Lebensmittelvergiftung: Ursachen, neurologische Symptome und Prävention

Im Sommer steigt das Risiko einer Lebensmittelvergiftung, da sich schädliche Bakterien in verdorbenen oder kontaminierten Lebensmitteln schnell bilden können. Dies geschieht besonders dann, wenn Lebensmittel, wie beispielsweise beim Grillen, nicht ausreichend vor der Sommerwärme geschützt werden. Eine Lebensmittelvergiftung ist eine Entzündung des Magen-Darm-Trakts, die durch Bakterien, Viren oder Parasiten ausgelöst wird. Im Gegensatz zu einer Lebensmittelinfektion ist die Lebensmittelvergiftung nicht ansteckend, obwohl mehrere Personen gleichzeitig Symptome zeigen können, wenn sie die gleiche kontaminierte Quelle konsumiert haben.

Symptome und Ursachen einer Lebensmittelvergiftung

Die Symptome einer Lebensmittelvergiftung treten in der Regel kurz nach dem Verzehr verdorbener oder verunreinigter Lebensmittel auf. Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen der Infektion und den ersten Beschwerden, variiert je nach Erreger und kann wenige Stunden oder Tage betragen. Die Symptome ähneln oft denen einer Magen-Darm-Infektion, die Übelkeit und Erbrechen mit sich bringt.

Zu den häufigsten Auslösern gehören:

  • Rohes oder nicht vollständig gegartes Fleisch
  • Roher Fisch
  • Nicht pasteurisierte Milchprodukte
  • Eier

Durch den Verzehr verdorbener Lebensmittel gelangen giftige Bestandteile oder Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren in den Körper. Wenn Viren die Auslöser sind, handelt es sich jedoch nicht um eine klassische Lebensmittelvergiftung, sondern um eine virale Infektion. Der Körper versucht, die giftigen Bestandteile so schnell wie möglich loszuwerden. Viele Erreger, die mit der kontaminierten Nahrung aufgenommen werden, führen nicht direkt zu Beschwerden, sondern scheiden Giftstoffe aus, die eine Lebensmittelvergiftung verursachen. Es gibt jedoch auch Toxine, die direkt Beschwerden verursachen. Einige Nahrungsmittel, wie bestimmte Pilzarten, sind für Menschen roh nicht genießbar.

Behandlung und Linderung von Symptomen

Die Symptome einer Lebensmittelvergiftung lassen sich in der Regel gut behandeln. Anhaltender Durchfall und Erbrechen können jedoch zu einem starken Wasser- und Elektrolytverlust führen, der den Körper erheblich schwächt.

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  • Medikamente gegen Brechreiz: Gegen übermäßigen Brechreiz können Medikamente mit dem Wirkstoff Dimenhydrinat (z. B. Vomex A®) helfen.
  • Leichte Kost: Verzichten Sie auf schwer verdauliche Speisen, Rohkost und Milchprodukte.
  • Flüssigkeitszufuhr: Nehmen Sie genügend Flüssigkeit zu sich, um den durch Erbrechen und Durchfall verursachten Wasserverlust auszugleichen.
  • Salzhaushalt: Achten Sie auf Ihren Salzhaushalt, da bei einer Lebensmittelvergiftung auch Salze verloren gehen.
  • Frühzeitige Nahrungsaufnahme: Versuchen Sie, baldmöglichst wieder Nahrung zu sich zu nehmen. Leicht verdauliche Lebensmittel wie Haferschleim, Reis oder Zwieback sind gut geeignet.

Bei leichten Lebensmittelvergiftungen reicht es meist aus, die Symptome zu lindern. Bei schweren Verläufen oder bei Risikopatienten kann jedoch eine medikamentöse Behandlung erforderlich sein.

Botulismus: Eine besondere Form der Lebensmittelvergiftung

Eine besonders gefährliche Form der Lebensmittelvergiftung ist der Botulismus, der eine Behandlung auf der Intensivstation erfordert. Botulismus ist eine seltene neurologische Erkrankung, die durch eine Vergiftung mit Neurotoxinen des Bakteriums Clostridium botulinum hervorgerufen wird. Diese Toxine hemmen die Ausschüttung von Acetylcholin, was zu Lähmungen führt.

Klassifikation des Botulismus

Die Vergiftung mit den Neurotoxinen von Clostridium botulinum kann auf unterschiedliche Weise erfolgen:

  • Nahrungsmittelbotulismus: Wird am häufigsten durch nicht ausreichend erhitzte oder konservierte Lebensmittel verursacht, wie z. B. hausgemachte Wurst- oder Gemüsekonserven.
  • Wundbotulismus: Entsteht, wenn eine Wunde mit Sporen von Clostridium botulinum infiziert wird.
  • Neugeborenenbotulismus (Säuglingsbotulismus): Wird durch eine Besiedelung des Darms mit Clostridium botulinum hervorgerufen.
  • Intestinaler Botulismus bei Erwachsenen: Entspricht dem Neugeborenenbotulismus, kommt aber noch seltener vor.

Symptome des Botulismus

Die Symptome des Botulismus umfassen:

  • Okulomotorische und bulbäre Paresen (Lähmungen der Augen- und Rachenmuskulatur)
  • Diplopie (Doppeltsehen)
  • Dysarthrie (motorische Sprechstörung)
  • Dysphagie (Schluckstörung)
  • Dysphonie (Stimmstörung)
  • Mundtrockenheit
  • Mydriasis (Pupillenerweiterung)
  • Schlaffe Lähmung der Atemmuskulatur

Diagnose und Behandlung des Botulismus

Die Diagnose des Botulismus basiert auf den klinischen Symptomen und der Anamnese des Patienten. Der Labornachweis von Botulinumtoxin im Serum, Stuhl oder in verdächtigen Lebensmitteln ist obligat.

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Die Behandlung des Botulismus umfasst:

  • Intensivmedizinische Überwachung: Aufgrund der Gefahr von Aspiration und Atemlähmung.
  • Botulinum-Antitoxin: Die Gabe eines Botulinum-Antitoxins ist die einzige spezifische pharmakologische Maßnahme. Es neutralisiert ausschließlich extrazelluläres BoNT.
  • Chirurgisches Debridement: Bei Wundbotulismus.
  • Antibiotische Therapie: Bei Wundbotulismus.
  • Unterstützende Maßnahmen: Wie Beatmung, Magenspülung (in seltenen Fällen) und Einläufe/Laxantien.

Vorbeugung von Botulismus

  • Sorgfältige Lebensmittelhygiene: Achten Sie auf eine sorgfältige Lebensmittelhygiene bei der Herstellung und Lagerung von Lebensmitteln.
  • Ausreichendes Erhitzen von Lebensmitteln: Erhitzen Sie Lebensmittel ausreichend, um Sporen abzutöten.
  • Vermeidung von Honig bei Säuglingen: Geben Sie Säuglingen unter einem Jahr keinen Honig.
  • Vorsicht bei selbstgemachtem Einmachgut: Seien Sie vorsichtig bei selbstgemachtem Einmachgut und erhitzen Sie es vor dem Verzehr gut.

Prävention von Lebensmittelvergiftungen

Um eine Lebensmittelvergiftung zu vermeiden, ist es wichtig, auf eine gute Lebensmittelhygiene zu achten:

  • Hände waschen: Säubern Sie Hände, Geschirr und Küche vor, zwischen und nach den Kochgängen.
  • Vermeidung von Risikoprodukten: Verzichten Sie auf Rohmilchprodukte und rohe Fleisch- oder Fischprodukte.
  • Korrekte Lagerung: Bewahren Sie Ihre Lebensmittel in verschließbaren Behältnissen und bei geeigneten Temperaturen auf.
  • Sicheres Trinkwasser: Verwenden Sie im Urlaub nur sicheres Trinkwasser.
  • Einmachgut gut durcherhitzen: Hausgemachte Wurstkonserven, Kräuteröle und eingelegtes Gemüse können in seltenen Fällen mit Giftstoffen belastet sein. Aus Vorsichtsgründen sollte das Einmachgut daher rasch verbraucht und vor dem Essen gut durcherhitzt werden.

Neurologische Symptome bei Lebensmittelvergiftungen

Neben den typischen Magen-Darm-Beschwerden können Lebensmittelvergiftungen auch neurologische Symptome verursachen. Diese treten insbesondere bei bestimmten Erregern oder Toxinen auf:

  • Listeriose: Kann zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) führen, die mit hohem Fieber, Nackensteife und Kopfschmerzen einhergeht.
  • Botulismus: Verursacht Lähmungserscheinungen, die auf die Augenmuskulatur übergreifen und zu Doppeltsehen führen können. Im weiteren Verlauf können Lähmungen der Rachen- und Atemmuskulatur auftreten.
  • Vergiftung mit organischen Bleiverbindungen: Kann das Zentralnervensystem schädigen und zu Halluzinationen, Erregungszuständen oder Krämpfen führen. Zu den Spätfolgen können Parkinson-ähnliche Symptome und Lähmungen zählen.
  • Fischvergiftung (Ciguatoxin): Kann neben Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auch neurologische Symptome wie Kribbeln, Taubheitsgefühl und Muskelschwäche verursachen.
  • Pilzvergiftung: Kann zu Bewusstseinsstörungen, Gleichgewichtsstörungen und in schweren Fällen zu Krampfanfällen führen.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

In den meisten Fällen sind die Symptome einer Lebensmittelvergiftung nicht übermäßig gefährlich und dauern nur wenige Tage. Es gibt jedoch Situationen, in denen ein Arzt aufgesucht werden sollte:

  • Starke Beschwerden: Bei sehr starkem Erbrechen, blutigem Durchfall oder mehr als zehn Durchfällen pro Tag.
  • Risikogruppen: Wenn kleine Kinder, ältere Menschen oder Schwangere betroffen sind.
  • Anhaltende Symptome: Wenn die Symptome länger als drei Tage anhalten.
  • Fieber oder blutiger Durchfall: Wenn Fieber oder blutiger Durchfall auftreten.
  • Unklare Ursache: Wenn nicht klar ist, welches Lebensmittel die Symptome verursacht hat, insbesondere nach einer Pilzmahlzeit.

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