Kalteschauer in den Beinen nach Sklerose: Ursachen und Behandlungen

Kalteschauer in den Beinen nach Sklerose können verschiedene Ursachen haben. Es ist wichtig, die genaue Ursache zu ermitteln, um die richtige Behandlung einzuleiten. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen und Behandlungsansätze.

Ursachen für Kalteschauer in den Beinen

Kalteschauer in den Beinen können durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, wobei Sklerose eine mögliche Ursache darstellt. Es ist wichtig, die zugrunde liegende Ursache zu identifizieren, um die geeignete Behandlung zu bestimmen.

Raynaud-Phänomen

Das Raynaud-Phänomen ist eine Gefäßerkrankung, die durch anfallsartige Durchblutungsstörungen der Finger und Zehen gekennzeichnet ist. Betroffene beschreiben Kälte oder Feuchtigkeit sowie Stress als Auslöser. Dabei ist mit Kälte weniger die absolute Temperatur gemeint, sondern vielmehr der relative Temperaturunterschied. Es gibt zwei Formen des Raynaud-Phänomens:

  • Primäres Raynaud-Phänomen: Tritt ohne Grunderkrankung auf. Die Entstehung des Phänomens liegt noch im Dunkeln. Normalerweise gibt es eine fein abgestimmte Kontrolle für die Spannung der glatten Muskulatur, die die Blutgefäße umschließt. Die meisten Betroffenen haben erstmals zwischen dem 15. und 40. Lebensjahr Symptome. Frauen sind viermal häufiger betroffen als Männer. Das primäre Raynaud-Phänomen tritt familiär gehäuft auf.
  • Sekundäres Raynaud-Phänomen: Wird durch eine andere Erkrankung verursacht, wie z.B. Autoimmunerkrankungen (rheumatoide Arthritis, Kollagenosen, Vaskulitiden), neurologische, neurovaskuläre Erkrankungen, Erkrankungen des Blutes, Nebenwirkungen von Medikamenten (Betablocker, Migränemittel) oder Drogen. Auch äußere Einwirkungen wie ständige Erschütterungen (z.B. beim Umgang mit einem Presslufthammer) können infrage kommen. Bis zu 90 Prozent der Patientinnen und Patienten mit einer systemischen Sklerose haben ein Raynaud-Phänomen als erstes Symptom oder bekommen es im Verlauf der Erkrankung. Die Häufigkeit des Raynaud-Phänomens bei systemischem Lupus erythematodes beträgt 20 bis 60 Prozent, bei Dermatomyositis etwa 30 Prozent.

Symptome des Raynaud-Phänomens:

Die Daumen und die großen Zehen sind seltener betroffen als die übrigen Finger und Zehen. Die Patienten beschreiben das Aussehen der Finger beziehungsweise Zehen zu Beginn des Anfalls als „wie abgestorben“, die Haut färbt sich weiß. Im weiteren Verlauf kann eine blau-lila Färbung auftreten, weil der Blutfluss verlangsamt ist. Das Ende des Anfalls zeigt sich durch einen hellroten Farbton, weil das Gewebe nun verstärkt durchblutet wird. In der Regel empfinden Betroffene während des Anfalls Schmerzen. Stehen die Schmerzen im Vordergrund, so ist es wahrscheinlicher, dass es sich um ein sekundäres Raynaud-Phänomen handelt. Die Dauer eines Anfalls kann wenige Minuten bis hin zu Stunden betragen. Auch die Häufigkeit ist unterschiedlich - von ein bis zwei Attacken pro Jahr bis hin zu mehreren Anfällen täglich. Zwischen den einzelnen Attacken gibt es oft keinerlei Auffälligkeiten, manche Betroffene schwitzen jedoch verstärkt an betroffenen Extremitäten.

Auslöser:

Betroffene beschreiben Kälte oder Feuchtigkeit sowie Stress als Auslöser. Dabei ist mit Kälte weniger die absolute Temperatur gemeint, sondern vielmehr der relative Temperaturunterschied. So ist der kühlere Winter oft weniger problematisch als wechselnde Temperaturen im Frühling und im Herbst oder der Wechsel von der Raumtemperatur nach draußen.

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Multiple Sklerose (MS)

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), bei der das Immunsystem die Nervenhüllen angreift. Im Laufe der Krankheit treten an verschiedenen Stellen des Gehirns und des Rückenmarks Entzündungen auf. Die Folge sind Beschwerden und Funktionseinschränkungen in unterschiedlichen Körperteilen. Die von der Krankheit betroffenen Stellen im ZNS können sich regenerieren, dann normalisieren sich die körperlichen Funktionen wieder. Erfolgt keine Regeneration, bleiben Beeinträchtigungen zurück. Im ZNS von MS-Patienten sind vielfache (multiple) Vernarbungen (Sklerosen) zu finden. Die Symptome der MS treten unvorhersehbar und häufig schubförmig auf.

Frühe Symptome:

"Parästhesien sind ein typisches Frühsymptom bei Multipler Sklerose und gehen mit Missempfindungen wie Kribbeln, Prickeln, «Ameisenlaufen» oder auch Kälte- und Wärmegefühlen sowie Taubheit oder Schwäche einher. Bei MS treten sie häufig zunächst in den Beinen oder Armen auf", berichtet Dr. Frank Bergmann vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN) mit Sitz in Krefeld. Auch eine allgemeine Mattigkeit, rasche Ermüdbarkeit, Konzentrationsstörungen sowie Blasen- und Darmentleerungsstörungen zählen zu den möglichen Frühsymptomen. Ist der Gleichgewichtssinn beeinträchtigt, kann Schwindel in Verbindung mit Übelkeit und Brechreiz auftreten.

Ursachen:

Trotz großer Anstrengungen vieler Forscher auf der ganzen Welt sind die MS-Ursachen noch nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich gibt es keine einzelne MS-Ursache. Viele Forschungen der letzten Jahre lassen vermuten, dass Erbfaktoren zu den MS-Ursachen zählen. Etwa 20 Prozent der MS-Betroffenen haben Familienmitglieder, die ebenfalls erkrankt waren oder sind. Wissenschaftler halten es für wahrscheinlich, dass bestimmte Viren und Bakterien an der Entstehung der MS beteiligt sein könnten. Dazu zählen Herpesviren, das Eppstein-Barr-Virus sowie Bakterien wie Campylobacter oder Chlamydia pneumoniae. Ziemlich sicher sind sich die Forscher jedoch darin, dass Bakterien und Viren schubauslösend sein können. Es gibt große geografische Unterschiede bezüglich des Auftretens der MS. In tropischen und subtropischen Regionen kommt sie kaum vor, während die Erkrankungshäufigkeit in gemäßigten Klimazonen hoch ist. Diese Befunde sprechen dafür, dass klimatische Faktoren zu den MS-Ursachen zählen. Die Forscher sind sich weitgehend sicher, dass Reaktionen des Immunsystems eine ursächliche Rolle bei der Entstehung der MS spielen.

Diagnose:

Die MS-Diagnostik ähnelt einem Puzzle, denn die Symptome der Erkrankung können individuell sehr verschieden sein. Unter dem Fachbegriff Anamnese ist die Krankengeschichte zu verstehen. Bei der Anamnese-Erhebung befragt der Arzt den Patienten gezielt nach Vorkommnissen in der Vergangenheit, die mit seiner Erkrankung in Verbindung stehen könnten. Unter einer neurologischen Untersuchung oder einem neurologischen Status wird das Ergebnis einer körperlichen Untersuchung verstanden. Es gibt verschiedene typische Zeichen, die auf eine MS hinweisen und die bei dieser Untersuchung festgestellt werden können. Pupillenstörungen: Hält der Arzt eine helle Taschenlampe kurz abwechselnd vor beide Augen des Patienten, kommt es auf einer Seite zu einer langsameren Verengung der Pupille als auf dem anderen Auge. Babinski-Zeichen: Der Arzt streicht mit dem Finger oder einem kleinen Stab über die Fußsohle: von der Ferse ausgehend zum kleinen Zeh und dann halbkreisförmig zum großen Zeh. Bei MS bewegt sich der große Zeh Richtung Kopf und die anderen Zehen gehen wie bei einem Fächer auseinander. Mit normalen Röntgenstrahlen können die bei einer Multiplen Sklerose geschädigten Strukturen im Gehirn (Läsionen) nicht sichtbar gemacht werden. Dies wurde erst durch die Entwicklung der Computertomografie (CT) möglich. Eine viel detailgetreuere Abbildung von Gehirnstrukturen gelingt, seit die Magnetresonanztomographie (MRT) in die MS-Diagnostik Einzug gehalten hat. Die Liquor Diagnostik (Untersuchung des Nervenwassers) kann Aufschluss über die Entzündung in Gehirn und Rückenmark geben. Mit einer feinen Nadel wird dabei in Höhe der mittleren Lendenwirbelsäule zwischen die Wirbel gestochen, um das benötigte Nervenwasser zu gewinnen. Liegt eine MS vor, ist die Anzahl einiger Abwehrzellen (Lymphozyten, Plasmazellen) erhöht und Antikörper wie Immunglobulin G (IgG) sind nachweisbar.

Systemische Sklerose (SSc)

Die SSc kann viele unterschiedliche Beschwerden verursachen. Das Krankheitsbild ist dementsprechend vielfältig und die Erkrankung verläuft individuell sehr unterschiedlich. So kann sie relativ plötzlich oder ganz langsam einsetzen sowie in Schüben oder konstant über viele Jahre verlaufen. Die Beteiligung der Haut im Sinne einer Verdickung und Verhärtung ist kennzeichnend für SSc und nahezu alle SSc-Patienten sind hiervon betroffen. Diese ist in Lokalisation und Intensität allerdings unterschiedlich ausgeprägt.

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Symptome:

Üblicherweise beginnen die Hautveränderungen an den Fingern. Diese sind geschwollen und gerötet (puffy fingers). Im weiteren Verlauf kann die Schwellung zwar wieder abnehmen, die Haut wird aber aufgrund der entzündungsbedingten Fibrose möglicherweise verdicken und verhärten, und die Finger können letztlich versteifen. Man spricht dann auch von der „Sklerodaktylie“ oder „Madonnenfingern“. Durch die Verdickung und Verhärtung der Haut im Gesicht kann es zu einem maskenhaften Gesichtsausdruck mit reduzierter Mimik, verschmälerten Lippen, verkleinerter Mundöffnung (Mikrostomie) und der damit einhergehenden Hautfältelung um den Mund (Tabaksbeutelmund) kommen. Des Weiteren können Verkalkungen in der Unterhaut (Calcinosis cutis) sowie im Bereich des Gesichts, des Dekolletés und der Handinnenflächen mit roten, punktförmigen Hautveränderungen auftreten (Teleangiektasie). Solche Teleangiektasien können auch die Schleimhäute betreffen, vor allem im Verdauungstrakt, und dort Blutungen verursachen. Neben Haut und Schleimhäuten sind bei nahezu allen SSc-Patienten auch Blutgefäße betroffen. Im Allgemeinen ist das erste SSc-Anzeichen das „Raynaud-Syndrom“. Auf Grund der hier genannten Veränderungen der Haut und Blutgefäße kommt es bei SSc-Patienten häufig zu Geschwüren (Ulcerationen), insbesondere an besonders exponierten Körperteilen wie den Fingern und Zehen. Eine Gelenkbeteiligung wird in bis zu 97 % der SSc-Patienten beobachtet, wobei hier die nicht-entzündlichen Gelenkschmerzen (Arthralgien) im Vordergrund stehen. Bei circa 13 % der SSc-Patienten können Gelenkentzündungen (Arthritiden) nachgewiesen werden. Ähnlich verhält es sich bei den Muskelbeschwerden. Ein Herz- oder Lungenbefall kann sich entweder im Rahmen eines Lungenhochdrucks (pulmonale Hypertonie; je nach Untersuchung zwischen 10 - 40 % der SSc-Patienten) oder in einer Entzündung mit anschließender Verhärtung des Lungengewebes (Lungenfibrose; in bis zu 70 % der SSC-Patienten) äußern. Bei circa dreiviertel der SSc-Patienten kommt es zu einem Nierenbefall, der meist beschwerdearm verläuft. Eine Beteiligung des Magen-Darm-Traktes kann mittels spezieller Untersuchungsmethoden in bis zu 90 % der SSc-Patienten nachgewiesen werden. Viele männlichen SSc-Patienten (bis zu 80%) leiden unter eingeschränkter Potenz bis hin zu Impotenz (erektile Dysfunktion). Weniger gut untersucht ist die Störung der Sexualfunktion bei weiblichen SSc-Patientinnen. Man geht aber davon aus, dass trockene Schleimhäute bzw.

Abgrenzung zu anderen Erkrankungen:

Hierbei sind vor allem andere entzündlich-rheumatische Systemerkrankungen, wie z. B. der Systemische Lupus Erythematodes (SLE), das Sjögren Syndrom (SS), die Rheumatoide Arthritis (RA) oder Myositis zu nennen. Diese Erkrankungen können zum Teil ähnliche Beschwerden verursachen. Treten sie gemeinsam mit der SSc auf, so spricht man von einem „Overlap-Syndrom“.

Stiff-Person-Syndrom (SPS)

Das SPS ist eine seltene Erkrankung. Die Häufigkeit liegt etwa bei einer Neuerkrankung jährlich pro 1 Million Einwohner. Frauen sind doppelt so oft betroffen wie Männer.

Hauptsymptome:

Erhöhte Spannung der Muskulatur mit Muskelverhärtungen und Steifigkeitsgefühl, insbesondere im Bereich der rumpfnahen Muskulatur. Oft auch einschießende Muskelkrämpfe, die häufig durch bestimmte Reize (z.B. Berührung, Geräusche, Schreck) ausgelöst bzw. verstärkt werden. Im Vordergrund steht eine in der Ausprägung wechselnde Steifigkeit der Muskulatur, oft mit schmerzhaften Krämpfen. Hiervon sind hauptsächlich der Rumpf und die Beine betroffen. Oft werden dadurch Gangstörungen mit Blockaden und Stürzen verursacht. Auch Fehlhaltungen und Skelettdeformitäten können entstehen. In selteneren Fällen ist nur eine Gliedmaße betroffen, dann spricht man vom „Stiff-Limb-Syndrom“ (SLS). Das SPS kann auch mit weiteren Krankheitszeichen kombiniert sein (z.B. epileptischen Anfällen, Lähmungen, Spastik, Muskelzuckungen, Sensibilitätsstörungen, Gleichgewichtsstörungen, Hirnnervenausfällen, autonomen Störungen).

Ursachen:

Das SPS ist eine chronische Autoimmunerkrankung (durch fehlgeleitete Reaktion der eigenen Körperabwehr verursachte Erkrankung). Beim SPS kommt es im Rahmen dieser autoimmunen Störung zu einer gesteigerten Erregbarkeit der Muskulatur. Diese wird durch Antikörper verursacht, die zentrale hemmende Bahnen blockieren, indem sie gegen bestimmte Eiweiße an Synapsen (Übertragungsstellen zwischen Nervenzellen) wirken. Am häufigsten sind Antikörper gegen Glutamat-Decarboxylase (GAD, ca. Das weibliche Geschlecht ist etwa doppelt so häufig betroffen, was für Autoimmunerkrankungen typisch ist. Häufig liegen gleichzeitig noch weitere Autoimmunerkrankungen vor. Das SPS kann im Alter von 1 bis 81 auftreten, das mittlere Erkrankungsalter ist 46. Der Verlauf ist chronisch. Schleichende Verschlechterungen über Monate können von stabilen Phasen über Monate bis Jahre gefolgt werden. Auch akute Krankheitsschübe können vorkommen.

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Diagnostik:

Die Diagnose wird gestellt durch die neurologische Untersuchung sowie typische Veränderungen in der Elektromyographie (elektrophysiologische Untersuchung der betroffenen Muskeln) und dem Nachweis bestimmter typischer Antikörper im Blut bzw. Nervenwasser (gegen GAD, GlyR, Amphyphysin, GABA-A-R, DPPX). Hierbei ist der Nachweis im Nervenwasser noch zielführender als im Blut. Bei einer Erkrankungsdauer von unter fünf Jahren ist eine Tumorsuche angezeigt, weil auch eine Entstehung in Verbindung mit einer bösartigen Neubildung (paraneoplastische Genese) möglich ist. Immer ist eine sorgfältige Ausschlussdiagnostik bezüglich anderer Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen unerlässlich, z.B. Wegen der Seltenheit und der großen Vielseitigkeit des Erkrankungsbildes ist die Diagnose eines SPS häufig erschwert und wird oft erst spät gestellt.

Weitere Ursachen

  • Medikamente: Betablocker und Migränetherapeutika können Kalteschauer in den Beinen verursachen.
  • Berufskrankheit: Chronische Erschütterungen, wie sie bei der Arbeit mit Presslufthammern oder Kettensägen auftreten, können ein Raynaud-Phänomen auslösen.

Diagnose

Um die Ursache für Kalteschauer in den Beinen zu ermitteln, sind verschiedene diagnostische Maßnahmen erforderlich:

  • Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte, einschließlich der genauen Beschreibung der Symptome, Begleiterkrankungen, Medikamenteneinnahme und beruflicher Tätigkeit.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die Haut, die Blutgefäße und das Nervensystem. Dabei werden Blutdruck und Puls an beiden Armen sowie der Body-Mass-Index ermittelt. Abhängig von der Wahrscheinlichkeit eines sekundären Raynaud-Phänomens kann eine vollständige internistisch-rheumatologische Untersuchung sinnvoll sein. Darüber hinaus ist bei Verdacht auf eine sekundäre Erkrankung ein dermatologischer Check der gesamten Haut einschließlich der sichtbaren Schleimhäute sowie eine zumindest orientierende neurologische Untersuchung angezeigt.
  • Laboruntersuchungen: Beim primären Raynaud-Phänomen sind die Ergebnisse sämtlicher laborchemischer Untersuchungen per Definition unauffällig. Bei Verdacht auf eine sekundäre Erkrankung können neben dem großen Blutbild eine ganze Reihe von Markern und Werten im Blut bestimmt werden sowie eine Untersuchung des Urins erfolgen.
  • Kapillarmikroskopie des Nagelfalzes: Die mikroskopische Analyse der Haargefäße (Kapillaren) im Nagelfalz unterhalb des Nagels ist eine wertvolle Untersuchungsmethode, um Hinweise auf eine Kollagenose als Ursache eines sekundären Raynaud-Phänomens zu finden. Beim primären Raynaud-Phänomen tritt zwar häufig ein gestörter Blutfluss auf. Doch wesentliche Abweichungen von der üblichen Haarnadelform sind selten und die Dichte der Haargefäße ist normal. Bei einer Kollagenose liegen oft vergrößerte, erweiterte und deformierte Kapillarschlingen vor, und es sind weniger Blutgefäße vorhanden. Die Kapillarmikroskopie kann das Auftreten einer Kollagenose gut vorhersagen, bevor sich Symptome zeigen. Dagegen hat die Entnahme und Analyse einer Gewebeprobe (Biopsie) meist nur wenig Aussagekraft und erfolgt nur in Ausnahmen. Unter Umständen ist es ratsam, die Blutgefäße mittels Ultraschall oder mit Kontrastmittel angiografisch zu untersuchen.
  • Neurologische Untersuchung: Bei Verdacht auf MS oder SPS wird eine neurologische Untersuchung durchgeführt, um die Funktion des Nervensystems zu überprüfen. Dazu gehören die Prüfung der Reflexe, der Muskelkraft, der Koordination und der Sensibilität.

Behandlung

Die Behandlung von Kalteschauern in den Beinen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache:

Raynaud-Phänomen

  • Allgemeine Maßnahmen: Vermeidung von Kälte, Nikotin und Stress. Warme Kleidung, Handschuhe, Muffs, Taschenöfen und kleine Wärmekissen für Handschuhe und Schuhe können helfen. Regelmäßiges Gefäßtraining (Gymnastik, Wechselbäder), Sport, Massieren der Finger und eine gute Hautpflege sind ebenfalls wichtig. Warme Getränke und wärmende Speisen können von innen helfen.
  • Medikamentöse Therapie: Kalziumantagonisten (Verapamil, Nifedipin), ACE-Hemmer und Prostaglandin-Analoga können die Durchblutung verbessern. Bei sehr starker Ausprägung mit drohendem Verlust der Finger stehen ergänzend zur Therapie der Grunderkrankung Medikamente (Infusionen, Tabletten) zur Verfügung, die die Durchblutung erhöhen und die Bildung neuer Geschwüre verhindern können. Infusionen, etwa mit Iloprost, wirken schnell, machen aber häufig einen stationären Aufenthalt erforderlich. Sogenannte Endothelin-Antagonisten wie Bosentan stehen als Tabletten zur Verfügung, eine engmaschige ambulante Kontrolle ist jedoch nötig. Auch Sildenafil erweitert die Blutgefäße, hat jedoch keine Zulassung für die Anwendung beim Raynaud-Phänomen.
  • Weitere Maßnahmen: In schweren Fällen kann eine Operation oder Weitung der Gefäße per Katheter infrage kommen sowie eine Blockade der Nerven, die für die Gefäßkrämpfe mitverantwortlich sind.

Multiple Sklerose (MS)

Die Multiple Sklerose ist bislang nicht heilbar aber gut behandelbar. Die Therapie der MS hat durch die Einführung einer wirkungsvollen Schubbehandlung und einer vorbeugenden Langzeittherapie in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht. „Das Ziel der Behandlung ist eine bestmögliche Kontrolle der Entzündungsaktivität, wobei gleichzeitig ein besonderes Augenmerk auf der Verbesserung der motorischen Fähigkeiten, dem Erhalt der Alltagskompetenz, der Selbstständigkeit sowie der Berufs- bzw. Erwerbsfähigkeit liegt. Es ist wichtig, dass bei Betroffenen ein sozialer Rückzug und Depressionen vermieden werden, wodurch sich letztlich auch die Lebensqualität entscheidend verbessert“, meint Dr. Bergmann. „Die vorbeugende immunprophylaktische Therapie kann eine mögliche spätere Behinderung verhindern oder verzögern.

Immunsuppressive Therapie:

Eine immunsuppressive Therapie (verlaufsmodifizierende Therapie, Basis-Therapie) besteht in der langfristigen Gabe von sogenannten Immuntherapeutika. Dazu zählen Wirkstoffe, welche die Aktivität des Immunsystems unterdrücken (Immunsuppressiva) beziehungsweise Immunreaktionen gezielt verändern (Immunmodulatoren). Die immunsuppressive Therapie bei Multiple Sklerose ist zwar nicht in der Lage, eine MS zu heilen, sie kann aber ihren Verlauf günstig beeinflussen. Den größten Effekt zeigt sie bei schubförmig verlaufender MS, also bei schubförmig remittierender MS, sowie aktiver sekundär progredienter MS (SPMS). Arten von Immun-Therapeutika: Beta-Interferone (inkl. PEG-Interferon), Glatirameracetat, Dimethylfumarat, Teriflunomid, S1P-Rezeptor-Modulatoren: Fingolimod, Siponimod, Ozanimod, Ponesimod, Cladribin, Natalizumab, Ocrelizumab, Ofatumumab, Rituximab (keine Zulassung für Multiple Sklerose), Alemtuzumab. Die Auswahl geeigneter MS-Immuntherapeutika im Einzelfall richtet sich nach vielen verschiedenen Faktoren, etwa den verschiedenen Verlaufsformen der Multiplen Sklerose, der Krankheitsaktivität und nach eventuellen vorhergehenden Behandlungen mit Immuntherapeutika. Eine Rolle spielen auch individuelle Faktoren, zum Beispiel wie alt der oder die Betroffene ist, wie gut ein Medikament vertragen wird und ob eine bestimmte Begleiterkrankung oder eine Schwangerschaft vorliegt.

Systemische Sklerose (SSc)

Die Therapie der systemischen Sklerose-assoziierten interstitiellen Lungenerkrankung umfasst verschiedene Ansätze.

Stiff-Person-Syndrom (SPS)

Die Grundlagen bilden gezielte Physiotherapie, Krankengymnastik und muskelentspannende Maßnahmen, Vermeidung von auslösenden Reizen. Zudem können muskelentspannende Medikamente helfen, z.B. Baclofen und Tizanidin. Diazepam ist häufig schon in niedriger Dosierung gut wirksam, kann aber zu Gewöhnung führen. Wenn die symptomatische Therapie nicht ausreicht, können aufgrund der autoimmunen Entstehung der Erkrankung Medikamente erfolgreich sein, die das Immunsystem bremsen. Hier ist - wie bei anderen Autoimmunerkrankungen - in erster Linie die Anwendung von Kortisonpräparaten (Prednisolon, Methylprednisolon u.a.) geeignet. Auch Immunglobuline (IVIG) können erfolgreich eingesetzt werden, insbesondere in Krisensituationen. Alternativ kommt bei einer Krise auch eine Blutwäschebehandlung (Plasmapherese) infrage.

Medikamente als Auslöser

Wenn Medikamente die Ursache sind, sollte in Absprache mit dem Arzt eine Alternative gesucht werden.

Berufskrankheit

Wer beruflich mit Vinylchlorid hantiert hat, kann ebenfalls ein Raynaud-Phänomen entwickeln. Die Therapie besteht nach Möglichkeit in der Vermeidung der auslösenden Ursache und einem größtmöglichen Schutz vor Kälte. Wer am Arbeitsplatz stetig Kälte und Nässe ausgesetzt ist, sollte über einen Jobwechsel nachdenken.

Wichtige Hinweise

  • Wenn ein Finger nach kurzer Zeit nicht wieder rosig ist, sollte auch bei bekanntem Raynaud-Phänomen nochmals dringlich eine ärztliche Untersuchung erfolgen.
  • Stress, äußere Reize und manche Medikamente können die Symptome verstärken.
  • Nikotin ist streng untersagt - auch Passivrauchen.

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