Die Japanische Enzephalitis ist eine von Viren ausgelöste Zoonose, die eine Entzündung des Gehirns verursachen kann. Sie wird durch Stechmücken übertragen und tritt hauptsächlich in den Endemiegebieten der asiatisch-pazifischen Region auf. Jedes Jahr versterben etwa 10.000 Menschen an dieser Krankheit, meistens handelt es sich hierbei um Kinder. Da es für diese Krankheit keine spezifische Behandlung gibt, ist eine Impfung bei Reisen in Risikogebiete sinnvoll. Gerade bei längeren oder wiederholten Aufenthalten wird die Impfung empfohlen.
Was ist Japanische Enzephalitis?
Die Japanische Enzephalitis ist eine Tropenerkrankung, die hauptsächlich in Ost- und Südostasien (Indien, China, Sri Lanka, Vietnam, Nepal, Philippinen und Nordthailand) vorkommt. Die Krankheit kann im Körper von Vögeln, Schweinen, Fledermäusen, Reptilien und Pferden entstehen. Überträger dieser Erkrankung sind in der Regel Stechmücken, vor allem der Gattung Culex, die dämmerungs- und nachtaktiv sind. Die Inkubationszeit beträgt 5 bis 15 Tage.
Bei den meisten Infizierten verläuft die Infektion mild und heilt komplikationslos ab. In einem von 250 Fällen entsteht jedoch die gefürchtete Enzephalitis (Gehirnentzündung). 5-10 Tage nach der Infektion kommt es zu plötzlichem Fieber und Schüttelfrost, Übelkeit, Erbrechen, Muskelschmerzen und Kopfschmerzen. Das Risiko, an dieser Erkrankung zu versterben, ist relativ hoch. Die Überlebenden eines schweren Verlaufs haben zudem fast immer mit deutlichen Langzeitschäden zu rechnen.
Impfstoffe gegen Japanische Enzephalitis
In Europa und den USA wird vor allem ein neuerer Totimpfstoff verwendet. Das Präparat mit dem Handelsnamen IXIARO gilt im Vergleich mit älteren Seren als besser verträglich, weil es weniger allergen ist. In Deutschland ist derzeit nur der Impfstoff Ixiaro® zugelassen. Dieser ist in den Verbreitungsgebieten der Japanischen Enzephalitis in Asien i.d.R. nicht verfügbar.
Ixiaro: Zusammensetzung und Anwendung
Ixiaro ist ein Impfstoff zur Vorbeugung gegen die Japanische Enzephalitis. Er enthält inaktiviertes Japanische-Enzephalitis-Virus (JE-Virus, Stamm SA14-14-2, 6 µg), Aluminiumhydroxid, Natriumchlorid, Phosphatpuffer und Wasser für Injektionszwecke.
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Der Impfstoff wird intramuskulär injiziert. Das Grundimmunisierungsschema umfasst zwei Dosen im Abstand von 28 Tagen. Ersatzweise kann der Abstand bei Personen im Alter von 28 bis 65 Jahren auch auf eine Woche verkürzt werden. Eine Auffrischimpfung kann nach ärztlicher Empfehlung erforderlich sein.
- Erwachsene: 2 Impfungen mit 0,5 ml Impfstoff im Abstand von 4 Wochen.
- Kinder im Alter zwischen 2 Monaten und 3 Jahren: 2 Impfstoffdosen mit 0,25 ml im Abstand von 4 Wochen, ab dem 3. Lebensjahr sind es 0,5 ml im Abstand von 4 Wochen.
Das RKI empfiehlt eine erste Auffrischung frühestens nach 12 Monaten, danach frühestens alle 10 Jahre.
Ixiaro muss im Kühlschrank bei 2-8 °C gelagert werden. Nicht einfrieren. Vor Licht schützen und außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.
Mögliche Nebenwirkungen
Zu den möglichen Nebenwirkungen von Ixiaro gehören:
- Sehr häufige Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Myalgie, Reaktionen an der Injektionsstelle wie Schmerzen und Druckgefühl, Müdigkeit.
- Häufige Nebenwirkungen: Nausea, grippeähnliche Beschwerden, Fieber, Reaktionen an der Injektionsstelle wie Rötung, Verhärtung, Schwellung und Juckreiz.
- Gelegentliche Nebenwirkungen: Lymphadenopathie, Vertigo, Migräne, Schwindelgefühl, Dyspnoe, Emesis, Diarrhoe, Abdominalschmerzen, Ausschlag, Pruritus, Hyperhidrose, muskuloskelettale Steifigkeit, Arthralgie, Schüttelfrost, Unwohlsein, Asthenie, erhöhte Leberenzymwerte.
- Seltene Nebenwirkungen: Thrombozytopenie, Parästhesie, Neuritis, Dysgeusie, Augenlidödem, Palpitationen, Tachykardie, Urtikaria, Erythem, Schmerzen in einer Extremität.
Bei Kindern wurden zusätzlich folgende Nebenwirkungen ohne Häufigkeitsangabe beobachtet: Lymphadenopathie, Inappetenz, Kopfschmerzen, Husten, Diarrhoe, Nausea und Emesis, Abdominalschmerzen, Hautausschlag, Myalgie, Fieber, grippale Symptome, erhöhte Reizbarkeit, Müdigkeit, Reaktionen und Symptome an der Injektionsstelle wie Rötungen, Schmerzen, Druckgefühl, Schwellungen, Verhärtungen und Pruritus, Anstieg der Leberenzymwerte.
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Schwere allergische Reaktionen treten selten auf.
Kontraindikationen
Ixiaro darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, sonstige Bestandteile oder gegen die herstellungsbedingten Verunreinigungen Protaminsulfat, Formaldehyd, Rinderserumalbumin, Wirtszell-DNA, Natriummetabisulfit und Wirtszellproteine.
- Überempfindlichkeitsreaktionen nach der ersten Impfung.
- Akute ernsthafte, fieberhafte Infektionen.
Der Impfstoff darf unter keinen Umständen intravaskulär verabreicht werden.
Impfempfehlungen der STIKO
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen Japanische Enzephalitis für:
- Säuglinge nach Vollendung des 2. Lebensmonats, Kinder, Jugendliche und Erwachsene
- Menschen, die mit vermehrungsfähigen JEV-Wildtypstämmen arbeiten, beispielsweise in Laboren.
- Urlauber und Reisende, insbesondere bei Aufenthalten in den Endemiegebieten Südostasiens, Indien, Korea, Japan, China und im West-Pazifik sowie Nordaustralien.
Die Reiseimpfung gegen die Japanische Enzephalitis kann bei Reisen nach Südostasien, Teilen von China, Indien, Korea und Japan sinnvoll sein. Sinnvoll erscheint die Impfung laut jüngsten Angaben der Ständigen Impfkommission vom August 2020 vor allem bei Aufenthalten in den Endemiegebieten Südostasiens, Indien, Korea, Japan, China und im West-Pazifik sowie Nordaustralien. Das Japanische-Enzephalitis-Virus wird über dämmerungs- und nachtaktive Stechmücken (vor allem der Gattung Culex) von Schweinen und Wildvögeln auf den Menschen übertragen. Die Inkubationszeit (= Zeit vom Mückenstich bis zum Erkrankungsbeginn) beträgt 5 bis 15 Tage. Die meisten Infizierten zeigen keine oder nur sehr leichte Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen.
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Wer eine Reise in Risikogebiete plant, sollte sechs Wochen vor Start mit den Impfungen beginnen und vorher die Kostenübernahme durch die Krankenkasse klären. Einige Krankenkassen übernehmen die Kosten.
Aktuelle Lieferengpässe
Für den Impfstoff Ixiaro gegen Japanische Enzephalitis gibt es einen Lieferengpass. Das hat die Ständige Impfkommission (STIKO) bekannt gegeben. Er soll voraussichtlich bis zum 30. November 2023 bestehen. Für den Impfstoff gibt es keine in Deutschland zugelassene Alternative.
Eine Abfrage in regionalen Apotheken könne klären, ob trotz des offiziell deklarierten Lieferengpasses gegebenenfalls regional noch Restbestände des Impfstoffs verfügbar seien. Bei Langzeitaufenthalten in Endemiegebieten könne „gegebenenfalls eine Impfung vor Ort erfolgen“.
Die STIKO warnt davor, dass in Australien und in einigen Ländern Asiens - wie etwa in Indonesien, Malaysia, Myanmar, Philippinen, Taiwan, Thailand, Singapur, Sri Lanka und Vietnam - auch ein Lebendimpfstoff vertrieben wird. Es seien die üblichen Kontraindikationen für Lebendimpfstoffe zu beachten.
Informationen des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI)
Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) veröffentlicht Informationen zu Lieferengpässen von Human-Impfstoffen, die zum Schutz vor Infektionskrankheiten (Prävention/Prophylaxe, Schutzimpfung) und/oder zur Behandlung von Infektionskrankheiten (u. a. Allergie) eingesetzt werden.
Die Übersichten enthalten keine Angaben zu Impfstoffen, die von Parallelvertreibern (meist unter gleichem Namen) auf den Markt gebracht werden. Das Paul-Ehrlich-Institut erhält ausschließlich Lieferengpassmeldungen von Zulassungsinhabern, die ihre Produkte in Deutschland vermarkten.
Auf der Basis der in der Apotheke festgestellten Versorgungslücke besteht jedoch für diese Impfstoffprodukte die Möglichkeit einer Apothekeneinfuhr gemäß § 73 Abs. 3 Satz 1 Var.
Im Fall eines Lieferengpasses gibt das Paul-Ehrlich-Institut verfügbare alternative Impfoptionen an und weist darauf hin, im Fall des Einsatzes alternativer Impfstoffe die Hinweise in der Fachinformation, z. B. zu unterschiedlichen Impfschemata, zu beachten.
Bedingt durch die Handelskette der Impfstoffe - vom Hersteller über den Großhandel bis hin zur Apotheke - kann auch ohne einen Lieferengpass in einzelnen Apotheken oder Regionen in Deutschland ein Impfstoff nicht vorhanden sein.
Weitere Informationen
- Die Arzneimittelliste des PEI enthält die Präparate, die eine gültige Zulassung besitzen. Aktualisierungen der Liste erfolgen zeitnah zum Erscheinen von Bekanntmachungen des Paul-Ehrlich-Instituts im Bundesanzeiger.
- Die Verdachtsdiagnose der Japanischen Enzephalitis kann bereits aus dem klinischen Bild gestellt werden. Die weiterführende Diagnostik umfasst Testungen von Blut und Hirnwasser sowie eine bildgebende Diagnostik mit CT oder MRT.
- Abgesehen von dem Schutz vor Mückenstichen in der Dämmerung und nachts besteht die Möglichkeit, sich bei absehbarer Exposition gegen die Japanische Enzephalitis zu impfen.
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