Die Japanische Enzephalitis (JE) ist eine durch Viren verursachte Infektionskrankheit, die durch Stechmücken übertragen wird. Das Japanische Enzephalitis-Virus (JEV), ein RNA-Virus aus der Gattung der Flaviviren, ist der Hauptverursacher dieser Erkrankung. Die Krankheit kann zu schweren Hirn- und Hirnhautentzündungen führen, wobei die Sterblichkeit hoch ist und häufig bleibende Schäden zurückbleiben. Obwohl die Japanische Enzephalitis hierzulande wenig bekannt ist, ist sie in Ost- und Südostasien weit verbreitet und stellt eine erhebliche Gesundheitsgefahr dar.
Verbreitung der Japanischen Enzephalitis
Die Japanische Enzephalitis kommt in einer Reihe asiatischer Länder und gelegentlich im nördlichen Queensland, Australien, vor. Das Virus ist vor allem in ländlichen Gebieten beheimatet, aber aufgrund der Zunahme von Schweinezuchten auch außerhalb des ländlichen Gebiets wurde in den vergangenen Jahren in vielen asiatischen Ländern ein erhöhtes Infektionsrisiko in vorstädtischen Gebieten festgestellt. Aktuelle Verbreitungsgebiete erstrecken sich von China und Japan im Norden und Osten bis nach Indien und Pakistan im Westen bzw. bis zur Nordspitze Australiens im Süden.
Die Hauptsaison der Übertragung ist von Region zu Region unterschiedlich:
- In tropischen und subtropischen Gebieten hauptsächlich während der Regenzeit.
- In gemäßigten Regionen während des Sommers.
- In Japan dauert die JE-Saison von Juni/Juli bis Oktober/November.
- In Südkorea von Mai bis November.
- In Thailand und Vietnam von April bis Oktober bzw. November.
Übertragung und Risikofaktoren
Das Japanische-Enzephalitis-Virus wird über dämmerungs- und nachtaktive Stechmücken, vor allem der Gattung Culex, von Schweinen und Wildvögeln auf den Menschen übertragen. Die Mücken sind vor allem nachts, hauptsächlich kurz nach Sonnenuntergang und erneut nach Mitternacht aktiv, aber Übertragungen sind auch am Tag möglich. Entscheidend für eine Übertragung ist das Vorhandensein von Reservoirwirten (Schweine) und Brutstätten von Moskitos (Reisfelder).
Risikofaktoren für eine JEV-Infektion sind:
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- Reisen während der Übertragungszeit.
- Aufenthalt in ländlichen Gebieten bzw. Stadtrandgebieten Südostasiens.
- Kumulativer oder langer Aufenthalt im asiatischen Raum.
Symptome und Krankheitsverlauf
Die Inkubationszeit beträgt 5 bis 15 Tage. Die meisten Infizierten (ca. 99 Prozent der Fälle) zeigen keine oder nur sehr leichte Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Bei etwa einem Prozent der Infizierten verläuft die Krankheit jedoch schwer unter dem Krankheitsbild einer Gehirnentzündung (Enzephalitis).
Milde Infektionen sind durch febrile Kopfschmerzen oder aseptische Meningitis charakterisiert. In schweren Fällen tritt die Krankheit plötzlich auf und schreitet schnell voran mit Kopfschmerzen, hohem Fieber und Anzeichen für eine Meningitis. Innerhalb von drei bis vier Tagen können sich Bewusstlosigkeit, Lähmungen und Krämpfe entwickeln.
Neurologische Symptome können sein:
- Enzephalitis
- Meningismus (Auftreten mehrerer Symptome wie Nackensteifigkeit, Kopfschmerzen, Photophobie, Phonophobie, Übelkeit und Erbrechen)
- Verwirrtheit
- Verhaltensänderungen
- Schlaffe Paresen (Lähmungen)
- Parkinsonoide Bewegungsmuster
- Krampfanfälle
- Koma
- Guillain-Barré-Syndrom
Die Prognose der symptomatischen Fälle ist wie folgt:
- Bei 30 Prozent folgenlose Ausheilung
- Bei 30 - 50 Prozent bleibende neurologische Folgeschäden wie z. B. motorische, kognitive und/oder sprachliche Defizite
- Bei etwa 30 Prozent der Fälle: Tod
Bleibende neurologische Erkrankungen sind bei den Überlebenden häufig. Selbst bei lebenslang nachweisbaren Antikörpern ist ein lebenslanger Schutz nicht gesichert! Zu den Risikofaktoren für eine symptomatische Erkrankung und einen schweren Verlauf gehören z. B. höheres Alter, Schwangerschaft und fehlende Immunität, auch gegen andere Flaviviren. Kinder und ältere Menschen haben ein höheres Risiko, nach einer Infektion schwer zu erkranken.
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Diagnose
Die Verdachtsdiagnose kann bereits aus dem klinischen Bild gestellt werden. Die schwierigste Part bei der Diagnose der JE ist: daran denken! Die weiterführende Diagnostik umfasst Testungen von Blut und Hirnwasser sowie eine bildgebende Diagnostik mit CT oder MRT. Die klinische Präsentation der Patienten ist entscheidend. Im Labor können leichtgradige Anämie und Thrombozytopenie nachgewiesen werden.
Therapie
Es gibt keine spezifische antivirale Therapie. Die Behandlung konzentriert sich auf die Linderung der Symptome und die Unterstützung der Körperfunktionen.
Prävention
Abgesehen von dem Schutz vor Mückenstichen in der Dämmerung und nachts besteht die Möglichkeit, sich bei absehbarer Exposition gegen die Japanische Enzephalitis zu impfen. Allgemeine Maßnahmen zum Schutz vor Mückenstichen, wie sie auch in Malaria-Gebieten empfohlen werden, senken das Infektionsrisiko.
Mückenschutz
Da Japanische Enzephalitis durch Moskitos übertragen wird, ist es wichtig, sich vor Stichen zu schützen.
- Vermeidung von Moskito-Lebensräumen: Das Entfernen von stehendem Wasser, das als Brutstätte für Moskitos dienen kann, ist entscheidend.
- Schutz in der Nacht: Da die Übertragung von Japanischer Enzephalitis durch nachtaktive Moskitos erfolgt, ist der Schutz in der Nacht besonders wichtig.
- Man sollte sich so gut wie möglich vor Moskitostichen schützen.
Impfung
Die Impfung ist eine wirksame Methode, um sich vor dieser schweren Krankheit zu schützen. In Deutschland ist derzeit nur der Impfstoff Ixiaro® zugelassen. Das PEI listet die in Deutschland zugelassenen Japanische Enzephalitis-Impfstoffe.
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- Standard-Impfschema: Dieses Impfschema umfasst in der Regel zwei Dosen des Japanische Enzephalitis-Impfstoffs, die im Abstand von 28 Tagen verabreicht werden.
- Beschleunigtes Impfschema: In einigen Fällen kann ein beschleunigtes Impfschema angewendet werden, bei dem eine zusätzliche Dosis früher verabreicht wird, um einen schnelleren Schutz aufzubauen.
Die Impfung enthält abgeschwächte oder inaktivierte Viren, die eine Immunantwort im Körper auslösen, ohne die Krankheit selbst zu verursachen. Sie wird besonders Menschen empfohlen, die in endemischen Gebieten leben oder dorthin reisen. Die genauen Empfehlungen für das Impfschema können je nach Impfstoffmarke, Alter der geimpften Person, vorheriger Impfgeschichte und Reiseplänen variieren. Die Impfreihe sollte im Idealfall mindestens 1 Woche vor der möglichen Exposition abgeschlossen sein.
Ixiaro: 2 Grundimpfungen im Abstand von 28 Tagen. Eine gleichzeitige Impfung gegen Hepatitis A ist möglich, bei allen anderen Impfungen fehlen Erfahrungswerte, so dass ein Abstand von 4 Wochen eingehalten werden sollte. Ixiaro: Die Wirksamkeitsdauer ist noch unbekannt, insofern kann über die Notwendigkeit von Auffrischimpfungen keine Aussage getroffen werden. Exponierte Erwachsene sollten innerhalb des zweiten Jahres (d. h. innerhalb von 12-24 Monaten) eine Auffrischimpfung erhalten.
Die Grundimmunisierung besteht aus zwei Dosen im Abstand von 28 Tagen. Die Impfung verspricht Protektion. Die Grundimmunisierung besteht aus zwei Injektionen im Abstand von 7 oder 28 Tagen. Impfstoffe unterliegen in Europa sehr hohen Sicherheitsstandards und haben ein gutes Sicherheitsprofil, sie sind wirksam und gut verträglich. Impfreaktionen wie Rötung, Schwellung, Schmerz können auftreten, klingen aber in der Regel nach 1-3 Tagen vollständig ab. Selten/sehr selten sind unerwünschte Nebenwirkungen, welche auch schwerwiegend sein können.
In Deutschland steht ein Impfstoff zu Verfügung, der inaktivierte (abgetötete) Japanische-Enzephalitis-Viren enthält. Die Impfviren werden aus Zellkulturen gewonnen. Der JE-Impfstoff wird in der Regel in den Oberarmmuskel gespritzt. Der Impfstoff ist für Erwachsene, Jugendliche und auch für Kinder ab 2 Lebensmonaten zugelassen. Die Grundimmunisierung besteht aus zwei Injektionen in einem Mindestabstand von 4 Wochen, sie sollte mindestens 1 Woche vor einem möglichen Kontakt zu JE-Viren abgeschlossen sein.
Reiseberatung
Personen, die in Gebiete reisen, in denen Japanische Enzephalitis vorkommt, sollten sich vor Reiseantritt von einem Arzt beraten lassen. Für Ihre individuelle Beratung steht Ihnen online ein Fragebogen zur schriftlichen Reiseberatung (empfohlene Impfungen und Vorsorgemaßnahmen für Ihr Reiseziel) zur Verfügung. Eine kompetente reisemedizinische Beratung ist nicht trivial.
Bedeutung der Impfung
Die Impfung ist besonders wichtig für Reisende, die in endemische Gebiete reisen. In diesen Regionen ist das Risiko einer Infektion erhöht, insbesondere wenn man in Gegenden mit begrenzter medizinischer Versorgung unterwegs ist.
- Schutz vor schweren Krankheitsverläufen: Japanische Enzephalitis kann zu schweren neurologischen Komplikationen führen, darunter Gehirnentzündungen, Krampfanfälle und langfristige neurologische Schäden. Die Impfung reduziert das Risiko, an dieser potenziell lebensbedrohlichen Krankheit zu erkranken.
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