Migräne wird oft als Frauenleiden abgetan, doch auch junge Männer sind häufig betroffen. Es ist wichtig zu verstehen, dass Migräne eine neurologische Erkrankung ist, die bei Männern anders verlaufen kann und oft nicht diagnostiziert wird. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Migräne bei jungen Männern.
Migräne - Kein reines Frauenleiden
Entgegen der landläufigen Meinung ist Migräne keine reine Frauenerkrankung. Zwar haben Frauen mit 48 Prozent ein höheres Risiko, im Laufe ihres Lebens an Migräne zu erkranken [1], aber auch Männer sind mit einem Risiko von 18 Prozent betroffen. Die Dunkelziffer könnte jedoch deutlich höher liegen, da Migräne bei Männern oft nicht erkannt oder diagnostiziert wird. Ein Grund dafür ist, dass Migräne immer noch als Frauenkrankheit gilt und Männer seltener dahingehend untersucht werden. Zudem suchen Männer der Studie [2] zufolge seltener ärztlichen Rat und halten die Migräne lieber aus.
Unterschiede in der Symptomatik bei Männern
Migräne äußert sich bei Männern oft anders als bei Frauen. Sie leiden häufiger unter sogenannten Aura-Symptomen, die Störungen von Motorik, Sinnen, Sprache und Bewusstsein umfassen können. Prof. Dr. erklärt: „Doch bei Männern sind diese charakteristischen Symptome oftmals nicht voll oder anders ausgeprägt. Dann ist es schwierig, die richtige Diagnose zu stellen.“ Im Alter geht eine Migräne bei Männern öfter mit beidseitigen Kopfschmerzen einher [3]. Eine türkische Studie [4] zeigte, dass bei Männern übermäßiger Schlaf Migräneanfälle provozieren kann. Zudem reagieren Männer nicht so schnell wie Frauen mit einem Anfall auf Auslöser. Hauptauslöser bei beiden Geschlechtern sind Stress und grelles Licht.
Migräne mit Aura
Bei der Migräne mit Aura wird die Zeit, bevor der Kopfschmerz spürbar wird, häufig von Sehstörungen begleitet. Betroffene beschreiben Beeinträchtigungen wie Lichtblitze oder flimmernde Zick-Zack-Linien oder auch blinde Flecken im Sichtfeld. Weitere mögliche Begleiterscheinungen bei einer Migräne mit Aura sind:
- Eine meist einseitige Schwäche, Taubheitsgefühl und Kribbeln im Gesicht, der Hand oder in den Beinen
- Sprach- und Wahrnehmungsstörungen
- Sehen von Doppelbildern, Gangschwierigkeiten und Gleichgewichtsstörungen
Die Aura-Begleiterscheinungen kommen in vielen Fällen einer Migräneattacke zuvor, können aber auch parallel zum Kopfschmerz verlaufen. Normalerweise werden die Aura-Anzeichen nach 30 Minuten wieder deutlich weniger und verschwinden dann nach und nach komplett. Nicht immer muss einer schmerzhafte Migräneattacke folgen. Alle Aura-Anzeichen sind nur ein vorübergehendes Phänomen und hinterlassen niemals bleibende Schäden.
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Migräne ohne Aura
Die Mehrheit der von Migräne-Betroffenen (80 bis 85 Prozent) leiden unter eine Migräne ohne Aura. Die Symptome entstehen meist binnen kurzer Zeit und kündigen sich nur selten an. Viele Patienten berichten aber von typischen äußerlichen Einflüssen, die zu einer Attacke führen können.
Ursachen und Auslöser von Migräne
Die genauen Ursachen von Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und äußeren Einflüssen eine Rolle spielt. Eine Theorie besagt, dass entzündliche Vorgänge an den Blutgefäßen im Gehirn eine Rolle spielen. Möglicherweise ist auch von Bedeutung, wie Schmerzsignale im Gehirn verarbeitet werden.
Triggerfaktoren
Sogenannte Triggerfaktoren sind nicht allein die Ursache einer Migräneattacke, können diese aber deutlich begünstigen. Auch die Stärke eines möglichen Anfalls kann von inneren oder äußerlichen Reizen beeinflusst werden. Mögliche Trigger sind:
- Stress: Vermehrter Stress kann Migräneanfälle auslösen.
- Schlafstörungen: Ein unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus kann Migräne begünstigen.
- Ernährung: Bestimmte Lebensmittel wie zuckerhaltige Speisen, Alkohol oder Koffein können als Trigger wirken.
- Wetter: Wetterveränderungen wie steigende Temperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit und fallender Luftdruck scheinen bei manchen Menschen Migräne auszulösen.
- Weitere Faktoren: Hormonelle Veränderungen, lange Bildschirmzeiten, grelles Licht, bestimmte Gerüche und körperliche Anstrengung können ebenfalls Trigger sein.
Es ist wichtig zu beachten, dass Triggerfaktoren individuell verschieden sind und nicht bei jedem Menschen die gleichen Auslöser wirken.
Diagnose von Migräne
Die Diagnose von Migräne basiert in erster Linie auf der Anamnese und der Beschreibung der Symptome durch den Patienten. Der Arzt wird Fragen zu Art, Häufigkeit, Dauer und Intensität der Kopfschmerzen stellen. Auch Begleitsymptome und mögliche Auslöser werden erfragt. Eine neurologische Untersuchung kann durchgeführt werden, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen. In manchen Fällen können bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns erforderlich sein.
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Behandlungsmöglichkeiten von Migräne
Migräne ist zwar nicht heilbar, aber es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, um die Symptome zu lindern und die Häufigkeit der Anfälle zu reduzieren. Die Behandlung umfasst sowohl akute Maßnahmen zur Linderung der Schmerzen während eines Anfalls als auch vorbeugende Maßnahmen zur Reduzierung der Anfallshäufigkeit.
Akutbehandlung
- Schmerzmittel: Leichte bis mittelschwere Migräneanfälle lassen sich häufig gut mit rezeptfreien Schmerzmitteln wie Paracetamol, Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure (ASS) behandeln.
- Triptane: Bei stärkeren Migräneanfällen können spezielle Migränemittel, sogenannte Triptane, eingesetzt werden. Diese Medikamente wirken, indem sie die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Freisetzung von Entzündungsstoffen reduzieren. Wichtig bei einer Migräne mit Aura ist, dass Triptane erst nach Abklingen der Aura-Symptome eingenommen werden sollten.
- Weitere Medikamente: Bei Übelkeit und Erbrechen können Antiemetika eingesetzt werden.
Prophylaxe
- Medikamentöse Prophylaxe: Wenn Migräneanfälle häufig auftreten oder sehr stark sind, kann eine vorbeugende Behandlung mit Medikamenten sinnvoll sein. Dazu gehören Betablocker, Antidepressiva und Antiepileptika. Seit einigen Jahren gibt es eine neue Behandlung mit sogenannten Antikörpern gegen einen bestimmten Botenstoff, das sogenannte CGRP, das während des Migräne-Anfalls ausgeschüttet wird. Antikörper sind Proteine, die diesen Botenstoff abfangen bzw. dessen Wirkung an den Nervenzellen und Hirngefäßen vermindern können.
- Nicht-medikamentöse Prophylaxe: Es gibt verschiedene nicht-medikamentöse Maßnahmen, die zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt werden können. Dazu gehören regelmäßiger Ausdauersport, Entspannungstechniken wie Yoga, progressive Muskelrelaxation oder autogenes Training, Biofeedback-Techniken und psychologische Verhaltenstherapien.
Selbsthilfemaßnahmen
- Ruhe und Dunkelheit: Während eines Migräneanfalls ist es wichtig, sich in einen ruhigen und dunklen Raum zurückzuziehen.
- Kühlende Umschläge: Kühlende Umschläge auf der Stirn oder im Nacken können die Schmerzen lindern.
- Entspannung: Entspannungsübungen können helfen, die Muskeln zu entspannen und den Stress zu reduzieren.
- Regelmäßiger Lebensstil: Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, regelmäßige Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeit können helfen, Migräneanfälle vorzubeugen.
- Vermeidung von Triggern: Es ist wichtig, die individuellen Triggerfaktoren zu identifizieren und zu vermeiden. Ein Kopfschmerztagebuch kann dabei helfen.
Migräne und Begleiterkrankungen
Menschen mit Migräne leiden häufig zusätzlich an Angststörungen und Depressionen. Zudem haben Migränepatienten ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. Auch zeigt sich ein Zusammenhang von Migräne und hohem Blutdruck sowie Herzkreislauf-Erkrankungen und anderen Schmerzerkrankungen.
Migräne verstehen - bevor sie laut wird
Die Kampagne „Migräne verstehen - bevor sie laut wird“ wurde gemeinsam mit Ärztinnen, Ärzten und Betroffenen entwickelt. Sie vermittelt Wissen, teilt persönliche Erfahrungen und bietet eine unterstützende Community.
Chronische Migräne
Üblicherweise tritt Migräne in unregelmäßigen Abständen als anfallsartiger Kopfschmerz auf. Diese gut voneinander abgrenzbaren Kopfschmerzattacken werden auch Episoden genannt. Wird die Migräne immer häufiger und geht eine Migräneattacke nahezu ohne Pause in die nächste über, kann aus der Episodischen Migräne eine Chronische Migräne werden. Laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) ist eine schwere Migräne eine der am stärksten einschränkenden Erkrankungen. Bei einer chronischen Migräne bestehen seit 3 Monaten oder länger Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen im Monat, davon 8 oder mehr Tage mit Migräne. Haben Sie im Monat mehr Tage mit Kopfschmerzen als ohne, kann das ein Hinweis auf Chronische Migräne sein.
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