Die Neurologische Klinik am Katholischen Klinikum der Ruhr-Universität Bochum (St. Josef Hospital) hat sich als ein führendes Zentrum für neurologische Erkrankungen etabliert. Mit einem umfassenden Angebot an stationären und ambulanten Behandlungsmöglichkeiten sowie einem starken Fokus auf Forschung, insbesondere in den Bereichen Neuroimmunologie, neurodegenerative und neurovaskuläre Erkrankungen, bietet die Klinik eine Versorgung auf höchstem Niveau.
Struktur und Ausstattung der Neurologischen Klinik
Die Neurologische Klinik verfügt über insgesamt 110 Betten, verteilt auf fünf Stationen. Dazu gehören neben einer Wahlleistungsstation auch eine Komfortstation (Vincenz-Station) mit acht Betten. Für die intensivmedizinische Betreuung stehen sechs Betten auf der konservativen Intensivstation / Intermediate Care Station zur Verfügung. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Behandlung von Schlaganfallpatienten. Die Stroke Unit der Klinik ist als überregionale "Comprehensive Stroke Unit" zertifiziert und arbeitet eng mit dem Institut für Neuroradiologie zusammen, um eine moderne und effektive Versorgung, einschließlich der mechanischen Thrombektomie, zu gewährleisten.
Forschungsschwerpunkte
Die Neurologische Klinik zeichnet sich durch ihre umfangreichen Forschungsaktivitäten aus. Die Forschungsschwerpunkte umfassen:
- Neuroimmunologische Forschung: Untersuchung der Pathogenese von Autoimmunerkrankungen des Nervensystems, insbesondere Multiple Sklerose (MS).
- Neurodegenerative Erkrankungen: Fokus auf Morbus Parkinson und Morbus Huntington.
- Neurovaskuläre Forschung: Verbesserung der Versorgung von Schlaganfallpatienten.
Neben der Grundlagenforschung wird auch klinische Forschung betrieben, einschließlich Forschungsprojekten zu MS. Hierdurch wird für die Patienten eine Beratung und Betreuung nach dem aktuellsten Stand der Wissenschaft gewährleistet. In den letzten Jahren haben sich bereits eine Fülle neuer Erkenntnisse zur Pathophysiologie, aber auch zu neuen Therapieansätzen ergeben, die sich in neuen Behandlungsansätzen widerspiegeln. Die Identifizierung neuer "Suszeptibilitätsfaktoren" sowie prädiktiver Marker für den Erkrankungsverlauf, z.B. aus dem Blut oder auch Liquor (sog. Biomarker), und die Entwicklung neuer Therapieansätze sind weitere Ziele. Die Klinik nimmt an verschiedenen internationalen Multizenterstudien teil. Im neuroimmunologischen Labor werden experimentelle Ansätze auch genutzt, um weiter führende Erkenntnisse zum Entstehungsmechanismus (Pathophysiologie) der Erkrankung zu gewinnen.
Neuroimmunologische Forschung im Detail
Das Forschungszentrum Neuroimmunologie, gegründet im Jahr 2006 unter der Leitung von Prof. Dr. Ralf Gold, konzentriert sich auf die Untersuchung der Pathogenese von Autoimmunerkrankungen des Nervensystems. Im Fokus steht dabei die Multiple Sklerose (MS), die häufigste chronisch-entzündliche Erkrankung des Nervensystems junger Erwachsener. Die Forschung umfasst:
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- Untersuchung des Einflusses des Darmmikrobioms: Veränderungen des Darmmikrobioms und seiner Metaboliten auf das Immunsystem und das Zentralnervensystem werden in Zellkultur-basierten Systemen untersucht.
- Analyse neuroprotektiver und neuroregenerativer Wirkungen: Die Wirkung verschiedener Substanzen auf unterschiedliche Zelltypen des Zentralnervensystems wird analysiert.
- KI-basierte Analysen zur Früherkennung visueller und okulomotorischer Störungen: Ziel ist die Früherkennung von visuellen und okulomotorischen Störungen sowie die Entwicklung zellbasierter Therapieansätze bei neurologischen Erkrankungen.
- Identifizierung und Validierung neuer Biomarker: Klinische und laborbasierte Biomarker sollen eine präzisere Vorhersage der Krankheitsentstehung und des Krankheitsverlaufs ermöglichen.
- Erforschung von Geschlechtsunterschieden bei MS: Mithilfe von Daten aus großen Patientenkohorten werden biologische und soziokulturelle Aspekte untersucht, die zu Unterschieden im Krankheitsverlauf zwischen Männern und Frauen führen könnten.
Die klinisch-translationale Forschungsgruppe untersucht den Einfluss von Veränderungen des Darmmikrobioms und seiner Metaboliten auf das Immunsystem und das Zentralnervensystem in verschiedenen Zellkultur-basierten Systemen. Darüber hinaus analysieren sie die neuroprotektive oder neuroregenerative Wirkung verschiedener Substanzen auf unterschiedliche Zelltypen des Zentralnervensystems innerhalb solcher Systeme. Klinisch beschäftigen sie sich mit KI-basierten Analysen zur Früherkennung visueller und okulomotorischen Störungen sowie mit zellbasierten Therapieansätzen bei neurologischen Erkrankungen. Dazu betreiben sie große Patientenkohorten mit angeschlossener Biomaterialsammlung und verbinden diese mit biologischer Grundlagenforschung.
Zellbasierte Therapieansätze in der Neuroimmunologie
Zellbasierte Therapieansätze, insbesondere die Anwendung von Chimären-Antigen-Rezeptor-T-Zellen (CAR-T-Zellen) und indirekte durch bispezifischen Antikörpern, sind ein neues Verfahren zur Behandlung neuroimmunologischer Erkrankungen. CAR-T-Zellen sind genetisch modifizierte T-Lymphozyten, die mit einem synthetischen Rezeptor ausgestattet sind. Dieser Rezeptor ermöglicht es den T-Zellen, spezifische Antigene auf Zielzellen zu erkennen und zu eliminieren, die bei herkömmlichen Immuntherapien möglicherweise unerkannt bleiben. Die Funktionsweise von CAR-T-Zellen basiert auf der genetischen Modifikation von autologen oder allogenen T-Zellen des Patienten. Diese Zellen werden ex vivo mit einem viralen Vektor, der die DNA-Sequenz für den Chimären-Antigen-Rezeptor enthält, transduziert. Dieser Rezeptor besteht typischerweise aus einer extrazellulären Antigenerkennungsdomäne, die meist von einem Antikörper abgeleitet ist, sowie aus einer transmembranen und einer intrazellulären Signalübertragungsdomäne. Nach der Reinfusion in den Patienten binden diese modifizierten T-Zellen an spezifische Antigene auf den Zielzellen und ermöglichen so die Eliminierung der pathogenen Immunzellen. Ein Beispiel für die erfolgreiche Anwendung der CAR-T-Zell-Therapie in der Behandlung von Autoimmunerkrankungen ist der systemische Lupus erythematodes (SLE). Zuletzt konnten wir vergleichbare Erfolge im Bereich neuromuskulärer Übertragungsstörungen (Myasthenia gravis), dem Stiff-Person-Syndrom und der chronisch inflammatorischen demyelinisierenden Polyneuropathie (CIDP) erzielen. Herausforderungen bei der Anwendung von CAR-T-Zellen in der Behandlung von Autoimmunerkrankungen sind die Identifizierung geeigneter Zielantigene, die Minimierung von Off-Target-Effekten und die Kontrolle der Zellaktivität nach der Reinfusion. Zudem sind die Langzeitwirkung und die Sicherheit dieser Therapieform in diesem Kontext noch umfassend zu erforschen.
Neben CAR-T-Zellen stellen bispezifische Antikörper (BiTEs, bispecific T-cell engagers) einen weiteren innovativen Ansatz in der Behandlung neuroimmunologischer Erkrankungen dar. Sie verbinden gleichzeitig eine Bindungsstelle für ein krankheitsrelevantes Zielantigen, beispielsweise B-Zell-Marker wie CD19 oder BCMA, mit einer Bindungsstelle für den CD3-Rezeptor auf T-Zellen. Dadurch werden patienteneigene T-Zellen unmittelbar und ohne genetische Modifikation zur gezielten Lyse autoreaktiver B-Zellen rekrutiert. Erste klinische Erfahrungen deuten darauf hin, dass bispezifische Antikörper eine effektive und potenziell besser steuerbare Alternative zu direkt zellbasierten Therapien darstellen können. Ihre Anwendung ist insbesondere bei Patientinnen und Patienten von Interesse, bei denen eine CAR-T-Zell-Therapie nicht verfügbar oder aufgrund des klinischen Zustands nicht durchführbar ist.
Diese Projekte erfolgen in enger Kooperation zwischen der Klinik für Neurologie (UK RUB), der Klinik für Hämatologie im Knappschaftskrankenhaus Bochum (UK RUB) und unseren immunologischen Laboren.
Huntington Zentrum NRW
Seit über 25 Jahren besteht das Huntington Zentrum NRW in Bochum als Kooperation der Klinik für Neurologie im St. Josef-Hospital (Prof. R. Gold) und der Abteilung für Humangenetik (Prof. Dr.). Prof. Carsten Saft ist Leiter der Huntington-Ambulanz und federführender Autor der Leitlinien zur Behandlung „Morbus Huntington / Chorea“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) für den deutschsprachigen Raum. Zusammen mit vielen nationalen und internationalen Kooperationspartnern sind sie an über 150 wissenschaftlichen Publikationen beteiligt. Im klinischen Forschungszentrum werden Studien zum Einsatz neuer Medikamente bei der Huntington-Erkrankung durchgeführt. Unter anderem sind sie eines der wenigen Zentren weltweit, die an hochinnovativen Studien, wie der IONIS Antisense Studie teilnehmen. Klinische Forschungsschwerpunkte sind: Erforschung der peripheren Pathologie, die Entwicklung von Verlaufsparametern (Biomarker) mit einem Schwerpunkt bei der Entwicklung von motorischen Tests (z.B. Tapping), funktioneller Kernspintomographie, ereigniskorrellierte Potentiale und Untersuchungen zur Pathophysiologie (mitochondriale Dysfunktion; Atemtest); modifizierende Gene (Modifier). Seit etwa sechs Jahren betreiben sie eine eigene tierexperimentelle Forschung zur Entwicklung neuer Medikamente.
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Spezialambulanzen und Schwerpunkte
Die Neurologische Klinik bietet eine Vielzahl von Spezialambulanzen an, um eine gezielte und individuelle Betreuung der Patienten zu gewährleisten:
- MS-Ambulanz: Umfassende Versorgung von Patienten mit Multipler Sklerose und verwandten Krankheitsbildern. Innovative und moderne Therapien werden unter Berücksichtigung des individuellen Krankheitsverlaufs und der Patientenwünsche angeboten. Zudem ist die Klinik in der therapierelevanten translationalen Forschung tätig.
- Parkinson-Spezialambulanz: Diagnostik und Behandlung von Patienten mit Morbus Parkinson oder anderen extrapyramidal-motorischen Erkrankungen (Dystonie, Multisystematrophie u.a.). Es wird das gesamte Spektrum der Differentialdiagnostik von Bewegungsstörungen zur Abklärung unklarer Symptome und zur Sicherung der Diagnose angeboten.
- Gedächtnissprechstunde: Frühzeitige Erkennung klinisch relevanter kognitiver Defizite. Im Falle einer erforderlichen stationären Abklärung erfolgt diese auf der Station für Neurodegenerative Erkrankungen (Schwerpunkt Parkinson / Bewegungsstörungen und Demenz).
- Ultraschallambulanz: Überweisung von Patienten mit speziellen Fragestellungen durch niedergelassene Neurologen.
- Botulinumtoxinbehandlungen: Behandlung von Dystonien (z.B. zervikale Dystonie, Blepharospasmus, Spasmus hemifacialis) und Spastik.
- Spezial-Sprechstunde für therapieresistente neuroimmunologische Erkrankungen: Spezialisierte Beratung und Versorgung für PatientInnen mit therapie-refraktären und aggressiven Krankheitsverläufen neuroimmunologischer Erkrankungen, z.B. Multiple Sklerose, Neuromyelitis optica Spektrumerkrankung, Myasthenie, chronisch-inflammatorische Neuropathien oder stiff-person Syndrom.
Diagnostik und Therapie von Bewegungsstörungen
Bewegungsstörungen (z. B. Extrapyramidale Bewegungsstörungen stellen seit mehr als 20 Jahren einen der Arbeitsschwerpunkte der Neurologischen Universitätsklinik im St. Josef Hospital dar. Die bekannteste der extrapyramidalen Erkrankungen ist der M. Parkinson. Um das therapeutische Angebot zu optimieren, wurde eine Spezialstation für Bewegungsstörungen eingerichtet. Die Neurologische Universitätsklinik im St. Josef Hospital bietet das gesamte Spektrum diagnostischer und therapeutischer Optionen zur Behandlung von extrapyramidalen Bewegungsstörungen (z. B. Parkinson) an. Medikamentöse Therapieverfahren bilden die Grundlage der Therapie. Nach Analyse der individuellen Probleme des einzelnen Patienten erfolgt ein auf den jeweiligen Patienten zugeschnittener Behandlungsvorschlag. Besonders herauszustellen ist die pflegerische Qualität, die die Grundlage einer guten und wirkungsvollen Behandlung bildet. Invasive Therapieverfahren, wie die sogenannte Tiefenhirnstimulation werden in Kooperation mit der Neurochirurgischen Klinik des Knappschaftskrankenhauses Bochum-Langendreer durchgeführt. Die Neurologische Klinik ist Mitglied im Kompetenznetz Parkinson und arbeitet eng mit der Deutschen Parkinson-Selbsthilfegruppe zusammen.
Diagnostik und Therapie von entzündlichen Polyneuropathien
Die entzündliche Polyneuropathie ist eine Erkrankungsgruppe, die viele unterschiedliche Formen umfasst. Die häufigste Form ist die CIDP (chronisch inflammatorisch demyelinisierende Polyneuropathie). Wenngleich jede dieser Formen selten sein mag, ist die Gesamtheit der entzündlichen Polyneuropathien gar nicht so selten. Unsere Neurologie bietet innovative diagnostische Verfahren (moderne MR-Technik in Kooperation mit Heidelberg) und Therapieoptionen an. Unsere Infusionsambulanz stellt die ambulante Versorgung der Patienten sicher.
Forschung zu visuellen und okulomotorischen Störungen
Die Neurologie unter der Leitung von PD Dr. Anke Salmen und Dr. Jeremias Motte hat eine neue Studie eingeleitet, um den Zusammenhang zwischen neurologischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose (MS) und Sehstörungen zu untersuchen. Mit Hilfe einer VR-Brille („Virtual Reality“) werden Augenbewegungen automatisiert untersucht und gemessen. Im Gegensatz zur klinischen Untersuchung liefert die Untersuchung mit der VR-Brille quantitative Messergebnisse, beispielsweise zur exakten Pupillengröße, Augenstellung und Geschwindigkeit der Augenbewegungen. Untersucher-unabhängig wird so eine Untersuchung des visuellen und okulomotorischen Systems ermöglicht, die objektivierbar, quantifizierbar und wiederholbar ist.
Kooperationen
Die Neurologische Klinik pflegt enge Kooperationen mit anderen Kliniken und Institutionen, um eine optimale Versorgung der Patienten zu gewährleisten:
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- Institut für Neuroradiologie: Gemeinsame Durchführung der mechanischen Thrombektomie bei Schlaganfallpatienten.
- Neurochirurgische Klinik des Knappschaftskrankenhauses Bochum-Langendreer: Durchführung invasiver Therapieverfahren wie der Tiefenhirnstimulation bei Bewegungsstörungen.
- Kompetenznetz Parkinson und Deutsche Parkinson-Selbsthilfegruppe: Mitgliedschaft und enge Zusammenarbeit im Bereich Morbus Parkinson.
- Talentwerk des VfL Bochum 1848: Medizinische Betreuung der Jugendmannschaften in Kooperation mit dem St. Elisabeth-Hospital.
Engagement für Patienten und Angehörige
"Für uns steht der Dialog mit den Patienten und ihren Angehörigen im Vordergrund, wir sind für konstruktive Kritik dankbar und bemüht, Veränderungen zum Wohle unserer Patienten zu realisieren." Die Neurologische Klinik legt großen Wert auf eine patientenorientierte Versorgung und bezieht die Angehörigen aktiv in den Behandlungsprozess ein.
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