Viele Menschen denken beim Hören nur an das Ohr, die Cochlea und den Hörnerv - also die klassische Hörbahn. Doch das Gehirn verarbeitet Geräusche auf zwei Wegen. Einer davon ist kaum bekannt, aber extrem wichtig: die extralemniskale Hörbahn. Sie entscheidet mit, ob ein Ton beruhigt oder stresst. Dieser Artikel beleuchtet, welche Rolle die linke und rechte Gehirnhälfte bei der Verarbeitung von Geräuschen spielen, insbesondere in Bezug auf die auditive Wahrnehmung des linken Ohrs.
Die duale Verarbeitung von Schall: Lemniskal und Extralemniskal
Die klassische Hörbahn (lemniskal) verläuft von der Cochlea über den Hörnerv bis in den primären auditorischen Cortex. Diese Bahn ist hauptsächlich für die Analyse von Frequenz und Intensität zuständig.
Die extralemniskale Hörbahn (auch "non-primary" oder "belt" genannt) läuft über andere Gehirnkerne. Diese parallele Hörbahn ist kein direkter, sauber tonotoper Pfad. Die extralemniskale Hörbahn ist keine Nebensache - sie ist der unsichtbare Regisseur des Hörerlebens. Sie erklärt, warum gutes Hören mehr ist als das Verstehen von Sprache. Es geht um Orientierung, Sicherheit, Energie und Ruhe. Sie ist maßgeblich an der emotionalen Bewertung von Klängen beteiligt und beeinflusst, wie wir auf Geräusche reagieren. Verstärkung bedrohlicher Töne (z. B. Modulation durch Emotion (z. B. Verbindung mit Körperempfindung - z. B. Standardtests wie die BERA erfassen nur die lemniskale Hörbahn. Hörgeräte verstärken - aber sie beeinflussen auch das emotionale Hörerleben.
Spezialisierung der Ohren bei Neugeborenen und deren Auswirkungen
Rechtes und linkes Ohr reagieren bei Neugeborenen unterschiedlich auf Geräusche. Sprache nehmen die Babys besser auf dem rechten Ohr wahr, Töne und Musik auf dem linken. Das berichten amerikanische Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Science (Bd. 305, S. 1581). Die Spezialisierung der Ohren könnte der Grund sein, warum Erwachsene Geräusche später auch in unterschiedlichen Gehirnhälften verarbeiten. Bei Sprache ist in der Regel die mit dem rechten Ohr enger vernetzte linke Gehirnhälfte aktiv, während die rechte Gehirnhälfte Töne und Musik besser verarbeitet.
Die Rolle der Gehirnhälften bei der Verarbeitung von Sprachlauten
Die Forscherinnen Yvonne Sininger von der Universität von Kalifornien in Los Angeles und Barbara Cone-Wesson von der Universität von Arizona hatten das Hörvermögen von 1593 Neugeborenen untersucht. Dazu regten sie die Haarzellen am Innenohr der Kinder durch verschiedene Geräusche an. Diese Zellen empfangen und verstärken Geräusche. Mit einem sehr empfindlichen Mikrofon im äußeren Gehörgang konnten sie die Reaktion der Haarzellen als Schallwellen messen. Auf kurze Klickgeräusche, mit denen die Forscherinnen Sprache simulierten, reagierten 53,6 Prozent der Neugeborenen empfindlicher mit dem rechten Ohr. „Wir hatten immer angenommen, dass unser linkes und rechtes Ohr genau gleich funktionieren“, sagt Sininger. „Daher dachten wir, es wäre unwichtig, welches Ohr bei einem Menschen beeinträchtigt ist. Nun sehen wir aber, dass genau das großen Einfluss auf das Erlernen und Verstehen von Sprache haben kann.“ Vorangegangene Untersuchungen stützen diese Annahme: Sie zeigten, dass Kinder mit Hörfehlern im rechten Ohr größere Schwierigkeiten in der Schule hatten als Kinder, deren linkes Ohr beeinträchtigt ist. Die Forscher wollen nun den Prozess des Hörens parallel in Ohr und Gehirn untersuchen.
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Meistens geben unsere beiden Ohren dem Gehirn unterschiedlichen Input. Trotzdem nehmen wir Gesagtes immer als einheitliche Sprachlaute wahr. Dies geschieht durch den Abgleich der beteiligten Hirnareale mit Hilfe von Gamma-Wellen, wie Neurolinguisten der Universität Zürich herausgefunden haben. Eigentlich ist es erstaunlich, dass wir nicht alles zweimal hören: Denn unsere Ohren sitzen auf gegenüberliegenden Seiten des Kopfes und die meisten Töne erreichen die Ohrmuscheln zeitlich leicht versetzt. «Dies hilft uns zwar zu bestimmen, aus welcher Richtung Geräusche kommen, bedeutet aber auch, dass unser Gehirn die Informationen beider Ohren zusammenführen muss. Ansonsten würden wir ein Echo hören», erklärt Basil Preisig vom Psychologischen Institut der Universität Zürich.
Die Integration von Höreindrücken durch Gamma-Wellen
Hinzu kommt, dass Input vom rechten Ohr zuerst die linke Hirnhälfte und Input vom linken Ohr zuerst die rechte Hirnhälfte erreicht. Die beiden Hälften übernehmen bei der Sprachverarbeitung unterschiedliche Aufgaben: Die linke Seite ist für die Unterscheidung der Silben zuständig, die rechte erkennt die Sprachmelodie. Der genaue Mechanismus hinter diesem Integrationsprozess war bis jetzt nicht bekannt. In früheren Studien fand Preisig jedoch Hinweise darauf, dass vom Gehirn hervorgerufene messbare Schwingungen - sogenannte Gamma-Wellen - dabei eine Rolle spielen. Nun ist es ihm gelungen, einen direkten Zusammenhang zwischen der Integration des Gehörten und der Synchronisierung durch Gamma-Wellen nachzuweisen.
An der Untersuchung, welche am Donders Center for Cognitive Neuroimaging im niederländischen Nijmegen stattfand, nahmen 28 gesunde Versuchspersonen teil, die wiederholt eine Höraufgabe lösen mussten: Sie bekamen auf dem rechten Ohr eine zweideutige Silbe (einen Sprachlaut zwischen ga und da) und auf dem linken Ohr unbemerkt ein Klicken eingespielt, das ein Fragment der Silben da oder ga enthielt. Davon abhängig hörten die Versuchspersonen entweder ga oder da. Bei jeder Wiederholung mussten die Versuchspersonen angeben, was sie gehört hatten. Im Verlauf der Experimente störten sie das natürliche Aktivitätsmuster der Gamma-Wellen durch elektrische Stimulation der beiden Hirnhälften mit am Kopf befestigten Elektroden. Diese Manipulation beeinflusste die Fähigkeit der Teilnehmenden, die gehörte Silbe richtig zu identifizieren. Je nachdem, ob der Rhythmus der Gamma-Wellen mit Hilfe der elektrischen Stimulation in den beiden Hirnhälften synchron oder asynchron zueinander beeinflusst wurde, veränderte sich die Stärke der Verbindung. Diese Störung ging zudem mit einer Verschlechterung der Integration einher. Die Synchronisation der Gamma-Wellen scheint also die verschiedenen Inputs der beiden Hirnhälften miteinander abzugleichen und so für einen eindeutigen akustischen Eindruck zu sorgen. «Unsere Resultate unterstützen die Idee, dass die durch Gamma-Wellen vermittelte Synchronisation zwischen verschiedenen Hirnarealen ein grundlegender Mechanismus für die neuronale Integration ist», sagt Preisig.
Klinische Relevanz der Erkenntnisse über Gamma-Wellen
Diese Erkenntnisse könnten in naher Zukunft auch Anwendung in der Klinik finden. «Frühere Studien zeigen, dass Störungen der Verbindung zwischen den beiden Hirnhälften mit auditiven Phantomwahrnehmungen wie Tinnitus und Stimmenhören einhergehen», so Preisig.
Die Rolle des linken Ohrs bei der Wahrnehmung von Zärtlichkeiten und Liebesworten
Neurologische Entdeckung: Liebe geht durchs linke Ohr. Der Weg zum Herzen führt durchs linke Ohr. Das haben Neurowissenschaftler aus der Schweiz herausgefunden, die Testpersonen unter anderem erotische Laute vorspielten.
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Positive menschliche Geräusche (wie Lachen oder angenehme Stimmen) lösen eine verstärkte neuronale Aktivität im Hörsystem aus. Das fanden Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL), des Universitätsspitals Lausanne und der Universität Lausanne durch Gehirn-Scans von 13 Erwachsenen heraus.
Der Knaller: Diese Aktivität wird besonders stark, wenn diese Geräusche von der linken Seite kommen. Offensichtlich hat sich das Hörzentrum in einer Richtung für positive Laute besonders stark ausgebildet.
Die Testpersonen waren Männer und Frauen Mitte zwanzig, Rechtshänder und ohne musikalische Ausbildung. Als sie fröhliche menschliche Laute aus drei verschiedenen Richtungen hörten (von links, aus der Mitte oder von rechts) wurden zwar beide Seiten ihres Hörzentrums (auditorischer Kortex) aktiviert. Doch Aufnahmen, die ausschließlich auf der linken Seite gehört wurden, lösten eine viel stärkere neurologische Reaktion aus. „Dies ist nicht der Fall, wenn positive Vokalisationen von vorn oder von rechts kommen“, sagt Sandra da Costa, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der EPFL und Erstautorin der Studie.
Menschliche Laute, die neutral sind (wie bedeutungslose Vokale) oder negativ wirken (z.B. ein Angstschrei), haben diese Verbindung zur linken Seite nicht. Das gilt auch für Geräusche, die nicht durch die menschliche Stimme erzeugt werden (wie Applaus, Wind, eine tickende Bombe).
Evolutionäre Bedeutung der Richtungsabhängigkeit der Geräuschwahrnehmung
Evolutionär gesehen ergibt eine erhöhte Empfindlichkeit für Geräusche, die aus bestimmten Richtungen kommen, durchaus einen Sinn. Schon frühere Studien haben gezeigt, dass Geräusche, die näher kommen, als bedrohlicher und erregender wahrgenommen werden als solche, die sich entfernen. Es gibt sogar Hinweise darauf, dass Menschen leichter erregt werden, wenn ein Geräusch von hinten kommt. Doch warum eine Vorliebe für angenehme Geräusche von links besteht, können die Forscher nicht erklären. Bekannt ist, dass das linke Ohr den emotionalen Ton in einer Stimme besser erkennt als das rechte. Da es Informationen zuerst an die rechte Hemisphäre des auditorischen Kortex weiterleitet, wurde bisher angenommen, dass die rechte Gehirnhälfte Emotionen besser verarbeitet als die linke. Doch die neuen Erkenntnisse stellen diese Annahme infrage.
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Die Auswirkungen der Ohrform auf das Hörvermögen
Wie die Form unserer Ohren und die Kopfseite unser Hörvermögen beeinflussenUnser Gehirn kennt die Form unserer Ohren ganz genau. Denn sie beeinflusst, wie das Gehirn Geräusche wahrnimmt und interpretiert. Was passiert, wenn sich die Form unserer Ohren verändert, etwa durch Hörgeräte?
Jedes Paar Ohren bildet mit „seinem“ Gehirn ein einzigartiges Gespann.Studie belegt: Ändert sich die Form unserer Ohren, muss das Gehirn erst wieder lernen, Hörsignale richtig zu verarbeiten.Bei neuen Formen durch Operationen, Wachstum oder Hörsysteme richtet sich der Höreindruck neu aus.Zusammen sind unsere Ohren und unser Gehirn wie eine erfolgreiche Sportmannschaft - ein eingespieltes Team. Ohne unsere Ohren könnte unser Gehirn keine Geräusche verarbeiten. Dass Trommelfell und Gehörknöchelchen dabei eine wichtige Rolle spielen, ist bekannt. Aber welche Rolle spielt die individuelle Form unserer Ohren? Von ihr hängt es ab, wie unser Gehirn Töne wahrnimmt und interpretiert. Es kennt unsere Ohrform ganz genau und ist perfekt auf diese abgestimmt. Je nachdem, wie die Schallwellen auf unser Ohr treffen und weitergeleitet werden, übersetzt sie das Gehirn für uns in unterschiedliche Informationen. Zum Beispiel können wir die Richtung oder die Entfernung einer Geräuschquelle richtig einschätzen, wenn wir einen Ton hören. Die Form der Ohren ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich - somit bildet jedes Ohrenpaar mit „seinem“ Gehirn ein einzigartiges Gespann.
Die Anpassungsfähigkeit des Gehirns an veränderte Ohrformen
Kanadische Forscher untersuchten, was passiert, wenn sich das Gehirn plötzlich an eine neue Ohrform anpassen muss (The Encoding of Sound Source Elevation in the Human Auditory Cortex, 2018). In einem Experiment klebten sie dazu kleine Silikonstücke auf die Ohrmuscheln ihrer Testpersonen und veränderten auf diese Weise deren Ohrform. Das Ergebnis der Studie ist verblüffend: Die Testpersonen konnten aufgrund der kleinen Silikonteile und ihrer deshalb veränderten Ohrform nicht mehr erkennen, ob ein Geräusch von oben oder unten kommt. „Als wir ihnen etwa einen Ton oberhalb ihres Kopfes vorspielten, glaubten sie, dass er von unten kam“, erläutert Prof. Dr. Marc Schönwiesner, Professor für Neurobiologie an den Universitäten Montreal und Leipzig. Das Gehirn ist jedoch extrem flexibel: Schon nach ein paar Tagen passte es sich an die neue Form der Ohren an und lernte, die Hörsignale wieder richtig zu bewerten. Die Testpersonen konnten wieder problemlos einschätzen, aus welcher Richtung ein Geräusch kam.
Die Form unserer Ohren ändert sich nicht nur durch Schönheitsoperationen, wie bei abstehenden Ohren oder Verletzungen am Ohr: Auch wenn wir wachsen, hat dies Auswirkungen auf die Form unserer Ohren. In all diesen Fällen ist es wie im Sport: Das Team aus Ohr und Gehirn muss trainieren, um wieder harmonisch und zuverlässig miteinander spielen zu können. Das verdanken wir der Anpassungsfähigkeit unseres Gehirns: „Ein Gehirn ist keine Maschine, die einmal eingestellt rund funktioniert, sondern ein Gehirn lebt und kann sich auch auf neue Situationen einstellen“, sagt der Neurowissenschaftler Henning Beck.
Die Bedeutung von Hörgeräten und der Anpassungsprozess
Umlernen muss das Gehirn auch, wenn jemand aufgrund einer Hörminderung Hörgeräte bekommt. Denn auch Hörsysteme ändern die Form unserer Ohren, da sie im oder am Ohr getragen werden. Die Ergebnisse der kanadischen Studie helfen dabei, die Gewöhnung an Hörgeräte besser zu verstehen. Dies ist ein Prozess, bei dem Träger von Hörsystemen eng mit ihrem Hörakustiker zusammenarbeiten. Er oder sie nimmt neue Einstellungen und Anpassungen vor - so lange, bis sein Kunde voll und ganz zufrieden und vor allem wieder gut hörend ist.
Die Dominanz des rechten Ohrs bei der Verarbeitung von Ziffernfolgen
Nicht nur die Form unserer Ohren ist entscheidend dafür, wie und was wir hören. Auch die Seite des Kopfes, auf der sie sitzen, spielt eine Rolle: Forscher in den USA haben herausgefunden, dass unser rechtes Ohr dem linken Ohr oft überlegen ist. So konnten sich Testpersonen beispielsweise besser an zuvor gehörte Ziffernfolgen erinnern, die sie mit dem rechten Ohr gehört haben. Die Erinnerung an Ziffern, die mit dem linken Ohr gehört wurden, war schlechter. Warum das so ist, ist allerdings noch nicht endgültig erforscht. Aber es gibt bereits Vermutungen: Das rechte Ohr hat Zugang zur linken Gehirnhälfte. Sprache wird hauptsächlich in der linken Gehirnhälfte verarbeitet, denn dort sitzt unser Sprachzentrum. „Das, was am rechten Ohr ankommt, kann dann auch besser sprachlich verarbeitet werden. Zuhören, verstehen, verarbeiten - und das alles gleichzeitig. Unser Gehirn leistet Erstaunliches, wenn es um die schnelle Verarbeitung von Sprache geht. Egal ob im Gespräch, beim Zuhören, beim Lesen oder Schreiben: Sprache ist Kopfsache. Wir denken in einer Sprache und wir teilen unsere Gedanken (meist) in Worte gefasst. Die Sprache ist also essenziell für die zwischenmenschliche Kommunikation. Um den Gesprächsfluss aufrecht zu erhalten, versuchen wir die nächsten Worte unseres Gesprächspartners zu erahnen, bevor dieser sie ausgesprochen hat und verarbeiten gleichzeitig das Gesagte zu neuen Gedanken.
Die unterschiedliche Verarbeitung von Silben durch die Hirnhälften
Spielt man Versuchspersonen gleichzeitig auf dem linken und rechten Ohr zwei unterschiedliche Silben vor, geben die meisten Menschen an, nur das gehört zu haben, was auf dem rechten Ohr gesagt wurde. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass sich in der sogenannten Pfeifsprache ein anderes Bild zeigt. Bei dieser, so das Ergebnis des gleichen Tests von Onur Güntürkün der Ruhr-Universität Bochum, ist wird die linke Hirnhälfte nicht bevorzugt.
Die Rolle des Planum temporale bei der Sprachverarbeitung
„Wissenschaftler haben vor langer Zeit entdeckt, dass eine für Sprache wichtige Hirnregion namens Planum temporale häufig links größer ist als rechts“, erläutert Dr. Sebastian Ocklenburg von der Arbeitseinheit Biopsychologie der Ruhr-Universität Bochum in einer aktuellen Pressemitteilung. Dabei hätten die Nervenzellen des linken Planum temporale eine höhere Anzahl an neuronalen Verbindungen, als die der rechten Hirnhälfte. „Unklar war bisher aber, ob diese asymmetrische Mikrostruktur entscheidend für die linksseitige Überlegenheit bei der Sprachverarbeitung ist“, ergänzt Erhan Genç, ebenfalls aus dem Forscherteam der Ruhr-Universität Bochum und der Technischen Universität Dresden. Denn während bisher nur an verstorbenen Menschen die höhere Anzahl an neuronalen Verbindungen der linksseitigen Hirnregion festgestellt werden konnte, habe man nun dank einer speziellen Form der Magnetresonanztomografie die Dichte und räumliche Anordnung von Nervenzellfortsätzen im Planum temporale der linken und rechten Hirnhälften feststellen können. Der Test an fast hundert Versuchspersonen habe dabei gezeigt, dass Versuchspersonen mit einer besonders schnellen Sprachverarbeitung in der linken Hirnhälfte auch besonders viele Nervenzellfortsätze im linken Planum temporale besaßen. „Aufgrund dieser Mikrostruktur ist die Sprachverarbeitung linksseitig schneller und wahrscheinlich auch die zeitliche Präzision höher, mit der das Gehörte entschlüsselt wird“, folgert Ocklenburg. Interessant ist dabei, dass Menschen, deren Faserverbindungen in der linksseitigen Hirnregion geschwächt sind, wortwörtlich ins Stottern geraten können - davon gehen zumindest mehrere Studien aus.
Die Verstärkung von Geräuschen durch die Haarzellen im Innenohr
Gemeinsam mit Ko-Autorin Barbara Cone-Wesson von der Universität von Arizona, untersuchte Sininger winzige Verstärker in den äußeren Haarzellen des Innenohres. „Wenn wir ein Geräusch hören, weiten und kontrahieren sich kleine Zellen in unserem Ohr, um die Vibrationen zu verstärken“, erklärt Sininger. „Die inneren Haarzellen übertragen die Vibrationen auf Nervenzellen und senden sie zum Gehirn, das den Reiz anschließend dekodiert. In einer sechs Jahre dauernden Studie maßen die Forscherinnen an mehr als 3.000 Neugeborenen diese OAEs mithilfe eines Sensors, den sie in den Hörkanal einführten. Dieser emittierte einen Ton und registrierte anschließend die OAEs, die vom Ohr erzeugt wurden. Überraschenderweise zeigte sich dabei, dass das linke Ohr längere Töne wie Musik stärker verstärkt, während das rechte Ohr besonders auf schnelle Geräusche wie Sprache reagiert. „Diese Ergebnisse spiegeln wieder, wie das Gehirn Musik beziehungsweise Sprache verarbeitet, nur eben seitenverkehrt wegen der Überkreuzung der Signale im Gehirn“, so Cone-Wesson. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Verarbeitung akustischer Reize im Ohr beginnt, lange bevor der Reiz im Gehirn ankommt. Die Ergebnisse könnten auch erklären, warum Kinder mit Schwerhörigkeit auf dem rechten Ohr erheblich größere Probleme in der Schule haben als Kinder, bei denen das andere Ohr betroffen ist. „Unsere Befunde könnten auch den Chirurgen wichtige Hinweise bei der Einpflanzung eines Cochlear-Implantats geben“, erklärt Cone-Wesson.
Dichotisches Hören: Ein Test zur Untersuchung der Hirnfunktionen
Der Begriff „dichotisches Hören“ bezeichnet einen Test, der eine besondere Technik nutzt, um die kognitiven und Hirnfunktionen zu untersuchen. Er wird in der Psychologie und den Neurowissenschaften zur Erforschung der hemisphärischen Asymmetrie, der Aufmerksamkeit und des Bewusstseins eingesetzt. Der Test ist sehr einfach: Über einen Kopfhörer erhält die Testperson zwei gleichzeitige, aber unterschiedliche akustische Reize, einen auf das rechte und den anderen auf das linke Ohr. In bestimmten Situationen soll der Patient während des Tests das in einem Ohr wahrgenommene Signal ignorieren und sich stattdessen auf das Signal im anderen Ohr konzentrieren. Das geschieht durch binaurale Trennung.
Das dichotische Hören kann auch zur Testung der hemisphärischen Asymmetrie der Sprachverarbeitung genutzt werden. Insbesondere kann es verwendet werden, um zu untersuchen, wie das Gehirn Sprache verarbeitet und ob erhebliche Unterschiede bei der Lateralisierung von Sprache bei den einzelnen Menschen existieren. Zum besseren Verständnis dieser Definitionen muss zuerst die Bedeutung von „Lateralisierung des Gehirns“ geklärt werden. Das menschliche Gehirn ist in zwei Hälften geteilt - die linke und die rechte Hemisphäre - die durch den sogenannten Balken (Corpus callosum) verbunden sind. Jede Hemisphäre hat spezifische kognitive Funktionen. Lateralisierung des Gehirns bedeutet, dass einige Funktionen in einer Hemisphäre dominanter sind als in der anderen. Bei Schizophrenie können Menschen mit bestimmten Formen dieser Krankheit unterschiedliche auditive Lateralisierungsmuster aufweisen. Eine Studie mit besonderem Schwerpunkt auf Subtypen von Schizophrenie, insbesondere paranoider und undifferenzierter Schizophrenie, zeigte mit dichotischen Hörtests, dass Personen, die an paranoider Schizophrenie leiden, den größten Vorteil der linken Hemisphäre haben.
Das dichotische Hören ist eine nicht-invasive Technik zur Untersuchung der Lateralisierung des Gehirns bzw. hemisphärischen Asymmetrie. Sie zeigt eine Dominanz der linken Hemisphäre bei der Sprachverarbeitung. Bei vielen Menschen dominiert die linke Hemisphäre des Gehirns bei der Sprachverarbeitung.
Der Zusammenhang zwischen dichotischem Hören, auditiver Selektion und dem Cocktailparty-Effekt
Der Zusammenhang zwischen dichotischem Hören, auditiver Selektion und dem Cocktailparty-Effekt besteht vor allem in der Art, wie das Gehirn akustische Informationen in komplexen Hörsituationen wie einem lauten Fest oder einer Umgebung, in der viele Stimmen gleichzeitig ertönen, verarbeitet. Während es beim dichotischen Hören darum geht, gleichzeitig oder schnell hintereinander verschiedene akustische Reize in die beiden Ohren einer Testperson zu leiten, entspricht die auditive Selektion der Fähigkeit des Gehirns, sich in einer komplexen akustischen Umgebung auf ein spezifisches Geräusch oder eine Stimme zu konzentrieren. Es handelt sich um den Prozess, der die Unterscheidung und die Fokussierung eines gewünschten Geräuschs ermöglicht, während andere Hintergrundgeräusche ignoriert oder unterdrückt werden. Dieser Prozess ist die Grundlage dafür, sich in einer lauten Umgebung verstehen und interagieren zu können. Der Cocktailparty-Effekt ist ein Beispiel für auditive Selektion. Es handelt sich um ein gängiges Phänomen in Situationen, die sich durch Menschenmengen oder Lärm kennzeichnen. Der Effekt zeigt sich bei Konzentration auf ein bestimmtes Gespräch oder Geräusch, zum Beispiel auf die Stimme einer einzigen Person, auch wenn viele andere Gespräche oder Hintergrundgeräusche zu hören sind.
Theorien der auditiven Wahrnehmung: Broadbent, Cherry und Treisman
Broadbent, Cherry und Treisman sind drei wichtige Theorien im Bereich der akustischen und visuellen Wahrnehmung. Colin Cherry weiterentwickelt, dem Kognitionswissenschaftler, dem es seine Theorie und seine historische Anerkennung verdankt. andere Reize automatisch ignoriert. Cocktailparty-Problem). Modell der abschwächenden Filterung“ bezeichnet. Theorie der auditiven und visuellen Wahrnehmung. Gehirn filtert auf „abgeschwächte“ Weise die Informationen, die aus nicht-selektierten Kanälen eingehen. nicht komplett ausgeblendet, sondern in ihrer Intensität reduziert. Anne Treisman und das Jahr 1964 zurück. Variante des Modells von Broadbent. Abschwächung“ und funktioniert genau wie das zuvor genannte Modell. Aufmerksamkeit darüber hinaus je nach Relevanz der Informationen selektiv von einem Kanal zum anderen verlagert werden (wenn jemand zum Beispiel auf ein Gespräch konzentriert ist, aber aus der Ferne seinen Namen hört, neigt das Gehirn dazu, seine Aufmerksamkeit schnell in die Richtung zu verlagern, aus der die Nennung des eigenen Namens vermutlich kam).