Parkinson Therapie in Mittelhessen: Ein umfassender Überblick

Neurologische Erkrankungen stellen eine erhebliche Herausforderung für Betroffene und das Gesundheitssystem dar. In Mittelhessen gibt es vielfältige Therapieansätze für Parkinson-Patienten, die sowohl medikamentöse Behandlungen als auch innovative digitale Lösungen umfassen. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die verschiedenen Aspekte der Parkinson-Therapie in der Region.

Neurologische Erkrankungen und ihre Behandlung

Neurologische Erkrankungen betreffen das Gehirn, das Rückenmark sowie die umliegenden Nerven und die Muskulatur. Symptome wie Lähmungen, Sensibilitätsstörungen, epileptische Krampfanfälle oder neuropathische Schmerzen können durch eine neurologische Störung hervorgerufen werden. Da das Nervensystem sehr empfindlich ist und schnell bleibende Schäden entstehen können, ist eine rasche und umfassende Behandlung entscheidend.

Die Neurologie hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten grundlegend gewandelt. Die wichtigsten Therapieprinzipien umfassen:

  • Medikamentöse Behandlungen: Diese kommen bei Hirnhautentzündung, Epilepsie, Parkinsonsyndrom, Schmerzsyndromen und zur Lysebehandlung bei Schlaganfall zum Einsatz.
  • Lokale Botulinumtoxinjektionen: Werden zur Behandlung von Muskelverkrampfungen und anderen neurologischen Beschwerden eingesetzt.
  • Spezielle Physiotherapie: Wird bei Lähmungen und Gleichgewichtsstörungen angewendet, um die motorischen Fähigkeiten zu verbessern.
  • Logopädie: Hilft bei Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen, die oft im Zusammenhang mit neurologischen Erkrankungen auftreten.
  • Interventionelle neuroradiologische Behandlungen: Werden bei Erkrankungen der hirnversorgenden Gefäße und zur Ausschaltung von Gefäßmissbildungen im Gehirn eingesetzt.
  • Therapie von Hirntumoren und Gefäßmalformationen: Umfasst verschiedene operative und strahlentherapeutische Verfahren.
  • Symptomatische Therapien: Zielen darauf ab, die Lebensqualität der Patienten zu verbessern, indem Symptome gelindert werden.

Die Neurologie in Mittelhessen bietet ein breites Spektrum ambulanter und stationärer neurologischer Krankheitsbilder an. Dazu gehören unter anderem Bewegungsstörungen, Einschränkungen von Gedächtnis und Kognition, neuropathische Schmerzen, Gefühlsstörungen, Krampfanfälle, Bewusstseinsstörungen, Beeinträchtigungen des Gleichgewichts und Schwindel sowie Störungen des Sehens und der visuellen Wahrnehmung.

Parkinson-Krankheit: Eine besondere Herausforderung

Die Parkinson-Krankheit ist eine der häufigsten chronisch neurodegenerativen Erkrankungen. Sie beeinträchtigt Betroffene im Alltag stark und führt durch das chronische Fortschreiten der Erkrankung zu einer fortwährenden Verschlechterung. Die Behandlung von Parkinson-Patienten ist komplex und erfordert eine enge Betreuung durch fachkundiges medizinisches Personal.

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In Deutschland findet eine fachärztliche Betreuung allerdings oft nur einmal pro Quartal statt, manchmal sogar seltener, da der Weg zum Arzt für viele Betroffene eine Herausforderung darstellt. Oftmals fehlt es den Behandelnden außerdem an genauen Informationen und Daten darüber, wie es dem Patient oder der Patientin seit der letzten Visite ergangen ist oder ob andere Probleme aufgetreten sind.

Das Projekt ParkProReakt

Um diese Versorgungslücke zu schließen, wurde das Projekt ParkProReakt ins Leben gerufen. Unter der Führung der Klinik für Neurologie an der Philipps Universität Marburg entwickeln Partner aus Wissenschaft und Praxis ein neuartiges Versorgungsmodell. Ziel ist es, die Gesundheitsversorgung von Betroffenen und deren Angehörigen zu verbessern.

Das Projekt setzt auf eine enge Kommunikation zwischen Patient:innen und einem multidisziplinär behandelnden Team, bestehend aus Ärzt:innen, Parkinson Nurses und Pflegepersonal. Um eine möglichst individuelle Behandlung zu ermöglichen und Krankheitsverläufe zu protokollieren, werden digitale Armbanduhren und eine mobile App eingesetzt. Durch diese enge Kommunikation sollen Betroffene in ihrer Selbsthilfe unterstützt, ein detailliertes Langzeit-Monitoring ermöglicht und lange Wege zum nächsten Arzttermin vermieden werden.

Die begleitende ParkProReakt-Studie untersucht das Versorgungsmodell wissenschaftlich. Zentrale Betrachtungspunkte sind dabei die Lebensqualität der Betroffenen und die Belastung der Angehörigen. Darüber hinaus werden auch Faktoren wie der Krankheitsverlauf oder die Kosten des neuen Modells untersucht. Das Projekt wird für drei Jahre mit insgesamt ca. 3,8 Millionen Euro durch den Gemeinsamen Bundesausschuss gefördert. Bei positiven Ergebnissen besteht die Möglichkeit einer Überführung in die Regelversorgung und damit das Modell flächendeckend Parkinson-Patientinnen und Patienten in Deutschland zugänglich zu machen.

Ein wichtiges Anliegen des Konsortiums ist die enge Einbindung von Betroffenen. Bei einem ersten Präsenztreffen waren deshalb nicht nur die Projektpartner, sondern auch Frank Deiß, der Vorsitzende des DPV Landesverbandes Hessen, als Patientenvertreter anwesend.

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ParkinsonHessen-Digital: Eine innovative App für das Langzeit-Monitoring

Ein weiteres Projekt zur Verbesserung der Parkinson-Versorgung in Hessen ist ParkinsonHessen-Digital. Im Rahmen dieses Projektes wurde eine App entwickelt, die im häuslichen Umfeld zum Langzeit-Monitoring eingesetzt werden kann, um frühzeitig Verschlechterungen zu erkennen. Hierzu wurden bereits etablierte Tests wie z.B. das Finger-Tapping sowie Fragebögen digitalisiert, über die eine standardisierte Erfassung des Gesundheitszustandes erfolgen kann.

Die mobile Applikation soll in ihrem modularen Aufbau weiterentwickelt, umfangreich getestet und für die Zulassung als Medizinprodukt vorbereitet werden. Die App kann einen wesentlichen Beitrag zum Schließen vorhandener Versorgungslücken sowie zum Beschleunigen der Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen leisten.

Unabhängig des Krankheitsstadiums, Alters oder Wohnortes stellt die App zum einen dem Parkinson-Patientinnen und -Patienten eine individuelle Versorgungsmöglichkeit zur Verfügung, zum anderen erhalten - anhand der Daten des Langzeitmonitorings - die Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger sowie die Angehörigen eine deutlich bessere Übersicht über das Krankheitsgeschehen, wodurch eine individuelle und bedarfsorientierte Anpassung der Therapie erfolgen kann. Auch können die gesammelten Daten in anonymisierter Form für die wissenschaftliche Forschung im Feld des Parkinson-Krankheit verwendet werden.

Technologische Fortschritte haben die Anwendungen von Informationstechnologie in der Medizin deutlich erweitert, wozu auch neue Möglichkeiten für die Diagnostik gehören. Dies gilt auch für die Bewertung der Krankheitsaktivität von Bewegungsstörungen, da hier verschiedene Tests zur Verfügung stehen, die sehr gut im Rahmen einer eHealth-Lösung implementiert und durchgeführt werden können.

Die Etablierung einer solchen Lösung wird schon seit mehreren Jahren in Kooperation zwischen dem Fachbereich Gesundheit der THM und der Klinik für Neurologie am UKGM in Marburg verfolgt, aus der jetzt das Projekt ParkinsonHessen-Digital hervorgegangen ist. Hierzu hat sich ein junges und engagiertes Start-Up Team gefunden, welches durch seine interdisziplinäre Aufstellung optimale Voraussetzungen für die Umsetzung mitbringt.

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ParDi-App: Auf der KI-Tour in Hessen

Die ParDi-App ist Teil der KI-Tour des Hessischen Digitalministeriums. Gemeinsam mit Digitalministerin Prof. Sinemus und Willi Weitzel wurden in Offenbach und Wetzlar die Besucher über den sinnvollen Einsatz von KI im Gesundheitsbereich informiert. Besucher konnten die App vor Ort testen und sich zur Nutzung im Alltag beraten lassen.

Das Projektteam wurde für seine Arbeit mit der Parkinson-Hessen Digital App im Halbfinale des Hessischen Gründerpreises in der Kategorie 'Gründungen aus der Hochschule' geehrt. Im Rahmen der KI-Tour der hessischen Digitalministerin durfte das Team die Parkinson-Hessen Digital App in Gießen und in Fulda präsentieren.

Vorstellung auf der Gründungsmesse Mittelhessen

Die App wurde auf der Gründungsmesse Mittelhessen erstmals der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Die Messe ist mit ihren Fachvorträgen und dem Pitch Battle eine festetablierte Größe in der Gründungsszene in Hessen.

Die App „ParDi“ umfasst Tests wie Finger-Tapping und Handdrehung sowie digitalisierte Fragebögen zur Erfassung der Lebensqualität und motorischer wie nicht-motorischer Symptome. Die modulare Struktur erlaubt eine flexible Weiterentwicklung und Anpassung auf andere Erkrankungen.

Ursprünglich war eine Zulassung als Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) vorgesehen. Aufgrund hoher Markteintrittsbarrieren wurde entschieden, die App stattdessen über eine Direktvermarktung in Kooperation mit Krankenkassen in den Markt einzuführen. Derzeit führt das Projektteam Gespräche mit verschiedenen Kostenträgern. Aktuell wurden und werden in Zusammenarbeit mit der Deutschen Parkinson Vereinigung Hessen Nutzertests durchgeführt, um die Praxistauglichkeit der App weiter zu optimieren.

Weitere Aspekte der neurologischen Versorgung in Mittelhessen

Neben den spezifischen Projekten zur Parkinson-Behandlung bietet die Neurologie in Mittelhessen ein breites Spektrum an Leistungen für Patienten mit neurologischen Erkrankungen. Dazu gehören unter anderem:

  • Polyneuropathie und Nervenwurzelerkrankungen
  • Rückenschmerzen mit Ischialgien
  • Migräne und andere Kopfschmerzerkrankungen
  • Neurodegenerative Erkrankungen wie z.B. Alzheimer Demenz
  • Epilepsie und anfallsartige Erkrankungen
  • Multiple Sklerose und neuroimmunologische Erkrankungen
  • Vaskuläre Hirnerkrankungen wie z.B. Schlaganfall
  • Muskelerkrankungen

Auch präventive Neuromedizin spielt eine wichtige Rolle. Prinzipiell kann jeder Patient die Privatsprechstunde besuchen, wenn er privat versichert oder bereit ist, die Gebühren für ärztliche Leistungen zu tragen. Eine diskrete Beratung der Patienten wird dabei großgeschrieben.

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