Spätfolgen der Kalottenfraktur: Nervenschmerzen und ihre Behandlung

Ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT) ist eine Verletzung des Gehirns, die durch äußere Gewalteinwirkung auf den Schädel verursacht wird. Es kann ein breites Spektrum von Erkrankungen umfassen, von leichten Gehirnerschütterungen bis hin zu schweren Verletzungen mit dauerhaften Schäden. Eine Kalottenfraktur, ein Bruch des Schädeldachs, kann Teil eines SHT sein und in manchen Fällen zu Spätfolgen wie Nervenschmerzen führen.

Einteilung und Schweregrade des Schädel-Hirn-Traumas

Die Glasgow-Coma-Scale (GCS) ist ein wichtiges Instrument zur schnellen und reproduzierbaren Beurteilung des Schweregrades eines SHT in der Frühdiagnostik. Die GCS bewertet das Öffnen der Augen, die verbale Reaktion und die motorische Reaktion des Patienten.

  • Leichtes SHT (GCS 14-15): Oft gekennzeichnet durch eine Gehirnerschütterung (Commotio cerebri) ohne dauerhafte Schädigung der Hirnstrukturen.
  • Mittelgradiges SHT (GCS 9-13): Hier liegt eine Gehirnprellung (Contusio cerebri) vor, bei der die Hirnsubstanz geschädigt ist. Die Bewusstlosigkeit dauert in der Regel zwischen 5 und 30 Minuten.
  • Schweres SHT (GCS 3-8): Dieser Grad ist kritisch und oft mit einer Drucksteigerung durch ein Hirnödem oder eine Hirnblutung verbunden, was zu einer Gehirnquetschung (Compressio cerebri) führen kann. Die Bewusstlosigkeit dauert länger als 30 Minuten, und es ist mit Spätfolgen zu rechnen.

Akutbehandlung des Schädel-Hirn-Traumas

Die Behandlung eines SHT beginnt idealerweise direkt am Unfallort. Primär geht es darum, die Vitalzeichen zu sichern, insbesondere die Atemwege freizuhalten und Blutungen zu stillen. Die Stabilisierung der Wirbelsäule und des Schädels ist wichtig für den Transport des Betroffenen. Anschließend erfolgt eine neurologische Ersteinschätzung und Schmerztherapie. Regelmäßige Untersuchungen, insbesondere der Pupillenreaktion und der Vitalzeichen, sind entscheidend. Die Glasgow-Coma-Scale wird zur fortlaufenden Beurteilung des Zustands verwendet.

  • Leichtes SHT: Klinische Überwachung für 24 Stunden, um Bewusstseinseintrübungen, starke Kopfschmerzen, Krampfanfälle, Verwirrtheit und neurologische Defizite zu erkennen.
  • Schweres SHT: Patienten werden auf der Intensivstation intubiert und überwacht. Bei erhöhtem Hirndruck können Maßnahmen wie Liquordrainage, Kraniotomie oder Sedierung erforderlich sein.

Rehabilitation nach Schädel-Hirn-Trauma

Nach der Akutbehandlung neurologischer Schäden beginnt die Rehabilitation, die sich nach dem Rehabilitationsphasenmodell der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) richtet.

  • Phase B ("Neurologische Frührehabilitation"): Ein interdisziplinäres Team aus Pflegekräften, Ärzten, Psychologen, Physio- und Ergotherapeuten sowie Logopäden führt die Therapie durch.
  • Phase C:
  • Phase D ("Anschlussheilbehandlung" AHB): Ambulante Versorgung durch Physio- und Ergotherapie, Logopädie und ambulante klinische Versorgung.
  • Phase E: Berufliche Wiedereingliederung.

Mögliche Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas

Die Folgen eines SHT können vielfältig sein und reichen von körperlichen Einschränkungen bis hin zu Bewusstseinsstörungen.

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  • Körperliche Folgen: Veränderungen des Gangbildes, Einschränkungen beim Greifen von Objekten, Lähmungen.
  • Bewusstseinsstörungen: Wachkoma (Syndrom reaktionsloser Wachheit) mit Ausfall der Großhirnrinde bei erhaltener Funktion von Zwischenhirn, Hirnstamm und Rückenmark.
  • Weitere mögliche Folgen: Aufmerksamkeits-, Lern- und Gedächtnisstörungen, Persönlichkeitsveränderungen, emotionale Störungen, Verwirrtheit, Sprach- und Sprechstörungen, Schluckstörungen, Gesichtsfeldausfälle, Wahrnehmungsstörungen, Störungen der Bewegungs- und Handlungsabfolgen, Regulationsstörungen.

Kalottenfraktur: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Die Kalottenfraktur ist ein Bruch des Schädeldachs, der durch direkte Gewalteinwirkung auf den Schädel entsteht.

Ursachen:

  • Stürze
  • Schläge auf den Kopf
  • Verkehrsunfälle

Diagnose:

  • Körperliche Untersuchung
  • Computertomographie (CT)

Behandlung:

  • Nicht-operative Therapie: Bei nicht verschobenen Brüchen ohne Gehirnbeteiligung. Klinische Beobachtung ist erforderlich.
  • Operative Therapie: Bei verschobenen Bruchstücken. Die Bruchstücke werden mit Drähten oder Platten in ihre ursprüngliche Position gebracht und stabilisiert.

Nervenschmerzen als Spätfolge einer Kalottenfraktur

Nervenschmerzen (Neuropathische Schmerzen) können als Spätfolge einer Kalottenfraktur auftreten, insbesondere wenn Nerven durch den Bruch selbst, durch Narbenbildung oder durch Druck geschädigt werden.

Ursachen für Nervenschmerzen nach Kalottenfraktur:

  • Direkte Nervenschädigung: Der Bruch kann direkt Nerven verletzen, die durch den Schädel verlaufen.
  • Narbenbildung: Narbengewebe kann auf Nerven drücken und Schmerzen verursachen.
  • Entzündungen: Entzündungen im Bereich des Bruchs können Nerven reizen.
  • Einklemmung von Nerven: Nerven können durch verschobene Knochenfragmente eingeklemmt werden.

Symptome von Nervenschmerzen:

  • Brennende, stechende oder schneidende Schmerzen
  • Elektrisierende Schmerzen
  • Überempfindlichkeit gegenüber Berührungen (Allodynie)
  • Kribbeln oder Taubheitsgefühl

Diagnose von Nervenschmerzen:

  • Klinische Untersuchung: Der Arzt untersucht die betroffene Region und testet die Sensibilität.
  • Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG): Diese Untersuchung misst, wie schnell elektrische Signale durch die Nerven wandern.
  • Elektromyographie (EMG): Diese Untersuchung misst die elektrische Aktivität der Muskeln und kann helfen, Nervenschäden zu identifizieren.
  • Bildgebende Verfahren: MRT oder CT können helfen, die Ursache der Nervenschmerzen zu identifizieren, z. B. Narbenbildung oder Nervenkompression.

Behandlung von Nervenschmerzen:

Die Behandlung von Nervenschmerzen nach einer Kalottenfraktur zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Die Behandlung kann eine Kombination aus verschiedenen Ansätzen umfassen:

  • Medikamentöse Therapie:
    • Schmerzmittel: Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) können bei leichten Schmerzen helfen. Stärkere Schmerzmittel wie Opioide werden nur in schweren Fällen eingesetzt.
    • Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva (z. B. Amitriptylin, Duloxetin) können bei Nervenschmerzen wirksam sein, da sie die Schmerzverarbeitung im Gehirn beeinflussen.
    • Antikonvulsiva: Medikamente, die zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt werden (z. B. Gabapentin, Pregabalin), können auch bei Nervenschmerzen helfen, da sie die Nervenaktivität reduzieren.
    • Lokalanästhetika: Lidocain-Pflaster oder -Cremes können lokal auf die schmerzende Stelle aufgetragen werden, um die Nerven zu betäuben.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskeln zu stärken, die Beweglichkeit zu verbessern und die Schmerzen zu lindern.
  • Nervenblockaden: Injektionen von Lokalanästhetika oder Kortikosteroiden in die Nähe des betroffenen Nervs können die Schmerzen vorübergehend lindern.
  • Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Bei der TENS werden Elektroden auf die Haut geklebt, um elektrische Impulse abzugeben, die die Schmerzsignale blockieren können.
  • Operation: In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um den Nerv zu dekomprimieren oder Narbengewebe zu entfernen, das auf den Nerv drückt.
  • Psychologische Therapie: Chronische Schmerzen können zu Depressionen, Angstzuständen und anderen psychischen Problemen führen. Eine psychologische Therapie kann helfen, mit den Schmerzen umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.

Schädelbasisbruch: Eine besondere Form der Schädelfraktur

Ein Schädelbasisbruch (Schädelbasisfraktur) ist eine spezielle Art von Schädelfraktur, die die Schädelbasis betrifft. Die Schädelbasis ist der knöcherne Boden des Schädels, der das Gehirn trägt und zahlreiche Nerven und Blutgefäße beherbergt.

Ursachen:

  • Starke Gewalteinwirkung auf den Schädel, z. B. bei Verkehrsunfällen oder Schlägereien.

Formen:

  • Felsenbeinlängsbruch (frontobasale Fraktur)
  • Felsenbeinquerbruch (laterobasale Fraktur)

Symptome:

Die Symptome hängen von der Art und Lokalisation des Bruchs ab.

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  • Felsenbeinlängsbruch: Bluterguss um die Augen (Monokel- oder Brillenhämatom), Schwellung der Augenlider, Stufen im äußeren Gehörgang, Trommelfellriss, Schallleitungs-Schwerhörigkeit, Gesichtsnervenlähmung (Fazialisparese), Störung des Geruchssinns, Austritt von Nervenwasser oder Blut aus Nase, Ohr oder Mund.
  • Felsenbeinquerbruch: Schädigung des Innenohrs mit Hörverlust und Ausfall des Gleichgewichtssinns, Gesichtsnervenlähmung (Fazialisparese), Austritt von Nervenwasser aus dem Ohr, Bluterguss hinter dem Ohr ("Battle's Sign").

Diagnose:

  • Anamnese (Unfallhergang, Symptome)
  • Körperliche Untersuchung (Ohren, Hirnnerven, Sekretaustritt)
  • Computertomographie (CT)
  • Kernspintomographie (MRT) bei Hörverlust oder Gesichtslähmung

Behandlung:

  • Konservative Behandlung: Bettruhe, hochgelagerter Kopf, Reinigung und Abdeckung des Gehörgangs, rheologische Behandlung bei Innenohrschwerhörigkeit, Medikamente gegen Schwindel, Antibiotika zur Vorbeugung von Infektionen.
  • Operation: Bei zertrümmerten und verschobenen Knochenbestandteilen, Nervenwasseraustritt oder sofortiger, totaler Gesichtslähmung.

Komplikationen:

  • Gehirnentzündung (Meningitis)
  • Eiteransammlungen (Empyeme)
  • Hirnabszess
  • Verletzungen der Halsschlagader (Arteria Carotis)
  • Carotis-Sinus-cavernosus-Fistel
  • Dauerhafte Hirnnerven-Läsionen

Wichtige Aspekte für die Prognose

  • Schweregrad des SHT: Leichte SHT haben in der Regel eine gute Prognose, während schwere SHT zu dauerhaften Behinderungen führen können.
  • Art der Fraktur: Verschobene Frakturen oder Schädelbasisfrakturen haben ein höheres Risiko für Komplikationen.
  • Begleitverletzungen: Zusätzliche Verletzungen des Gehirns, der Nerven oder der Blutgefäße können die Prognose verschlechtern.
  • Alter des Patienten: Ältere Patienten haben oft eine schlechtere Prognose.
  • Frühzeitige Rehabilitation: Ein frühzeitiger Beginn der Rehabilitation kann die Genesung verbessern.

Prävention von Kopfverletzungen

  • Tragen Sie bei Aktivitäten mit Verletzungsrisiko (z. B. Sport, Radfahren, Motorradfahren) einen geeigneten Schutzhelm.
  • Beachten Sie die Sicherheitsvorkehrungen im Straßenverkehr (Gurtpflicht, Airbags).
  • Vermeiden Sie Stürze im häuslichen Umfeld (z. B. durch Beseitigung von Stolperfallen).

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