Das Institut für Neurologie der Universität des Saarlandes zeichnet sich durch eine hervorragende klinische Versorgung und eine hohe wissenschaftliche Aktivität aus. Die Forschung konzentriert sich auf Schlaganfall, Neuroimmunologie und neurodegenerative Erkrankungen. Das Institut verfügt über ein Labor für Grundlagenforschung mit modernster Technik und kooperiert national und international mit führenden Forschern. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Forschungsaktivitäten und Schwerpunkte des Instituts.
Schwerpunkte der Forschung
Die Forschung am Institut für Neurologie der Universität des Saarlandes deckt ein breites Spektrum neurologischer Erkrankungen ab. Zu den Hauptforschungsbereichen gehören:
- Schlaganfall: Untersuchung der Mechanismen und Entwicklung neuer Therapieansätze zur Verbesserung der Schlaganfallversorgung.
- Neuroimmunologie: Erforschung von Autoimmunerkrankungen des Nervensystems, wie z.B. Myasthenia gravis und Multiple Sklerose.
- Neurodegenerative Erkrankungen: Untersuchung von Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer, um die Ursachen besser zu verstehen und neue Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Vyvgart-Studie bei Myasthenia gravis
Ein Beispiel für die Forschung im Bereich Neuroimmunologie ist die Studie mit dem Medikament Vyvgart (Efgartigimod) bei Patienten mit Myasthenia gravis. Es handelt sich um eine nicht-interventionelle Beobachtungsstudie bei Patienten mit seropositiver Myasthenia gravis, die trotz Standardtherapie Symptome zeigen und eine neue Therapieoption benötigen. Efgartigimod alfa (Vyvgart) ist ein Fc-Rezeptorantagonist, der krankheitsverursachende Immunglobulin G (IgG)-Antikörper reduziert und den IgG-Recyclingprozess blockiert. Dadurch wird der Abbau von IgG und pathologischen Autoantikörpern gesteigert, ohne andere Immunglobuline und Albuminspiegel zu verändern.
Innovative Parkinsonversorgung durch INSPIRE
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Verbesserung der Versorgung von Parkinsonpatienten. Das Innovationsfonds-Projekt INSPIRE des ParkinsonNetz Rheinland-Pfalz, RheinMain+ und Saarland setzt sich für eine interdisziplinäre und intersektorale telemedizinische Evaluation, Koordination und Behandlung von Patienten mit Morbus Parkinson ein. Das Projekt zielt auf eine optimierte, effektive und bedarfsgerechte Versorgung von Parkinsonpatienten ab.
INSPIRE: Verbesserung der Parkinson-Versorgung im Saarland
Menschen im Saarland, die an Parkinson erkrankt sind, haben die Möglichkeit, am Forschungsprojekt „INSPIRE“ teilzunehmen. Ziel des Projekts unter der Leitung von Professor Sergiu Groppa ist es, die Versorgung von Parkinson-Patienten nachhaltig zu verbessern. Etwa 400.000 Menschen in Deutschland leiden unter Parkinson. Im Rahmen des Projekts können gesetzlich Versicherte, die an Parkinson leiden, über einen Zeitraum von zwölf Monaten von speziell ausgebildeten Pflegefachkräften (Advanced Practice Nurses) betreut werden. Diese akademisch qualifizierten Fachkräfte begleiten die Patienten zu Hause und nutzen telemedizinische Ansätze, um eine kontinuierliche Unterstützung zu gewährleisten.
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Parkinson ist eine chronische Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft und die Bewegungsfähigkeit einschränkt. Zwar ist die Krankheit nicht heilbar, doch medikamentöse Therapien können die Symptome oft effektiv lindern und ein weitgehend selbstständiges Leben ermöglichen. Das Projekt legt besonderen Wert darauf, die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Familien zu steigern, indem es die Behandlung effizienter und besser vernetzt gestaltet.
Die Rolle der Advanced Practice Nurses
Eine Schlüsselrolle im Projekt spielen die Advanced Practice Nurses. Diese auf Masterniveau ausgebildeten Pflegekräfte mit langjähriger Erfahrung analysieren die individuelle Situation jedes Patienten, erstellen maßgeschneiderte Behandlungspläne und stimmen diese mit den behandelnden Fachärzten ab. Durch regelmäßigen telemedizinischen Austausch mit den Patienten werden die Pläne fortlaufend überprüft und angepasst. Das Projekt wird als wichtiger Schritt gesehen, um innovative Lösungen für die Parkinson-Versorgung im Saarland zu etablieren.
Die Advanced Practice Nurses übernehmen im Versorgungsprojekt eine zentrale Rolle. Sie beurteilen für jeden Patienten die Krankheitssituation und erstellen einen individuell passenden Behandlungs- und Versorgungsplan. Dieser wird von ihnen mit den behandelnden Fachärzten abgestimmt und im engen telemedizinischen Austausch mit den Patientinnen und Patienten regelmäßig evaluiert und angepasst. Ein weiterer zentraler Bestandteil des Projekts ist die Verzahnung mit den bereits bestehenden interdisziplinären Netzwerkstrukturen des Parkinson-Netzwerks Rhein-Main (PNRM+). Diesem Netzwerk gehören unter anderem Spezialisten aus den Bereichen Neurologie, Physio- und Ergotherapie, Logopädie sowie Parkinson-Selbsthilfegruppen an, die von den Advanced Practice Nurses bei Bedarf in die Behandlung eingebunden werden.
Hintergrundinformationen zu Parkinson
Parkinson ist eine weit verbreitete, neurologische Erkrankung - besonders im Alter. Rund 400.000 Menschen in Deutschland sind nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) an Parkinson erkrankt. Im Saarland sind es laut Parkinson-Kompetenz-Zentrum-Saar etwa 3000 Menschen - andere Quellen gehen sogar von mehr als doppelt so vielen Erkrankten im Saarland aus. Und generell könnten mit steigender Lebenserwartung die Parkinson-Erkrankungen in den nächsten Jahren noch zahlreicher werden, auch in Deutschland. Bis 2050 könnte sich die Zahl der Erkrankten gegenüber 2021 mehr als verdoppeln, schätzt die DPG. Jedes Jahr am 11. April findet deshalb der Welt-Parkinson-Tag statt, um auf die Krankheit aufmerksam zu machen und Betroffene sowie Angehörige über Behandlungsmöglichkeiten zu informieren.
Projektbeteiligte und Kooperationen
Leiter des Innovationsfondsprojektes „INSPIRE“ ist Professor Sergiu Groppa, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum des Saarlandes, der auch die Konsortialführung innehat. Weitere Konsortialpartner sind die Techniker Krankenkasse, die DAK-Gesundheit, die Universitätsmedizin Frankfurt, die Katholische Hochschule Mainz und die Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen. Darüber hinaus besteht eine Kooperation mit Berufsverbänden und Fachkliniken.
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Forschungsmethoden und Techniken
Das Institut für Neurologie der Universität des Saarlandes setzt eine Vielzahl von experimentellen Methoden ein, um die Funktionen des Gehirns bei gesunden Personen und Patienten mit neurologischen und neuropsychiatrischen Störungen zu untersuchen. Dazu gehören:
- Bildgebende Verfahren: z.B. Magnetresonanztomographie (MRT) und Positronenemissionstomographie (PET) zur Darstellung der Gehirnstruktur und -funktion.
- Elektrophysiologische Methoden: z.B. Elektroenzephalographie (EEG) zur Messung der Hirnaktivität.
- Invasive und nicht-invasive Stimulationstechniken: z.B. tiefe Hirnstimulation (THS) und transkranielle Magnetstimulation (TMS) zur Beeinflussung der Hirnaktivität.
- Murine Modelle: Verwendung von Tiermodellen zur Untersuchung von Krankheitsmechanismen.
Tiefe Hirnstimulation bei Parkinson
Die tiefe Hirnstimulation (THS) ist eine etablierte Behandlungsmethode für Patienten mit fortgeschrittener Parkinson-Erkrankung. Dabei werden Elektroden in bestimmte Hirnareale implantiert, um die Hirnaktivität zu modulieren und die Symptome der Krankheit zu lindern. Das Institut für Neurologie der Universität des Saarlandes verfügt über Expertise in der Anwendung der tiefen Hirnstimulation und forscht an der Verbesserung dieser Methode.
Kooperationen und Fördermittel
Die Arbeit des Instituts wird durch verschiedene nationale und internationale Kooperationen unterstützt. Zu den Kooperationspartnern gehören:
- Nationale Kooperationspartner: Günther Deuschl (Neurologische Universitätsklinik Kiel), Sven Meuth (Universität Düsseldorf), Volker Coenen (Universität Freiburg), Johannes Vogt (Neuroanatomie Köln).
- Internationale Kooperationspartner: Huiling Tan (Nuffield Department of Clinical Neurosciences), George Bonano (Columbia University), Olga Ciccareli (UCL London).
Die Forschung wird durch Innovationsfond-GBA, BMBF, DFG gefördert.
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