Die Neurologie bietet vielfältige und interessante Karrierewege. Das Gebiet umfasst die Diagnose und Behandlung von Erkrankungen des Gehirns, des Rückenmarks und des peripheren Nervensystems. Der Arbeitsalltag eines Neurologen ist abwechslungsreich und anspruchsvoll, geprägt von diagnostischer Verantwortung, interdisziplinärem Austausch und unmittelbarer Patientenversorgung.
Das Medizinstudium als Grundlage
Der Weg zum Neurologen beginnt mit einem zwölfsemestrigen Humanmedizin Studium. In diesem Studium lernen die Studierenden die einzelnen Fachgebiete wie Chirurgie oder Dermatologie kennen und sammeln während diverser Praktika erste Praxiserfahrung. Das Studium gliedert sich in Vorklinik, Klinik und praktisches Jahr.
Vorklinik
In den ersten beiden Jahren, der Vorklinik, stehen theoretische Grundlagen in Fächern wie Biologie, Chemie und Anatomie auf dem Programm, außerdem ein Pflegepraktikum und eine Ausbildung in erster Hilfe. Vier vierwöchige Praktika, sogenannte Famulaturen, müssen angehende Mediziner in der vorlesungsfreien Zeit absolvieren. Wer sich für Neurologie interessiert, kann jetzt erstmals in den Alltag einer neurologischen Klinik oder einer neurologischen Arztpraxis schnuppern. Manche Famulaturen werden sogar vergütet.
Klinik und praktisches Jahr
Während der dreijährigen Klinik vervollkommnen Studierende ihre theoretischen Kenntnisse: etwa in Allgemeinmedizin, Anästhesiologie und Chirurgie, und natürlich auch in Neurologie. Auf das zweite Staatsexamen folgt das praktische Jahr, das „PJ“. Angehende Ärztinnen und Ärzte sammeln jetzt Erfahrungen im Umgang mit Patienten, mit der Arbeit in der Klinik oder der Arztpraxis. Zwei Tertiale des PJ müssen im Fachbereich Innere Medizin und in der Chirurgie absolviert werden.
Die Facharztausbildung Neurologie
Nach dem dritten Staatsexamen trennen sich die Karrierewege in insgesamt 34 Fachbereiche. Einer davon ist die Neurologie. Wer sich für die Weiterbildung in diesem hochinteressanten, komplexen und aufstrebenden Fach der Medizin entscheidet, darf sich auf ein sehr gutes Gehalt freuen: Assistenzärztinnen und -ärzte verdienen durchschnittlich 57800 Euro brutto im Jahr.
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Üblicherweise absolvieren Sie die Facharztausbildung in einer neurologischen Klinik mit Weiterbildungsermächtigung. Dort erfahren Sie unter anderem, welche Fortbildungsmöglichkeiten es an Ihrer Wunschklinik gibt und wie gut Sie auf die ersten Dienste vorbereitet werden. Meist haben die Kliniken ihr individuelles Rotationsprogramm, das Sie schon während des Vorstellungsgesprächs erfragen können.
Inhalte der Weiterbildung
Die Weiterbildungszeit in der Neurologie beträgt insgesamt 60 Monate, was einem Zeitraum von 5 Jahren entspricht. Diese wird bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 5 Abs. 1 der Musterweiterbildungsordnung (MWBO) (231) festgelegt sind. Während der fünfjährigen Weiterbildung lernen Sie zum Beispiel, wie man eine Anamnese erhebt, Patienten untersucht, diagnostiziert und behandelt, wie neurologische Notfälle und palliativmedizinische Patienten versorgt werden und wie man wissenschaftlich begründete Gutachten sowie Rehabilitationspläne erstellt. Dazu müssen Sie sechs Monate in der intensivmedizinischen Versorgung neurologischer Patienten ableisten, zwölf Monate in Psychiatrie und Psychotherapie und 24 Monate in der stationären neurologischen Patientenversorgung.
Die Weiterbildung umfasst folgende Inhalte:
- Durchführung und Befunderstellung von neurootologischen Untersuchungen
- Einleitung von Maßnahmen zur Wiederherstellung der Selbständigkeit und Minderung der Pflegebedürftigkeit sowie zur Sicherung von Geschäftsfähigkeit bzw.
- Grundlagen der Antikörperdiagnostik und Therapie anderer Autoimmunerkrankungen des Zentralnervensystems einschließlich ZNS-Manifestationen von systemischen Autoimmunerkrankungen, paraneoplastischer und autoimmuner Erkrankungen
- Diagnostik und konservative Therapie traumatisch verursachter Nerven- und Nervenwurzelkompressionen bzw.
- Qualifizierte Entzugsbehandlung aller stoffgebundenen Süchte
Das eLogbuch
Das Ausbildungslogbuch ist ein verpflichtender Bestandteil im Rahmen der Facharztausbildung Neurologie. Das Logbuch enthält den strukturierten Weiterbildungsgang Neurologie und dient der Dokumentation der Inhalte und erworbenen Kenntnisse, die im Rahmen der Facharztausbildung vermittelt wurden. Seit 01.11.2020 haben die Landesärztekammern sukzessiv für alle neuen Ärzte/-innen eine digitale Version des Logbuchs eingeführt. Auch dieses eLogbuch ist verpflichtend. Ein Antrag auf Zulassung zur Facharztprüfung ohne ausgefülltes eLogbuch wird abgelehnt. Es erleichtert u.a.
Der Arbeitsalltag eines Neurologen
Der Arbeitsalltag eines Neurologen wird von meinen Kandidaten als abwechslungsreich und anspruchsvoll beschrieben. Vor allem der klinische Alltag eines Facharztes für Neurologie ist von diagnostischer Verantwortung, interdisziplinärem Austausch und unmittelbarer Patientenversorgung geprägt.
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Der Tag in der neurologischen Abteilung eines Klinikums beginnt in der Regel mit der Visite, in der aktuelle Befunde gesichtet, Therapien angepasst und Krankheitsverläufe der Patienten beurteilt werden. Dabei spielt die interdisziplinäre Arbeit und der enge Austausch mit Pflegekräften und Therapeuten eine zentrale Rolle, damit die genaue Beobachtung und Einordnung neurologischer Symptome sichergestellt ist.
Dementsprechend sind Fachärzte für Neurologie auch in interdisziplinären Visiten eingebunden, etwa mit der Inneren Medizin, der Psychiatrie oder der Neurochirurgie. Ebenfalls gehören Konsile in anderen Fachabteilungen, wie der Notaufnahme oder der Intensivstation, zum Arbeitsalltag eines Neurologen.
Diagnostik
Der signifikanteste Anteil der täglichen Arbeit von Fachärzten für Neurologie ist die neurologische Diagnostik. Hierzu zählen die Durchführung und Auswertung von Elekrtoenzephalogrammen (EEGs), Elektromyogrammen (EMGs) oder Nervenleitgeschwindigkeitsmessungen, die Interpretation bildgebender Verfahren (MRT, CT) sowie die Analyse von Liquorproben. Dies kann im Rahmen von Patientenaufnahmen oder auch Patientenbehandlungen anstehen.
Insbesondere im Kontext akuter neurologischer Ereignisse, wie beispielsweise Schlaganfälle, ist ein zeitnahes, interdisziplinäres Vorgehen von essentieller Bedeutung. Diese werden meist in spezialisierten Einrichtungen, z.B. der Stroke Unit, behandelt.
Weitere Aufgaben
Selbstverständlich bleibt ebenfalls Zeit für die Dokumentation, das Schreiben von Befunden und die Supervision der Assistenzärzte Zeit, bevor ein Neurologe nach der Dienstübergabe bzw. Abschlussbesprechung in den wohlverdienten Feierabend geht. Es sei denn, es steht Bereitschaftsdienst oder Rufdienst an!
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Karrierewege nach der Facharztausbildung
Ist die Facharztprüfung geschafft, stehen junge Neurologinnen und Neurologen vor der wichtigen Entscheidung: Wo und in welchem Bereich möchte ich als Fachärztin oder -arzt zukünftig arbeiten? Soll es die eigene Praxis sein oder lieber ein Angestelltenverhältnis? Zieht es mich ins Ausland?
Im Anschluss an den erfolgreichen Abschluss der Weiterbildung Neurologie können weitere Zusatzbezeichnungen erworben werden. Fachärzte/-innen für Neurologie sind meist in Facharztpraxen oder in Kliniken tätig. Für das medizinische Fachgebiet Neurologie sind jederzeit zahlreiche Neurologie Stellenangebote zu finden, insbesondere zahlreiche Assistenzarzt Neurologie Stellenangebote.
Mögliche Arbeitsbereiche
- Kliniken: Die Mehrheit der Neurologen ist in Krankenhäusern und Kliniken angestellt. Hier behandeln sie ein breites Spektrum an neurologischen Erkrankungen, arbeiten interdisziplinär mit anderen Fachbereichen zusammen und nehmen an Visiten und Konferenzen teil.
- Facharztpraxen: Ein weiterer Teil der Neurologen ist in fachärztlichen Praxen beschäftigt. Hier betreuen sie ambulante Patienten, führen neurologische Untersuchungen durch und erstellen Behandlungspläne.
- Rehabilitationszentren: Neurologen können auch in Rehabilitationszentren arbeiten, wo sie Patienten nach neurologischen Erkrankungen oder Verletzungen bei der Wiederherstellung ihrer Fähigkeiten unterstützen.
- Forschung: Für Neurologen mit Interesse an der Forschung gibt es Möglichkeiten, an Universitäten oder Forschungseinrichtungen tätig zu werden. Hier können sie neue Therapien entwickeln und die Ursachen neurologischer Erkrankungen erforschen.
Karrierechancen bei Helios
Die Größe und Vielfalt der Helios Kliniken Gruppe eröffnet Mitarbeitern unzählige Karrierechancen. Helios unterstützt seine Mitarbeiter und gibt ihnen tolle Entwicklungsperspektiven.
Spezialisierung
Innerhalb der Neurologie gibt es verschiedene Möglichkeiten zur Spezialisierung, beispielsweise in den Bereichen:
- Stroke Unit: Behandlung von Schlaganfällen
- Epileptologie: Behandlung von Epilepsie
- Neuroimmunologie: Behandlung von Autoimmunerkrankungen des Nervensystems
- Bewegungsstörungen: Behandlung von Parkinson, Tremor und anderen Bewegungsstörungen
- Neuropädiatrie: Behandlung von neurologischen Erkrankungen bei Kindern
Persönliche Aspekte und Work-Life-Balance
Dr. Bert Winkler, ein erfahrener Neurologe, betont die Bedeutung eines guten Teams für eine gute medizinische Versorgung. Er rät dazu, sich immer wieder auf den Grundsatz "Primum nihil nocere" zu besinnen, um überambitioniertes Handeln zu vermeiden. Die Neurologie ist für ihn täglich eine intellektuelle Herausforderung, bei der man Menschen helfen kann.
Um die Arbeit aus dem Kopf zu bekommen, nutzt Dr. Winkler die einstündige S-Bahn-Fahrt zur Arbeit als Trennung zwischen Arbeit und Privatleben. Zu Hause wird er von seiner Familie in Beschlag genommen, was ihm hilft, abzuschalten.
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