Japanische Akupunktur bei Migräne: Ein sanfter Weg zur Linderung

Migräne betrifft etwa 10 % der Bevölkerung, Tendenz steigend. Sie steht in engem Zusammenhang mit modernen Lebensweisen und veränderten Umweltbedingungen wie Stress, Fehlernährung, Schichtarbeit, Schlafmangel, Wetterfühligkeit und Umweltgiften, ergänzt durch genetische Veranlagung. Die japanische Akupunktur bietet hierbei einen sanften und vielversprechenden Therapieansatz.

Ursprünge und Grundlagen der japanischen Akupunktur

Die japanische Akupunktur hat ihre Wurzeln in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Ihr Ziel ist es, das Gleichgewicht im Körper wiederherzustellen und Blockaden zu lösen, die den Fluss der Lebensenergie „Qi“ behindern. Das „Qi“ fließt entlang bestimmter Leitbahnen im Körper, dem sogenannten Meridiansystem. Jeder Meridian ist einem Organ und einem Element in der klassischen TCM zugeordnet. Durch die Stimulation von Akupunkturpunkten entlang dieser Meridiane können Disharmonien aufgelöst werden.

Im Vergleich zur klassischen chinesischen Akupunktur, die häufig dickere Nadeln und einen stärkeren Reiz verwendet, geht die japanische Akupunktur einen feineren und sanfteren Weg.

Besonderheiten der japanischen Akupunktur

  • Feine Nadeln: Bei der japanischen Akupunktur werden ausschließlich sehr feine Nadeln in die Hautoberfläche gesetzt (teilweise nur 0,12 mm). Oft werden diese mit einem Führungsröhrchen eingeführt, was den Einstich nahezu schmerzfrei macht. Daher eignet sich diese Art der Akupunktur auch für sensible Patienten und sogar für Kinder (Shonishin-Methode).
  • Sanfte Stimulation: Es wird weniger manipuliert - der Körper wird eingeladen, nicht gedrängt.
  • Tastdiagnostik (Palpation): Eine wichtige Rolle spielt die Palpation, um energetische Spannungen und Disharmonien in den Leitbahnen oder im Puls spürbar zu machen. Das Augenmerk dieser Akupunktur liegt darin, was der Therapeut spürt.
  • Individualisierte Behandlung: Die Behandlung basiert auf einer sorgfältigen Anamnese und einer Bauchdiagnostik, bei der bestimmte Punkte untersucht werden. Durch diese Untersuchung ergibt sich ein Muster, das Aufschluss über den Zustand des Patienten gibt und körperliche Blockaden sichtbar macht.
  • Shonishin: Hier wird ganz ohne das Einstechen gearbeitet. Statt Nadeln kommen kleine stumpfe Instrumente zum Einsatz, mit denen bestimmte Punkte und Meridiane sanft gestrichen, geklopft oder gedrückt werden. Die Methode ist völlig schmerzfrei und eignet sich hervorragend für Säuglinge, Kleinkinder, Jugendliche und sensible Menschen.

Akupunktur bei Migräne: Wie kann sie helfen?

Viele Personen mit Migräne nehmen während der Kopfschmerz-Attacken wiederholt Medikamente ein. Die Hoffnung besteht bei der Akupunktur darin, dass Migräne oder andere Kopfschmerzen weniger häufig auftreten und die Schmerzintensität sinkt. Dadurch müssen im Idealfall auch weniger Arzneien eingenommen werden. Laut Experten ist genau das möglich.

Bereits in den 1990er Jahren wurde alternativ zu rein schmerzlindernden Medikamenten Akupunktur eingesetzt. Studien zeigten, dass durch die Anwendung von Akupunktur bei Migräne statistisch gesehen die Anfallshäufigkeit und Heftigkeit deutlich reduziert werden können.

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Wirkungsweise

Nach der chinesischen Philosophie ist Krankheit eine Störung im Fließen der Lebensenergie Qi in den Meridianen. Sinn der Akupunktur ist es, diese Energiezustände zu verändern bzw. zu harmonisieren. Die Stimulation durch die Nadeln soll den Körper in einen harmonischen Zustand versetzen - chinesische Gelehrte sprechen vom inneren Gleichgewicht Ying und Yang. Gestaute Energie wird wieder ins Fließen gebracht, was Überschüsse und Mängel ausgleicht.

Akupunktur wirkt dabei nicht durch Suggestion oder Placebo - sondern durch messbare Veränderungen im vegetativen Nervensystem, in der Durchblutung, im Hormonhaushalt und in der Schmerzwahrnehmung. Sie reguliert, balanciert, aktiviert. Und sie wirkt auf mehreren Ebenen: körperlich, emotional, energetisch.

Diagnose und Therapieansatz

Der Therapeut (Therapeutin) unterscheidet zwischen verschiedenen Schmerzqualitäten wie z. B. dumpfer, drückender Schmerz, stechender, die Seiten wechsender Schmerz und mithilfe der genauen Schmerzlokalisation kommt er/ sie zur Einordnung der jeweiligen Migräne aufgrund der die entsprechende Therapieform angewendet wird.

Beispielsweise weisen ein starker dumpfer Druck im gesamten Kopf oder auf einer Seite, Schweregefühl des Kopfes und das Gefühl, in einem Schraubstock gefangen zu sein mit Begleitsymptomen wie Völle, Übelkeit, Erbrechen, Schwindelgefühl, innere Unruhe auf eine Ursache der Milz-Qi-Leere hin: Fehlernährung, Übergriff von Holz (Leber/Galle) auf die Milz oder Kälte in der Niere und dadurch verminderte Milz-Funktion.

In der TCM gibt es sogenannte Funktionskreise, die verschiedenen Organen zugeordnet sind und den Körper teilweise oder ganz durchziehen. Der Therapeut macht sich im Idealfall erst einmal ein genaues Bild der Erkrankung. Er prüft dabei, an welchen Energiebahnen seines Patienten er Blockaden erkennen kann und setzt dementsprechend die Nadeln an verschiedene Punkte. Häufig sind beispielsweise die Gallen- oder Leberleitbahnen betroffen.

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Akupunkturpunkte bei Migräne

Welche Akupunkturpunkte bei Migräne gewählt werden, ist unterschiedlich. In der folgenden Abbildung siehst du Stellen, an denen Nadeln bei Migräne gestochen werden können - das betrifft immer beide Körperseiten, da die Akupunkturpunkte symmetrisch auftreten.

Weitere Behandlungsmethoden

Der Akupunkteur kann die Methode auch etwas abwandeln:

  • Wärme: Mithilfe eines chinesischen Heilkrauts, das zu einer Zigarre gepresst wurde, wird die Akupunkturnadel erwärmt.
  • Strom: Der Therapeut verbindet die eingestochene Akupunkturnadel mit einem Stimulationsgerät und reizt mit geringer Stromstärke.
  • Druck: Als Ergänzung oder Unterstützung bieten viele Akupunkteure auch eine Massage der Akupunkturpunkte an, um die Energie zum Fließen zu bringen.

In China liegt das Hauptgewicht generell meist auf der Kräutertherapie, insbesondere bei chronischen und inneren Störungen. Daher kommt es häufig zu einer Kombination aus Akupunktur und Kräutertherapie. Auch bei rheumatischen Erkrankungen können Kräuter helfen, um zusätzlich innerlich auf die Beschwerden einzuwirken.

Als Unterstützung für alle Typen haben sich Dauernadeln oder Akupunkturimplantate bewährt. Unterstützend empfiehlt sich der Verzicht auf „Schleimbildner“.

Yamamoto Neue Schädelakupunktur (YNSA)

Ein besonderer Schwerpunkt ist die Yamamoto Neue Schädelakupunktur (YNSA). Diese moderne Form der Akupunktur wurde vom japanischen Arzt Dr. Toshikatsu Yamamoto entwickelt und konzentriert sich auf diagnostisch und therapeutisch relevante Punkte am Schädel. Sie findet insbesondere Anwendung bei akuten und chronischen Schmerzen, neurologischen Beschwerden (z. B. nach Schlaganfall) und funktionellen Störungen. Vorteil dieser Methode ist eine schnelle Besserung der Beschwerden bei Verwendung von nur wenigen Nadeln. Voraussetzung ist eine ausführliche Schmerzanalyse des Patienten.

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Diese Art der Akupunktur wird nach einer speziellen Bauchdeckendiagnostik bzw. Halsdiagnostik bei vielen orthopädischen und neurologischen Erkrankungen angewandt.

Ohrakupunktur

Die Ohrakupunktur ist eine wirkungsvolle Methode, akute und chronische Erkrankungen ohne Nebenwirkungen zu behandeln. Hauptindikation ist die Schmerztherapie, doch lassen sich ebenso eine Vielzahl funktioneller, organischer und psychogener Störungen behandeln. Der französische Arzt Dr. Paul Nogier konnte nachweisen, dass alle Organe des Körpers als Reflexzonen am Ohr repräsentiert sind.

Vor- und Nachteile der Akupunktur bei Migräne

Vorteile

  • Geringe Nebenwirkungen: Akupunktur kann eine wirksame Möglichkeit sein, Migräne vorzubeugen. Vorteil ist, dass du nicht mit Nebenwirkungen zu rechnen brauchst.
  • Individuelle Anpassung: Die Behandlung wird individuell angepasst - nicht nach Schema F durchgeführt.
  • Ganzheitlicher Ansatz: Akupunktur wirkt auf mehreren Ebenen: körperlich, emotional, energetisch.
  • Sanfte Methode: Die japanische Akupunktur ist besonders sanft und schmerzarm.

Nachteile

  • Nicht für jeden geeignet: Der Nachteil der Akupunktur besteht darin, dass sie nicht bei jedem Patienten anschlägt. Zudem bezweifeln einige Experten, dass sie wirklich einen Effekt hat.
  • Keine Akutbehandlung: Im Akutfall, also während einer Migräne-Attacke, kann sie nicht helfen.
  • Kosten: Akupunktur gegen Migräne oder spannungsbedingte Kopfschmerzen wird derzeit nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.
  • Wirksamkeit: Es gilt als wissenschaftlich gesichert, dass Akupunktur einen Nutzen in der Prophylaxe der episodischen Migräne bringt. Dieser Erfolg stellt sich auch dann ein, wenn Migräne-Patienten gar nicht mit der traditionellen chinesischen Akupunktur behandelt werden, sondern mit einer Scheinakupunktur. Ob die Akupunktur auch bei chronischer Migräne hilft, ist wissenschaftlich noch nicht ausreichend untersucht. Auch gibt es Hinweise darauf, dass die Akupunktur nur Menschen hilft, die ihr grundsätzlich positiv gegenüberstehen.

Was ist vor einer Akupunkturbehandlung zu beachten?

Bevor du einen Akupunkteur aufsuchst, solltest du folgende Dinge klären:

  • Diagnose: Du hast die Bestätigung, dass du an Migräne oder Spannungskopfschmerzen leidest, von einem Arzt erhalten. Das ist wichtig, denn wenn du beispielsweise Cluster-Kopfschmerzen hast, kann eine Akupunktur sogar auslösend wirken.
  • Innere Haltung: Am besten ist es, du glaubst an die Effekte einer Akupunktur. Wenn du hingegen der Meinung bist, dass es sowieso nichts bringt, wird sich eventuell kein Erfolg einstellen.
  • Experten finden: Bei der Akupunktur kann viel falsch gemacht werden. Such dir daher einen Fachmann, der sich mit TCM nachweislich auskennt, also eine Weiterbildung oder ein Diplom vorweisen kann. Für dich als Laie ist es schwer nachvollziehbar, ob du wirklich richtig akupunktiert wirst.
  • Kostenübernahme: Eine Akupunktur gegen Migräne und spannungsbedingte Kopfschmerzen übernehmen Krankenkassen nur in Ausnahmefällen.

Woran erkennt man einen gut ausgebildeten Akupunkteur?

  • Er oder sie stellt Fragen - zur Symptomatik, Temperaturempfinden, Schlaf, Emotionen, Verdauung, Energie, Zyklus etc.
  • Es wird Puls und Zunge diagnostiziert - nicht nur gefragt, wo es weh tut.
  • Die Behandlung wird individuell angepasst - nicht nach Schema F durchgeführt.
  • Der Therapeut kann erklären, was er tut - und warum.

Kosten und Dauer der Akupunktur bei Migräne

Personen mit Migräne müssen die Kosten je Sitzung von 30 bis 70 Euro also in der Regel selbst bezahlen.

Bei der Akupunktur der Migräne wird üblicherweise zwei Mal pro Woche für 20 bis 30 Minuten therapiert. Im Durchschnitt stellen sich die ersten Erfolge nach circa sieben bis acht Sitzungen ein.

Sollten nach einem Behandlungszyklus kaum Verbesserungen eingetreten sein, kann ein weiterer Zyklus folgen. Bei erfolgreicher Akupunktur empfehlen Therapeuten, nach einigen Monaten mit wenigen Sitzungen aufzufrischen.

Was ist nach der Akupunkturbehandlung zu beachten?

Wichtig: Die Nadeln sollten während der Anwendung nicht stören, sodass der Patient voll entspannen kann. Probier einfach aus, ob die Akupunktur dir gut tut.

Fazit

Die japanische Akupunktur bietet einen sanften und individualisierten Ansatz zur Behandlung von Migräne. Obwohl die Kosten in der Regel selbst getragen werden müssen und die Wirksamkeit gegenüber einer Scheinakupunktur nicht immer eindeutig belegt ist, berichten viele Patienten von einer deutlichen Linderung ihrer Beschwerden. Wenn du unter Migräne leidest und nach einer nebenwirkungsarmen Alternative suchst, kann die japanische Akupunktur eine wertvolle Option sein. Wichtig ist, einen gut ausgebildeten Therapeuten zu finden und sich auf die Behandlung einzulassen.

Akupunktur als Teil eines ganzheitlichen Ansatzes

Akupunktur ist kein Allheilmittel, aber ein erstaunlich vielseitiges Werkzeug. Sie kann genau hier ansetzen - mit Respekt, Geduld und Klarheit.

Die Akupunktur ist ein circa 4.000 Jahre altes Verfahren aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), welches bei verschiedenen Beschwerden eingesetzt wird. Das Grundprinzip beruht auf der Vorstellung, dass sich durch das Einstechen der winzigen Nadeln der gestörte Energiefluss im Körper normalisiert.

Neben der Akupunktur sollten Betroffene auch auf einen gesunden Lebensstil achten, Stress reduzieren und Triggerfaktoren meiden.

Wichtiger Hinweis

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für Akupunktur aktuell nur bei chronischen Schmerzen der Lendenwirbelsäule oder bei Kniearthrose, und dies nur nach einer mindestens sechsmonatigen konservativen Vorbehandlung. Für Fragen zur Anwendung oder den Kosten solltest du dich individuell beraten lassen.

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