Paracetamol zur Behandlung eingeklemmter Nerven: Wirksamkeit, Alternativen und wichtige Hinweise

Ischiasschmerzen, auch als Lumboischialgie oder Ischiassyndrom bekannt, sind Schmerzen, die vom Rücken über das Gesäß und die Rückseite des Oberschenkels bis ins Bein oder den Fuß ausstrahlen. Diese Schmerzen werden meist durch Muskelverspannungen oder seltener durch Bandscheibenprobleme verursacht, die den Ischiasnerv (Nervus ischiadicus) reizen. Betroffen sind vorwiegend Menschen zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr, wobei die Schmerzen langsam beginnen oder plötzlich auftreten können, ähnlich einem Hexenschuss.

Symptome von Ischiasschmerzen

Typische Symptome von Ischiasschmerzen sind:

  • Rückenschmerzen im Lendenwirbelbereich, die über das Gesäß und die Oberschenkelrückseite bis ins Bein oder den Fuß ausstrahlen.
  • Stechend-brennende, dumpf-bohrende oder wie bei einem elektrischen Schlag einschießende Schmerzen.
  • Beschwerden, die sich durch Husten, Niesen oder Pressen verschlimmern.
  • Ein pelziges Gefühl oder Kribbeln in den Beinen.

In den meisten Fällen klingen Ischiasschmerzen innerhalb weniger Tage bis maximal sechs Wochen von selbst wieder ab.

Ursachen von Ischiasschmerzen

Die häufigste Ursache für Ischiasschmerzen sind Muskelverspannungen, die durch langes Sitzen verursacht werden. Weitere mögliche Ursachen sind:

  • Fehlstellungen der Wirbelsäule
  • Bandscheibenvorwölbung (Protrusion)
  • Bandscheibenvorfall (Prolaps)
  • Arthrosebedingte Veränderungen der Wirbelbogengelenke (Spondylarthrose)
  • Verengung des Wirbelkanals (Spinalkanalstenose)
  • Schwangerschaft, bei der das Ungeborene gegen Ende der Schwangerschaft auf den Ischiasnerv drückt
  • Stress

Diagnose von Ischiasschmerzen

Die Diagnose von Ischiasschmerzen erfolgt in der Regel durch eine körperliche Untersuchung und die Schilderung der Symptome. Der Arzt wird nach dem Beginn und der Art der Schmerzen fragen, ob es in der Vergangenheit bereits Rückenprobleme gab und welche sonstigen Erkrankungen bekannt sind. Bei der körperlichen Untersuchung werden die Reflexe, die Bewegungsfähigkeit und das Empfindungsvermögen geprüft.

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Bei Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall, eine Entzündung, einen Knochenbruch oder in seltenen Fällen einen Tumor können weitere Untersuchungen wie Röntgenaufnahmen, Computer- und Magnetresonanztomographie (CT und MRT), Blutuntersuchungen, Ultraschalluntersuchungen oder eine Liquorpunktion (Untersuchung der Nervenflüssigkeit) erforderlich sein.

Behandlung von Ischiasschmerzen

Ziel der Behandlung von Ischiasschmerzen ist es, die Schmerzen so schnell wie möglich zu lindern, damit normale Bewegungen wieder möglich sind. Kurzzeitige Schonung, Wärmeanwendungen und gegebenenfalls Schmerzmittel können dabei helfen.

Stufenlagerung

Die Stufenlagerung ist eine gute Möglichkeit, die Rückenmuskulatur kurzfristig zu entspannen und so den Schmerz zu lindern. Dabei legt sich der Betroffene mehrmals täglich auf den Rücken und platziert die Beine im rechten Winkel auf einem Polster, Hocker oder Stuhl.

Bewegung

Mäßige Bewegung ist wichtig, um die Rückenmuskulatur zu durchbluten und Verspannungen zu lösen. Auch physikalische Maßnahmen (z. B. Wärme, Massagen) und anschließende gezielte Krankengymnastik können helfen, die Rückenmuskulatur langfristig zu stärken.

Schmerzmittel

Zur Schmerzlinderung in der akuten Phase eignen sich Wirkstoffe wie Ibuprofen, Diclofenac oder muskelentspannende Medikamente. Wenn Ibuprofen und Diclofenac nicht vertragen werden, kann Paracetamol zum Einsatz kommen. Synofen, das Paracetamol und Ibuprofen kombiniert, wirkt mit einem 3-fach-Effekt gegen Schmerzen: schnell, stark und gut verträglich.

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Wichtiger Hinweis: Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass Paracetamol bei Rückenschmerzen keine Wirksamkeit hat. Es reduziert nicht die Behinderung durch den Schmerz und verbessert nicht die Lebensqualität im Vergleich zu Placebo. Zudem zeigte Paracetamol ein höheres Risiko für Störungen der Leberfunktion. Daher sollte Paracetamol bei Ischiasschmerzen nicht als Mittel der ersten Wahl eingesetzt werden.

Medikamentöse Behandlung von Rückenschmerzen

Bei Rückenschmerzen, einschließlich Ischiasschmerzen, werden verschiedene Medikamente eingesetzt, um die Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit wiederherzustellen. Die medikamentöse Behandlung richtet sich nach der Art und Stärke der Schmerzen sowie nach den individuellen Bedürfnissen des Patienten.

Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR)

NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen sind eine häufig verwendete Gruppe von Schmerzmitteln bei Rückenschmerzen. Sie wirken schmerzlindernd, entzündungshemmend und fiebersenkend, indem sie die Bildung von Prostaglandinen hemmen, körpereigene Substanzen, die an der Entstehung von Schmerzen, Fieber und Entzündungen beteiligt sind. NSAR eignen sich besonders gut, wenn entzündliche Prozesse den Schmerz auslösen.

Mögliche Nebenwirkungen von NSAR sind Magen-Darm-Beschwerden wie Magenschmerzen, Übelkeit, Schleimhautreizungen bis hin zu Magen-Darm-Blutungen. Auch die Nierenfunktion kann beeinträchtigt werden. Zur Vorbeugung von Magen-Schleimhautschäden kann der Arzt zusätzlich ein Medikament verordnen, das die Magensäureproduktion hemmt.

Opioide

Opioide wie Morphin, Tramadol, Oxycodon und Hydromorphon sind starke Schmerzmittel, die bei besonders starken Schmerzen eingesetzt werden. Sie wirken vor allem schmerzhemmend und weniger entzündungshemmend. Bei Rückenschmerzen, die sowohl spitz als auch ziehend sind, können sie in Kombination mit NSAR verschrieben werden.

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Opioide sind immer verschreibungspflichtig und sollten nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden, da sie Nebenwirkungen wie Schwindel, Übelkeit, Müdigkeit und Verstopfung verursachen können. Bei längerer Einnahme besteht zudem die Gefahr, körperlich abhängig zu werden.

Muskelrelaxanzien

Muskelrelaxanzien sind Medikamente, die die Muskeln entspannen und Verspannungen lösen können. Sie wirken an der Muskulatur und im zentralen Nervensystem und sind verschreibungspflichtig. Muskelrelaxanzien sollen nur kurzfristig bei starken akuten Schmerzen eingesetzt werden, wenn andere Medikamente oder Methoden nicht ausreichend wirken. Bei chronischem Kreuzschmerz kommen sie nicht zum Einsatz.

Präparate zur Muskelentspannung können Müdigkeit oder Benommenheit zur Folge haben und die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen.

Antidepressiva

Antidepressiva können bei chronischen Rückenschmerzen eingesetzt werden, insbesondere wenn die Schmerzen mit Depressionen oder Schlafstörungen einhergehen. Einige Antidepressiva haben auch eine schmerzlindernde Wirkung, unabhängig von ihrer stimmungsaufhellenden Wirkung.

Zu den wichtigsten Nebenwirkungen von Antidepressiva gehören Übelkeit, Mundtrockenheit und Schwindel. Wegen potentieller Wechselwirkungen auf den Herzrhythmus sind regelmäßige EKG- und Laborkontrollen wichtig.

Antiepileptika

Antiepileptika, die ursprünglich zur Behandlung von Krampfanfällen entwickelt wurden, können auch bei Nervenschmerzen helfen. Sie wirken, indem sie überaktive Nervenzellen hemmen und so die Weiterleitung von Schmerzsignalen unterbrechen.

Kortikosteroide

Kortikosteroide wirken entzündungshemmend und reduzieren Schwellungen. Sie werden z. B. bei Entzündungen und Tumoren angewandt oder wenn Nerven im Rückenmark eingeklemmt oder gepresst sind (z. B. bei Bandscheibenvorfall).

Alternative Behandlungsmethoden

Neben der medikamentösen Behandlung gibt es verschiedene alternative Behandlungsmethoden, die bei Ischiasschmerzen eingesetzt werden können:

  • Physiotherapie: Durch gezielte Übungen können die Muskeln gestärkt, die Beweglichkeit verbessert und die Schmerzen gelindert werden.
  • Manuelle Therapie: Durch spezielle Handgriffe können Blockaden gelöst und die Wirbelsäule mobilisiert werden.
  • Akupunktur: Durch das Setzen von Nadeln an bestimmten Punkten des Körpers können Schmerzen gelindert und die Selbstheilungskräfte aktiviert werden.
  • Wärme- und Kälteanwendungen: Wärme kann Muskelverspannungen lösen, während Kälte Entzündungen reduzieren kann.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen und die Schmerzen zu lindern.

Vorbeugung von Ischiasschmerzen

Zur Vorbeugung von Ischiasschmerzen können Sie selbst viel beitragen:

  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung und Sport sowie gezielte Rückengymnastik können Schmerzen im Rückenbereich vorbeugen. Gut geeignet sind Ausdauersportarten wie Schwimmen, Walken oder Radfahren.
  • Ergonomie: Achten Sie auf eine gute Sitzhaltung, insbesondere bei Computerarbeit. Monitor, Schreibtisch, Stuhl und Tastatur sollten optimal auf Ihre Sitzposition eingestellt sein. Unterbrechen Sie ab und zu Ihre Tätigkeit und lockern Sie die Rückenmuskeln mit Dehnbewegungen auf.
  • Richtiges Heben: Achten Sie darauf, schwere Dinge aus den Knien heraus und mit geradem Rücken anzuheben und zu tragen.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Bei starken Schmerzen in Verbindung mit folgenden Symptomen sollte man einen Arzt aufsuchen:

  • Harn- oder Stuhlinkontinenz
  • Lähmungserscheinungen in den Beinen
  • Taubheitsgefühlen an Gesäß oder Oberschenkeln

In diesem Fall kann es sich um einen Bandscheibenvorfall handeln, der die vom Rückenmark ausgehenden Nerven einquetscht. Dies ist ein medizinischer Notfall, der innerhalb weniger Stunden behandelt werden muss, um bleibende Schäden zu vermeiden.

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