Das Gehirn ist ein komplexes Organ, das unser Denken, Fühlen und Handeln steuert. Der Verlust der Kontrolle über das Gehirn kann sich in verschiedenen Formen äußern, von kurzzeitigen Ohnmachtsanfällen bis hin zu schweren neurologischen Erkrankungen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen für den Verlust der Kontrolle über das Gehirn, beginnend mit Synkopen und endend mit Demenz und anderen neurologischen Erkrankungen, und zeigt mögliche Lösungsansätze auf.
Synkope: Kurze Ohnmacht durch Sauerstoffmangel
Eine Synkope, auch bekannt als Ohnmacht oder Kreislaufkollaps, ist ein plötzlicher, kurzzeitiger Bewusstseinsverlust, der durch eine vorübergehende Unterversorgung des Gehirns mit Blut und Sauerstoff verursacht wird. Betroffene erholen sich in der Regel schnell und vollständig. Jeder dritte bis vierte Mensch erlebt im Laufe seines Lebens eine Synkope, meist im Alter zwischen 10 und 30 Jahren. Ab dem 70. Lebensjahr steigt die Inzidenz wieder an.
Ursachen von Synkopen
Synkopen lassen sich in drei Hauptgruppen unterteilen:
- Neurogene Synkope (Reflexsynkope oder vasovagale Synkope): Dies ist die häufigste Form und wird durch eine Fehlfunktion des vegetativen Nervensystems verursacht. Auslöser können langes Stehen, starke Angst, Schmerz oder überfordernde Sinneseindrücke sein. Eine Sonderform ist das Karotis-Sinus-Syndrom, bei dem Druck auf die Halsschlagader die Synkope auslöst. Eine weitere Form ist die situative Synkope, die in bestimmten Situationen wie Husten, Lachen, Niesen oder Stuhlgang auftritt.
- Orthostatische Hypotonie: Diese Form entsteht durch einen plötzlichen Blutdruckabfall beim Aufstehen, wodurch das Gehirn kurzzeitig nicht ausreichend mit Blut versorgt wird. Auslöser können Medikamente, Grunderkrankungen wie Parkinson oder Diabetes mellitus sein.
- Kardiogene Synkope: Hier ist eine Herzerkrankung die Ursache, meist Herzrhythmusstörungen oder Herzklappenfehler. Diese Form kann besonders bei körperlicher Belastung auftreten und ist potenziell lebensbedrohlich.
Erste Hilfe und Behandlung bei Synkopen
Wenn jemand das Bewusstsein verliert, sollte man Ruhe bewahren und den Betroffenen flach auf den Rücken legen und die Beine hochlagern. Kontrollieren Sie die Atmung! Atmet die Person, bringen Sie sie in die stabile Seitenlage und rufen Sie einen Notarzt. Ist keine Atmung feststellbar, beginnen Sie mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung.
Nach einer Synkope ist eine ärztliche Untersuchung ratsam, um die Ursache abzuklären. Je nach Ursache können spezielle Behandlungen wie ein Herzschrittmacher oder eine Katheterablation erforderlich sein. Werden Synkopen durch Medikamente ausgelöst, sollte man mit dem Arzt über Alternativen sprechen.
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Selbsthilfe bei Synkopen
Nach ärztlicher Abklärung harmloser Synkopen können folgende Maßnahmen helfen, Ohnmachtsanfällen vorzubeugen:
- Bei Anzeichen einer Ohnmacht die Hände aneinanderdrücken oder die Beine kreuzen.
- Sich flach auf den Rücken legen und die Beine hochlagern.
- Stützstrumpfhosen oder Kompressionsbinden tragen.
- Langsam aufstehen und vor dem Aufstehen ein Glas Wasser trinken.
- Mit erhöhtem Oberkörper schlafen.
- Saunen und heiße Bäder/Duschen meiden.
- Auf eine angemessene Trinkmenge und Natriumchloridzufuhr achten.
- Häufiger kleine Mahlzeiten essen.
Epileptische Anfälle: Unkontrollierte Entladungen im Gehirn
Ein Krampfanfall, auch epileptischer Anfall genannt, entsteht durch unkontrollierte, plötzliche elektrische Entladungen von Nervenzellen im Gehirn. Dies führt zu vorübergehendem Verlust der Kontrolle über Körper und/oder Bewusstsein. Die Symptome können vielfältig sein und reichen von Zuckungen einzelner Muskelgruppen bis hin zuGeneralisierten Krämpfen des ganzen Körpers.
Ursachen und Arten von Anfällen
Jede Schädigung des Hirngewebes kann zu einem Krampf führen. Bei Säuglingen und Kleinkindern sind Fieberkrämpfe häufig. Prinzipiell kann ein epileptischer Anfall oder eine Epilepsie in jedem Lebensalter auftreten. Manchmal bleibt die Ursache unbekannt.
Es gibt verschiedene Arten von Anfällen:
- Fokale Anfälle: Die Störung befindet sich in einem kleinen Bereich einer Hirnhälfte.
- Generalisierte Anfälle: Sie können sich als kurze "Aussetzer" (Absencen) oder als längere Ohnmacht mit Verkrampfung des ganzen Körpers äußern. Am häufigsten ist der tonisch-klonische Anfall.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose erfolgt durch Befragung des Patienten, körperliche Untersuchung und ein Elektroenzephalogramm (EEG), das die Hirnströme misst. Weitere Untersuchungen wie Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) können weitere neurologische Veränderungen im Gehirn darstellen.
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Die Behandlung von Epilepsie erfolgt in der Regel medikamentös.
Demenz: Fortschreitender Verlust geistiger Fähigkeiten
Demenz ist ein Sammelbegriff für verschiedene Krankheitsbilder, die mit einem fortschreitenden Verlust geistiger Fähigkeiten einhergehen. Dazu zählen Beeinträchtigungen des Gedächtnisses, der Sprache, der Orientierung sowie des Denkens und der Alltagsbewältigung. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form der Demenz.
Formen von Demenz
Es gibt über 50 unterschiedliche Erkrankungsformen von Demenz, darunter:
- Alzheimer-Demenz: Verlust von Nervenzellen in Bereichen für Gedächtnis, Sprache und Denken.
- Vaskuläre Demenz: Durchblutungsstörungen im Gehirn und damit verbundene Schädigung von Nervenzellen.
- Lewy-Body-Demenz: Ablagerungen von Lewy-Körperchen in den Nervenzellen des Gehirns.
- Parkinson-Demenz: Tritt bei etwa 30-40% aller Parkinson-Erkrankten im Verlauf auf.
- Frontotemporale Demenz: Betroffen ist die Gehirnregion hinter der Stirn und den Schläfen.
- Chronisch traumatische Enzephalopatie: Verursacht durch häufige Kopfverletzungen.
Ursachen von Demenz
Die Ursachen sind ebenso verschieden wie die Formen der Demenz. Bei der Alzheimer-Krankheit sterben nach und nach Nervenzellen im Gehirn ab, wobei Eiweißablagerungen (Beta-Amyloid und Tau-Proteine) die Zellkommunikation stören. Bei der vaskulären Demenz sind Durchblutungsstörungen im Gehirn die Ursache. Bei der frontotemporalen Demenz sterben Nervenzellen im Stirn- und Schläfenlappen des Gehirns ab.
Risikofaktoren für Demenz
Es gibt eine Reihe von Risikofaktoren, die die Entstehung einer Demenz begünstigen können. Einige davon sind nicht beeinflussbar (Alter, genetische Veranlagung, Geschlecht), andere lassen sich gezielt verändern:
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- Geringe Bildung
- Hörminderung
- Erhöhter Cholesterinspiegel
- Depression
- Häufige Kopfverletzungen oder Erschütterungen
- Bewegungsmangel
- Diabetes Typ 2
- Rauchen
- Bluthochdruck
- Starkes Übergewicht
- Übermäßiger Alkoholkonsum
- Soziale Isolation
Vorbeugung und Behandlung von Demenz
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass weltweit bis zu 45 Prozent aller Demenzerkrankungen verhindert oder zumindest hinausgezögert werden könnten, wenn diese veränderbaren Risikofaktoren frühzeitig erkannt und reduziert würden.
Die Behandlung von Demenz zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. Medikamente können bei einigen Formen von Demenz eingesetzt werden, um die kognitiven Funktionen zu verbessern. Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie können helfen, die Selbstständigkeit und Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten.
Chorea Huntington: Eine vererbbare Erkrankung des Gehirns
Chorea Huntington, auch Huntington-Krankheit genannt, ist eine seltene, vererbbare Erkrankung des Gehirns, die durch unwillkürliche Bewegungen (Chorea), psychische Störungen und den Verlust geistiger Fähigkeiten gekennzeichnet ist.
Symptome von Chorea Huntington
Erste Symptome zeigen sich meist im Alter von 35 bis 50 Jahren, seltener auch schon früher oder später. Die Erkrankung beginnt oft mit unspezifischen Symptomen wie Verhaltensauffälligkeiten und psychischen Problemen. Typisch sind unwillkürliche Bewegungen von Kopf, Armen, Beinen und Rumpf, sowie Tic-artige Muskelzuckungen. Im weiteren Verlauf kommt es zu Schluckbeschwerden, Sprachstörungen und dem Verlust geistiger Fähigkeiten.
Ursache von Chorea Huntington
Ursache der Erkrankung ist ein Gendefekt auf Chromosom Nummer vier. Hier gibt es einen Bereich, in dem sich die DNA-Bausteine CAG mehrfach wiederholen. Ab zirka 36 Wiederholungen bricht die Krankheit aus. Der verlängerte DNA-Abschnitt führt dazu, dass ein Eiweißstoff namens Huntingtin nicht korrekt hergestellt wird. Die veränderte Form ist giftig und führt dazu, dass Nervenzellen absterben.
Behandlung von Chorea Huntington
Bislang ist Chorea Huntington noch nicht heilbar. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Medikamente können helfen, die unwillkürlichen Bewegungen zu kontrollieren und psychische Probleme zu behandeln. Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie können die motorischen und sprachlichen Fähigkeiten erhalten.
Gedächtnisverlust: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten
Gedächtnisverlust bezieht sich auf den Verlust der Fähigkeit, neue Informationen zu speichern und vergangene Ereignisse abzurufen. Es ist wichtig, zwischen normaler Vergesslichkeit und Gedächtnisverlust zu unterscheiden. Normale Vergesslichkeit ist gelegentlich und beeinträchtigt nicht die grundlegende Fähigkeit, sich an wichtige Informationen zu erinnern. Gedächtnisverlust hingegen ist ein kontinuierlicher oder fortschreitender Verlust der Fähigkeit, Informationen abzuspeichern oder sich an wichtige Ereignisse zu erinnern.
Hauptursachen für Gedächtnisverlust
- Natürlicher Alterungsprozess: Mit zunehmendem Alter nimmt die Leistungsfähigkeit des Gehirns allmählich ab.
- Neurodegenerative Erkrankungen: Alzheimer und Demenz sind häufige Ursachen für Gedächtnisverlust.
- Traumatische Hirnverletzungen: Eine Kopfverletzung kann zu vorübergehendem oder dauerhaftem Gedächtnisverlust führen.
- Schlaganfälle: Ein Schlaganfall kann zu Schäden an den Hirnzellen führen und Gedächtnisverlust verursachen.
- Medizinische Zustände: Schilddrüsenstörungen, Vitamin-B12-Mangel, Infektionen des Gehirns oder Hirntumore können Gedächtnisverlust verursachen.
- Medikamente und Substanzen: Einige Medikamente oder der Missbrauch von Substanzen können zu Gedächtnisverlust führen.
Arten und Symptome von Gedächtnisverlust
- Kurzzeitige Gedächtnislücken: Vorübergehende Vergesslichkeit im Alltag, wie das Vergessen von Namen oder Terminen.
- Langfristige Gedächtnisprobleme: Schwierigkeiten, sich an wichtige Ereignisse oder Informationen aus der Vergangenheit zu erinnern.
- Schwere Fälle von Gedächtnisverlust: In der Regel mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Demenz oder Alzheimer verbunden.
- Mild Cognitive Impairment (MCI): Gedächtnisprobleme, die über das normale Maß hinausgehen, aber nicht die Kriterien für eine Demenz erfüllen.
Möglichkeiten zur Behandlung und Verbesserung des Gedächtnisses
- Medikamentöse Ansätze: Cholinesterasehemmer, Memantin, Antidepressiva, Antioxidantien und entzündungshemmende Medikamente können bei einigen Formen von Gedächtnisverlust eingesetzt werden.
- Nicht-medikamentöse Behandlungsmethoden: Kognitive Stimulation, Gedächtnistraining, körperliche Aktivität, gesunde Ernährung, soziale Interaktion und Stressmanagement können helfen, das Gedächtnis zu verbessern.
Dissoziative Anfälle: Verlust der Kontrolle ohne organische Ursache
Dissoziative Anfälle sind plötzliche Bewegungsstörungen oder Bewusstseinsveränderungen ohne eine organische Ursache im Gehirn. Sie zählen zu den sogenannten funktionellen Störungen und sind meist Folge unbewusster seelischer Belastung.
Symptome von Dissoziativen Anfällen
Typisch ist ein plötzlicher Kontrollverlust über den Körper, der sich in Zuckungen, Verkrampfungen oder einem Ohnmachtsanfall äußern kann. Anders als bei Epilepsie fehlt jedoch eine krankhafte elektrische Entladung im Gehirn.
Diagnose und Behandlung von Dissoziativen Anfällen
Die Diagnose stützt sich auf das typische Erscheinungsbild der Anfälle. Zentral ist eine individuell angepasste Psychotherapie. Jeder zweite Betroffene wird mit Therapie anfallsfrei - früh beginnen lohnt sich!