John Eccles: Wie das Selbst sein Gehirn steuert

John Eccles, ein australischer Neurophysiologe und Nobelpreisträger, wagte es, die etablierte materialistische Sichtweise des Gehirn-Geist-Problems herauszufordern. Entgegen der Vorstellung, dass das Gehirn der alleinige Herrscher über den Geist sei, lieferte Eccles neurophysiologische Beweise für die Existenz eines Bewusstseins, das unabhängig von der Gehirnmasse agiert und diese steuern kann. Dieser Artikel beleuchtet Eccles' wissenschaftlichen Werdegang, seine bahnbrechenden Entdeckungen und seine umstrittene Theorie des interaktionistischen Dualismus.

Der Wendepunkt: Von der elektrischen zur chemischen Synapse

In den 1940er Jahren befand sich Eccles in einer wissenschaftlichen Krise. Er war fest davon überzeugt, dass die Kommunikation zwischen Nervenzellen rein elektrisch erfolgt. Seine Theorie basierte auf der Vorstellung, dass Aktionspotentiale in Neuronen an den Synapsen, den Kontaktstellen zwischen den Zellen, einen elektrischen Strom erzeugen, der auf die nächste Zelle überspringt.

Diese Theorie schien schlüssig, doch die experimentellen Ergebnisse widersprachen ihr. Stattdessen deuteten immer mehr Anzeichen darauf hin, dass Botenstoffe in den Synapsen eine entscheidende Rolle spielen, dass die Signalübertragung also chemisch erfolgt. Bereits 1936 hatten Henry Dale und Otto Loewi den Nobelpreis für ihre Entdeckung erhalten, dass Nerven Muskeln reizen, indem sie die Chemikalie Acetylcholin ausschütten. Eccles argumentierte jedoch, dass die Übertragung zwischen Nervenzellen im Gehirn und Rückenmark zu schnell sei, um ebenfalls chemischer Natur zu sein.

Der Streit zwischen den Anhängern der elektrischen und der chemischen Übertragung wurde heftig geführt. Eccles geriet zunehmend in die Defensive und verlor den Mut. Der Wendepunkt kam 1946 mit der Begegnung mit dem Philosophen Karl Popper.

Karl Popper und die wissenschaftliche Methode

Popper, der kurz vor dem Anschluss Österreichs an Nazideutschland nach Neuseeland emigriert war, lehrte Eccles eine neue Sichtweise auf die Wissenschaft. Popper betonte, dass die größte Stärke der wissenschaftlichen Methode in ihrer Fähigkeit liegt, Hypothesen zu widerlegen. Eine Hypothese endgültig zu bestätigen, sei hingegen unmöglich.

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Eccles erkannte, dass seine Interpretationen seiner Forschungsergebnisse umstritten waren, nicht aber die Ergebnisse selbst. Er nahm Poppers Ratschlag an und formulierte seine elektrische Hypothese klar, um sie rigoros zu überprüfen.

Am 20. August 1951 führten Eccles und seine Kollegen ein entscheidendes Experiment durch. Sie maßen zum ersten Mal überhaupt das elektrische Potenzial innerhalb einer Zelle des zentralen Nervensystems. Entgegen Eccles' Hypothese war das Membranpotenzial negativ.

"Wir waren kurzzeitig fassungslos", schrieb Eccles später. Doch nach dem ersten Schock erkannten die Forscher, dass dieses Ergebnis die synaptische Hemmung chemisch vermittelt. Eccles revidierte seine Theorie und wurde ein Verfechter der chemischen Signalübertragung.

Die Entdeckung der synaptischen Übertragung und der Nobelpreis

Eccles' Forschung trug maßgeblich zum Verständnis der synaptischen Übertragung bei. Er entdeckte, dass Nervenzellen bei der Erregung Botenstoffe wie Acetylcholin ausschütten, die an die Rezeptoren der Nachbarzelle binden. Dadurch öffnen sich Kanäle in der Zellmembran, und Ionen strömen in die Zelle oder aus ihr heraus, wodurch sich die Spannung in der nachgeschalteten Zelle ändert und das Signal übertragen wird.

Eccles identifizierte zwei Arten von Synapsen: erregende und hemmende. Erregende Potenziale erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass ein Aktionspotenzial ausgelöst wird, während hemmende Potenziale diese Wahrscheinlichkeit senken.

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Für seine Entdeckungen zur synaptischen Übertragung erhielt Eccles 1963 zusammen mit Alan Lloyd Hodgkin und Andrew Fielding Huxley den Nobelpreis für Medizin oder Physiologie.

Das Leib-Seele-Problem und der interaktionistische Dualismus

Eccles' wissenschaftliches Interesse war eng mit seinem philosophischen Interesse am Leib-Seele-Problem verbunden. Er glaubte an einen immateriellen Geist, ein Selbst, das unabhängig vom Gehirn existiert. Diese Vorstellung stand im Widerspruch zur materialistischen Sichtweise, die in naturwissenschaftlichen Kreisen vorherrschte.

Gemeinsam mit Karl Popper entwickelte Eccles eine Variante des interaktionistischen Dualismus. Sie teilten die Welt in drei Bereiche ein: die physische Welt (einschließlich des Gehirns), die Welt des Bewusstseins und die Welt der kulturellen Gegenstände. Diese Bereiche seien zwar unabhängig voneinander, könnten aber kausal aufeinander einwirken.

Nach Eccles' Theorie interagiert der immaterielle Geist mit dem Gehirn, ohne jedoch den Energieerhaltungssatz zu verletzen. In seinem letzten Buch "Wie das Selbst sein Gehirn steuert" argumentierte er, dass kleinste mentale Einheiten, sogenannte Psychone, quantenphysikalisch die Wahrscheinlichkeit des Feuerns einzelner Neurone erhöhen.

Kritik und Vermächtnis

Eccles' Theorie des interaktionistischen Dualismus wurde von vielen Neurowissenschaftlern und Philosophen abgelehnt. Sie wird oft als Beispiel dafür gesehen, wie religiöse Überzeugungen das Denken von Hirnforschern beeinflussen können.

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Trotz der Kritik bleibt Eccles' Beitrag zur Neurowissenschaft unbestritten. Seine Entdeckungen zur synaptischen Übertragung haben unser Verständnis des Gehirns grundlegend verändert. Darüber hinaus hat er mit seiner Auseinandersetzung mit dem Leib-Seele-Problem wichtige Impulse für die philosophische Diskussion gegeben.

Eccles' frühes Leben und Ausbildung

John Carew Eccles wurde am 27. Januar 1903 in Melbourne geboren. Schon früh zeigte er ein großes wissenschaftliches Interesse. In seinem Buch "Das Ich und sein Gehirn" erinnerte er sich an ein Gefühl der Einzigartigkeit, das ihn mit 18 Jahren ergriff. Er staunte über sein eigenes Gehirn und dessen Fähigkeit, Gedanken und Gefühle hervorzubringen.

Eccles studierte Medizin und las grundlegende Werke wie Darwins "Über die Entstehung der Arten" sowie philosophische Schriften. Er suchte nach Antworten auf die Frage, wie das materielle Gehirn und der spirituelle Geist zusammenhängen. Da er feststellte, wie wenig man über das Gehirn wusste, entschied er sich, Neurowissenschaftler zu werden.

Er setzte seine Studien in Oxford fort, wo er mit Charles Scott Sherrington zusammenarbeitete. Sein philosophisches und wissenschaftliches Interesse am Verhältnis von Gehirn und Geist ließ ihn nicht los.

Eccles' spirituelle Überzeugungen und das Leben nach dem Tod

Eccles war ein gläubiger und spiritueller Mensch, der an eine göttliche Vorsehung glaubte. Auf der Grundlage seiner Idee eines immateriellen Geistes hoffte er auch auf ein Leben nach dem Tod. Er starb im Jahr 1997. Ob seine Seele in diesem Sinne weiterlebt, bleibt dem Glauben des Lesers überlassen.

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