Ibuprofen und seine vielfältigen Wirkungen auf das Gehirn: Zwischen Schmerzlinderung und kognitiven Effekten

Ibuprofen ist ein weit verbreitetes Medikament, das zur Linderung von Schmerzen, zur Senkung von Fieber und zur Bekämpfung von Entzündungen eingesetzt wird. Es gehört zur Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) und wirkt, indem es die Produktion von Prostaglandinen hemmt, Botenstoffe, die an der Entstehung von Schmerzen, Entzündungen und Fieber beteiligt sind. Ob als Tablette, Saft oder Zäpfchen verabreicht, Ibuprofen hemmt die Bildung des Botenstoffes Prostaglandin, der dafür sorgt, dass der Körper empfänglicher wird für schmerzauslösende Reize wie Verletzungen, Hitze oder Entzündungen. Die Popularität von Ibuprofen beruht auf seiner Wirksamkeit bei der Behandlung verschiedener Beschwerden, doch die Forschung der letzten Zeit hat ein differenzierteres Bild seiner Auswirkungen auf den Körper, insbesondere auf das Gehirn, gezeichnet.

Ibuprofen und die Veränderung der Geschmackswahrnehmung

Eine aktuelle Studie der Rutgers University hat eine unerwartete Wirkung von Ibuprofen entdeckt: Es scheint, dass es die Rezeptoren für süßen Geschmack hemmen kann. Unser Geschmackssinn bietet uns eine fantastische Orientierung bei der Auswahl von Lebensmitteln: Zwischen 2000 und 4000 Geschmacksknospen besitzen erwachsene Menschen, die meisten befinden sich auf der Zunge. Sie ermöglichen uns süß, sauer, salzig, bitter und umami, also deftig, zu schmecken. Überlebenswichtige Kohlenhydrate schmecken süß, nahrhafte Proteine und Fette deftig, gefährliche Gifte bitter. Die Forschungsgruppe hat nun herausgefunden, dass Ibuprofen ebenso wie das Schmerzmittel Naproxen die menschliche Wahrnehmung von Süß verändern kann. Dieser Befund könnte Auswirkungen auf den Glukose-Stoffwechsel haben und erklärt möglicherweise, warum Forscher schon länger einen Zusammenhang zwischen der langfristigen Einnahme von Ibuprofen und einem verringerten Risiko für Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, Alzheimer und Darmkrebs beobachten. Dennoch empfehlen sie nicht, Ibuprofen bei allen Patienten einzusetzen, um den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Bei der Studie handelt es sich zudem um Grundlagenforschung.

Ibuprofen und das Alzheimer-Risiko

Neben der Wirkung auf den Geschmackssinn wird auch der Einfluss von Ibuprofen auf das Alzheimer-Risiko intensiv untersucht. Bereits seit Längerem wird untersucht, ob und welchen Einfluss Ibuprofen auf das Alzheimer-Risiko nimmt. In einer gemeinsamen Studie der Universität des Saarlandes und der SRH University zeigte sich nun, dass das NSAR den Stoffwechsel bestimmter Fette im Gehirn beeinflussen kann, die in Verbindung mit der Alzheimer-Erkrankung stehen. Dafür wurden am Deutschen Institut für Demenzprävention in vitro-Untersuchungen von kultivierten menschlichen Nervenzellen vorgenommen. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin Biomedicine & Pharmacotherapy veröffentlicht. Dabei wurde deutlich: Der Wirkstoff sorgte für eine erhöhte Konzentration von Lipiden wie Phosphatidylcholin und Sphingomyelin, die unter anderem für die Gesundheit der Hirnzellen verantwortlich und bei von Demenz betroffenen Personen meist in verringertem Ausmaß zu finden sind.

Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass Ibuprofen möglicherweise eine schützende Wirkung auf die Hirnzellen haben könnte. „Unsere Studie zeigt, dass Ibuprofen hier entgegen den krankhaften Veränderungen wirkt. Doch ob sich die Einnahme von Ibuprofen unter Umständen tatsächlich als Alzheimer-Schutz erweisen kann, ist noch unklar. Denn auch einige nachteilige Effekte ließen sich beobachten. Demnach sorgte das NSAR für einen Anstieg an Triacylglyceriden, die sich häufig als „Fetttropfen“ in Zellen ablagern. „Einerseits könnten bestimmte durch Ibuprofen hervorgerufene Veränderungen an den Hirnfetten schützend sein. Andererseits sehen wir auch Veränderungen, die eher als kontraproduktiv einzustufen sind, weil sie Prozesse begünstigen könnten, die mit Alzheimer in Verbindung stehen“, fassen die Forschenden zusammen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Forschungsergebnisse nicht eindeutig sind und sowohl potenziell positive als auch negative Auswirkungen von Ibuprofen auf die Hirnchemie zeigen.

Die Rolle von Lipiden im Gehirn und Alzheimer

Alzheimer ist multifaktoriell: Neben Eiweißablagerungen spielen auch chronische Entzündungen und Veränderungen im Fettstoffwechsel des Gehirns eine wichtige Rolle. Die speziellen Fettmoleküle stehen in enger Verbindung mit der Alzheimer-Erkrankung. Die Forschungsgruppe untersuchte am Deutschen Institut für Demenzprävention (DIDP) am Campus Homburg der Universität des Saarlandes anhand von kultivierten menschlichen Nervenzellen im Reagenzglas erstmals systematisch, welchen Einfluss Ibuprofen auf verschiedene Lipidklassen im Gehirn hat, die in der Alzheimer-Forschung bereits als relevant bekannt sind.

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Positive Effekte von Ibuprofen auf den Lipidstoffwechsel

Die Ergebnisse zeigen, dass Ibuprofen die Konzentration bestimmter Lipide erhöht, die entscheidend für die Gesundheit der Hirnzellen sind. So stiegen die Gehalte von Phosphatidylcholin und Sphingomyelin - beides zentrale Bausteine der Zellmembranen von Nervenzellen. Diese Membranlipide sind im Gehirn von Alzheimer-Patienten typischerweise verringert, was mit einer gestörten Kommunikation zwischen den Nervenzellen und Zellschäden einhergeht.

Potenzielle negative Auswirkungen auf die Zellgesundheit

Andererseits fanden die Forscherinnen und Forscher auch potenziell nachteilige Effekte. Ibuprofen ließ die Menge an Triacylglyceriden ansteigen. Diese Neutralfette dienen als Energiespeicher und können sich in Form von Fetttropfen in Zellen ablagern. Zudem führte das Medikament zu einer Abnahme der sogenannten Plasmalogene, schützenden Lipiden, die Zellen vor oxidativem Stress bewahren. Bei Alzheimer-Erkrankten sind die Plasmalogen-Spiegel bereits deutlich reduziert - Ibuprofen verstärkte nun diesen Effekt zusätzlich.

Eine zweischneidige Wirkung

„Unsere Ergebnisse offenbaren hier eine zweischneidige Wirkung von Ibuprofen“, fasst Prof. Dr. habil. Marcus Grimm zusammen. „Einerseits könnten bestimmte durch Ibuprofen hervorgerufene Veränderungen an den Hirnfetten schützend sein. Andererseits sehen wir auch Veränderungen, die eher als kontraproduktiv einzustufen sind, weil sie Prozesse begünstigen könnten, die mit Alzheimer in Verbindung stehen.“

Implikationen für Prävention und Therapie

Die Erkenntnisse erklären, warum frühere Untersuchungen teilweise uneinheitliche Ergebnisse zeigten. Einige Studien deuteten darauf hin, dass Entzündungshemmer wie Ibuprofen das Alzheimer-Risiko senken könnten, während andere keinen eindeutigen Nutzen fanden. Die nun entdeckten Mechanismen liefern eine mögliche Erklärung: Ibuprofen entfaltet sowohl förderliche als auch unerwünschte Effekte - das Gesamtbild in einem lebenden Organismus könnte daher vom Feinabgleich dieser gegenläufigen Wirkungen abhängen.

Zudem eröffnen die Ergebnisse neue therapeutische Perspektiven. Denkbar wäre etwa, neue Medikamente oder Strategien zu entwickeln, die die positiven Effekte von Ibuprofen auf die Gehirnchemie nutzen, dabei aber negative Auswirkungen vermeiden. Auch für die Prävention ist das Wissen wertvoll: Es liefert Anhaltspunkte, wie Entzündungen und Fettstoffwechsel bei gefährdeten Personen beeinflusst werden könnten, um Alzheimer vorzubeugen - sei es medikamentös oder möglicherweise durch gezielte Ernährungsmaßnahmen.

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Ibuprofen und kognitive Fähigkeiten: Gedächtnis und Reaktionszeit

Die Auswirkungen von Ibuprofen auf die kognitiven Fähigkeiten sind Gegenstand aktueller Forschung. Die Einnahme von Arzneimitteln kann sich auf die kognitiven Fähigkeiten auswirken - sowohl im Positiven als auch im Negativen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, in der die Daten von über 500.000 Menschen aus Großbritannien im Alter bis zu 73 Jahren ausgewertet wurden. Untersucht wurde, welche Medikamente eingenommen wurden und wie die Teilnehmer in Tests zu Reaktionszeit, Gedächtnis und Problemlösungsfähigkeiten abschnitten.

Eine Studie des University College London deutet darauf hin, dass Ibuprofen die Reaktionszeit verbessern und das Gedächtnis stärken kann. Die Forscher untersuchten die kognitiven Auswirkungen gängiger Medikamente bei etwa einer halben Million Menschen in Großbritannien im Alter von bis zu 73 Jahren. Die Untersuchungen umfassten Informationen über die Einnahme von Medikamenten sowie Test-Ergebnisse zu Gedächtnis, Reaktionszeit, Denkvermögen und Problemlösungs-Fähigkeiten. Das Ergebnis: Menschen, die eines von zehn gängigen Medikamenten einnahmen, erzielten in den Tests bessere Ergebnisse als diejenigen, die dies nicht taten. Die Forscher fanden heraus, dass Medikamente zur Behandlung von Schmerzen, Entzündungen, Arthrose, Herz-Erkrankungen, Asthma, Allergien und Bluthochdruck die größten positiven Auswirkungen haben können.

Interessanterweise schnitten Konkurrenzprodukte in dieser Studie deutlich besser ab als Paracetamol. Besonders Ibuprofen scheint eine positive Wirkung zu haben. Es wurde mit schnelleren Reaktionen und besserer Gedächtnisleistung in Verbindung gebracht. Die Einnahme scheint die gleichen Vorteile zu bieten, wie die Auswirkungen der Senkung eines zu hohen Blutdrucks auf das Gehirn. Und auch Aspirin, Diclofenac (Voltaren) und Naproxen lieferten günstige Ergebnisse.

Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass diese Ergebnisse einen Zusammenhang nahelegen, aber keinen Beweis dafür darstellen, dass Ibuprofen diese Effekte direkt verursacht. Dafür seien weitere Untersuchungen nötig. Zu den kognitiven Wirkungen gängiger Medikamente gibt es kaum Untersuchungen. Ein Problem besteht darin, dass viele häufig von älteren Menschen und oft in Verbindung mit anderen Medikamenten eingenommen werden.

Ibuprofen und Parkinson-Risiko

Eine weitere interessante Beobachtung ist der mögliche Zusammenhang zwischen Ibuprofen und dem Parkinson-Risiko. Die Auswertung ergab, dass die Personen, die Ibuprofen regelmäßig, das heißt zwei Mal wöchentlich oder häufiger einnahmen, ein um 38 Prozent niedrigeres Risiko hatten, Parkinson zu bekommen als Personen, die andere oder keinen Schmerzmittel nutzten. Insgesamt lag das Parkinson-Risiko um 27 Prozent niedriger. „Die Langzeit-Einnahme von Ibuprofen birgt eine ganze Reihe von Risiken. Aber die Idee, dass das Ibuprofen auch neuroprotektive Effekte haben könnte, die einzigartig unter den nichtsteroidalen Analgetika sind, ist ein Anlass für mehr Forschung“, kommentiert James H. Bower, Neurologe an der Mayo Clinic im amerikanischen Rochester. Nach Ansicht von Gao und seinen Kollegen jedoch kann es sehr wohl sein, dass das Schmerzmittel selbst den Effekt verursacht: „Eine Möglichkeit, warum Ibuprofen diesen Effekt gegen Parkinson hat, ist, dass es einen bestimmten Rezeptor im Gehirn beeinflusst, den so genannten Peroxisom Proliferator-aktivierte Rezeptor (PPARy).

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Weitere wichtige Aspekte bei der Einnahme von Ibuprofen

Neben den potenziellen Auswirkungen auf das Gehirn ist es wichtig, die allgemeinen Anwendungshinweise und Risiken von Ibuprofen zu berücksichtigen.

Anwendungsgebiete und Wirkungsweise

Ibuprofen wird zur symptomatischen Behandlung von Schmerzen und Entzündungen eingesetzt. Der Arzneistoff dient der symptomatischen Behandlung von Schmerzen und Entzündungen. Er bekämpft also nicht die Ursache der Beschwerden, sondert lindert diese lediglich. Ibuprofen hilft unter anderem gegen akute und chronische Gelenkentzündungen, Reizzustände bei einer Arthrose und schmerzhafte Schwellungen nach einer Verletzung. Es wirkt aber auch gegen Kopfschmerzen, Zahnschmerzen und Fieber. Ibuprofen gehört zur Gruppe der Cyclooxygenase-Hemmer. Diese Arzneistoffe hemmen das Enzym Cyclooxygenase und damit die Bildung von Prostaglandinen. Diese körpereigenen Stoffe spielen bei Schmerz und Entzündung eine wesentliche Rolle. Sie tragen beispielsweise dazu bei, dass ein entzündetes Gelenk schmerzt, anschwillt und sich rötet. Auch Fieber wird über diese Substanzen ausgelöst. Ein anderer Begriff für diese Arzneistoffgruppe lautet nichtsteroidale Antiphlogistika, kurz NSAID (non-steroidal anti-inflammatory drugs). Es hemmt die COX-Enzyme.

Darreichungsformen und Dosierung

Ibuprofen gibt es in verschiedenen Darreichungsformen, wie Tabletten, Saft oder Zäpfchen, und in unterschiedlichen Wirkstärken. Wie schnell Ibuprofen wirkt und wie lange der Effekt anhält, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Bei einer normalen Tablette tritt die Wirkung üblicherweise nach etwa einer halben Stunde ein und hält zwischen vier und sechs Stunden an - wobei dies von Mensch zu Mensch schwankt. Wer Ibuprofen zum Essen einnimmt, verzögert zwar den Wirkeintritt. Dafür ist das Mittel verträglicher, was vor allem für Menschen mit empfindlichem Magen von Vorteil ist. Wichtig: Wenden Sie rezeptfreie Schmerzmittel, die Sie wegen Fieber oder Schmerzen einnehmen, nicht länger als vier Tage an - es sei denn, der Arzt hat etwas anderes empfohlen! Häufige Schmerzzustände sollten vom Arzt abgeklärt werden.

Mögliche Nebenwirkungen

Pharmazeutische Hersteller müssen im Beipackzettel eines Medikaments alle bekannt gewordenen Nebenwirkungen auflisten. Deshalb ist dieser Abschnitt oft sehr lang und wenig vertrauenserweckend."Sehr häufig" bedeutet zum Beispiel: Bei mehr als zehn Prozent der Anwender (oder mehr als 1 von 10 Behandelten) können sich Nebenwirkungen einstellen. "Häufig" heißt: Bei bis zu zehn Prozent der Menschen (oder bis zu 1 von 10), kann es zu Nebenwirkungen kommen. Dieser Text führt vor allem die "sehr häufigen", "häufigen" und "gelegentlichen" unerwünschten Wirkungen auf. Je nach Wirkstärke und individueller Verträglichkeit löst Ibuprofen sehr häufig bis häufig Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt aus: Sodbrennen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Durchfall, Verstopfung sowie geringfügige Blutverluste aus Magen und Darm. Es kann zu Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren kommen, zu einer Magenschleimhautentzündung sowie einer Entzündung der Mundschleimhaut. Ein Morbus Crohn oder eine Colitis ulcerosa, beides chronisch entzündliche Darmkrankheiten, können verstärkt werden. Ibuprofen kann auch im Bereich des Zentralnervensystems unerwünschte Effekte haben: Kopfschmerzen, Schwindel, Schlafprobleme, Erregungszustände, Reizbarkeit oder Müdigkeit können auftreten. Besonders Menschen, die ohnehin zu Kopfschmerzen neigen, können auch durch Schmerzmittel wie Ibuprofen Kopfweh bekommen, wenn sie diese übermäßig oft einnehmen. Des Weiteren reagieren manche Menschen mit Hautausschlag, Juckreiz oder einem Asthma-Anfall auf Ibuprofen.

Studien weisen darauf hin, dass Entzündungshemmer wie Ibuprofen mit einem geringfügig erhöhten Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall einhergehen. Dies gilt vor allem, wenn Patienten den Wirkstoff in einer sehr hohen Dosis einnehmen. Insbesondere wer an Herz-Kreislauf-Krankheiten leidet, sollte Ibuprofen nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt anwenden.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Ibuprofen kann mit diversen Wirkstoffen Wechselwirkungen eingehen. Lassen Sie sich in der Apotheke beraten, ob sich andere Mittel, die Sie einnehmen, mit Ibuprofen vertragen. Fragen Sie bei Ihrem Arzt nach, inwiefern Wechselwirkungen bei Ihren Medikamenten relevant sind. Das Risiko für Blutungen im Magen-Darm-Bereich sowie für Geschwüre in Magen oder Zwölffingerdarm erhöht sich, wenn Sie Ibuprofen unter anderem mit diesen Arzneien zusammen einnehmen: Kortison-Präparate, weitere nichtsteroidale Entzündungshemmer (s.o. NSAID), Mittel, welche die Blutgerinnung hemmen (z.B. ASS oder Clopidogrel), bestimmte Medikamente gegen Depressionen. Wenden Sie Ibuprofen gleichzeitig mit Blutdrucksenkern an, kann sich deren Wirkung leicht abschwächen. Experten empfehlen zudem, Ibuprofen nicht zusammen mit ASS, also Acetylsalicylsäure, einzunehmen. Erstens werden Nebenwirkungen wahrscheinlicher, zweitens kann Ibuprofen die blutgerinnungshemmenden Effekte von ASS ungünstig beeinflussen. Alkohol kann die unerwünschten Wirkungen von Ibuprofen verstärken.

Kontraindikationen

Ibuprofen dürfen Sie nicht einnehmen, wenn Sie allergisch darauf reagieren, wenn Sie schwere Leber- oder Nierenkrankheiten haben, an einer schweren Herzmuskelschwäche oder ungeklärten Blutbildungsstörung leiden. Außerdem müssen Sie auf den Wirkstoff verzichten, wenn Sie ein Geschwür im Magen-Darm-Trakt haben oder dort wiederholt an Blutungen gelitten haben. Ebenso, wenn Sie Hirnblutungen haben. Im letzten Drittel der Schwangerschaft dürfen Sie Ibuprofen nicht anwenden.

Die Bedeutung der Therapieerwartung

Die Behandlungserwartungen von Patient:innen können den Erfolg einer Therapie beeinflussen, was in vielen Studien, vor allem für Schmerzen, gezeigt wurde. Eine Arbeitsgruppe um den Psychologen Prof. Sven Benson, Leiter des Instituts für Didaktik in der Medizin an der Medizinischen Fakultät/Universitätsklinikum Essen und Projektleiter im Sonderforschungsbereich „Treatment Expectation“ (A11), zeigt dies nun auch für Symptome, die man typischerweise während einer systemischen Entzündungsreaktion, etwa einem Infekt oder nach einer Impfung, empfindet.

Die Studie belegt, dass Placeboeffekte auch bei Entzündungen den Nutzen aktiver Wirkstoffe steigern können. Die wegweisende Studie zeigt: Therapieerwartungen beeinflussen Entzündungssymptome und die Wirkung des entzündungshemmenden Medikaments Ibuprofen während einer systemischen Entzündungsreaktion. Die Proband:innen erhielten am Experimentaltag eine niedrig dosierte immunaktivierende Substanz (LPS - Lipopolysaccharid), die Immun-vermittelte Symptome während einer akuten Entzündungsreaktion hervorruft. Kombiniert wurde die LPS-Gabe entweder mit der Einnahme von Ibuprofen oder eines Placebos (Scheinmedikament). Hinzu kamen positive oder neutrale Informationen über die Behandlung. Die Fragestellung: Wie wirken sich Informationen durch den Arzt oder die Ärztin auf Entzündungssymptome und die Behandlung aus?

Das Ergebnis der Studie von Prof. Benson und der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Justine Schmidt zeigt, wie Behandelnde die positiven Erwartungseffekte konkret fördern können, denn diese positiven Informationen minderten die Krankheitssymptome effektiv zusätzlich zum Ibuprofen. Interessanterweise zeigte sich zudem, dass sich die Entzündungssymptome bei positiver Information bereits besserten, wenn faktisch kein wirksames Medikament gegeben wurde und dass dieser Effekt insbesondere für das psychische Wohlbefinden während der Entzündungsreaktion zu beobachten war.

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