Viele Menschen erleben beim Lernen ein unangenehmes Gefühl, das sie als "Schmerz" im Gehirn bezeichnen. Dieses Gefühl kann von leichtem Druck bis zu intensiven Kopfschmerzen reichen und wirft die Frage auf, ob dies ein normales Phänomen ist. Um diese Frage zu beantworten, ist es wichtig, die verschiedenen Aspekte des Lernens, die Funktionsweise des Gehirns und die möglichen Ursachen für solche Beschwerden zu betrachten.
Die Komplexität des Lernens und seine Auswirkungen auf das Gehirn
Lernen ist ein komplexer Prozess, bei dem neue Informationen aufgenommen, verarbeitet und im Gehirn gespeichert werden. Dieser Prozess beinhaltet die Bildung neuer neuronaler Verbindungen und die Stärkung bestehender Verbindungen. Studien haben gezeigt, dass das Gehirn während des Lernens sehr aktiv ist und dass verschiedene Hirnregionen je nach Art der Aufgabe beansprucht werden.
Neuronale Verbindungen und das "Trampelpfad-Prinzip"
Neue Informationen müssen erst verarbeitet werden. Dabei werden neuronale Verbindungen geknüpft. Diese werden quasi "verstärkt" je öfter diese Informationen abgerufen werden. Daher auch das lernen durch Wiederholung das ist das "Trampelpfad-Prinzip". Wenn allerdings zu viele, neue Informationen aufgenommen werden, müssen dazu die Verbindungen erst geknüpft werden. Dabei kann es dann zu Überlastungserscheinungen kommen.
Überlastung des Nervensystems
Wenn man zu viele Themen in kurzer Zeit hatte, zum Beispiel eine Prüfung mit mehreren Stunden Mathe an einem Tag, kann dies zu einer Überlastung des Nervensystems führen. Das Gehirn brummt dann oft, wenn man zu Hause auf dem Sofa sitzt und eine Serie schaut.
Mögliche Ursachen für "Schmerzen" beim Lernen
Obwohl das Gehirn selbst keine Schmerzrezeptoren besitzt, können verschiedene Faktoren zu einem unangenehmen Gefühl oder sogar zu Kopfschmerzen beim Lernen führen.
Lesen Sie auch: Normales Leben nach Schlaganfall?
Muskelverspannungen durch Stress
Fehlender Stressabbau kann zu Muskelverspannungen führen. Sobald ein Mensch Stress empfindet, sendet das Gehirn Informationen an die Muskulatur und diese spannt sich an. Bleibt die Stresssituation länger bestehen, bleibt auch die muskuläre Anspannung bestehen. Durch diese muskulären Dysbalancen können sich Folgeprobleme wie Fehlhaltungen und Haltungsschäden manifestieren. Diese wiederum führen zu weiteren Verspannungen und haben die Tendenz, chronisch zu werden.
Psychische Belastungen
Psychische Belastungen aller Art gelten als Auslöser für Kopfschmerzen. Psychische Verspannungen können oft nur in Form von Schmerzen ausgedrückt werden. Leiden Menschen unter Depressionen, können sich diese auch in körperlichen Symptomen, wie zum Beispiel Rückenschmerzen, zeigen. Umgedreht können dauerhafte Rückenschmerzen auch zu einer Depression führen. Wichtig ist, sowohl die psychischen Ursachen als auch die körperlichen Beschwerden zu behandeln.
Überanstrengung der Augen
Langes Lesen oder Arbeiten am Computer kann zu einer Überanstrengung der Augen führen, was wiederum Kopfschmerzen verursachen kann.
Dehydration
Flüssigkeitsmangel kann ebenfalls Kopfschmerzen auslösen.
Mangelnde Konzentration und innere Ablehnung
Wenn man etwas lernen muss, was man nicht lernen will oder etwas arbeitet, was man nicht arbeiten will, kann das ebenfalls zu einem unangenehmen Gefühl führen. Viele haben Probleme, den Stoff aus der Schule zu lernen, weil sie ihn nicht als sinnvoll betrachten.
Lesen Sie auch: Leitfaden zu Krämpfen nach einer Ausschabung
Noziplastischer Schmerz
Chronische Schmerzen ohne eindeutigen Befund sind weit verbreitet. In der klassischen Medizin basiert die Diagnostik auf der Suche nach Gewebeschäden: Entzündung, Verletzung, Verschleiß. MRT oder CT sind wichtige Verfahren, aber sie zeigen nur strukturelle oder biochemische Veränderungen und nicht die Verarbeitung im Gehirn. Das Gehirn verarbeitet Schmerz nicht nur - es gestaltet ihn mit.
Das Schmerzgedächtnis
Wenn Schmerzen lange anhalten, senden Nerven dauerhaft Impulse an das Gehirn. Dort kann es zu einer Überreaktion kommen, die Reizweiterleitung und Verarbeitung im Gehirn verändert sich und ein Schmerzgedächtnis entsteht. Anstelle von Hormonen zur Schmerzhemmung sendet das Gehirn Botenstoffe aus, die die Schmerzempfindlichkeit erhöhen. Das kann selbst dann noch geschehen, wenn die eigentliche Schmerzursache behoben oder verheilt ist. Das Gehirn hat den Schmerz „gelernt“ und reagiert auf kleinste Reize mit starken Schmerzsignalen.
Angst vor Mathematik
Die Angst vor Mathe-Aufgaben kann bei Menschen jenes Hirnzentrum aktivieren, das für die Wahrnehmung von Schmerz und körperlicher Gewalt zuständig ist. Die Erwartung einer Mathe-Aufgabe aktivierte in einer Studie jene Hirnregion, mit der Schmerz und körperliche Gewalt verarbeitet werden. Dieser Effekt fiel umso stärker aus, je mehr Angst die Testpersonen ohnehin vor Mathematik hatten.
Was tun, wenn das Gehirn beim Lernen "wehtut"?
Wenn Sie beim Lernen regelmäßig ein unangenehmes Gefühl oder Kopfschmerzen verspüren, gibt es verschiedene Maßnahmen, die Sie ergreifen können:
Pausen einlegen
Regelmäßige Pausen helfen, die Augen zu entlasten und den Stress zu reduzieren.
Lesen Sie auch: Diagnose von Polyneuropathie trotz normaler Nervenleitgeschwindigkeit
Ausreichend trinken
Achten Sie darauf, genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen.
Stress reduzieren
Entspannungsübungen wie Meditation, Yoga oder progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen.
Lernmethoden anpassen
Suchen Sie sich das Medium gut aus, mit dem Sie lernen. Manche nehmen Information besser über das Gehör und andere über Bewegungen aus. Ich kann neue Themenfelder immer schnell lernen, wenn ich es Visuell sehe und dazu eine Stimme mir das erklärt. Ich persönlich liebe es aktiv zu lernen. Wenn ich dabei etwas mache und dabei zusehe, dass was ich mache und lerne auch etwas wird. Z.B. backen, kochen oder ein Technikkurs…. usw..
Professionelle Hilfe suchen
Wenn die Beschwerden anhalten oder sehr stark sind, sollten Sie einen Arzt oder Therapeuten aufsuchen, um mögliche Ursachen abzuklären und eine geeignete Behandlung zu erhalten. Dort wird zunächst eine umfassende psychiatrische, psychotherapeutische, testpsychologische und auch somatische Untersuchung durchgeführt. In der sich anschließenden Therapie liegt der Fokus auf der Behandlung der körperlichen und seelischen Ursachen. Patientinnen und Patienten lernen dabei ihre individuellen Auslöser der Muskelverspannungen kennen - etwa Stress oder auch negative Gedanken. Auch Physiotherapie, Bewegung und der Einsatz von Medikamenten spielen in der Therapie eine große Rolle.
Änderungen im Tagesablauf
Änderungen im Tagesablauf sind ebenfalls ratsam: Betroffene sollten langsamer und achtsamer mit Entspannungspausen umgehen. Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation oder Qigong sollten fest in den Alltag eingeplant werden. Gleichzeitig ist auch eine körperliche Aktivität sehr wichtig.
Kränkungen und soziale Schmerzen
Es ist wichtig zu beachten, dass auch soziale Erfahrungen und Kränkungen körperliche Schmerzen auslösen können. Soziale Ablehnung aktiviert Hirnareale, die körperlichen Schmerz vermitteln. Jeder, der das bei einem anderen oder am eigenen Leib erfahren hat, weiß, wie weh es tun kann, zurückgewiesen zu werden. Auch, wenn man vielleicht sogar damit gerechnet hat, dass die Beziehung bald vorbei ist. Mit diesen starken Schmerzen rechnet kaum einer. Das muss nicht immer eine Liebesbeziehung sein. Manchmal entwickeln sich auch Freundschaften auseinander. Der andere scheint kein so großes Interesse mehr an gemeinsamen Treffen zu haben. Man bekommt den Eindruck, ignoriert zu werden. Auch das tut weh.
Umgang mit Kränkungen
Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass Zurückweisung weh tut und dass dies eine normale Reaktion des Gehirns ist. Man kann sich selbst gegenüber freundlich sein und sich Zuwendung geben, um den Schmerz zu lindern. Bei schweren Zurückweisungen ist es hilfreich, wenn ein anderer Mensch einem zusätzliche Zuwendung gibt.
Verantwortung für die Schmerzen anderer
Das Wissen um die sozialen Schmerzen bedeutet aber auch, dass wir Verantwortung für die Stärke der Schmerzen anderer übernehmen können. Wenn man jemanden zurückweisen muss, kann es dem anderen helfen, wenn man seine Worte vorsichtig und mit Bedacht wählt.
Zuwendung bei körperlichen Schmerzen
Bei körperlichen Schmerzen hilft Zuwendung ebenfalls. Zum Beispiel, wenn du bei Schmerzen an einen Menschen denkst, der dir sehr wichtig ist. Oder wenn du bei Krankheit an deinem Bett einige Fotos deiner Liebsten aufstellst.