Bluthochdruck, auch arterielle Hypertonie genannt, ist eine weit verbreitete Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems, bei der der Druck in den Arterien dauerhaft erhöht ist. In Deutschland sind schätzungsweise über 20 Millionen Menschen betroffen, was etwa jedem dritten Erwachsenen entspricht. Viele Betroffene wissen jedoch nichts von ihrer Erkrankung, was gefährlich sein kann, da unbehandelter Bluthochdruck schwerwiegende Folgen haben kann.
Die Risiken von unbehandeltem Bluthochdruck
Ein unzureichend oder nicht behandelter Bluthochdruck von mehr als 140/90 mmHg kann langfristig zu einer Reihe von Herzerkrankungen führen, darunter Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern. Darüber hinaus erhöht er das Risiko für Komplikationen wie Gehirnblutungen, Schlaganfälle, Herzinfarkte und Nierenversagen. Studien haben auch gezeigt, dass ein unbehandelter Bluthochdruck das Risiko für Demenz begünstigen kann.
Der "leise Killer"
Bluthochdruck wird oft als "leiser Killer" bezeichnet, da er sich nicht immer durch Beschwerden bemerkbar macht, obwohl er die Gefäße und Organe dauerhaft belastet und lebenswichtige Organe schädigen kann. Symptome wie Schwindel, Ohrensausen, Kopfschmerzen oder Nasenbluten können auftreten, müssen aber nicht. Daher ist es wichtig, den Blutdruck frühzeitig und regelmäßig zu messen, um ihn gegebenenfalls medikamentös und mit einem gesunden Lebensstil einzustellen, bevor es zu schwerwiegenden Komplikationen kommt.
Die Auswirkungen auf das Gehirn
Beständig hoher Blutdruck belastet nicht nur die Gefäße des Herz-Kreislauf-Systems, sondern auch die Hirngefäße. Ein normaler Blutdruck schützt das Gehirn vor einem Schlaganfall, weshalb erhöhte Werte konsequent unter 140/90 mmHg, idealerweise zwischen 120-130 mmHg (systolisch), gesenkt werden sollten. Mehrere aktuelle Studien deuten auf einen positiven Effekt der Blutdrucksenkung auf das Demenzrisiko hin.
Chronisch hoher Blutdruck kann zu strukturellen Veränderungen und einer Volumenreduktion im Gehirn führen. Betroffene Regionen sind mitverantwortlich für die kognitive Leistung. Eine Auswertung von fünf Studien mit über 28.000 Patienten ergab, dass bereits das medikamentöse Absenken des Blutdrucks um 10 mmHg systolisch und 4 mmHg diastolisch das Demenzrisiko um über zehn Prozent verringern kann. Je ausgeprägter die Blutdrucksenkung war, desto mehr wurde das Risiko einer Demenz vermindert. Dieser günstige Effekt war bis zu einem Blutdruck von 100/70 mmHg nachweisbar, ohne dass Hinweise auf Schäden durch die Blutdrucksenkung gefunden wurden. Eine chinesische Beobachtungsstudie mit rund 34.000 Teilnehmern bestätigte den positiven Effekt einer guten Blutdruckkontrolle auf die geistigen Fähigkeiten.
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Bluthochdruck und Demenz: Die positiven Effekte der Bluthochdrucktherapie
Die Behandlung erhöhter Blutdruckwerte ist in jedem Alter von Vorteil und schützt nicht nur vor akuten Schlaganfällen oder anderen Herz-Kreislauf-Ereignissen, sondern zahlt sich auch langfristig aus, da es seltener zu einer Demenz kommt. Erhöhte Blutdruckwerte lassen sich durch einen gesunden Lebensstil senken, insbesondere durch Ausdauerbewegung, Abbau von Übergewicht und die konsequente Einnahme blutdrucksenkender Medikamente.
Als optimale Blutdruckzielwerte gelten aktuell für jüngere Patienten bis zum Alter von 65 Jahren weniger als 130 mmHg systolisch, sofern sie es vertragen. Patienten über 65 sollten auf systolische Werte unter 140 mmHg kommen, um Nebenwirkungen zu vermeiden. Diese Werte gelten auch für Patienten mit Nebenerkrankungen wie Diabetes, koronare Herzkrankheit (KHK) und nach einem Schlaganfall.
Prävention und Therapie
Lebensstiländerungen
Regelmäßiges Ausdauertraining wie Radfahren, Walken, Joggen oder Schwimmen kann den Bluthochdruck sowie die Wahrscheinlichkeit, weitere Risikofaktoren für Herzkrankheiten zu entwickeln, senken. Die Herzstiftung empfiehlt Bluthochdruckpatienten, sich mindestens dreimal pro Woche für 30 bis 45 Minuten bei moderater Intensität zu bewegen. Geeignet ist ein Training bei einer Belastungsintensität von etwa 70 Prozent der maximalen Herzfrequenz. Eine allgemeine Faustregel lautet: "Laufen, ohne zu schnaufen". Während der Belastung sollte man sich noch unterhalten können.
Ein moderates, dynamisches Kräftigungstraining hat einen positiven Effekt, wenn es richtig durchgeführt wird. Ratsam sind Kräftigungsübungen mit niedrigerer Belastung und hoher Wiederholungsrate (z.B. 30 % der Maximalkraft bei 20 Wiederholungen). Pressatmung sollte beim Training unbedingt vermieden werden. Auch ein isometrisches Krafttraining, also ein Training mit Halteübungen (z. B. 4 x 2 Minuten Wandsitzen), hat laut aktuellen Studien einen großen Effekt auf den Blutdruck. Grundsätzlich sollten sich Patienten von ihrem Arzt oder ihrer Ärztin individuell beraten lassen, welches Training für sie das richtige ist. Prinzipiell ungeeignet ist ein Maximalkrafttraining wie das klassische Gewichtheben. Auch bei Sportspielen mit hoher Belastung wie Squash ist Vorsicht geboten und eine ärztliche Rücksprache erforderlich.
Medikamentöse Therapie
Wenn Lebensstiländerungen nicht ausreichen, um den Blutdruck zu senken, können blutdrucksenkende Medikamente eingesetzt werden. Welche Medikamente gewählt werden, hängt von Alter und Begleiterkrankungen ab. In der Regel beginnt man heute die Therapie mit einer Medikamentenkombination, die in einer Pille eingenommen wird. Dies steigert die Wirkung gegenüber der Anwendung eines Einzelwirkstoffes, da der Körper immer auf blutdrucksenkende Medikamente mit einer Gegenregulation reagiert.
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Bedeutung der Blutdruckmessung
Die Blutdruckmessung ist wichtig zur Therapiekontrolle, entweder als Selbstmessung mit Dokumentation oder als 24-Stunden-Langzeitmessung. Bis man den Effekt der Medikamente beurteilt, sollte man diese 4 bis 6 Wochen einnehmen. Die Therapie der arteriellen Hypertonie wird lebenslang durchgeführt; setzt man die Medikamente ab, steigt der Blutdruck wieder.
Sekundäre Hypertonie
Die sekundäre Hypertonie kann oftmals durch eine Therapie der Grunderkrankung behandelt werden. So lassen sich zum Beispiel verengte Nierenarterien durch eine Ballondilatation behandeln oder hormonproduzierende Tumoren werden operiert.
Die Rolle der Nieren
Die arterielle Hypertonie steht in einem engen wechselseitigen Verhältnis mit der chronischen Nierenerkrankung (CKD). Entsprechend wächst der Anteil von CKD-Patienten in den westlichen Industrieländern kontinuierlich und liegt Schätzungen zufolge bei 10-15 %. Die Nieren spielen eine zentrale Rolle bei der Blutdruckregulation. Ein zu hoher Blutdruck kann die Nierenkörperchen zerstören und zu Nierenversagen führen.
Diagnostik der Nierenfunktion
Die Urindiagnostik ist ein wesentliches diagnostisches Verfahren in der Nephrologie. Basis der Urindiagnostik sind Streifentests zur semiquantitativen Bestimmung von Eiweiß sowie Erythrozyten und Leukozyten. Zur Basisdiagnostik, Einteilung und Prognose der CKD gehört heute die Quantifizierung der Albuminausscheidung.
Sonografie und Duplexsonografie sind die zentralen bildgebenden Verfahren in der Nephrologie. Die Nierenbiopsie ist das invasivste diagnostische Verfahren in der Nephrologie. Es dient der exakten Diagnosestellung von Nierenerkrankungen, insbesondere von Systemerkrankungen und genetischen Erkrankungen.
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Akute Nierenschädigung (AKI)
Das akute Nierenversagen wird heute in der wissenschaftlichen Literatur als akute Nierenschädigung (AKI, „acute kidney injury“) bezeichnet. Es ist definiert als rasche Abnahme der Nierenfunktion mit einem Anstieg des Serumkreatinins um >0,3 mg/dl oder >50 % des Ausgangswertes innerhalb von 48 Stunden oder einer Reduktion des Urinvolumens von weniger als 0,5 ml/kg KG und h.
Chronische Nierenerkrankung (CKD)
Nach einer gängigen Definition der KDIGO-Leitlinien (Kidney Disease: Improving Global Outcomes) wird die chronische Nierenerkrankung (CKD) definiert als eine über mehr als 3 Monate bestehende Störung der Nierenstruktur oder Funktion. Die Klassifikation der CKD erfolgt nach Art der Nierenerkrankung, Schwere des Funktionsverlustes (G1-5) und dem Ausmaß der Albuminurie (A1-3).
Bluthochdruck im jungen Erwachsenenalter
Eine aktuelle US-Studie zeigt, dass die negativen Auswirkungen von seit der Jugend erhöhten Blutdruckwerten sich in einem beeinträchtigten Gangbild und reduzierter kognitiver Leistung wie etwa Vergesslichkeit zeigen. Diese Studie zeigt, dass Bluthochdruck, der im frühen Erwachsenenalter beginnt und über Jahre unbehandelt bleibt, erhebliche Schäden an den Nervenverbindungen des Gehirns nach sich zieht.
Warnzeichen und Symptome
Viele Patient:innen zeigen kaum eindeutige Hypertonie-Symptome, sodass der erhöhte Blutdruck oft lange Zeit unbemerkt bleibt. Dabei ist eine frühzeitige Therapie sehr wichtig, um Folgeschäden zu verhindern. Mögliche Anzeichen für Bluthochdruck sollten immer ernstgenommen werden. Zu den Symptomen für arterielle Hypertonie zählen:
- Schwindelgefühl
- Kopfschmerzen
- Schlafstörungen
- Nervosität
- Ohrensausen
- Müdigkeit
- Nasenbluten
- Kurzatmigkeit
- Übelkeit
Die Bedeutung der Selbstmessung
Die Heimblutdruckmessung ist ein entscheidender Bestandteil der Diagnose und auch der Therapie, um die Dunkelziffer zu reduzieren. Bei der Messung in einer Arztpraxis wird die Diagnose Bluthochdruck bei 140/90 mmHg gestellt. Bei der Blutdruckmessung zu Hause muss man vom unteren diastolischen und oberen systolischen Wert 5 mmHg abziehen. In häusliche Werte übersetzt, entspricht dies somit einem Wert von 135/85 mmHg. Ist dies nicht der Fall sollten weitere Diagnostik und Therapie erfolgen.