geweben. Dieser Artikel beleuchtet die Verbreitung und die besonderen Merkmale elektrischer Synapsen in verschiedenen Geweben und geht dabei auf aktuelle Forschungsergebnisse ein.

Grundlagen elektrischer Synapsen

Elektrische Synapsen bestehen aus Gap-Junction-Kanälen, die von Connexin-Proteinen gebildet werden. Sechs Connexin-Untereinheiten bilden einen Halbkanal, auch Connexon genannt. Wenn sich zwei Connexone von benachbarten Zellen miteinander verbinden, entsteht ein vollständiger Gap-Junction-Kanal, der eine direkte Verbindung zwischen den Zytoplasmen der Zellen herstellt. Diese Kanäle ermöglichen den Durchtritt von Ionen, kleinen Molekülen wie Zuckern und Aminosäuren sowie elektrischen Signalen.

Struktur und Funktion der Gap Junctions

Die Struktur der Gap Junctions ist auf den ersten Blick einfach: Zwei Halbkanäle, die aus sechs Connexin-Proteinen aufgebaut sind, paaren sich spiegelbildlich miteinander und verbinden so zwei aneinander grenzende Zellen. Durch diese Kanäle tauschen die Zellen Ionen und Stoffwechselprodukte aus. Die Gap Junction-Kanäle des Fadenwurms Caenorhabditis elegans bestehen aus je sechs Bausteinen pro Zelle. Zusammen bilden sie einen Kanal aus zwölf Untereinheiten, genau wie beim Menschen. Diese Strukturen sind während der Evolution erstaunlich gut erhalten geblieben, so dass Forschungsergebnisse aus einfachen Organismen auch auf höhere Säugetiere übertragen werden können.

Connexine: Vielfalt und Muster

Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum konnten zeigen, dass die im Hirngewebe auftretenden elektrischen Synapsen aus unterschiedlichen Proteinen einer Proteinklasse (Isoformen) der Connexine bestehen. Daraus ergeben sich für einzelne Nervenzellgruppen sowie Gliazellen ganz bestimmte Muster ihrer Kanalproteine. Die Vielfalt der Connexin-Isoformen ermöglicht eine spezialisierte Regulation der Zellkommunikation in verschiedenen Geweben.

Vorkommen und Bedeutung in verschiedenen Geweben

Elektrische Synapsen sind in einer Vielzahl von Geweben zu finden, wo sie unterschiedliche physiologische Funktionen erfüllen.

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Herzgewebe

Im Herzgewebe spielen elektrische Synapsen eine entscheidende Rolle bei der synchronen Kontraktion der Herzmuskelzellen. Gap Junctions, die hauptsächlich aus Connexin43 bestehen, ermöglichen die schnelle Ausbreitung elektrischer Signale, die für einen koordinierten Herzschlag notwendig sind. Ohne diese synchronisierte Aktivität wäre ein effizientes Pumpen des Blutes unmöglich.

Nervensystem

Im Nervensystem sind elektrische Synapsen in bestimmten neuronalen Schaltkreisen vorhanden, wo sie eine schnelle und zuverlässige Signalübertragung ermöglichen. Im Gegensatz zu chemischen Synapsen, die durch synaptische Verzögerung gekennzeichnet sind, ermöglichen elektrische Synapsen eine nahezu sofortige Übertragung von Signalen. Dies ist besonders wichtig in Schaltkreisen, die schnelle Reflexe oder synchronisierte neuronale Aktivität erfordern.

Die Rolle im Gehirn

Elektrische Synapsen (Gap Junctions) treten im zentralen Nervensystem zwischen Nervenzellen und zwischen den ihnen funktionell zugeordneten Gliazellen auf und bilden jeweils ein funktionelles Netzwerk. Darüber hinaus ermöglicht die Forschungsgruppe SYNABS den direkten wissenschaftlichen Austausch durch ein international ausgerichtetes Fachsymposium mit Teilnahme der weltweit führenden Forscher auf diesem Gebiet.

Neuron-Krebs-Synapsen

Nervenzellen (Neuronen) können direkte Synapsen mit Krebszellen bilden. Bei der Neuron-Krebs-Synapse besteht ein Kontakt zu einer anderen Zielzelle, nämlich der Krebszelle.

Glatte Muskulatur

In der glatten Muskulatur, die beispielsweise in den Wänden von Blutgefäßen und des Verdauungstrakts vorkommt, ermöglichen elektrische Synapsen die koordinierte Kontraktion von Muskelzellen. Dies ist wichtig für die Aufrechterhaltung des Blutdrucks, die Peristaltik und andere physiologische Prozesse.

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Andere Gewebe

Neben den oben genannten Geweben kommen elektrische Synapsen auch in der Netzhaut des Auges, in Epithelzellen und in bestimmten endokrinen Geweben vor. In der Netzhaut tragen sie zur Verarbeitung visueller Informationen bei, während sie in Epithelzellen den Transport von Ionen und kleinen Molekülen regulieren.

Aktuelle Forschung und neue Erkenntnisse

Die Forschung zu elektrischen Synapsen hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht und neue Einblicke in ihre Struktur, Funktion und Rolle bei verschiedenen Erkrankungen ermöglicht.

Entdeckung einer „Kappe“ an Synapsen

Ein internationales Team um die Goethe-Universität Frankfurt hat mit modernster Mikroskopie elektrische Synapsen (Gap Junctions) im Inneren einer lebenden Zelle sichtbar gemacht. Dabei stieß es auf eine überraschende zusätzliche Struktur: eine bislang unbekannte ringförmige „Kappe“, die den Kanal von der Zellinnenseite bedeckt oder gar abschließt. Sie scheint vom Protein UNC-1 gebildet zu werden, dessen Proteinfamilie im Zusammenhang mit unterschiedlichen Erkrankungen steht. Die strukturelle Ähnlichkeit dieser Proteinfamilie über verschiedene Spezies hinweg ist bemerkenswert. Die Entdeckung wirft nun neue Fragen auf: Reguliert die „Kappe“ tatsächlich das Öffnen und Schließen der Kanäle? Wie beeinflusst sie den Fluss von Ionen? Die Forscher*innen vermuten, dass auch menschliche Gap Junctions von ähnlichen Kappen reguliert werden.

Krebs-Neurowissenschaft

Krebszellen und Nerven tauschen Signale aus (Crosstalk). Wie Tumoren das Nervensystem beeinflussen können, um zu wachsen, erklärt der Krebsinformationsdienst. Ziel neuer Therapien ist es, diese Kommunikation zu stören. Die Krebs-Neurowissenschaft oder auf Englisch übersetzt "Cancer Neuroscience" ist eine neue Disziplin in der Krebsmedizin: Sie beschäftigt sich mit dem komplexen Wechselspiel zwischen Krebs und Nervensystem - außerdem mit Behandlungsansätzen, die sich daraus ableiten. Bereits bei der Krebsentstehung spielen Nerven eine aktive Rolle, aber auch, wenn Tumoren wachsen und sich ausbreiten. Wissenschaftler bezeichnen dies als bidirektionalen Crosstalk. Wichtig zu wissen: Welche Nervenbahnen und welche Botenstoffe (Neurotransmitter) eine Rolle spielen, kann von Krebsart zu Krebsart variieren. Die junge Disziplin Cancer Neuroscience oder auf Deutsch "Krebs-Neuro-Wissenschaft" weckt großes Interesse unter Expertinnen und Experten. Denn Cancer Neuroscience wird als neues Grundprinzip erkannt, das viele Krebszellen auszeichnet. Noch steckt Cancer Neuroscience in den Kinderschuhen. Mehr Forschung ist nötig, um aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen eine neue Säule der Krebstherapie zu entwickeln - neben Operation, Strahlen-, Chemo-, Immun-, Hormon- und zielgerichteter Therapie.

Autoimmun-Enzephalitis

Bei autoimmun bedingten Hirnentzündungen richten sich körpereigene Antikörper gegen Oberflächenproteine von Nervenzellen und lösen so eine Entzündungsreaktion im Gehirn aus. Bei den Betroffenen, meist jungen Erwachsenen, treten Psychosen wie Halluzinationen, epileptische Anfälle und Bewusstseinstrübungen bis zum Koma auf. In der Forschungsgruppe SYNABS untersuchen Neurologen, Neurowissenschaftler, Physiologen, Neuroimmunologen und Biotechnologen mit Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft die Mechanismen verschiedener Formen der Erkrankung. Die Mechanismen der autoimmunen Gehirnentzündung sind ein spannendes und klinisch relevantes Forschungsthema. Die meisten Autoantikörper führen sehr spezifisch zu Funktionsstörungen, wodurch wir bei diesen Erkrankungen einen besonderen Einblick in die physiologische und krankhafte Funktion von Nervenzellen gewinnen und damit auch viel über grundlegende Prinzipien der Gehirnfunktion lernen können. Derzeit steht nur eine allgemeine Therapie zur Verfügung, die vergleichsweise unspezifisch die Immunreaktion unterdrückt oder Zellen im Blut reduziert, die am Immun- und Entzündungsgeschehen beteiligt sind.

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Neurovaskuläre Kommunikation

Die Funktion und Homöostase (Selbstregulierung) des Gehirns hängt von der Kommunikation innerhalb des komplexen Zellnetzwerks ab, das dieses Organ ausmacht. Dementsprechend muss die Entwicklung der verschiedenen Zellengruppen im Gehirn räumlich und zeitlich koordiniert werden. Eine sehr wichtige Struktur im Gehirn ist die Großhirnrinde, die eine Schlüsselrolle bei sämtlichen Grundfunktionen wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Sprache und Bewusstsein spielt. Neuronale Zellen in der Großhirnrinde sind in Schichten organisiert, die sich während der embryonalen Entwicklung bilden. Im reifen Gehirn umwickeln Gliazellen auch die Kapillargefäße und verhindern, dass schädliche Substanzen aus dem Blutstrom in das Gehirn eindringen können. Diese sogenannte „Blut-Hirn-Schranke“ ist eine wesentliche Struktur, die im Gehirn entwickelt wird, um die Homöostase (Selbstregulierung) aufrechtzuerhalten. Einige neuropsychiatrische und neurodegenerative Störungen sind mit einer abnormalen neurovaskulären Kommunikation in Verbindung gebracht worden.

Alzheimer-Krankheit

Bei der Alzheimer-Krankheit aggregiert das Tau-Protein in den langen Fortsätzen, den Axonen, wodurch der intrazelluläre Transport und somit die Zellfunktion gestört werden. Die Nervenzellen sterben nach und nach ab, was sich bei den Betroffenen durch Gedächtnisprobleme, Orientierungslosigkeit und später durch starke kognitive Beeinträchtigungen bemerkbar macht.

Klinische Relevanz und therapeutische Möglichkeiten

Elektrische Synapsen sind an verschiedenen physiologischen Prozessen beteiligt und spielen eine Rolle bei der Entstehung verschiedener Krankheiten. Daher sind sie ein attraktives Ziel für therapeutische Interventionen.

Herzrhythmusstörungen

Veränderungen in der Expression oder Funktion von Connexinen in Herzmuskelzellen können zu Herzrhythmusstörungen führen. Die Entwicklung von Medikamenten, die die Funktion von Gap Junctions modulieren, könnte neue Therapiemöglichkeiten für diese Erkrankungen eröffnen.

Neurologische Erkrankungen

Im Nervensystem werden elektrische Synapsen mit verschiedenen neurologischen Erkrankungen in Verbindung gebracht, darunter Epilepsie, Schlaganfall und neurodegenerative Erkrankungen. Die Modulation der Aktivität elektrischer Synapsen könnte neuroprotektive Effekte haben und die Symptome dieser Erkrankungen lindern.

Krebs

Die Krebs-Neurowissenschaft untersucht den Dialog zwischen Krebs und Nervensystem und entwickelt Behandlungsansätze, die das Nervensystem beeinflussen sollen. Ziel ist es herauszufinden, ob durch die Modulation bestimmter Signalwege auch das Tumorwachstum gehemmt werden kann.

Autoimmun-Enzephalitis

Die Erforschung der Mechanismen der autoimmunen Gehirnentzündung ermöglicht es, neue und zielspezifische Therapieansätze zu entwickeln. Ein potentielles Therapeutikum besteht aus einem Teil des NMDA-Rezeptors und einem konstanten Teil eines menschlichen Antikörpers. Die Krankheitserregenden Antikörper binden dann an dieses Fusionskonstrukt und nicht mehr an die NMDA-Rezeptoren.

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