Viele Frauen kennen das Problem: Kurz vor, während oder nach der Menstruation tretenMigräneattacken auf. Diese sogenannte menstruelle Migräne kann den Alltag erheblich beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome undTherapiemöglichkeiten dieser speziellen Form der Migräne, um Betroffenen ein besseres Verständnis undHandlungsoptionen zu bieten.
Einführung in die menstruelle Migräne
Migräne während der Periode ist keine Seltenheit, sondern eine spezielle Form, die vieleFrauen betrifft. Man spricht von menstrueller Migräne, wenn die Kopfschmerzen in engemZusammenhang mit der Monatsblutung stehen, meist ein bis zwei Tage vor Beginn der Periode bis zu dreiTage danach. Studien zeigen, dass etwa die Hälfte aller menstruierenden Frauen regelmäßigwährend der Monatsblutung unter Spannungskopfschmerzen oder Migräneattacken leiden. Rund 60% derPatientinnen mit Migräne erleben gehäufte Attacken um die Monatsblutung herum.
Symptome der menstruellen Migräne
Menstruelle Migräne-Attacken unterscheiden sich in ihrer Symptomatik nicht grundlegend vonAttacken außerhalb des Menstruationsfensters. Allerdings verlaufen die menstruellen Attacken meistschwerer, sind häufiger von Übelkeit und Erbrechen begleitet und dauern länger an, oft zwei bis dreiTage. Viele Frauen berichten von besonders intensiven Kopfschmerzen während ihrer Menstruation, die längeranhalten als sonst und schwerer zu lindern sind. Häufig beginnt diese menstruelle Migräne ohne Aura undzieht sich über mehrere Stunden bis hin zu mehreren Tagen.
Typische Symptome sind:
- Pulsierende Schmerzen
- Lichtempfindlichkeit
- Übelkeit
- Erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Gerüchen und Geräuschen
- Einseitiger Kopfschmerz (kann aber auch beidseitig auftreten)
Manche Frauen erleben die menstruelle Migräne auch mit einer Aura, neurologischenAusfallerscheinungen und Störungen, die kurz vor der Migräneattacke auftreten. Dazu zählenSehstörungen wie Lichtblitze, Sprachstörungen, Missempfindungen, Lähmungen oder Schwindel.
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Ursachen der menstruellen Migräne
Die Hauptursache für menstruelle Migräne scheint der prämenstruelle Abfall desÖstrogenspiegels zu sein. Insbesondere fällt der Östrogenspiegel kurz vor der Periode rapide ab. Genau dieserHormonabfall kann das Gehirn empfindlicher für Reize machen und einen Migräneanfall auslösen. Dabei istdie Höhe der hormonellen Veränderung entscheidend, nicht der absolute Wert des Östrogenspiegels.
Auch der Entzündungsbotenstoff CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) spielt eine wichtigeRolledabei. Studien zeigen, dass Frauen mit Migräne während der Menstruation besonders große Mengen an CGRPbilden. CGRP erweitert die Blutgefäße im Gehirn stark und kann dadurch Kopfschmerzen verursachen.
Weitere Faktoren, die Migräne beeinflussen können:
- Stress
- Gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus
- Unregelmäßige Mahlzeiten
- Hormonelle Schwankungen durch die Pille, Schwangerschaft, Alter oder Wechseljahre
Diagnose der menstruellen Migräne
Um einen Zusammenhang zwischen dem Zyklus und den Migräneattacken festzustellen, ist es ratsam,über mehrere Monate hinweg täglich einen Kopfschmerz- und Zykluskalender zu führen. Dieser hilft,Muster zu erkennen und die Diagnose zu unterstützen. Es ist wichtig, einen Arzt aufzusuchen, um dieMöglichkeiten der medikamentösen Akutbehandlung oder Prophylaxe zu besprechen.
Die Diagnose der menstruellen Migräne erfolgt gemäß internationalerKopfschmerzklassifikation:
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- Migräneattacken treten in mindestens zwei von drei aufeinanderfolgenden Zyklen auf
- Die Attacken ereignen sich innerhalb von zwei Tagen vor Einsetzen der Regelblutung bis dreiTage danach
- Wenn die Kopfschmerzanfälle zusätzlich auch zu anderen Zeitpunkten im Zyklusverlauferfolgen, spricht man von menstruell assoziierter Migräne
Es ist wichtig zu beachten, dass die Abgrenzung zwischen Migräne ohne Aura undSpannungskopfschmerz schwierig sein kann. Daher sollte die Diagnose "menstruelle Migräne" lautärztlicher Leitlinien frühestens nach fünf erlittenen Attacken erfolgen.
Therapie der menstruellen Migräne
Die Therapie der menstruellen Migräne umfasst sowohl die Akutbehandlung der Attacken als auchprophylaktische Maßnahmen, um die Häufigkeit und Intensität der Anfälle zu reduzieren.
Akutbehandlung
Während der Attacken helfen neben schmerzlindernden Medikamenten auch Ruhe undEntspannungsübungen. Bei leichten bis mittelschweren Migräneattacken können nichtsteroidaleAntirheumatika wie Ibuprofen, Naproxen oder Diclofenac in Kombination mit einem Antiemetikum(z.B. Metoclopramid oder Domperidon) eingesetzt werden. Bei stärkeren Attacken kommen Triptane zumEinsatz, spezielle Migränemittel, die die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Schmerzen lindern.
Es ist wichtig, Schmerzmittel nicht übermäßig zu gebrauchen, da dies zuchronischen Kopfschmerzen führen kann. Triptane können bereits ab 10 Tagen pro Monat zumedikamenten-induzierten Kopfschmerzen führen, nichtopioid-Analgetika wie Paracetamol etwa ab 15Tagen.
Prophylaxe
Zur Prophylaxe von Migräne gibt es verschiedene medikamentöse und nicht-medikamentöseAnsätze.
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Medikamentöse Prophylaxe:
- Hormonelle Präparate: Die Einnahme der Pille im Langzeitzyklus ohne Pause kann bei einigenFrauen helfen, die Hormonschwankungen zu stabilisieren.
- Triptane: Eine Kurzzeitprophylaxe mit Triptanen (z.B. Frovatriptan) kann einige Tage vor der erwartetenMigräne begonnen und bis zu 6-7 Tage fortgeführt werden.
- Andere Medikamente: In bestimmten Fällen können auch Blutdrucksenker, Antidepressiva oderneurologische Medikamente zur Prophylaxe eingesetzt werden.
Nicht-medikamentöse Prophylaxe:
- Ernährung: Eine niedrig-glykämische Ernährung, die den Blutzucker stabil hält, kann einewirksame Migräneprophylaxe sein. Starke Blutzuckerschwankungen können Migräneattackenbegünstigen. Die digitale Gesundheitsanwendung sinCephalea Migräneprophylaxe kann helfen,Lebensmittel zu identifizieren, die den Blutzucker stabil halten.
- Entspannungstechniken: Stressreduktion durch Entspannungsverfahren wie progressiveMuskelrelaxation, Meditation oder Yoga kann helfen, Migräne vorzubeugen.
- Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus: Ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus kann Migräneauslösen. Daher ist es wichtig, auf ausreichend und regelmäßigen Schlaf zu achten.
- Ausdauersport: Regelmäßige körperliche Aktivität, insbesondere Ausdauersportarten wieRadfahren, Joggen oder Schwimmen, kann die Häufigkeit und Intensität von Migräneattackenreduzieren.
Alternative Ansätze
Neben den genannten Therapieansätzen gibt es auch alternative Methoden, die bei menstruellerMigräne helfen können:
- Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur die Häufigkeit vonMigräneattacken reduzieren kann.
- Biofeedback: Diese Methode hilft, Körperfunktionen wie die Muskelspannung oder dieHerzfrequenz bewusst zu beeinflussen und so Stress abzubauen.
- Heilkräuter: Tee aus Heilkräutern wie Schlüsselblumen kann eine beruhigende Wirkung haben.
- Magnesium: Die Gabe von Magnesium kann zur Migräneprophylaxe erwogen werden.
Es ist wichtig, alle Therapieansätze mit dem behandelnden Arzt abzusprechen, um möglicheWechselwirkungen mit Medikamenten zu vermeiden.
Was Frauen selbst tun können
Neben den ärztlichen Behandlungen können Frauen selbst einiges tun, um die Beschwerden dermenstruellen Migräne zu lindern:
- Kopfschmerztagebuch führen: Dies hilft, Auslöser zu identifizieren und den Erfolg dereingesetzten Medikamente zu bewerten.
- Ruhe und Dunkelheit: Bei einer Migräneattacke ist es hilfreich, sich in einen ruhigen,abgedunkelten Raum zurückzuziehen.
- Kälte oder Wärme: Ein Kältepack auf der Stirn oder im Nacken kann Schmerzen lindern,alternativ kann auch eine warme Dusche oder Wärmflasche helfen.
- Aromatherapie: Einige Tropfen Pfefferminzöl auf die Stirn oder Schläfen können kühlend undentspannend wirken.
- Ingwertee: Hilft gut gegen Übelkeit.
- Regelmäßige Mahlzeiten: Unregelmäßige Mahlzeiten können Migräne triggern.
Menstruelle Migräne in besonderen Lebensphasen
Schwangerschaft
Während der Schwangerschaft bessern sich die Migräneattacken bei vielen Frauen deutlich oderbleiben sogar ganz aus. Dies liegt an der stabilen Hormonlage während der Schwangerschaft. Allerdings sollte diemedikamentöse Therapie während der Schwangerschaft, wenn irgendwie möglich, vermieden werden. InsbesondereMigräneprophylaktika sind während der Schwangerschaft kontraindiziert.
Wechseljahre
Nach der Menopause pendelt sich der Östrogenspiegel auf einem neuen, niedrigen Niveau ein, und dieMigräneattacken verschwinden nicht selten ganz. Allerdings kann es während der Wechseljahre aufgrund derstarken Hormonschwankungen zunächst zu einer Verschlechterung der Migräne kommen.
Unterdiagnostizierung und Untertherapierung
Trotz der hohen Prävalenz ist die menstruelle Migräne eine deutlich unterdiagnostizierteErkrankungsform. Oft vergehen viele Jahre, bis Ärztinnen und Ärzte den Zusammenhang zwischen demMenstruationszyklus und den Migräneattacken erkennen. Dies führt dazu, dass betroffene Frauen oftunnötigerweise jahrelang schwere Attacken erleiden, obwohl wirksame Therapien mittlerweile erprobtund verfügbar sind.