Hirntumor und Sensibilitätsstörungen: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Ein Hirntumor kann eine Vielzahl von Symptomen verursachen, die von Kopfschmerzen und Übelkeit bis hin zu neurologischen Ausfällen wie Lähmungen und Sensibilitätsstörungen reichen. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen von Sensibilitätsstörungen im Zusammenhang mit Hirntumoren, die diagnostischen Verfahren und die verschiedenen Behandlungsansätze.

Einführung

Ein Hirntumor ist eine Geschwulst im Gehirn, die durch unkontrollierte Zellvermehrung entsteht. Diese Tumoren können direkt im Gehirn entstehen oder von anderen Körperstellen ins Gehirn streuen. Die Symptome variieren je nach Größe, Lage und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors. Sensibilitätsstörungen, wie Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Berührungsempfindlichkeiten, können ein Warnzeichen für einen Hirntumor sein.

Was sind Sensibilitätsstörungen?

Sensibilitätsstörungen bezeichnen Veränderungen oder Beeinträchtigungen der normalen Wahrnehmung von Sinnesreizen. Diese Störungen können sich in verschiedenen Formen äußern:

  • Kribbeln: Ein prickelndes Gefühl auf der Haut, oft beschrieben als "Ameisenlaufen".
  • Taubheitsgefühle: Ein Verlust des Tastempfindens in bestimmten Körperbereichen.
  • Brennen: Ein schmerzhaftes, brennendes Gefühl auf der Haut.
  • Erhöhte Berührungsempfindlichkeit: Eine übermäßige Reaktion auf leichte Berührungen, die normalerweise nicht schmerzhaft wären.
  • Schmerzen: Unangenehme Schmerzen in verschiedenen Körperteilen.

Diese Symptome können in unterschiedlichen Körperregionen auftreten und verschiedene Ursachen haben.

Ursachen von Sensibilitätsstörungen bei Hirntumoren

Hirntumoren können Sensibilitätsstörungen verursachen, indem sie auf verschiedene Weise das Nervensystem beeinträchtigen:

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  • Direkte Kompression: Ein wachsender Tumor kann direkt auf Nervenbahnen drücken, die für die Übertragung von sensorischen Informationen zuständig sind. Dies kann die Nervenfunktion beeinträchtigen und zu Sensibilitätsstörungen führen.
  • Zerstörung von Nervengewebe: Bösartige Tumoren können in das umliegende Hirngewebe eindringen und Nervenzellen zerstören. Dies kann zu dauerhaften Sensibilitätsstörungen führen.
  • Erhöhter Hirndruck: Ein wachsender Tumor kann den Druck im Schädelinneren erhöhen. Dieser erhöhte Druck kann die Funktion des Gehirns und der Nerven beeinträchtigen und Sensibilitätsstörungen verursachen.
  • Beeinträchtigung der Blutversorgung: Tumoren können die Blutgefäße im Gehirn komprimieren oder zerstören, was zu einer verminderten Blutversorgung des Nervengewebes führt. Dies kann die Nervenfunktion beeinträchtigen und Sensibilitätsstörungen verursachen.

Es ist wichtig zu beachten, dass Sensibilitätsstörungen auch durch andere Faktoren verursacht werden können, die nicht mit einem Hirntumor zusammenhängen, wie z. B. periphere Neuropathie, Bandscheibenvorfälle oder Stoffwechselstörungen.

Meningeome und Sensibilitätsstörungen

Meningeome sind Tumoren, die von den Hirnhäuten ausgehen, den Membranen, die Gehirn und Rückenmark umgeben. Sie machen etwa 35 % aller Tumoren des zentralen Nervensystems aus und treten vermehrt ab dem 50. Lebensjahr auf. Die meisten Meningeome wachsen langsam und sind gutartig.

Obwohl Meningeome oft keine Symptome verursachen, können sie, je nach ihrer Lage und Größe, eine Vielzahl von neurologischen Problemen verursachen, darunter auch Sensibilitätsstörungen. Dies geschieht, wenn der Tumor auf bestimmte Bereiche des Gehirns oder des Rückenmarks drückt, die für die sensorische Verarbeitung zuständig sind.

Fallbeispiele und Erfahrungen

Einige Betroffene berichten von Kribbeln im Gesicht, während andere über Berührungsschmerzen und Frieren klagen. Die Symptome können vielfältig sein und hängen stark von der individuellen Situation ab. Es ist wichtig, dass Ärzte diese Beschwerden ernst nehmen und eine umfassende Diagnostik durchführen.

Differentialdiagnosen

Es ist wichtig, andere mögliche Ursachen für Sensibilitätsstörungen auszuschließen, bevor man sie einem Hirntumor zuschreibt. Zu den Differentialdiagnosen gehören:

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  • Periphere Neuropathie: Schädigung der peripheren Nerven, oft verursacht durch Diabetes, Alkoholmissbrauch oder Chemotherapie.
  • Bandscheibenvorfall: Vorfall von Bandscheibengewebe, das auf Nervenwurzeln drückt.
  • Multiple Sklerose (MS): Autoimmunerkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft.
  • Vitaminmangel: Mangel an bestimmten Vitaminen, wie z. B. Vitamin B12, kann zu Nervenschäden führen.
  • Medikamentennebenwirkungen: Einige Medikamente können Sensibilitätsstörungen als Nebenwirkung verursachen.

Diagnostik von Sensibilitätsstörungen

Die Diagnose von Sensibilitätsstörungen umfasst in der Regel eine gründliche neurologische Untersuchung, bildgebende Verfahren und gegebenenfalls weitere spezielle Tests.

  • Neurologische Untersuchung: Der Arzt untersucht die Reflexe, die Muskelkraft, die Koordination und die Sensibilität des Patienten, um die Art und das Ausmaß der Sensibilitätsstörung zu beurteilen.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Das MRT ist das wichtigste bildgebende Verfahren zur Diagnose von Hirntumoren. Es ermöglicht eine detaillierte Darstellung des Gehirns und kann Tumoren, deren Größe, Lage und Beziehung zu umliegenden Strukturen erkennen.
  • Computertomographie (CT): Die CT ist eine weitere bildgebende Methode, die zur Diagnose von Hirntumoren eingesetzt werden kann. Sie ist jedoch weniger empfindlich als das MRT und wird in der Regel nur dann eingesetzt, wenn ein MRT nicht möglich ist.
  • Elektrophysiologische Untersuchungen: Diese Untersuchungen, wie z. B. die Elektroneurographie (ENG) und die Elektromyographie (EMG), können helfen, die Funktion der Nerven und Muskeln zu beurteilen und eine periphere Neuropathie von einer zentralen Ursache der Sensibilitätsstörung zu unterscheiden.
  • Lumbalpunktion: Bei einer Lumbalpunktion wird Nervenwasser entnommen und untersucht. Dies kann helfen, Entzündungen oder Infektionen des Gehirns oder der Hirnhäute auszuschließen.

Behandlung von Sensibilitätsstörungen

Die Behandlung von Sensibilitätsstörungen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Wenn ein Hirntumor die Ursache ist, kann die Behandlung Folgendes umfassen:

  • Operation: Die operative Entfernung des Tumors ist oft die erste Wahl, insbesondere bei gutartigen Tumoren wie Meningeomen. Ziel ist es, den Tumor vollständig zu entfernen, um den Druck auf das umliegende Gehirngewebe zu verringern und die Nervenfunktion wiederherzustellen.
  • Strahlentherapie: Die Strahlentherapie kann eingesetzt werden, um Tumorzellen abzutöten oder das Tumorwachstum zu verlangsamen. Sie kann als alleinige Behandlung oder in Kombination mit einer Operation eingesetzt werden.
  • Chemotherapie: Die Chemotherapie wird in der Regel bei bösartigen Hirntumoren eingesetzt, um die Tumorzellen abzutöten oder das Tumorwachstum zu verlangsamen.
  • Medikamentöse Therapie: Medikamente können eingesetzt werden, um die Symptome von Sensibilitätsstörungen zu lindern. Dazu gehören Schmerzmittel, Antikonvulsiva und Antidepressiva.
  • Physiotherapie und Ergotherapie: Diese Therapien können helfen, die Muskelkraft, die Koordination und die Sensibilität zu verbessern. Sie können auch helfen, den Alltag besser zu bewältigen.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie autogenes Training oder Meditation können helfen, Stress abzubauen und die Symptome von Sensibilitätsstörungen zu lindern.

Spezifische Behandlungen bei Chemotherapie-induzierter Neuropathie

Bei Krebspatienten, die unter Chemotherapie-induzierter Neuropathie leiden, gibt es spezielle Behandlungsansätze, um die Symptome zu lindern:

  • Dosisreduktion oder -anpassung: In einigen Fällen kann es notwendig sein, die Dosis des nervenschädigenden Medikaments zu verringern oder auf ein anderes Medikament umzusteigen.
  • Regelmäßiges Bewegungstraining: Bewegungstraining, insbesondere der Finger- und Zehenfunktionen, kann helfen, die Nervenfunktion zu verbessern.
  • Physiotherapie, Ergotherapie und Elektrotherapie: Diese Therapien können helfen, Taubheitsgefühle und andere Symptome zu lindern.
  • Vermeidung von Kälte: Patienten mit Kälteempfindlichkeit sollten sich nicht zu lange in kalten Umgebungen aufhalten.
  • Vorbeugung von Verletzungen und Infektionen: Da das Empfinden an Händen und Füßen eingeschränkt sein kann, ist es wichtig, Verletzungen und Infektionen vorzubeugen.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Es ist wichtig, einen Arzt aufzusuchen, wenn Sensibilitätsstörungen plötzlich auftreten, sich schnell verschlimmern oder mit anderen neurologischen Symptomen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Lähmungen oder Sehstörungen einhergehen. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung können die Prognose verbessern.

Fallbeispiel: Meningeom als Zufallsbefund

Eine Patientin wurde aufgrund von Gefühlsstörungen (Kribbeln und Taubheitsgefühl) in der Gesichtshälfte, am Rücken, Unterarm, Bein und in den Zehen neurologisch untersucht. Die Messungen waren unauffällig, aber ein MRT ergab ein kleines Meningeom (0,8x0,6cm) im linken supratentoriellen Bereich. Der Neurologe sah keinen Zusammenhang zwischen dem Meningeom und den Gefühlsstörungen. Die Patientin litt zudem unter Eisenmangel und B12-Mangel, die behandelt wurden. Eine Kontroll-MRT und Lumbalpunktion waren geplant.

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Dieses Fallbeispiel verdeutlicht die Herausforderung, Sensibilitätsstörungen richtig zuzuordnen. Obwohl ein Meningeom vorhanden ist, ist es nicht immer die Ursache der Beschwerden. Es ist wichtig, alle möglichen Ursachen zu berücksichtigen und eine umfassende Diagnostik durchzuführen.

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