John Wayne Gacy: Einblicke in die Psyche eines Serienmörders

John Wayne Gacy Jr., geboren am 17. März 1942 in Chicago, Illinois, wuchs in einer Familie auf, die von Konflikten geprägt war. Seine Kindheit und Jugend, obwohl nach außen hin bürgerlich, bargen dunkle Schatten, die möglicherweise seinen späteren Werdegang beeinflussten. Dieser Artikel beleuchtet Gacys frühes Leben, die medizinischen Probleme, mit denen er zu kämpfen hatte, und die forensischen Untersuchungen seines Gehirns nach seiner Hinrichtung, um ein umfassendes Bild dieses komplexen und verstörenden Falls zu zeichnen.

Kindheit und Jugend: Prägende Erfahrungen

Gacys Verhältnis zu seiner Mutter war eng und vertraut, während seine Beziehung zu seinem Vater, John Wayne Gacy Sr., von Gewalt und emotionalem Missbrauch geprägt war. Der Vater, ein Alkoholiker, soll Frau und Kinder regelmäßig geschlagen haben. Trotz der Misshandlungen liebte Gacy seinen Vater abgöttisch. Eine frühe Erinnerung Gacys war eine Züchtigung mit einem Ledergürtel, weil er als Vierjähriger in der Garage Ersatzteile durcheinandergebracht hatte. Der Vater schlug und schrie ihn ohne ersichtlichen Grund an.

Mit sechs Jahren stahl Gacy ein Spielzeugauto, woraufhin seine Mutter ihn zwang, sich beim Ladeninhaber zu entschuldigen. Nach dieser Begebenheit beschimpfte ihn sein Vater als "Schwuchtel" und "Muttersöhnchen" und prophezeite ihm eine homosexuelle Zukunft. Als Gacy sieben Jahre alt war, wurde er von einem Freund des Vaters sexuell missbraucht, nachdem er mit einem gleichaltrigen Freund ein Mädchen betatscht hatte.

Gacy war übergewichtig und unsportlich, was ihn zum Ziel von Spott machte. Trotzdem hatte er Freunde und wurde von den meisten Lehrern gemocht. Abgesehen von seinem jähzornigen Vater verbrachte Gacy eine relativ normale Kindheit in einem bürgerlichen Viertel von Chicago. Nach der Schule besserte er sein Taschengeld mit Jobs auf.

Gesundheitliche Probleme in der Jugend

Im Alter von elf Jahren erlitt Gacy eine Kopfverletzung, als er von einem Schaukelsitz getroffen wurde. Die Folge war ein Blutgerinnsel im Gehirn, das erst fünf Jahre später diagnostiziert wurde. Gacy verlor regelmäßig das Bewusstsein. Mit 17 Jahren wurde ein nicht näher spezifiziertes Herzproblem festgestellt, das mehrere Krankenhausaufenthalte erforderlich machte. Trotz umfangreicher Untersuchungen konnte die Ursache für seine Brustschmerzen nicht gefunden werden.

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Zur gleichen Zeit kaufte ihm sein Vater das erste Auto, wobei Kaufvertrag und Zulassung auf den Namen des Vaters liefen. Gacy musste die Raten abstottern, und sein Vater behielt die Wagenschlüssel ein, wenn er etwas an seinem Sohn auszusetzen hatte. 1962 besorgte sich Gacy einen Ersatzschlüssel.

Gacy erkannte, dass er im Konflikt mit seinem Vater unterlegen war. Zudem hatte er seinen High-School-Abschluss nicht geschafft. Es war Zeit für einen Neuanfang.

Die Suche nach der Anomalie: Die Obduktion von Gacys Gehirn

Nach seiner Hinrichtung im Jahr 1994 wurde Gacys Gehirn obduziert, um nach möglichen Ursachen für seine Taten zu suchen. Die forensische Psychiaterin Helen Morrison, die seit über 30 Jahren Serienmörder interviewt, vermutete eine Anomalie im Gehirn, die Gacys Verhalten erklären könnte. Sie wartete auf die Genehmigung zur Obduktion von Gacys Gehirn, um ihre These vom "Killer-Gen" zu beweisen. Morrison vermutete eine Art abartiges Krebsgeschwür, das Gacy zwischen 1972 und 1978 insgesamt 33 junge Männer töten ließ.

Morrison beschreibt ihre ersten Gehversuche als Profilerin, die sie in den 1970er Jahren als junge und unerfahrene Ermittlerin mit einem Serienkiller namens "'Babyface' Richard Macek" zusammenführt. Morrison beschreibt die ungelenken Gehversuche, die in der Kriminalistik damals bezüglich des Phänomens Serienmord unternommen wurden. Es gab noch keine solide Informationsbasis, auf die man sich stützen konnte. Gewagte und aus heutiger Rückschau manchmal seltsame und riskante Versuche wurden deshalb in dieser Pionierzeit unternommen, um zu lernen, wie Serienmörder "ticken" ("Gefährliches Terrain: Ein Serienmörder wird hypnotisiert"). Zahlreiche Sackgassen und Rückschläge mussten hingenommen werden, doch allmählich gewannen die Profiler an Boden ("Einblicke in Maceks Geist").

Der "Killer-Clown": John Wayne Gacy in der öffentlichen Wahrnehmung

Gacy erlangte traurige Berühmtheit als der "Killer-Clown", da er sich als Clown verkleidete und auf Kinderveranstaltungen auftrat. Diese Fassade der Harmlosigkeit ermöglichte es ihm, das Vertrauen seiner Opfer zu gewinnen.

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Im Herbst 2016 berichteten die Medien von Horrorclowns, die nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland ihr Unwesen trieben. Dieses Phänomen erinnerte an Gacy, der als Clown auf Kinderveranstaltungen auftrat. Es seien auch ethnologische und psychologische Gründe, die den bösen Clown als Zerrbild unserer Gesellschaft und als dunkle Bedrohung thematisch so reizvoll machen, sagen die drei Studentinnen. Das Motiv des geschminkte bösen Clown reicht in der Kulturhistorie weit zurück, zum Beispiel in Gestalt des Harlekins oder des Pulcinellas. In ihrer Studie weisen die Autorinnen außerdem auf eine Theorie von Richard Dawkins hin, die ebenfalls zur Verbreitung solcher Alltagsphänomene führt: Der sogenannte Mem-Effekt ist angelehnt an die Gen-Theorie von Charles Darwin. Dawkins sieht dabei die menschliche Kultur als neues Urmeer: Gedanken, Melodien, Schlagwörter oder Kleidermoden übertragen und replizieren sich von Gehirn zu Gehirn. Ob ein neues Mem in den Pool aufgenommen wird, entscheidet die natürliche Auslese. Die Wochen vor Halloween, in denen von vielen Horrorclown-Nachahmern berichtet wurde, hätten deutlich gemacht, dass dieses Phänomen sich memartig verbreitet hat. "Das Internet war das Vehikel", sagt Lara Cremer. "In den sozialen Netzwerken kursierten bereits so viele Videos und Kommentare, als die klassischen Medien über die Clowns berichteten, dass die breite Öffentlichkeit das Thema als relevant einstufte. Daraus entstand eine Spirale bzw.

Gacy war ein erfolgreicher Bauunternehmer, ehrenamtlich engagiert und Mitglied in verschiedenen gesellschaftlichen Clubs. Rosalynn Carter, die Ehefrau des US-Präsidenten Jimmy Carter, traf Gacy im Mai 1978 in Chicago. Sie schickte ihm sogar ein Foto mit Widmung und Autogramm zu.

Die Verbrechen und der Prozess

Gacy vergewaltigte und ermordete mindestens 33 junge Männer. Die sterblichen Überreste von 29 Opfern wurden auf seinem Grundstück gefunden, im Keller, unter der Garage, im Garten und unter dem Boden seines Büros.

Der Prozess gegen Gacy war einer der emotionalsten in der US-Geschichte. Er wurde am 13. März 1980 zum Tode verurteilt. Seine Verteidiger versuchten vergeblich, ihn mit psychiatrischen Gutachten als geisteskrank darzustellen.

Gacys Vermächtnis: Eine Ikone des Bösen

Während seiner Haftzeit begann Gacy mit der Malerei und verkaufte Hunderte von Bildern, insbesondere von Clowns. Er vermarktete sich geschickt als Ikone des Bösen. Am 10. Mai 1994 wurde Gacy mit einer Giftspritze hingerichtet.

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Die Geschichte von John Wayne Gacy hat eine ganze Nation schockiert und inspiriert seit 50 Jahren Horrorfilme und Thriller wie Stephen Kings "Es". Das achtteilige Crimedrama "Devil in Disguise: John Wayne Gacy" mit Michael Chernus ("Severance") in der Hauptrolle macht aus den Verbrechen keinen reißerischen Schocker.

Helen Morrison und das Studium von Serienmördern

Die Ärztin und forensische Psychologin Helen Morrison arbeitet seit mehr als drei Jahrzehnten als Profilerin. Sie befragt und untersucht gefangen gesetzte Mörder, die gezielt in Serie mordeten und sich dabei so geschickt als "normale Menschen" tarnten, dass sie ihr Tun über Jahre oder Jahrzehnte fortsetzen konnten. Morrison versucht einerseits herauszufinden, wie ihnen dies gelang, um mit der entsprechenden Kenntnis anderen, noch nicht entdeckten Serienkillern auf die Spur zu kommen, während sie sich andererseits zu begreifen bemüht, wie diese mörderischen Zeitgenossen "entstehen" und sich entwickeln, um auf diese Weise Methoden zu ihrer frühzeitigen Erkennung und Behandlung zu finden. Ihre Erfahrungen und Erkenntnisse fasst sie im hier vorgestellten Buch zusammen. Die Darstellung ist chronologisch strukturiert und stellt somit auch eine Autobiografie der Verfasserin dar, die ihre Arbeit verständlicherweise nicht strikt vom Privatleben trennen kann; die eine beeinflusst das andere, was folgerichtig in das Erzählte einfließt.

Mit dem Fachwissen wuchs der Kreis derer, die Helen Morrison um Hilfe angingen, sowie ihre Prominenz in den Medien, was ihr manches unerfreuliche Erlebnis bescherte aber gleichzeitig half, auch mit den "Superstars" unter den Serienkillern zu arbeiten ("John Wayne Gacy"). Der 33-fache Mörder Gacy verhalf ihr nicht nur zu neuen und wichtigen Erkenntnissen ("Auge in Auge mit Gacy"), sondern brachte sie auch ins schmutzige Geschäft mit der "Gerechtigkeit": In den USA verdienen sich kriminalistische Fachleute gern ein Zubrot als Sprachrohr für Staatsanwälte oder Verteidiger ("Im Zeugenstand beim Gacy-Prozess").

Morrison zog sich nach diesen Erfahrungen auf ihre wissenschaftliche Arbeit zurück, verfeinerte ihre Untersuchungsmethoden analog zu den medizinischen Errungenschaften, die inzwischen buchstäblich den Blick ins Hirn eines Menschen ermöglichten, und vertiefte ihr einschlägiges Wissen ("Die Briefe und Träume des Bobby Joe Long"; "Der Sadismus des Robert Berdella"; "Der Auslöser: Michael Lee Lockhart"). Außerdem erweiterte sie ihr Untersuchungsfeld auf die Menschen, die - in der Regel ahnungslos - mit Serienmördern gelebt hatten - Eltern, Lebensgefährten, Kinder, Freunde ("Serienmörder und ihre Angehörigen") - sowie jene seltsamen Menschen, die im Wissen um ihre Verbrechen mit Killern lebten oder diese bei ihren Foltermorden sogar unterstützten ("Rosemary West und die Partner von Serienmördern").

Die Kontroverse um Morrisons Thesen

Morrison vertritt klare Standpunkte, die ihr Werk nicht unumstritten machen. So ist sie beispielsweise davon überzeugt, dass Serienmörder als solche bereits geboren werden, sie also genetisch vorbelastet sind und letztlich außerstande sind zu begreifen, was sie anrichten. Auch gegen den Drang zum wiederholten Töten können sie sich im Grunde nicht wehren, so Morrison. Nach ihrer Meinung sind Serienmörder Menschen, die sich emotional niemals entwickelt haben sondern auf der Stufe eines Säuglings, der handelt ohne zuvor über eventuelle Folgen nachzudenken, stehen geblieben sind.

Mit seltener Deutlichkeit nennt Morrison Namen und Ereignisse, die kein gutes Licht auf die Forensiker, Profiler und kriminalistischen Psychologen werfen. Die Autoren ist eindeutig niemand, die ihrem Gegner auch die andere Wange hinhält, ihr Buch auch eine Abrechnung mit Zeitgenossen, die ihr beruflich in die Quere gekommen sind. Unter diesen Aspekten muss man vor allem Morrisons Schlussfolgerungen im letzten Kapitel bewerten. Allen Ernstes plädiert sie für noch intensivere Untersuchungen weiterer Serienmörder, die Gehirnoperationen einschließen. Nicht einmal die Justiz der USA, die kaum als besonders menschenfreundlich zu bezeichnen ist, gestattet solche Experimente. Morrison geht noch wesentlich weiter: Sie denkt über mögliche Konsequenzen ihrer Forschungsarbeit nach. Was geschieht, wenn sie wirklich eine Art "Serienmörder-Gen" entdeckt? Sollten alle Neugeborenen entsprechend untersucht werden? Kann man sie "heilen", wenn besagtes Gen auftritt? Falls nicht: Was macht man mit ihnen? Steckt man sie in Gefängnissanatorien, bevor sie - eventuell - zu morden beginnen? Mit solchen drastischen "Anregungen" möchte die Verfasserin einerseits provozieren, denn der Serienmord gehört für sie, die sich tagtäglich damit beschäftigt, zu einem brennenden Problem, der seitens der Politik oder der Öffentlichkeit zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Andererseits resultiert Morrisons Vorstoß natürlich aus dem, was sie lernen musste: Serienmörder sind wohl nicht unbedingt die seelenlosen Kreaturen, die sie in ihren sieht, aber es sind unschuldige Menschen und ihre ebenso unschuldigen Familien und Freunde, die unter ihren Attacken schrecklichste Qualen erdulden müssen. Wer so etwas quasi miterlebt hat, wird sich in der Planung von Gegenmaßnahmen sicherlich nicht von den Grenzen des politisch Korrekten bremsen lassen.

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