Wie Alkohol das Gehirn Schädigen Kann: Auswirkungen und Risiken

Schon ein Glas zu viel kann einen Unterschied machen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass selbst moderater Alkoholkonsum bei regelmäßigem Genuss Spuren im Gehirn hinterlassen kann. Übermäßiger Alkoholkonsum ist bekanntlich schädlich für das Gehirn. Diese Erkenntnisse werfen ein neues Licht auf die Risiken, die mit dem Alkoholkonsum verbunden sind, und bieten Anlass, die aktuellen Empfehlungen für einen risikoarmen Konsum zu überdenken.

Auswirkungen von Moderatem Alkoholkonsum auf das Gehirn

Mit Hilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) können Aufnahmen erstellt werden, die die feinen Windungen unseres Denkorgans scheibchenweise sichtbar machen. Ein Forschungsteam hat MRT-Aufnahmen einer großen Stichprobe ausgewertet. Die graue Substanz besteht aus Nervenzellen. Ein Forschungsteam hat das Volumen der weißen und grauen Substanz im Gehirn gemessen. Schon bei vergleichsweise geringfügigen Konsumunterschieden fand das Team Unterschiede in der Gehirnstruktur. Zudem steige das Risiko nicht gleichmäßig mit jedem getrunkenen Glas.

Das Forschungsteam veranschaulicht ihre Ergebnisse am Beispiel einer 50-jährigen Person. Trinkt die Person maximal ein kleines Bier (0,2l) am Tag, würde sich kein messbarer Effekt im Gehirn im Vergleich zu einer alkoholabstinenten Person niederschlagen. Steigert diese Person ihren Konsum aber von zwei auf drei kleine Bier am Tag, sei der Rückgang der weißen und grauen Substanz vergleichbar mit einer Alterung um etwa dreieinhalb Jahre. Der Effekt sei nicht linear.

Nach Einschätzung des Forschungsteams widersprechen ihre Ergebnisse zumindest in Teilen den bisherigen Empfehlungen für risikoarmes Trinken. Das Geschlecht spielt den Ergebnissen zufolge eine kleinere Rolle als bislang angenommen.

Rauschtrinken und seine Folgen für das Gehirn

Klar ist, dass Rauschtrinken keine gesunde Sache ist. Einer Studie zufolge kann schon ein Vollrausch Nervenverbindungen schädigen.

Lesen Sie auch: Gehirnzellen und Alkohol: Eine wissenschaftliche Analyse

Mit wem habe ich mich am Ende des Abends noch unterhalten? Und wie bin ich eigentlich nach Hause gekommen? Ein Filmriss, auch Blackout genannt, kann Lücken im Gedächtnis hinterlassen. Schuld daran sind Fehlfunktionen in einer Hirnregion, die als Hippocampus bezeichnet wird. Ein Filmriss verdeutlicht, wie schädlich Alkohol fürs Gehirn ist. Die meisten Schäden, die Alkohol verursacht, sind jedoch nicht so offensichtlich.

Für die Studie wurden die Gehirne von 83 Männern im mittleren Alter mit Hilfe der Magnetresonanztomographie, kurz MRT, „durchleuchtet“. Auf MRT-Aufnahmen wird die innere Struktur des Gehirns sichtbar. Zusätzlich wurden neuropsychologische Tests durchgeführt. Damit wurde die Verarbeitungsgeschwindigkeit und die so genannte kognitive Flexibilität der Teilnehmer untersucht. Kognitive Flexibilität ist die Fähigkeit, sich schnell auf Neues einstellen zu können. Um die neurobiologischen Mechanismen besser verstehen zu können, führte das Forschungsteam ähnliche Versuche an Ratten durch.

In einem ersten Schritt wurden die MRT-Aufnahmen der Alkoholabhängigen und der gesunden Kontrollpersonen verglichen. Dabei stellte das Forschungsteam Veränderungen in mehreren Gehirnbereichen fest. Am stärksten betroffen war eine Verbindung, die den Hippocampus mit einem Bereich verknüpft, der als präfrontaler Cortex bezeichnet wird. Diese Verbindung spielt eine wichtige Rolle, um Erinnerungen einspeichern und unbrauchbare Informationen aus dem Gehirn löschen zu können.

Das Forschungsteam hat nachweisen können, dass die geschädigten Hirnstrukturen mit den Ergebnissen aus den Denktests zusammenhingen. Mit Hilfe des Computer-Modells hat das Forschungsteam untersucht, welche Auswirkungen die Gehirnschäden noch auf das Lernen und das Suchtverhalten haben könnten. Den Ergebnissen zufolge könnten die Alkohol-Schäden dazu führen, dass die betroffene Personen Schwierigkeiten haben, gewohntes Verhalten zu ändern. Denn die Entwöhnung von Alkohol kann auch als ein Prozess des Verlernens verstanden werden. Alkoholabhängige haben gelernt, dass bestimmte Reize, wie eine Flasche Bier, positive Gefühle vermittelt. Diese gelernte Verbindung sollte im Zuge der Entwöhnung wieder gelöscht werden oder zumindest nicht mehr so präsent sein.

Veränderungen in der weißen Substanz durch Rauschtrinken bei Jugendlichen

Im Prinzip ist wohl den meisten Menschen bekannt, dass ein Vollrausch nicht gut für das Gehirn ist. Doch die Folgen werden immer wieder gerne verharmlost. Ein „Kater“ tut nicht nur weh, sondern hinterlässt auch Spuren im Gehirn. Denn Rauschtrinken, so das Fazit einer aktuellen Studie, schädigt die weiße Substanz. Als weiße Substanz werden die Leitungsbahnen bezeichnet, die unsere Hirnareale miteinander verbinden. Die Nervenbahnen sind von einer isolierenden Schicht, der Myelinscheide, umgeben, die von außen betrachtet weiß erscheint. Je besser die Nervenbahnen isoliert sind, umso besser werden elektrische Impulse übertragen.

Lesen Sie auch: Alkohol als Risikofaktor für Demenz

Bei alkoholkranken Menschen, die meist über Jahre hohe Mengen Alkohol trinken, können große Bereiche des Gehirns geschädigt sein, einschließlich der weißen Substanz. Bislang ist aber noch nicht ausreichend erforscht, ab wann diese Schädigung einsetzt. Die US-amerikanische Forscherin Susan Tapert und ihr Team haben daher die Gehirne von 16- bis 19-jährigen Jugendlichen untersucht, die schon Erfahrung mit Rauschtrinken, aber noch kein Alkoholproblem entwickelt haben. Zum Vergleich wurden gleichaltrige Jugendliche herangezogen, die noch nie einen Alkoholrausch hatten, aber im Hinblick auf den Bildungsstand und anderen Faktoren vergleichbar waren.

Mit Hilfe eines speziellen bildgebenden Verfahrens, der Diffusions-Tensor-Bildgebung (DTI), wurden die insgesamt 28 Jugendlichen gründlich durchleuchtet, so dass sich auch kleinste Abweichungen in der Struktur der weißen Substanz nachweisen ließen.

Die Ergebnisse zeigen auf, das Jugendliche umso stärker ausgeprägte Veränderungen in der weißen Substanz aufweisen, je häufiger sie bereits einen „Kater“ infolge von Alkoholkonsum hatten. Hingegen konnte kein Zusammenhang mit der Trinkhäufigkeit und Dauer festgestellt werden. Das bedeutet, dass vor allem Alkoholräusche strukturelle Hirnveränderungen nach sich ziehen können.

Die Autorinnen und Autoren haben damit nach eigenen Aussagen erstmals Hirnveränderungen infolge von Alkoholräuschen bereits bei Jugendlichen nachweisen können. Da die Gehirne von Jugendlichen eine wichtige Umbauphase durchmachen, können strukturelle Veränderungen jedoch weitreichende Folgen für die kognitive Entwicklung haben. In Längsschnittstudien, die aktuell durchgeführt werden, wollen sie schließlich noch erkunden, welche konkreten Folgen dies für die Hirnentwicklung hat.

Alkohol und die Entwicklung des jugendlichen Gehirns

Partyfeiern bedeutet für viele Menschen, Alkohol in mehr oder weniger großen Mengen zu trinken. Die gesundheitlichen Risiken des Rauschtrinkens werden dabei allzu gerne verdrängt. Doch besonders für Jugendliche könnte Rauschtrinken langfristige Folgen für die Gehirnentwicklung haben, wie ein Forschungsteam im Tierexperiment nachweisen konnte.

Lesen Sie auch: Wie Alkohol die Signalübertragung im Gehirn beeinflusst

Die Vernunft sitzt hinter der Stirn. Wenn wir abwägen und eine Entscheidung treffen, dann ist vor allem der präfrontale Cortex daran beteiligt. Im Jugendalter findet in dieser Hirnregion ein wichtiger Reifeprozess statt, bei dem die Nervenbahnen mit der so genannten Myelinscheide überzogen werden. Die Myelinscheide bildet eine Art Isolierung, wodurch sich die Übertragungsgeschwindigkeit der Nervenbahnen erhöht und die kognitiven Fähigkeiten der Person verbessern. Myelinisierte Nervenbahnen werden auch als weiße Substanz bezeichnet, weil Myelin weiß erscheint.

Ein US-Forschungsteam hat experimentell untersucht, wie sich Alkohol auf die Myelinisierung auswirkt. Aus ethischen Gründen wurde der Versuch aber nicht an Menschen, sondern an Ratten vorgenommen. Die männlichen Tiere hatten zwei Wochen lang Zugang zu gesüßtem Alkohol, indem sie einen Hebel drückten. Eine Kontrollgruppe bekam nur Wasser, das ebenfalls gesüßt wurde. Ratten haben wie Menschen eine Vorliebe für Süß. Daher haben sich die Tiere mächtig ins Zeug gelegt, um Zugang zur begehrten Flüssigkeit zu bekommen.

Es zeigte sich, dass die Myelinisierung bei den Ratten der Alkoholgruppe sowohl im Jugendalter als auch mehrere Monate später, als die Nager das Erwachsenalter erreicht hatten, deutlich schlechter entwickelt war, als bei den Tieren der Kontrollgruppe. Der Rückgang der weißen Substanz hatte etwa die gleichen Ausmaße wie es bei alkoholabhängigen Erwachsenen zu beobachteten ist, sagt das Forschungsteam. Dies spreche dafür, dass die Jugend eine besonders sensible Phase ist und Alkohol hier vergleichsweise schnell zu Schädigungen führt.

Studienleiterin Heather Richardson und ihr Team konnten zeigen, dass die strukturellen Änderungen sich auch in den kognitiven Fähigkeiten der Tiere niedergeschlagen haben. Ratten, die Zugang zu Alkohol in der Jugend hatten, lieferten in Gedächtnistests schlechtere Leistungen ab, als ihre abstinenten Artgenossen.

In einem weiteren Experiment zeigte sich zudem, dass der Verlust an weißer Substanz in Zusammenhang steht mit einer stärkeren Vorliebe für Alkohol im Erwachsenenalter, wenn die Tiere freien Zugang zu Alkohol hatten. Dies spreche nach Meinung des Forschungsteams dafür, dass Nervenbahnen im präfrontalen Cortex wichtig sind für die Verhaltenskontrolle. In der Forschung gibt es bereits eine Reihe von Hinweise, dass das Gehirn Jugendlicher besonders sensibel auf Alkohol reagiert. Mit der aktuellen Studie konnte erstmals experimentell nachgewiesen werden, dass Alkohol den Prozess der Myelinisierung in der Jugend stört und zu langanhaltendem Verlust an weißer Substanz bis ins Erwachsenenalter führt, resümiert das Forschungsteam.

Auswirkungen von Rauschtrinken auf die Gehirnstruktur junger Erwachsener

In den USA ist der Alkoholkonsum erst ab 21 Jahren erlaubt. Der 21. Geburtstag ist daher für junge Erwachsene in den USA ein besonderes Ereignis, das gerne mit viel Alkohol gefeiert wird. Nach Angaben von Studienleiter John Kerns und seinem Team gäbe es eine Art „Tradition“ unter den Feiernden, die als „21 for 21“ bezeichnet wird. 21 alkoholische Getränke am 21. Geburtstag.

Für ihre Studie hat das Forschungsteam 50 Studierende vor und nach ihrem 21. Geburtstag im Magnetresonanztomographen „durchleuchtet“. Das als MRT abgekürzte Verfahren kann die feinen Strukturen des Gehirns sichtbar machen. Das Forschungsteam konzentrierte sich bei den Messungen insbesondere auf die quer zwischen den Gehirnhälften verlaufende Faserverbindung, die als Corpus callosum bezeichnet wird.

Zum Zeitpunkt der Nachher-Messung gaben die Studierenden ausführlich Auskunft zu ihrem Alkoholkonsum während der Feier. Mit Hilfe einer speziellen Fragetechnik hat das Forschungsteam versucht, die getrunkene Menge Alkohol Stück für Stück zu rekonstruieren. Wie zu erwarten war, hatten alle Teilnehmenden einen Alkoholrausch an ihrem 21. Geburtstag. Manche waren nur leicht betrunken, andere fügten sich eine schwere Alkoholvergiftung zu, die durchaus tödlich hätte enden können. Schon die durchschnittliche Blutalkoholkonzentration aller Studierenden lag auf einem Level, das nach Angaben des Forschungsteams üblicherweise Erbrechen und Blackouts zur Folge hat.

Das Zechgelage blieb nicht ohne Folgen. Den MRT-Scans zufolge ist das Corpus callosum nach der Geburtstagsfeier geschrumpft. In der Medizin wird der Rückgang von Gewebe Atrophie genannt. Bei Studierenden mit einem Blackout war die Atrophie besonders stark ausgeprägt. Bei einem Teil der Studierenden wurden fünf Wochen nach der Feier erneut MRT-Scans des Gehirns aufgenommen. Das Forschungsteam schlussfolgert, dass bereits ein einziger starker Alkoholrausch ausreichen könne, die wichtige Verbindung zwischen den Gehirnhälften zu schädigen, möglicherweise sogar nachhaltig. Zwar müsse davon ausgegangen werden, dass die Erfassung des Alkoholkonsums mit Unschärfen verbunden war, andere Studien an Menschen und Tieren seien jedoch zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. Ihre Untersuchung unterstreiche daher die hohen Risiken für die Gehirnentwicklung, wenn junge Erwachsene extreme Formen des Rauschtrinkens betreiben.

Gedächtnisprobleme durch Alkoholkonsum bei Jugendlichen

Studien, in denen mit der hochauflösenden Magnetresonanztomographie gearbeitet wurde, konnten zeigen, dass eine Region, die als Hippocampus bezeichnet wird, besonders betroffen ist. Es gibt zwei Hippocampi im Gehirn - einer links, einer rechts - und bei Jugendlichen, die intensiv Alkohol trinken, ist zumindest einer davon signifikant verkleinert. Der Hippocampus trägt entscheidend dazu bei, dass Informationen vom Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis übergehen, sprich: Damit wir uns neu Erlerntes auch wirklich merken. Ist die Funktion des Hippocampus beeinträchtigt, kommt es zu Gedächtnisproblemen.

Ein britisches Forschungsteam hat dies überprüft. In der Studie mussten die beteiligten Jugendlichen zunächst selbst einschätzen, wie oft sie im Alltag Dinge vergessen, die sie eigentlich vorhatten zu tun, wie zum Beispiel sich mit Freunden zu treffen. Anschließend wurde ihnen ein Video eines Einkaufstrips gezeigt. Zuvor hatten sie einige Minuten Zeit, sich ein paar Aufgaben zu merken, die mit bestimmten Szenen des Videofilms gekoppelt waren. Zwar zeigten sich keine Unterschiede hinsichtlich der Selbsteinschätzung der Jugendlichen. Im Kontrast dazu standen allerdings die Testergebnisse. Beim Video merkten sich die trinkenden Jugendlichen signifikant weniger. „Die Rauschtrinker erinnerten sich an bis zu einem Drittel weniger Aufgaben", sagt Forschungsleiter Thomas Heffernan.

Akute Toleranz und die Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung

Tierexperimente weisen zudem darauf hin, dass sich das jugendliche Gehirn aufgrund von Alkoholkonsum womöglich langsamer entwickelt. In einem Laborversuch untersuchten die Forscherinnen Elena Varlinskaya und Linda Spear wie Teenager-Ratten auf eine Alkoholinjektion reagieren. Beobachtet wurde, dass die jugendlichen Nager nicht so stark betäubt waren wie erwachsene Tiere und dass sie weniger motorische Beeinträchtigungen aufwiesen. Außerdem fehlten den jungen Ratten offensichtliche Anzeichen für eine Alkoholvergiftung. Die Ursache für das, was die Autorinnen der Studie „akute Toleranz“ nennen, ist eine Art Ausgleichsmechanismus. Das Gehirn der Ratten versucht, die durch Alkohol verursachten Beeinträchtigungen durch eine schnelle Anpassung wieder wett zu machen. Doch der Aufwand, den das Gehirn hierfür leisten muss, geht zu Ungunsten der allgemeinen Entwicklung des Gehirns.

Alkohol und Risikobereitschaft

Aus der Hirnforschung kommen neue Ergebnisse, die Hinweise darauf geben, warum Menschen unter Alkoholeinfluss sich eher auf riskante Verhaltensweisen einlassen. Eine Forschungsgruppe aus den USA hat herausgefunden, dass Alkohol die Aktivität in Hirnzentren reduziert, die für das Erkennen von Gefahren zuständig ist. Wir begeben uns demnach unter Alkohol deshalb eher in Gefahr, weil wir sie als solche nicht erkennen.

Die Forscherinnen und Forscher des US-amerikanischen National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism haben herausgefunden, dass Alkoholkonsum die Hirnaktivität in den Bereichen reduziert, die bei der Wahrnehmung und der Bewertung von bedrohlichen Situationen eine wichtige Rolle spielen. Personen unter Alkoholeinfluss können nicht mehr zwischen bedrohlichen und nicht bedrohlichen Situationen unterscheiden.

Die Studie gründet ihre Ergebnisse auf Untersuchungen mit Hilfe der so genannten funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT). Dabei wird dem Gehirn quasi beim Denken zugeguckt. Hochauflösende Bilder zeigen auf, wo im Gehirn die Aktivität hoch und wo sie reduziert ist. Zwölf gesunde Personen bekamen an zwei Tagen jeweils entweder eine Alkohollösung oder ein Placebo intravenös gespritzt. Die Alkoholmenge entsprach etwa 0,8 Promille - also einem Wert, der durchaus typisch ist für Alkoholtrinken in soziale Situationen. Anschließend wurden den Probandinnen und Probanden unterschiedliche Bilder von Personen gezeigt, mit entweder neutralem oder ängstlichem Gesichtsausdruck. Aufgrund früherer Untersuchungen ist bekannt, dass der Anblick ängstlicher Gesichter als ein Signal für eine bedrohliche Situation gewertet wird.

Im nüchternen Zustand wurden bei den ängstlichen Gesichtern tatsächlich die Hirnregionen aktiviert, die für Objekterkennung und Emotionen zuständig sind. Angst und Vermeidungsverhalten sind die Folge. Waren die Probandinnen und Probanden jedoch alkoholisiert, zeigte sich keine erhöhte Aktivität. Hingegen wurde Areale, die zum Belohnungszentrum gerechnet werden, aktiviert.

Auf Partys würde die geringere Ängstlichkeit von Vorteil sein, da es so leichter sei, auf andere Personen zuzugehen, doch könne man auch leichter in einen Streit oder eine körperliche Auseinandersetzungen geraten, weil man die Anzeichen für eine Bedrohung oder die Gefährlichkeit einer Situation nicht erkennt.

„Das wichtigste Ergebnis der Studie ist, dass nach Alkoholkonsum diejenigen Hirnareale, die Bedrohungen erkennen, nicht zwischen bedrohlichen und nicht-bedrohlichen Umweltsignalen unterscheiden können“, kommentiert Dr. Marina Wolf von der Rosalind Franklin University of Medicine and Science die Ergebnisse.

Vorzeitiges Altern des Gehirns durch Alkoholkonsum

Schon eine Flasche Bier am Tag lässt die graue sowie die weiße Substanz im Gehirn schrumpfen, wenn Sie über einen langen Zeitraum regelmäßig konsumieren. Bei der grauen Substanz handelt es sich um die Großhirnrinde (oder Cortex), die rund 20 Milliarden Nervenzellkörper beherbergt. Im Inneren des Großhirns befinden sich ihre Zellfortsätze (Axone), die aufgrund ihrer helleren Farbe weiße Substanz genannt werden. Beide Substanzen sind wesentliche Bestandteile des zentralen Nervensystems und steuern nahezu alle Hirnfunktionen. Ohne sie kann das Gehirn nicht normal arbeiten. Die Veränderungen, die Alkohol in den Gehirnsubstanzen verursacht, sind jedoch nicht linear: Je mehr man trinkt, desto schneller schrumpft das Gehirn. Ein Beispiel: Erhöht eine 50-jährige Person ihren täglichen Alkoholkonsum von einem 0,25l Glas Bier auf eine 0,5l Flasche Bier, entsprechen die Veränderungen im Gehirn einer Alterung von zwei Jahren.

Es ist normal, dass die Zellstrukturen sich etwa im Alter von 50 Jahren langsam abbauen. Die Blütezeit des Gehirns ist dann in der Regel schon vorbei. Doch, je mehr Alkohol Sie konsumieren, desto schneller bauen sich die Zellstrukturen ab. Die Folgen der Hirnalterung machen sich vor allem durch ein geschwächtes Erinnerungsvermögen bemerkbar. So kann es häufiger dazukommen, dass sie Kleinigkeiten wie Ihren Hausschlüssel vergessen oder immer öfter mehr als einmal auf Ihre Einkaufsliste schauen müssen. Aber der Alkohol beeinträchtigt auch andere kognitive Fähigkeiten: Aufmerksamkeit, Orientierung oder die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung. Jüngere Studien weisen darauf hin, dass regelmäßiger Alkoholkonsum von bereits fünf bis sechs Standardgläsern pro Woche die kognitive Leistungsfähigkeit vermindert.

Erhöhtes Demenzrisiko durch Alkoholkonsum

Im Gehirn verursacht ein regelmäßiger Konsum hoher Alkoholmengen außerdem Veränderungen, die das Risiko einer Demenzerkrankung stark erhöhen. Dabei handelt es sich um eine Krankheit, die eine fortschreitende Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit hervorruft. Betroffene Menschen können dadurch häufig kein selbstbestimmtes Leben mehr führen und sind auf Hilfe im Alltag angewiesen. Studien zeigen, dass sich das Demenzrisiko deutlich erhöht, wenn man regelmäßig viel Alkohol trinkt. Personen ab 45 Jahren, die mehr als 24 Gramm reinen Alkohol (ca. 250 ml Wein) am Tag trinken, sind besonders gefährdet.

Alkoholbedingte Beeinträchtigung der Reaktionsfähigkeit und des Koordinationsvermögens bei Jugendlichen

Sich die Kante geben, volllaufen lassen, einen hinter die Binde kippen … im deutschen Sprachgebrauch finden sich zahlreiche Umschreibungen für das Betrinken mit Alkohol. Was lustig klingt kann jedoch langfristig negative Konsequenzen nach sich ziehen. Problematisch am Alkohol ist, dass er die Reaktionsfähigkeit und das Koordinationsvermögen mindert und gleichzeitig die Risikobereitschaft erhöht. Bei jungen Menschen ist dieser Effekt noch stärker ausgeprägt als bei Erwachsenen.

Aus Sicht der Hirnforschung erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für Rauschtrinken bei Jugendlichen, weil sich das limbische System und der präfrontale Cortex asynchron, das heißt zeitversetzt entwickeln. Das limbische System ist angesiedelt zwischen Großhirn und Hirnstamm und ist zuständig für die Verarbeitung von Emotionen. Den Gegenpol bildet der präfrontale Cortex. Hier regiert die Vernunft, die den triebgesteuerten Impuls aus der Tiefe des Gehirns in seine Schranken weist. Bei Jugendlichen ist der präfrontale Cortex allerdings noch nicht voll entwickelt, während das limbische System seine Arbeit schon mit Vollgas verrichtet. Die Folge: Die Konsequenzen des eigenen Tuns werden nur unzureichend abgewogen. Doch Rauschtrinken ist Gift für das Gehirn und kann die Entwicklung der grauen Zellen nachhaltig beeinträchtigen.

In der Kindheit steht die Ausbildung der grauen Substanz im Vordergrund. Das ist die äußerste Hirnrinde, die auch als Cortex bezeichnet wird. Das Jugendalter ist eine erneute Phase des Umbaus. Verschaltungen zwischen den Hirnarealen werden aufgebaut und verfeinert. Ein wichtiger Prozess dieser Reifungsphase ist die Myelinisierung der Nervenfasern. Die so genannte Myelinscheide bildet eine Art Isolationsschicht, die für eine störungsfreie Weiterleitung elektrischer Nervenimpulse sorgt. Da die Myelinscheide weiß ist, wird dieser Bereich des Gehirns auch als weiße Substanz bezeichnet.

Schnelle Veränderungen im Gehirn durch Alkohol

Ein Forschungsteam der Universität Heidelberg hat erstmals nachgewiesen, dass Alkohol rasch Veränderungen im Gehirn verursacht. Bei gesunden Menschen würden sich die Verschiebungen im Hirnstoffwechsel wieder vollständig zurückbilden. Dieser Regenerationsprozess könnte allerdings bei häufigem Konsum zum erliegen kommen.

Alkohol kann rasch zu Kopf steigen. Was dabei passiert, das hat die Arbeitsgruppe „Cerebraler Metabolismus“ des Heidelberger Universitätsklinikums genau untersucht. Dazu wurde die Hirnaktivität von acht männlichen und sieben weiblichen Versuchspersonen im Kernspintomographen live beobachtet, während sie aus einem langen Strohhalm Alkohol tranken. Die Menge entsprach etwa der von drei Gläsern Bier oder zwei Gläsern Wein. Diese Alkoholmenge löst noch keinen schweren Rausch aus, hat aber bereits 0,5 bis 0,6 Promille zur Folge. Die Ergebnisse zeigen, dass sich bereits nach sechs Minuten erste Veränderungen in den Gehirnzellen abzeichnen.

„Unsere Studie liefert erste Hinweise darauf, dass das Gehirn umschaltet und statt Glukose ein Abbauprodukt des Alkohols zur Energiegewinnung nutzt“, erklärt Armin Biller, Leiter der Studie. Die schädliche Wirkung setzt ebenfalls rasch ein. Während des Experiments nahm die Konzentration von Stoffen, denen zellschützende Effekte zugeschrieben werden, wie Kreatin und Aspartat, mit zunehmender Alkoholkonzentration ab. Cholin, ein Bestandteil der Zellwände, war ebenfalls erniedrigt. „Das weist möglicherweise darauf hin, dass sich sogar die Zellwände unter Alkoholeinfluss in ihrer Zusammensetzung ändern“, so Biller.

Reversible Veränderungen bei moderatem Konsum, aber Risiko bei häufigem Genuss

Ist das bereits schädlich für das Gehirn? „Die Verschiebungen im Hirnstoffwechsel nach moderatem Alkoholkonsum gesunder Menschen sind vollständig reversibel, wie unsere Kontroll-Untersuchungen am Folgetag gezeigt haben“, erläutert Biller. „Wir vermuten jedoch, dass die Fähigkeit des Gehirns, sich von den Alkoholwirkungen zu erholen mit zunehmendem Alkoholgenuss abnimmt bzw. erlischt. Möglicherweise sind die akuten Effekte, wie wir sie in unserer Studie nachweisen konnten, die Grundlage für die dauerhaften Schäden am Gehirn, wie sie bekanntermaßen bei alkoholabhängigen Menschen auftreten. Diese Frage muss noch in künftigen Studien geklärt werden.“

tags: #drugcom #wie #alkohol #das #gehirn #junger