Ischiasnerv Taubheit Fuß Ursachen: Ein umfassender Überblick

Fußbeschwerden sind nicht immer auf den Fuß selbst zurückzuführen. Oftmals sind Nervenprobleme im Rücken, wie etwa der Ischiasnerv, die Ursache für Fußschmerzen. Der Ischiasnerv ist der längste Nerv im Körper und erstreckt sich von den Nervenwurzeln der Lendenwirbelsäule durch das Becken, über das Gesäß und den Oberschenkel bis hinunter in den Unterschenkel und Fuß.

Was ist der Ischiasnerv?

Der Ischiasnerv (Nervus ischiadicus) ist der dickste Nerv des menschlichen Körpers. Er zieht sich über die Rückseite des Oberschenkels und verzweigt sich auf Höhe des Knies in seine beiden Unterschenkeläste, den Peronäusnerv (Nervus peronaeus) und den Tibialisnerv (Nervus tibialis). Er versorgt die Muskeln im Bein und meldet mit seinen sensorischen Anteilen Empfindungen aus den unteren Extremitäten an das zentrale Nervensystem. Jeder Mensch hat einen Ischiasnerv, der im Rückenmark der unteren Wirbelsäule entspringt und sich von dort aus in das rechte und das linke Bein zieht.

Der Ischiasnerv tritt aus mehreren Segmenten der Wirbelsäule aus. Der etwa fingerdicke Ischiasnerv hat mehrere Nervenwurzeln. Er tritt aus den unteren beiden Lendenwirbelsegmenten (L4/5) und den oberen drei Kreuzbeinsegmenten (S1-3) aus und ist Teil des Kreuzbeingeflechts (Plexus sacralis). Er verläuft unterhalb des großen Gesäßmuskels (M. gluteus maximus) bis zur hinteren Seite des Oberschenkels.

Für die Einschätzung der Symptome ist es wichtig zu verstehen, dass der Ischiasnerv motorische und sensible Fasern hat. Die motorischen Anteile versorgen die Oberschenkelbeuger und die Unterschenkel- und Fußmuskulatur. Daher kann es bei einer Einklemmung des Ischiasnervs in diesen Bereichen zu Kraftverlust und Lähmungserscheinungen kommen. Die sensiblen Fasern versorgen das Hüftgelenk und die Haut an Unterschenkeln und Füßen, außer auf der Innenseite.

Ursachen von Ischiasbedingten Fußbeschwerden

Fußschmerzen durch Ischias entstehen durch Nervenreizungen im Rücken, die in den Fuß ausstrahlen. Hinter einer schmerzhaften Reizung oder Schädigung des Ischiasnervs (durch Druck, Quetschung oder Entzündung) stecken jedoch in der Regel Ursachen, die schon länger andauern können.

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Grundsätzlich sind Reizungen oder Schädigungen des Ischias-Nervs Ursachen für Schmerzen. In der Regel wird der Ischias durch vermehrten Druck oder Entzündungen gereizt. Bei plötzlich auftretenden Beschwerden sind meistens falsche Bewegungen der Auslöser. Hinter einer länger andauernden Ischiasreizung oder -schädigung stecken jedoch andere Gründe wie Rückenschmerzen aufgrund von anhaltenden Fehlhaltungen, Übergewicht und Bewegungsmangel.

Mögliche Ursachen können sein:

  • Bandscheibenvorfall oder Bandscheibenvorwölbung: Eine häufige Ursache ist ein Bandscheibenvorfall, in dessen Folge der Ischiasnerv zwischen zwei Wirbelkörpern eingeklemmt wird. Der Bandscheibenkern tritt beim Bandscheibenvorfall aus dem Faserknorpelring aus und drückt auf die aus dem Wirbelkanal austretenden Nervenwurzeln des Ischiasnervs. Auch eine Bandscheibenprotrusion (Bandscheibenvorwölbung) kann auf die Nervenwurzeln des Ischiasnervs drücken.
  • Weitere degenerative Veränderungen der Wirbelsäule: Dazu zählen beispielsweise Frakturen oder Blockaden der Wirbelkörper, Fehlstellungen der Wirbelsäule sowie die Spondylolisthesis, bei der sich einzelne Wirbelkörper meist verschleißbedingt gegeneinander verschieben.
  • Entzündungen der Nervenwurzel des Ischiasnervs: Auch die Nervenwurzel des Ischiasnervs selbst kann entzündet sein. Neben mechanischen Reizungen, z. B. durch einen Knochentumor, können auch Bakterien oder Viren derartige Entzündungen auslösen.
  • Muskelverspannungen (z. B. Piriformis-Syndrom): Der Piriformismuskel liegt unter dem großen Gesäßmuskel und verbindet das Kreuzbein mit dem Oberschenkelknochen. Je nach Sitzposition oder Beanspruchung der Muskulatur kann dieser Muskel verkrampfen und auf den Ischiasnerv im Gesäß drücken, der dadurch gereizt wird.
  • Tumoren: Manchmal stecken auch andere Erkrankungen dahinter, wenn sie auf Nervenwurzeln und -fasern des Ischias drücken. Dazu zählen zum Beispiel Tumoren.
  • Infektionskrankheiten: Eine weitere mögliche Ursache für die Ischias-Reizung sind Infektionskrankheiten, etwa eine Borreliose. Auch Herpes-Viren bei der Gürtelrose (Herpes zoster) bereiten manchmal Ischias-Probleme.
  • Schwangerschaft: Auch eine Schwangerschaft kann Druck auf den Ischiasnerv ausüben. Wenn sich im Laufe einer Schwangerschaft die Körperhaltung verändert, um das höhere Eigengewicht und das des Kindes besser tragen zu können, nehmen Schwangere häufig eine Fehlhaltung (z. B. ein Hohlkreuz) ein. Kommen dann noch eine zunehmende Unbeweglichkeit, Druck auf den Ischiasnerv oder die untere Hohlvene durch die Gebärmutter und ein hormonell bedingter Stabilitätsverlust der Wirbelsäule hinzu, kann es schnell zu Rückenschmerzen in Form z. B. einer Ischialgie kommen. Auch eine natürliche Geburt kann zu einer Reizung des Ischiasnervs führen.
  • Andere Ursachen: Verletzungen eines Wirbelkörpers oder Entzündungen.

Symptome von Ischiasbedingten Fußbeschwerden

Ischias-Schmerzen äußern sich typischerweise einseitig im unteren Rücken und ziehen über das Gesäß bis in das Bein, manchmal bis in den Fuß. Die Beschwerden sind oft stechend, brennend oder ziehend und verstärken sich bei bestimmten Bewegungen wie Husten und Niesen oder bei langem Sitzen. Auch Taubheitsgefühle oder Kribbeln im Bein können auftreten.

Die typischen Schmerzen, die bei einer Reizung des Ischiasnervs auftreten, bezeichnet man auch als neuropathische Schmerzen. Das bedeutet, dass die Schmerzen vom Nerv selbst ausgehen und nicht von der Region, in der sie auftreten. Die Schmerzen betreffen den unteren Rücken und können in das betroffene Bein bis zum Fußaußenrand ausstrahlen. Die Beweglichkeit des Beines ist häufig eingeschränkt und die Patienten nehmen eine Schonhaltung ein, bei der das Bein leicht angewinkelt und nach außen gedreht ist.

Ischiasschmerzen erkennt man am charakteristischen Leitsymptom: einseitige einschießende, elektrisierende Schmerzen im unteren Rücken, die über das Gesäß und die Hüfte bis in ein Bein ausstrahlen können.

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Weitere Symptome können sein:

  • Schmerzen im unteren Rücken, die über die Hüfte bis in den Fuß ausstrahlen.
  • Kribbeln, Taubheit und sogar Lähmungserscheinungen im Bein.
  • Einschießende, stechende Schmerzen im unteren Rücken, die Betroffene oft mit einem elektrischen Schlag vergleichen.
  • Schmerzen, die sich bei bestimmten Bewegungen wie Husten und Niesen oder bei langem Sitzen verstärken.

Seltene Symptome im Zusammenhang mit einem eingeklemmten Ischiasnerv sind Probleme mit der Entleerung von Blase und Darm. Diese treten in besonders schweren Fällen auf, wenn die Nervenwurzeln der sogenannten Cauda equina betroffen sind (Cauda-equina-Syndrom). Das sind die Nervenwurzeln, die unterhalb des im Bereich des ersten bis zweiten Lendenwirbels endenden Rückenmarks aus dem Wirbelkanal austreten.

Diagnose von Ischiasbedingten Fußbeschwerden

Bei Verdacht auf Ischias-Probleme nimmt zunächst der Hausarzt oder die Hausärztin eine Anamnese und eine körperliche Untersuchung vor. Stellen Sie und Ihr Arzt bzw. Ihre Ärztin bei Ihnen neurologische Ausfälle fest oder dauern die Symptome länger als sechs Wochen an, folgt eine Überweisung an einen Facharzt oder eine Fachärztin der Neurologie oder Orthopädie.

Der Arzt befragt Sie zunächst ausführlich zu Ihrer Krankheitsgeschichte (Anamnese). Dabei stellt er möglicherweise folgende Fragen:

  • Seit wann haben Sie die Schmerzen?
  • Sind die Beschwerden plötzlich und im Zusammenhang mit bestimmten Belastungen aufgetreten?
  • Wie würden Sie den Schmerz beschreiben (z. B. als einschießend oder elektrisierend)?
  • Wo genau sind die Schmerzen? Strahlen sie aus?
  • Was verschafft Ihnen Linderung?
  • Welchen Beruf üben Sie aus?
  • Ist Ihr Alltag durch die Ischias-Schmerzen beeinträchtigt?

Bei der folgenden klinischen Untersuchung schaut sich Ihr Arzt zunächst Ihren Rücken und Ihre Beine an. Er achtet auf eventuelle Fehlstellungen und prüft die Beweglichkeit der Gelenke, die Kraft der Muskeln und Ihre Reflexe. Außerdem testet er, ob das Gefühl in den Beinen verändert ist. Dazu streicht er beispielsweise über die Haut und lässt Sie anschließend die Stelle zeigen, an der er Sie berührt hat.

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Mit dem sogenannten Lasègue-Test überprüft Ihr Arzt, ob die Nervenwurzeln des unteren Rückenmarks gereizt sind. Dabei liegen Sie auf dem Rücken und der Arzt hebt Ihr gestrecktes Bein an. Ist der Ischiasnerv eingeklemmt oder anderweitig gereizt, treten bereits auf halber Höhe Schmerzen im Rücken auf, die ins Bein einschießen. Ein positiver Lasègue-Test kann durch den Bragard-Test ergänzt werden. Dabei wird das Bein gesenkt, bis der Schmerz nachlässt. Anschließend wird der Fuß leicht nach oben gedreht, was erneut Schmerzen auslösen kann.

Um einen Ischias zu behandeln, müssen die Ärztinnen und Ärzte die genauen Ursachen und Symptome für die Schmerzen ermitteln.

Weitere Untersuchungen können sein:

  • Bildgebung: MRT (Bandscheibe/Engstellen), ggf. Computertomographie (CT). Auf der Suche nach der Ursache der Beschwerden führt der Arzt bei Bedarf weitere Untersuchungen durch, zum Beispiel eine Magnetresonanztomografie (MRT oder Kernspintomografie) oder Computertomografie (CT). Solche bildgebenden Verfahren sind vor allem dann wichtig, wenn eine Lähmung oder Sensibilitätsstörungen vorliegen. Das CT erstellt horizontale Schichtaufnahmen, was sich besonders zur Darstellung knöcherner Strukturen eignet.
  • Elektromyografie (EMG) und Elektroneurografie (ENG): Um Ort und Ausmaß der Nervenschädigung zu ermitteln, misst der Arzt gegebenenfalls mit Elektroden die Muskelaktivität (Elektromyografie = EMG) und die Nervenleitgeschwindigkeit (Elektroneurografie = ENG).
  • Blutuntersuchung und Liquorpunktion: Bei Verdacht auf eine Ischiasnerv-Entzündung wird der Arzt Ihnen Blut abnehmen, um die Entzündungswerte zu bestimmen und eventuelle Krankheitserreger (wie Borrelien) zu identifizieren. Möglicherweise ist eine Analyse des Hirnwassers (Liquor) nötig. Dafür sticht der Arzt eine Nadel durch die Haut des unteren Rückens und schiebt sie vorsichtig bis in den Wirbelkanal neben das Rückenmark vor, um eine kleine Liquorprobe zu entnehmen - das nennt sich Liquorpunktion.

Behandlung von Ischiasbedingten Fußbeschwerden

Die Frage nach der Behandlung einer Ischialgie lässt sich nicht pauschal beantworten. Sie richtet sich in erster Linie nach der zugrundeliegenden Ursache. Die Behandlung einer Ischialgie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Gegen Schmerzen des Ischias-Nervs helfen schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen oder Paracetamol in Kombination mit physikalischen Therapien.

Unabhängig von der Diagnose sollte ein starker Ischiasschmerz zumindest kurzfristig medikamentös gelindert werden, wenn keine Gründe (z. B. Schmerzmittelunverträglichkeit oder Arzneimittelabhängigkeit) dagegensprechen. So kann den Betroffenen temporär aus der Schonhaltung herausgeholfen werden, sodass sie fähig sind, sich selbst zu mobilisieren und die Wirbelsäule in ihre natürliche Aufrichtung zu bringen. Außerdem muss verhindert werden, dass die Nervenschmerzen chronisch werden und sich ein Schmerzgedächtnis entwickelt.

Die Gabe der Schmerzmittel sollte sich an der Heftigkeit und Dauer der Schmerzen sowie an der Verträglichkeit orientieren. Zunächst können bei Ischiasschmerzen sogenannte Nicht-Opioid-Schmerzmittel wie nichtsteroidale Antirheumatika (z. B. Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen) oder Analgetika (z. B. Paracetamol) eingesetzt werden. Sind diese nicht wirksam genug, können stärkere Schmerzmittel in Form von schwachen Opioiden sowie bei starken Muskelverspannungen auch Muskelrelaxanzien verschrieben werden. Erst, wenn diese auch keine Linderung mehr verschaffen, werden hochdosierte Opioide eingesetzt. Da diese Medikamente starke Nebenwirkungen und ein hohes Suchtrisiko haben, sollten sie nur kurzzeitig und unter einer engmaschigen ärztlichen Kontrolle angewendet werden. Entzündungshemmende Wirkstoffe wie Kortison oder Steroide können oral eingenommen oder als Spritze direkt in das gereizte Gewebe gegeben werden, versprechen bei Ischialgie aber nur kurzfristige Erfolge. Bei chronischen Beschwerden, z. B. wenn ein langwieriger Bandscheibenvorfall oder eine andere Degenerationserscheinung der Wirbelsäule der Ischialgie zugrunde liegt, kann auch der schmerzlindernde und stimmungsaufhellende Effekt bestimmter Antidepressiva (z. B. Amitriptylin) genutzt werden.

Konservative Behandlungsmethoden

  • Schmerzlinderung: In jedem Fall ist eine adäquate Schmerztherapie ratsam, um Schonhaltungen zu vermeiden. Eine erste Linderung bei akuten Rückenschmerzen lässt sich beispielsweise durch die Stufenlagerung erzielen. Zudem kommen entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) zum Einsatz.
  • Wärme- oder Kälteanwendungen: Treten die Ischiasschmerzen infolge einer muskulären Verspannung auf, kann Wärme durchaus angezeigt sein, um den Nerv und das ihn umgebende Gewebe zu beruhigen und die Muskelregeneration durch eine Aktivierung der Durchblutung anzuregen. Ist die Ischialgie durch eine Entzündung oder Verletzung des Nervs entstanden? Dann sollten Sie es mit Kälte versuchen. Denn Kälteanwendungen verringern die Durchblutung, Schwellung und Schmerzwahrnehmung.
  • Manuelle Therapie: Häufig kann bei einer Ischialgie eine manuelle Therapie Schmerzlinderung verschaffen und zu einer Vergrößerung der Mobilität beitragen. Erfahrene Physiotherapeuten können mit einer vorsichtig eingesetzten manuellen Therapie (z. B. medizinischer Massage, Chiropraktik oder Osteopathie) schnell muskuläre Rückenverspannungen lockern sowie Gelenke und Wirbel deblockieren, um den Ischiasnerv zu lösen.
  • Physiotherapie: Egal, ob Verspannungen, ein Bandscheibenvorfall oder andere degenerative Prozesse in der Wirbelsäule die Schmerzen auslösen, sollte die Muskulatur in Rücken, Gesäß, Hüfte und Beinen schnell wieder mobilisiert werden.
  • Weitere Maßnahmen: Heilbäder (z. B. Balneotherapie), Orthopädische Einlagen (z. B. bei Fußfehlstellungen), Einreibung der betroffenen Bereiche mit entspannenden oder durchblutungsfördernden Ölen (z. B. Johanniskrautöl).

Übungen zur Linderung von Ischiasschmerzen

  • Dehnübungen: Sind die Schmerzen auf verspannte oder verhärtete Muskulatur im Bereich des Gesäßes zurückzuführen, wie es beim Piriformis-Syndrom der Fall ist, helfen konservative Maßnahmen. Dazu zählen beispielsweise Dehnübungen, die Verspannungen lösen, oder Triggerpunktmassagen im Rahmen einer Physiotherapie.
  • Piriformis-Dehnung:
    1. Gehen Sie in den Vierfüßlerstand.
    2. Heben Sie ein Bein so an, dass es ausgestreckt in der Luft schwebt.
    3. Schieben Sie den Oberkörper ein wenig nach vorne und verlagern das Körpergewicht zur schmerzenden Gesäßseite, also nach links oder rechts. Versuchen Sie, diese Dehnung für einige Sekunden zu halten.
    4. Wenn Sie diese Übung intensivieren möchten, heben und senken Sie die Gesäßhälfte in Richtung Standbein, indem Sie sie anspannen und lockerlassen. Dadurch wird der Piriformismuskel gezielt trainiert und Sie können die Schmerzen, die durch den gereizten Ischiasnerv ausgelöst werden, lindern.
  • Weitere Übungen: Legen Sie sich auf den Boden und stellen Sie die Füße angewinkelt auf. Umschließend Sie das linke Knie und ziehen Sie es zu ihrer linken Schulter heran. Halten Sie die Position für 30 Sekunden. Führen Sie die Übung dreimal durch und wechseln Sie anschließend das Bein. Legen Sie sich auf den Boden und stellen Sie die Füße angewinkelt auf. Legen Sie den rechten Fuß auf das linke Knie und umschließen Sie mit beiden Händen das linke Bein unterhalb der Kniekehle. Ziehen Sie nun das linke Bein zum Körper heran. Es sollte eine Dehnung im Gesäß entstehen. Halten Sie diese Position für eine Minuten und wechseln Sie anschließend zum anderen Bein. Gehen Sie auf die Knie, das Gesäß ruht auf ihren Füßen, und beugen Sie sich langsam nach vorn. Das Gesäß bleibt dabei auf den Füßen, die Arme sind lang ausgestreckt und die Innenflächen der Hände berühren den Boden.

Invasive Behandlungsmethoden

  • Spritzen: Bei heftigen Schmerzen und starken Bewegungseinschränkungen kann eine entzündungshemmende und schmerzstillende Spritze zwischen die Rückenmarkshäute bzw. in der Nähe der betroffenen Nervenwurzel für kurzfristige Linderung sorgen. Entzündungshemmende Wirkstoffe wie Kortison oder Steroide können oral eingenommen oder als Spritze direkt in das gereizte Gewebe gegeben werden, versprechen bei Ischialgie aber nur kurzfristige Erfolge.
  • Operation: Eine Operation kommt vor allem infrage, wenn ein Bandscheibenvorfall die Ischialgie auslöst. Dabei wird das vorgefallene Bandscheibengewebe entfernt, das den Nerv reizt. Sofort nötig wird eine Operation, wenn die Nerven so stark beeinträchtigt sind, dass Lähmungserscheinungen beispielsweise an den Beinen auftreten oder die Blase oder der Darm nicht mehr richtig funktionieren (Kauda-Syndrom).

Was Sie selbst tun können

  • Bewegung: Ischiasschmerzen können die Bewegungsfähigkeit zwar extrem einschränken, dennoch sollten Sie sich mit „Ischias“ nicht sofort und für unbestimmte Zeit aufs Sofa legen (und wenn doch, dann am besten mit Stufenlagerung). Bewegung und Alltagsaktivitäten sollten so gut es geht weitergeführt werden, denn das fördert die Durchblutung und kann dazu beitragen, Muskelverspannungen zu lösen.
  • Rückengerechter Alltag: Kommt es immer wieder zu einer Reizung des Ischiasnervs oder sind die Schmerzen chronisch geworden, sollten Sie darüber nachdenken, wie Sie Ihren Alltag insgesamt rückenfreundlicher gestalten können. Regelmäßige rückengerechte Bewegung (z. B. Spaziergänge, Yoga, Schwimmen oder Radfahren), Fokus auf rückenfreundliches Schlafen (z. B. Lattenrost und Matratze), Maßnahmen zur Stressbewältigung, wie z. B. autogenes Training, progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Ergo- und Physiotherapie (z. B. Haltungsschulung).
  • Stufenlagerung: Die beste Position zur Entlastung des Ischiasnervs ist die sogenannte Stufenlagerung. Dabei liegen Sie auf dem Rücken, während die Unterschenkel im 90-Grad-Winkel auf einem Stuhl oder mehreren Kissen ruhen. Diese Haltung nimmt den Druck von der Lendenwirbelsäule und hilft dem Ischiasnerv, sich zu entspannen. Auch die Seitenlage mit angewinkelten Beinen und einem Kissen zwischen den Knien kann hilfreich sein.
  • Stressbewältigung: Stress, Angst, Einsamkeit, Depressionen und andere psychische Herausforderungen können Ischiasschmerzen verstärken bzw. chronifizieren.

Vorbeugung von Ischiasbedingten Fußbeschwerden

Zur Vorbeugung von Ischiasschmerzen können Sie selbst viel beitragen.

Hier sind einige Tipps:

  • Bewegung ist das A und O: Mit regelmäßiger Bewegung und Sport sowie gezielter Rückengymnastik können Sie generell Schmerzen im Rückenbereich vorbeugen. Gut geeignet sind Ausdauersportarten wie Schwimmen, Walken oder Radfahren. Durch gezielte Übungen wird die Rückenmuskulatur gelockert, gedehnt und gestärkt. Wichtig ist dabei eine Kräftigung der tiefen Muskulatur in Bauch und Rücken.
  • Gute Sitzhaltung: Achten Sie außerdem auf eine gute Sitzhaltung, insbesondere bei Computerarbeit. Monitor, Schreibtisch, Stuhl und Tastatur sollten optimal auf Ihre Sitzposition eingestellt sein. Unterbrechen Sie ab und zu Ihre Tätigkeit und lockern Sie die Rückenmuskeln mit Dehnbewegungen auf.
  • Richtiges Heben: Achten Sie darauf, schwere Dinge aus den Knien heraus und mit geradem Rücken anzuheben und zu tragen.

Differentialdiagnose: Was kann es noch sein?

Eine Reizung oder Einklemmung des Ischiasnervs oder seiner Nervenwurzel kann im gesamten Verlauf des Nervs Schmerzen verursachen. Auch wenn die Schmerzursache im unteren Rücken verortet ist, können die Schmerzen bis ins Knie ausstrahlen. Andere Krankheitsbilder verursachen ähnliche Symptome. Für eine adäquate Behandlung ist es wichtig, die genaue Ursache der Beschwerden zu identifizieren.

  • Hexenschuss (Lumbago): Ein Hexenschuss oder auch Lumbago entsteht meist plötzlich, z. B. durch eine ruckartige Bewegung oder schweres Heben. Es handelt sich dabei um stechende Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule, die in den meisten Fällen auf verspannte Muskulatur zurückzuführen sind. Im Gegensatz dazu können Nervenschmerzen den gesamten Verlauf des Nervs betreffen.
  • Bandscheibenvorfall: Wenn ein Bandscheibenvorfall in den unteren beiden Segmenten der Lendenwirbelsäule (L4/5) oder im Bereich der Sakralwirbel 1 - 3 auftritt, kann er die Nervenwurzeln des Ischiasnervs einengen. Bei einem Bandscheibenvorfall durchbricht der Gallertkern einer Bandscheibe den äußeren Faserring. Das ausgetretene Material der Bandscheibe kann eine Nervenwurzel, das Rückenmark oder benachbarte Nervenfasern einengen. Auch die Nervenwurzel des Ischiasnervs kann davon betroffen sein.
  • Piriformis-Syndrom: Beim Piriformis-Syndrom drückt der Piriformismuskel auf den Ischiasnerv und löst Schmerzen in der Gesäßregion aus.
  • Iliosakralgelenk-Syndrom (ISG-Syndrom): Das Iliosakralgelenk (Kreuz-Darmbein-Gelenk) verbindet auf der rechten und linken Seite der Wirbelsäule das Kreuzbein mit dem Darmbein. Es dient der Kraftübertragung vom Rücken auf das Becken und die unteren Extremitäten. Plötzliche oder ruckartige Bewegungen sowie schweres Heben können eine ISG-Blockade verursachen. Bei einer Blockade oder Entzündung des ISG kann es zu Schmerzen im unteren Rücken kommen. Diese Schmerzen treten meist einseitig auf, je nachdem welches der beiden Iliosakralgelenke betroffen ist. Patienten berichten, dass es sich anfühlt, als wäre etwas im Becken verklemmt.

Dauer und Verlauf von Ischiasschmerzen

Meist heilt eine Ischialgie mit der Zeit von selbst aus. Dies kann jedoch einige Wochen dauern, manchmal auch mehrere Monate. Es ist also Geduld gefragt. Die Dauer der Krankschreibung bei Problemen mit dem Ischiasnerv richtet sich nach der Ursache. In den meisten Fällen verschwinden Ischias-Schmerzen schon nach einigen Tagen. Bei schweren Verläufen, z. B. im Rahmen eines Bandscheibenvorfalls oder einer Wirbelsäulenerkrankung, dauert die Arbeitsunfähigkeit länger.

Entscheidend für den Beschwerdeverlauf bei Ischias-Schmerzen ist der Auslöser. Bei einem frühzeitigen Therapiebeginn ist die Prognose bei Ischiasnerv-Schmerzen gut. Ist keine Operation erforderlich, verkürzt eine gute Schmerztherapie in Verbindung mit rechtzeitig begonnener Physiotherapie den Krankheitsverlauf meist erheblich.

Wichtig ist, mit regelmäßigen Übungen und Sport Rücken- und Bauchmuskulatur gezielt zu kräftigen. Ein starkes Muskelkorsett entlastet und stabilisiert nämlich die Wirbelsäule. Zudem ist es hilfreich, ein rückenschonendes Verhalten (etwa beim Arbeiten am Schreibtisch oder beim Heben schwerer Lasten) zu erlernen. Das lindert langfristig bestehende Beschwerden und beugt neuen Ischias-Problemen vor.

Darüber hinaus beeinflussen soziale und psychische Faktoren den Verlauf und die Prognose von Rückenbeschwerden einschließlich Ischias-Schmerzen. So haben zum Beispiel Einsamkeit, depressive Verstimmung und Stress einen negativen Einfluss auf die Beschwerden. Außerdem tragen sie zum Teil dazu bei, dass die Rückenschmerzen chronisch werden und die Wirksamkeit von Schmerzmitteln herabgesetzt ist.

Das bedeutet: Ein intaktes Sozialleben, die Unterstützung von Angehörigen und Freunden, gute Bedingungen am Arbeitsplatz, ein vertrauensvolles Verhältnis zum behandelnden Arzt und eine positive Grundstimmung sind hilfreich für den positiven Verlauf von Ischias-Schmerzen.

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