Die Intervention Psychologie, insbesondere im Kontext der Neurowissenschaften, bietet ein tiefgreifendes Verständnis für die Funktionsweise des Gehirns und dessen Einfluss auf unser Erleben und Verhalten. Dieser Artikel beleuchtet die Grundlagen der Intervention Psychologie im Hinblick auf das Gehirn, wobei verschiedene Aspekte von der Neurobiologie der Emotionen bis hin zu therapeutischen Anwendungen der Hirnforschung betrachtet werden.
Einführung in die Intervention Psychologie und ihre neurowissenschaftlichen Grundlagen
Die Intervention Psychologie zielt darauf ab, einschränkende Erlebens- und Verhaltensmuster zu erweitern. Gerhard Roth betont, dass nur langfristig Therapie und Coaching positive Wirkungen entfalten. Die Autoren Ryba und Roth schildern, mit welchen neurowissenschaftlich fundierten Methoden dies in der beratenden Praxis gelingen kann. Das Buch wirft einen differenzierten Blick auf verschiedene Veränderungsebenen und -strategien sowie auf die Wirksamkeit von Coaching-Interventionen.
Die Psychobiologie bzw. eine psychobiologische Perspektive hat das Ziel, die (neuro)biologischen Korrelate und - je nach Untersuchungsdesign - die Ursachen von psychologischen Prozessen (wie Wahrnehmung, Lernen, Emotion, Motivation, Gedächtnis, soziales Verhalten) zu ermitteln. Umgekehrt werden die Wirkungen von psychologischen Variablen auf (neuro)biologische Prozesse untersucht. Dabei werden Aussagen über gesunde Individuen getroffen und zugleich Prozesse beschrieben, die an Prozessen der Entstehung und Therapie von Erkrankungen beteiligt sind.
Neurobiologische Grundlagen der Emotionsregulation
Emotionsregulation ist eine der wichtigsten Fähigkeiten für psychische Gesundheit, erfüllte Beziehungen und beruflichen Erfolg. Sie bezeichnet alle bewussten und unbewussten Prozesse, mit denen wir die Art, Intensität und Dauer unserer emotionalen Reaktionen beeinflussen. Es geht nicht darum, Gefühle zu unterdrücken oder zu vermeiden, sondern darum, konstruktiv mit Gefühlen umgehen zu können - auch wenn sie intensiv oder unangenehm sind.
Menschen mit gut entwickelten Strategien zur emotionalen Steuerung können in Konfliktsituationen ruhig bleiben, nach Rückschlägen schneller wieder aufstehen und ihre Beziehungen stabiler gestalten. Sie erleben weniger Stress, haben ein stärkeres Immunsystem und profitieren nachweislich in den Bereichen Glück und Gesundheit. Umgekehrt führt mangelnde Emotionsregulation zu chronischem Stress, erhöhter Anfälligkeit für psychische Erkrankungen und beeinträchtigter Lebensqualität.
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Wie funktioniert Emotionsregulation neurobiologisch im Gehirn?
Die neurobiologische Grundlage der Emotionsregulation beruht auf dem komplexen Zusammenspiel verschiedener Hirnregionen. Im Zentrum steht der Mandelkern (Amygdala), ein mandelförmiger Bereich im Schläfenlappen, der als emotionales Alarmsystem fungiert. Sie bewertet eintreffende Reize blitzschnell auf ihre emotionale Bedeutung und löst bei Gefahr oder Bedrohung automatische Reaktionen aus - lange bevor unser bewusstes Denken überhaupt einsetzen kann.
Die Stirnhirnrinde (präfrontaler Kortex, insbesondere der dorsolaterale und der ventromediale Bereich) ist hingegen für die bewusste Emotionsregulation zuständig. Diese Region ermöglicht es uns, emotionale Reaktionen zu bewerten, zu modulieren und bewusste Entscheidungen zu treffen. Das Problem: Unter starkem Stress oder bei intensiven Emotionen reduziert sich die Aktivität des präfrontalen Kortex, während die Amygdala hyperaktiv wird. Genau deshalb versagt unser rationales Wissen in emotional aufgeladenen Situationen.
Die Neurobiologie zeigt auch, warum manche Menschen ihre Emotionen leichter regulieren können als andere. Faktoren wie frühe Bindungserfahrungen, genetische Veranlagung und Traumata beeinflussen die Entwicklung und die Funktionsweise dieser neuronalen Netzwerke. Die gute Nachricht: Durch neuroplastische Veränderungen - die Fähigkeit des Gehirns, sich anzupassen und umzustrukturieren - lassen sich diese Muster verändern.
Neurobiologische Emotionsregulationsstrategien
Aus neurobiologischer Perspektive haben sich bestimmte Strategien als besonders wirksam erwiesen. Die kognitive Neubewertung (Reappraisal) aktiviert gezielt den präfrontalen Kortex und reduziert die Aktivität der Amygdala. Dabei wird die Bedeutung einer Situation neu interpretiert. Diese Strategie verändert nachweislich die neuronale Aktivität und kann langfristig die Stressreaktivität reduzieren.
Eine weitere hocheffektive Strategie ist das affektive Labeling - das präzise Benennen von Emotionen. Neurowissenschaftliche Studien zeigen, dass bereits das innere oder äußere Aussprechen einer Emotion ("Ich bin gerade wütend und enttäuscht") die Aktivität der Amygdala reduziert und den präfrontalen Kortex aktiviert. Diese scheinbar einfache Technik hat messbare neurologische Effekte und lässt sich gut in den Alltag integrieren.
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Achtsamkeitsbasierte Ansätze wirken auf einer anderen neurologischen Ebene: Sie stärken die Verbindung zwischen präfrontalem Kortex und limbischem System und erhöhen die Fähigkeit, Emotionen zu beobachten, ohne sofort reaktiv zu werden. Regelmäßige Achtsamkeitspraxis verändert nachweislich die Struktur des Gehirns, insbesondere die Dichte der grauen Substanz in Bereichen, die für die emotionale Regulation zuständig sind. Diese Veränderungen können sich positiv darauf auswirken, dass sich Psychotherapieeffekte verbessern lassen.
Das SYSTEM-Prinzip zur Emotionsregulation
Der Schlüssel liegt in der Schaffung eines Zeitfensters zwischen dem emotionalen Trigger und der Reaktion. Die Neurowissenschaftlerin Jill Bolte Taylor hat durch ihre Forschung gezeigt, dass die neurochemische Reaktion auf einen emotionalen Auslöser etwa 90 Sekunden dauert. In diesem Zeitfenster können wir entscheiden, ob wir die emotionale Reaktion weiter füttern oder abklingen lassen. Hier setzt das SYSTEM-Prinzip an - eine praktische Methode zur Emotionsregulation, die genau für diese kritischen Momente entwickelt wurde.
Das SYSTEM-Akronym steht für sechs Schritte: Sense (Wahrnehmen), Yield (Nachgeben), Speak (Benennen), Think (Denken), Engage (Handeln) und Merge (Integrieren). Diese Schritte führen Sie systematisch durch die neurologischen Prozesse, die für eine erfolgreiche Emotionsregulation erforderlich sind. Indem Sie zunächst die körperlichen Signale der Emotion wahrnehmen (Sense), unterbrechen Sie bereits den automatischen Reaktionsimpuls und aktivieren Ihren präfrontalen Kortex.
Mit regelmäßiger Übung werden diese Schritte zu einer neuen Form der Automatik. Sie ersetzen die alte, reaktive Automatik durch eine bewusste, konstruktive Reaktionsweise. Studien zeigen, dass Menschen, die systematische Methoden zur Emotionsregulation anwenden, nicht nur ihre emotionalen Reaktionen besser regulieren können, sondern auch langfristige Veränderungen in ihrer Stressreaktivität und psychischen Gesundheit erleben.
Die Rolle früher Bindungserfahrungen
Die Fähigkeit zur emotionalen Selbstregulation entwickelt sich nicht im luftleeren Raum, sondern in Beziehungen. Frühe Bindungserfahrungen mit primären Bezugspersonen prägen die neuronale Architektur, die später für die emotionale Selbstregulation zuständig ist. Wenn Kinder erleben, dass ihre emotionalen Bedürfnisse feinfühlig beantwortet werden, entwickeln sie die neurologischen Grundlagen für eine effektive emotionale Selbststeuerung.
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Bei Kindern, die inkonsistente, vernachlässigende oder traumatisierende Beziehungserfahrungen machen, entwickelt sich das Emotionsregulationssystem anders. Die Amygdala kann überaktiv werden, während die Verbindung zum präfrontalen Kortex schwächer ausgeprägt ist. Dies führt zu erhöhter emotionaler Reaktivität und zu Schwierigkeiten, Emotionen zu regulieren - Muster, die bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben können.
Die gute Nachricht: Durch neuroplastische Veränderungen lassen sich diese frühen Prägungen modifizieren. Therapeutische Beziehungen, unterstützende Partnerschaften und gezieltes Training von Regulationsansätzen können die neuronalen Netzwerke umstrukturieren. Dies erklärt auch, warum Psychotherapie wirksam ist - sie bietet nicht nur neue Einsichten, sondern verändert buchstäblich die Funktionsweise des Gehirns.
Adaptive vs. maladaptive Emotionsregulationsstrategien
Nicht alle Regulationsstrategien sind gleich wirksam. Adaptive Strategien wie kognitive Neubewertung, Akzeptanz oder das gezielte Suchen nach sozialer Unterstützung führen langfristig zu besserer psychischer Gesundheit und erfüllenderen Beziehungen. Sie aktivieren den präfrontalen Kortex und fördern flexible Reaktionen auf emotionale Herausforderungen.
Maladaptive Strategien wie Suppression (das Unterdrücken emotionaler Ausdrücke), Vermeidung oder Substanzmissbrauch können kurzfristig Erleichterung bringen, verschlimmern aber langfristig die Probleme. Neurologisch betrachtet verhindern diese Strategien die Integration und Verarbeitung emotionaler Erfahrungen. Die Amygdala bleibt aktiviert, und die zugrunde liegenden emotionalen Konflikte werden nicht gelöst.
Die Wahl der Regulationsstrategie hängt oft von frühen Lernerfahrungen und aktuellen Belastungen ab. Menschen unter chronischem Stress greifen häufiger zu maladaptiven Strategien, weil die kognitiven Ressourcen für eine adaptive Regulation fehlen. Ein wichtiger Schritt ist daher, die eigenen Muster zu erkennen - etwa durch Selbsttests mit Auswertungen sowie durch therapeutische Unterstützung - und schrittweise adaptivere Strategien zu entwickeln.
Praktische Übungen zur Förderung der neurobiologischen Emotionsregulation
Eine der wirksamsten Übungen ist die tägliche Achtsamkeitspraxis. Bereits 10-15 Minuten täglich reichen aus, um messbare Veränderungen in der Gehirnstruktur zu bewirken. Studien mit bildgebenden Verfahren zeigen, dass regelmäßige Meditation die Dichte der grauen Substanz im präfrontalen Kortex erhöht und zugleich die Reaktivität der Amygdala reduziert. Dies führt zu einer verbesserten Fähigkeit, Emotionen auch in stressigen Situationen zu regulieren.
Eine weitere evidenzbasierte Methode sind strukturierte Programme wie die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) oder die Acceptance and Commitment Therapy (ACT). Diese Ansätze bieten konkrete Übungen zur Emotionsregulation, oft verbunden mit Auswertungen sowie einem 8-Wochen-Programm, das schrittweise neue neuronale Muster aufbaut. Solche strukturierten Ansätze. kombinieren theoretisches Verständnis mit praktischer Anwendung.
Auch körperliche Interventionen sind neurologisch wirksam. Atemtechniken wie Cyclic Sighing aktivieren das parasympathische Nervensystem und beruhigen die Amygdala direkt. Regelmäßige Bewegung, insbesondere Ausdauersport, steigert die Produktion von Neurotrophinen, die das Wachstum neuer neuronaler Verbindungen fördern. Diese körperlichen Praktiken sind keine bloßen Entspannungsübungen - sie verändern die neurologische Basis der Emotionsregulation nachhaltig.
Professionelle Unterstützung bei der Emotionsregulation
Während Selbsthilfestrategien für viele Menschen wirksam sind, gibt es Situationen, in denen professionelle Unterstützung notwendig ist. Bei schwerwiegenden emotionalen Dysregulationen, die mit Traumata, Angststörungen, Depressionen oder Persönlichkeitsstörungen einhergehen, reichen Selbsthilfeansätze allein nicht aus. Therapeuten können gezielt an den neurologischen und psychologischen Grundlagen arbeiten und Emotionsregulationsstrategien vermitteln, die auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten sind.
Moderne Psychotherapieverfahren integrieren zunehmend neurobiologisches Wissen in ihre Behandlungsansätze. Therapeuten verstehen, wie Trauma die Amygdala sensibilisiert, wie dissoziative Zustände mit der Trennung zwischen präfrontalem Kortex und limbischem System zusammenhängen und wie therapeutische Beziehungen neuroplastische Veränderungen fördern können. Diese Integration von Neurowissenschaft und Psychotherapie macht Behandlungen effektiver und nachhaltiger.
Therapeutische Arbeit bietet auch einen geschützten Raum, um Emotionsregulationsstrategien zu üben, bevor sie im Alltag angewendet werden. In der Therapiesitzung können emotionale Reaktionen aktiviert und gemeinsam reguliert werden, was neue neuronale Bahnen formt. Diese Co-Regulation zwischen Therapeut und Klient schafft die Basis für spätere Selbstregulation - ein Prozess, der neurologisch betrachtet die frühen Bindungserfahrungen in gewissem Maße korrigieren kann.
Langfristige Integration von Emotionsregulation in den Alltag
Die langfristige Integration von Emotionsregulation erfordert mehr als das Erlernen einzelner Techniken - sie erfordert einen Perspektivenwechsel. Statt Emotionen als störende Faktoren zu betrachten, die kontrolliert werden müssen, geht es darum, sie als wertvolle Informationsquellen zu verstehen. Emotionen signalisieren uns, was wichtig ist, wo Grenzen überschritten werden und welche Bedürfnisse Aufmerksamkeit brauchen.
Ein praktischer Ansatz ist die Integration kleiner Rituale in den Tagesablauf: Eine morgendliche Achtsamkeitspraxis von fünf Minuten, regelmäßige Check-ins mit sich selbst ("Welche Emotion spüre ich gerade?"), bewusste Pausen in stressigen Arbeitsphasen. Diese kleinen Übungen mögen unscheinbar wirken, schaffen aber über Zeit hinweg neue neuronale Gewohnheiten. Die Neuroplastizität des Gehirns bedeutet: Was wir regelmäßig üben, wird zur neuen Normalität.
Schließlich ist es wichtig, realistische Erwartungen zu haben. Die Entwicklung robuster Regulationsfähigkeiten ist ein Prozess, der Monate bis Jahre dauern kann. Es geht nicht darum, perfekt zu werden oder nie mehr emotional reaktiv zu sein. Das Ziel ist, schrittweise…
Die Rolle der Hirnforschung in der Psychotherapie
Die Hirnforschung hat wichtige Beiträge zum besseren Verständnis psychischer Störungen wie auch zu ihrer Behandlung geliefert. Jedoch sind psychische Störungen keine Hirnerkrankungen wie die Epilepsie oder die Parkinson-Krankheit, obwohl dies oft behauptet wird. Im Gegensatz zu neurologischen Störungen gibt es bei den psychischen Störungen bislang keine klaren Nachweise, dass tatsächlich ein krankhafter Gehirnprozess die Grundlage der Störung ist.
Vielmehr belegt die neurowissenschaftliche Forschung, dass viele Hirnveränderungen durch Erleben, Verhalten und Umwelteinflüsse erst bedingt werden. So verändert frühkindliches Stresserleben das Volumen des Hippocampus und der Amygdala oder deren Verbindungen mit dem Frontalcortex. Dies sind Hirnregionen, die für Lern- und Gedächtnisprozesse wichtig sind und bei vielen Störungen wie Angst oder Depression im Mittelpunkt der Krankheitsentstehung stehen.
In den vergangenen Jahrzehnten zeigte die Hirnforschung, dass das menschliche Gehirn sich nicht nur in der frühen Kindheit plastisch verändert, sondern dass Veränderungen der Struktur und Funktion des Gehirns bis in das hohe Lebensalter möglich sind. Diese plastischen Veränderungen des Gehirns können durch Verletzungen oder Erkrankungen auftreten, aber auch durch Stimulation und Lernen verursacht sein.
Neuroplastizität und Psychotherapie
Die Erkenntnisse über die Neuroplastizität des Gehirns haben die Psychotherapie revolutioniert. Es wurde erkannt, dass das Gehirn sich ständig anpasst und verändert, was bedeutet, dass psychische Störungen nicht als unveränderliche Zustände betrachtet werden müssen. Psychotherapie kann genutzt werden, um gezielt Veränderungen im Gehirn anzustoßen und somit Symptome zu lindern.
Ein Beispiel hierfür ist die Behandlung von chronischen Schmerzen. Verletzungen wie die Amputation einer Gliedmaße führen zu plastischen Veränderungen im Gehirn. Interessant ist, dass diese Reorganisation nur bei Patienten auftritt, die unter Phantomschmerzen leiden. Je größer die Veränderung im Gehirn, desto ausgeprägter ist der Phantomschmerz. Da diese Hirnveränderungen nicht der bewussten Wahrnehmung zugänglich sind, sind sie schwer zu beeinflussen. Jedoch kann die kortikale Repräsentation von Schmerz durch Lernprozesse und damit durch Verhaltenstherapie umgeformt werden.
Neurofeedback und Gehirn-Computer-Interfaces
Auf der Hirnforschung basierende Psychotherapien sind auch die vielfältigen Anwendungen von Neurofeedback und Gehirn-Computer-Interfaces, bei denen die Patienten lernen, durch Modulation ihrer eigenen Hirnaktivität beispielsweise Sprachprogramme auf einem Computer zu bedienen, um bei völligen Lähmungen die Kommunikationsfähigkeit wieder zu erlangen oder epileptische Anfälle schon im Vorfeld zu blockieren.
Auch bei Patienten nach Schlaganfällen ohne jegliche Mobilität der Hand werden Gehirn-Computer-Interfaces eingesetzt, um über die Kontrolle der neuronalen Aktivität der motorischen Rinde die Beweglichkeit der Hand wiederherzustellen. Bei diesen Verfahren lernen die Patienten, die eigene Hirnaktivität zu nutzen, um Bewegungssignale an den gelähmten Arm zu geben, und erhalten eine Rückmeldung über die Effektivität und erlangen mit der Zeit wieder eine natürliche Kontrolle über den Arm.
Achtsamkeit und ihre Auswirkungen auf das Gehirn
Achtsamkeit ist eine Form der Aufmerksamkeit, die sich durch eine absichtsvolle Konzentration auf den gegenwärtigen Moment, frei von Urteilen, auszeichnet. Die neuropsychologische Forschung hat in den letzten Jahren eindrucksvoll gezeigt, wie Achtsamkeit das Gehirn verändern kann.
Durch bildgebende Verfahren wie die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) wurde nachgewiesen, dass regelmäßige Achtsamkeitspraxis die Struktur und Funktion bestimmter Gehirnareale positiv beeinflusst. Studien zeigen, dass Menschen, die Achtsamkeitsmeditation praktizieren, eine Verdickung in der präfrontalen Cortexregion aufweisen, was mit verbesserten kognitiven Funktionen und einer erhöhten emotionalen Stabilität in Verbindung gebracht wird. Gleichzeitig wird die Aktivität der Amygdala, die eine zentrale Rolle in der Verarbeitung von Emotionen wie Angst und Stress spielt, durch Achtsamkeitsübungen reduziert.
Darüber hinaus fördert Achtsamkeit die Neuroplastizität - die Fähigkeit des Gehirns, sich strukturell und funktionell als Reaktion auf Erfahrungen und Übungen zu verändern. Dies unterstreicht das Potenzial der Achtsamkeitspraxis, nicht nur vorübergehende Zustände des Wohlbefindens zu erzeugen, sondern langfristige positive Veränderungen im Gehirn zu bewirken, die zu dauerhafter Resilienz und mentaler Gesundheit beitragen.
Praktische Anwendung von Achtsamkeit
Achtsamkeitsübungen variieren in Form und Intensität, doch ihr Kernziel bleibt gleich: die Förderung der bewussten Präsenz im aktuellen Moment. Zu den bekanntesten Techniken zählt die Achtsamkeitsmeditation, bei der durch fokussierte Atemübungen und das Beobachten von Gedanken und Gefühlen ohne Bewertung ein Zustand tiefer Entspannung und Bewusstheit erreicht wird.
Die praktische Anwendung von Achtsamkeit ist vielfältig und lässt sich leicht in den Alltag integrieren. Kurze, tägliche Sitzungen von fünf bis zehn Minuten können bereits signifikante positive Effekte auf das psychische Wohlbefinden haben. Die Anwendung von Achtsamkeitstechniken bietet nicht nur psychotherapeutischen Nutzen, sondern verbessert auch die kognitive Flexibilität, fördert kreatives Denken und steigert die Konzentrationsfähigkeit.
Herausforderungen und Kritikpunkte der Achtsamkeitspraxis
Trotz der positiven Aspekte und der wachsenden Beliebtheit von Achtsamkeit in der neuropsychologischen Praxis gibt es auch Herausforderungen und Kritikpunkte, die betrachtet werden müssen. Einige Kritiker weisen darauf hin, dass Achtsamkeit nicht für jeden geeignet ist und in einigen Fällen sogar kontraproduktiv wirken kann. Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Kommerzialisierung der Achtsamkeit.
Die zunehmende Popularität hat dazu geführt, dass Achtsamkeit in vielen Fällen als Allheilmittel vermarktet wird, ohne ausreichende wissenschaftliche Belege für ihre Wirksamkeit in bestimmten Kontexten. Darüber hinaus gibt es Bedenken hinsichtlich der Qualität der Achtsamkeitsanleitung. Mit der steigenden Nachfrage nach Achtsamkeitskursen und -programmen ist auch die Zahl der Anbieter gestiegen, deren Qualifikationen und Verständnis von Achtsamkeit variieren können.
Biologische und Neuropsychologie: Grundlagen und Anwendungen
Die Biologische und Neuropsychologie ist ein Teilgebiet der Psychologie, welches sich mit den Zusammenhängen zwischen körperlichen Prozessen einerseits und dem menschlichen Erleben und Verhalten andererseits beschäftigt. Insbesondere geht es um die Erforschung der Verbindung zwischen neuronalen und psychischen Prozessen, aber auch um die Frage, inwieweit psychische Zustände und Vorgänge auf biologische Strukturen und Prozesse rückwirken können.
Während die Biologische Psychologie dabei Prozesse auf verschiedenen Ebenen (z. B. kardiovaskuläre Aktivität, Elektrodermalaktivität) einschließt, konzentriert sich die Neuropsychologie vorrangig auf den Zusammenhang zwischen Gehirn (bzw. zentralem Nervensystem) und menschlichem Erleben, Denken und Verhalten.
Zentrale Systeme der Informationsverarbeitung
Die Biologische und Neuropsychologie beschäftigt sich mit den neurobiologischen Grundlagen wie z. B. dem Aufbau und der Funktionsweise des zentralen und vegetativen Nervensystems, der neuronalen Entwicklung, den strukturellen und funktionellen (Re-)Organisationsprozessen (z. B. Plastizität) sowie mit neurophilosophischen Überlegungen und Kontroversen zu Gehirn und Bewusstsein (Gehirn-Bewusstsein-Problem).
Des Weiteren werden grundlegende Fragen zu Möglichkeiten der Modellierung und Simulation kognitiver Prozesse sowie neuroethische und neuroökonomische Aspekte diskutiert. Zudem wird die Frage untersucht, wie welche Systeme und Prozesse die Informationsverarbeitung bestimmen. Hierbei werden vor allem Systeme und Prozesse der Wahrnehmung (z. B. visuelle und auditive Verarbeitung von Informationen), der Aufmerksamkeit (Selektion und Intensität), des Lernens und des Gedächtnisses (im Sinne einer funktionalen Stärkung synaptischer Verbindungen), des willentlichen Handelns (z. B. Identifikation und Auswahl verschiedener Handlungsstrategien), der Emotionsverarbeitung, des Sprechens und der Sprache sowie der Motorik und des motorischen Lernens betrachtet.
Erkrankungen des Zentralnervensystems und neuropsychologische Störungen
Der Bereich zentralnervöser Erkrankungen und daraus resultierender psychischer Störungen kann als einer der zentralsten Bereiche der Biologischen Psychologie und Neuropsychologie aufgefasst werden. Unter Erkrankungen des Zentralnervensystems fallen die neurodegenerativen Erkrankungen (z. B. Alzheimer-Demenz, Parkinson), zerebrovaskuläre Erkrankungen (Schlaganfälle infolge von Arterienverschluss bzw. intrazerebraler Blutungen), infektiöse (z. B. Meningitis), nicht infektiöse (z. B. Multiple Sklerose) und entzündliche Erkrankungen, Epilepsie sowie Hirntumoren. Aber auch externe Einflüsse (z. B. Unfälle) können zu Schädigungen des Zentralnervensystems führen.
Als Folge der Erkrankung oder Schädigung des Gehirns können Störungen kognitiver, emotionaler und motivationaler Prozesse auftreten. Diese Störungen werden häufig auch als «neuropsychologische oder neurokognitive Störungen» bezeichnet. Dazu zählen Störungen der zentralen Informationsverarbeitung wie z. B. der visuellen oder auditiven Wahrnehmung, des Erkennens von Objekten und Personen, der Aufmerksamkeit, des Gedächtnisses oder der Handlungskontrolle. Weiterhin können Störungen des Sprechens und der Sprache, Störungen des Lesens, Schreibens oder Rechnens, aber auch Persönlichkeitsveränderungen und affektive Störungen auftreten.
Bio- und neuropsychologische Diagnostik, Therapie und Rehabilitation
Ein letzter Bereich der Biologischen und Neuropsychologie umfasst verschiedene Möglichkeiten neuropsychologischer Status- und Prozessdiagnostik (im Sinne einer Klassifikation und Entscheidungshilfe u. a. in Bezug auf Prognose, Therapieplanung und Evaluation). Hierbei kommen nicht nur neuropsychologische Testverfahren zur Erfassung von Intelligenz, Aufmerksamkeit, Konzentration, Gedächtnis, Sprache, exekutiven Funktionen usw. zum Einsatz, sondern auch elektrophysiologische (z. B. EEG, EKG) und bildgebende Verfahren (z. B. PET, MRT).
Zum klinischen Anwendungsbereich der Biologischen und Neuropsychologie gehört aber auch die Therapie und Rehabilitation hirngeschädigter oder -verletzter Patienten. In diesem Bereich werden die Möglichkeiten der Restitution bzw.
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