Neurologische Erkrankungen stellen ein breites Spektrum von Gesundheitsproblemen dar, die das Gehirn, das Rückenmark und die peripheren Nerven betreffen. Diese Erkrankungen können erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen haben und in einigen Fällen sogar lebensbedrohlich sein. Die neurologische Diagnostik beginnt mit einer genauen Anamnese und einer detaillierten neurologischen Untersuchung, um eine topische Verdachtsdiagnose zu stellen. Weiterführende Untersuchungen wie Bildgebung und Elektrophysiologie bestätigen die Diagnose und klären die Ätiologie. Im Folgenden werden einige interessante und häufige neurologische Fälle beleuchtet.
Kopfschmerzen und Migräne
Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Problem, von dem bis zu 70 Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Dabei unterscheidet man Spannungskopfschmerzen, Migräne und chronische Kopfschmerzen. Migräne zeichnet sich durch oft einseitige, pulsierend-pochende Kopfschmerzattacken aus, die von Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet werden. Als Neurologe bzw. Neurologin begegnen Sie der Migräne besonders oft. Die Auslöser der Migräne sind divers, unter anderem zählen Stress, bestimmte Nahrungsmittel oder auch hormonelle Schwankungen dazu.
Chronische Rückenschmerzen
Chronische Rückenschmerzen dauern zwölf Wochen oder länger an und können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Betroffen sind 22 Prozent der Frauen und 15 Prozent der Männer. Nicht jeder Rückenschmerz ist neurologisch, braucht aber in jedem Fall eine neurologische Abklärung.
Schlaganfall
Ein Schlaganfall ist eine plötzliche Durchblutungsstörung im Gehirn, die durch verschlossene oder undichte Blutgefäße verursacht wird. Es gibt zwei Haupttypen von Schlaganfällen:
- Ischämischer Schlaganfall: Verschlossene Blutgefäße führen zu einer plötzlichen Durchblutungsstörung im Gehirn, was zu Lähmungen, Sprach- und Bewegungsstörungen führen kann. Jährlich erleiden 1,6 bis 2,4 Prozent der Deutschen einen Schlaganfall. Mit 9,5 Prozent ist der Schlaganfall eine der häufigsten Todesursachen. Hinter einem Schlaganfall stecken in den meisten Fällen Gefäßverschlüsse in den hirnversorgenden Arterien. Sie führen zu einer plötzlichen Durchblutungsstörung im Gehirn. In Deutschland zählen Schlaganfälle zu den häufigsten Erkrankungen und den führenden Ursachen für erworbene Behinderungen. Außerdem sind sie die dritthäufigste Todesursache. Jährlich kommt es hierzulande zu ca. Die Behandlungsmöglichkeiten haben sich in den letzten Jahren vor allem beim rechtzeitigen Eintreffen der Patienten in der Klinik deutlich erweitert, die Prognose für die Patienten hat sich deutlich verbessert.
- Hirnblutung: Undichte Blutgefäße führen bei einer Hirnblutung zu Lähmungen, Sprach- und Bewegungsstörungen. Hirnblutungen sind zweithäufigste Ursache für einen Schlaganfall. Die Ursachen sind meist Bluthochdruck oder Rauchen, Alkohol und Drogen. Betroffen sind 0,07 bis 0,15 Prozent der Bevölkerung. Ungefähr 54.000 Schlaganfälle pro Jahr fallen unter diese Kategorie. Die Therapien für Hirnblutungen sind vielfältig - je nachdem um welche Art der Hirnblutung es sich handelt: Bei intrazerebralen Blutungen steht die richtige Blutdruckeinstellung im Vordergrund und ggf.
Epilepsie
Epileptische Anfälle gehen mit starken Entladungen von Nervenzellen im Gehirn einher und können auf einzelne Hirnregionen oder das gesamte Gehirn übergreifen. An dieser schweren neurologischen Erkrankung leidet 0,5 bis 1 Prozent der Bevölkerung und bis zu 5 Prozent an einmalig auftretenden epileptischen Anfällen. Als epileptischer Anfall wird ein vorübergehender Zustand des Gehirns bezeichnet, bei dem es aufgrund einer pathologischen neuronalen Aktivität des Gehirns zu klinischen Symptomen kommt. Beim epileptischen Anfall handelt es sich um einen Krampfanfall, der auf unkontrollierte Entladungen von Nervenzellen im Gehirn zurückzuführen ist. An dieser neurologischen Erkrankung leiden 600.000 Patienten, wobei die Symptome sehr verschieden ausfallen. Ein Drittel der Epilepsien treten ab dem 60.
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Demenz
Infolge degenerativer Hirnerkrankungen kommt es zu Gedächtnisstörungen und Einschränkung des Denkvermögens. Häufigste Formen der Demenzen sind Alzheimer- und Gefäßerkrankungen. Demenzen treten bei 2 bis 3 Prozent der über 65-jährigen und 24 bis 50 Prozent der über 85-jährigen auf. In Deutschland leben ca. 1,4 Millionen Demenzkranke. Infolge einer Degeneration oder Durchblutungsstörungen des Gehirns kommt es bei der Demenz zu Gedächtnisstörungen und einer Einschränkung des Denkvermögens, inkl. Defiziten der kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten.
Parkinson-Krankheit
Durch fortschreitenden Ausfall des Gehirnbotenstoffs Dopamin kommt es zu Bewegungsstörungen in Form von Zittern, Muskelstarre oder Bewegungsarmut. Hierzulande gibt es 0,1 bis 0,2 Prozent Erkrankte, bei den über 65-jährigen steigt die Häufigkeit auf bis zu 1,8 Prozent an. 0,1 bis 0,2 Prozent der Deutschen leiden unter Parkinson, das sind bis zu 400.000 Menschen.
Schädel-Hirn-Trauma und Querschnittslähmungen
Zu 80 Prozent sind diese Verletzungen des Gehirns oder Rückenmarks Unfallfolgen. Bei schwerem Schädel-Hirntrauma folgt oft ein längeres Koma, 30 bis 40 Prozent der Betroffenen versterben. Jährlich erleiden knapp 0,2 Prozent der Bevölkerung ein Schädel-Hirn-Trauma. Die wohl bekannteste Form eines Schädel-Hirn-Traumas ist die Gehirnerschütterung. Jährlich erleiden knapp 0,2 Prozent der Bevölkerung Schädel-Hirn-Traumata und sie sind eine der häufigsten Todesursachen bis zum Erwachsenenalter. Durch ein Schädel-Hirn-Trauma kann es auch zu Hirnblutungen - an jeder Lokalisation - kommen. Der Großteil der Schädelhirnverletzungen (91 Prozent) sind leicht.
Multiple Sklerose (MS)
Durch Angriff des eigenen Immunsystems werden Nervenzellen im Gehirn und Rückenmark zerstört. MS schreitet meist schubförmig mit zunehmenden Lähmungen fort und ist die häufigste neurologische Erkrankung mit bleibender Behinderung im jungen Erwachsenenalter. In Deutschland gibt es etwa 120 000 Erkrankte. Bei der Multiplen Sklerose (MS) reagiert das Immunsystem fehlerhaft und Nervenscheiden entzünden sich. Insgesamt ist sie ist die häufigste neurologische Erkrankung mit bleibenden Behinderungen im jungen Erwachsenenalter. Die vielfältige medikamentöse Therapie zielt auf eine Reduktion der Schubfrequenz ab. Die Erkrankung ist mittlerweile, wenn frühzeitig erkannt, gut behandelbar.
Hirntumore
Diese Tumore sind häufig bösartig und gehen meistens vom Stützgewebe des Hirns aus. Auch Metastasen bilden sich oft im Gehirn. Selbst gutartige Gehirntumore sind gefährlich, weil sie überlebenswichtige Strukturen im Hirn zerstören können. Auch im Gehirn können sich wie in anderen Organen Tumore bilden. Generell wird unterschieden zwischen primären Hirntumoren (bilden sich aus gut- oder bösartiger Hirnsubstanz bzw. Hirnhäuten) und sekundären Hirntumoren (Tochtergeschwülste bzw. Metastasen, die aus anderen Krebserkrankungen entstehen). Häufige Hirntumore sind Gliome, bestehend aus Bindegewebszellen des Gehirns, Meningeome, die von sich aus den Hirnhäuten heraus entwickeln, und Lymphome, die aus lymphatischem Gewebe entstehen. Die Art der Behandlung im Falle der Feststellung einer Erkrankung an einem Hirntumor ist meist eine individuelle Entscheidung. Auf interdisziplinären Tumorkonferenzen wir oftmals beschlossen, wie der jeweilige Tumor letztlich behandelt werden soll. Zahlreiche Wissenschaftler arbeiten an neuen Therapien, z. B. mittels Gentechnik gegen die besonders schwer zu behandelnden Glioblastome.
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Polyneuropathien
Unter Polyneuropathien versteht man generalisierte Erkrankungen des peripheren Nervensystems. Zum peripheren Nervensystem gehören alle Strukturen, die außerhalb des Zentralnervensystems, d. h. Gehirn und Rückenmark, liegen: die motorischen, sensiblen und autonomen Nerven sowie ihre bindegewebigen Hüllstrukturen und die versorgenden Blut- und Lymphgefäße. Polyneuropathien machen sich durch oft durch ein an den Füßen beginnendes Taubheitsgefühl, Schmerzen und Lähmungen bemerkbar. Die Ursachen von Polyneuropathien sind vielfältig. Am häufigsten sind sie durch Zuckerkrankheit oder Alkoholmissbrauch verursacht.
Hirnhautentzündung (Meningitis)
Als Hirnhautentzündung (Meningitis) wird eine Entzündung der Rückenmarkshäute und Hirnhäute bezeichnet. Ist zusätzlich das Rückenmark entzündet, spricht man von einer Meningomyelitis. Die Behandlung erfolgt zumeist medikamentös.
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