Millionen Deutsche leiden an Demenz, und die Suche nach einer Heilung ist ein zentrales Anliegen der medizinischen Forschung. Bislang gibt es keine Heilung für Demenz, aber Wissenschaftler arbeiten kontinuierlich an neuen Behandlungsmethoden, um das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten oder sogar umzukehren.
Demenz in Deutschland: Eine wachsende Herausforderung
Hierzulande leben 1,8 Millionen Menschen mit der Diagnose Demenz. Die meisten von ihnen leiden an Alzheimer, der häufigsten Demenzform. Die Alzheimer-Krankheit ist eine fortschreitende Demenzerkrankung, die das Gedächtnis und andere kognitive Fähigkeiten zunehmend beeinträchtigt. Heilbar ist sie bisher nicht - aber behandelbar. Die Alzheimer-Demenz kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht geheilt werden. Es gibt jedoch in der Demenz-Therapie Behandlungen, Medikamente und andere Maßnahmen, die die Symptome lindern und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen sollen.
Die Symptome beginnen schleichend und verschlechtern sich allmählich. Erst wenn diese Symptome den Alltag erheblich beeinträchtigen, spricht man von einer Demenz. Demenzsymptome betreffen die kognitiven Fähigkeiten, zum Beispiel können Menschen mit Alzheimer sich zunehmend schlechter erinnern, ihnen fällt die Orientierung schwer oder das Lernen neuer Dinge.
Die Rolle der Forschung
Daher forschen Wissenschaftler laufend an neuen Behandlungsmethoden, um ihr Fortschreiten zumindest aufzuhalten. Ein Team aus Japan hat dabei nun einen entscheidenden Schritt gemacht. Ein besonderes Augenmerk wird in der Demenzforschung auf den Einfluss unserer Gene und deren Mutationen gelegt. Kurz gesagt: Die wissenschaftliche „Feinbeobachtung“ findet aus vielen Blickwinkeln statt. Das kurzfristige Forschungsziel ist es nicht, die Krankheit durch die Erfindung einer „Wunderpille“ zu heilen.
Neue Behandlungsansätze: Fokus auf Tau-Proteine
Die Wissenschaftler aus Okinawa prüften im Mäusemodell eine neue Behandlungsform. Diese zielt auf die sogenannten Tau-Proteine ab. Diese sorgen im Inneren der Gehirnzellen eigentlich für Stabilität und Nährstoffversorgung. Aber: Bei der Alzheimer-Krankheit ist das Tau-Protein chemisch so verändert, dass es seiner Funktion nicht mehr nachkommen kann, erklärt die Alzheimer-Forschung-Initiative. Stattdessen sammelt es sich im Gehirn an und sorgt dort, gemeinsam mit anderen Ablagerungen für bekannte Symptome wie den Gedächtnisverlust.
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Peptide als Hoffnungsträger
Das Team fand heraus, dass die Behandlung mit bestimmten Peptiden diese Ablagerungen reduzierte. Peptide sind eine Verbindung verschiedener Aminosäuren. Sie werden in unterschiedlichster Form als Medikamente verwendet. Weltweit sind rund 80 davon zugelassen, etwa gegen Krankheiten wie Diabetes, Krebs, Hormonstörungen, HIV und Multiple Sklerose, schreibt die Universität Wien.
Die japanischen Forscher konnten nun zeigen, dass das Peptid PHPD5 in der Lage dazu war, die Kommunikation zwischen einzelnen Synapsen im Gehirn wiederherzustellen. „Wir waren begeistert, dass PHDP5 die Lern- und Gedächtnisdefizite der Mäuse deutlich lindern konnte“, erklärte Studienautor Chia-Jung Chang. Die Voraussetzung dafür war lediglich, dass das Peptid im relativ frühen Stadium der Krankheit verabreicht wurde.
Expertenmeinungen
„Diese Studienarbeit scheint bahnbrechend zu sein“, bewertet Neuroradiologin Emer MacSweeney, die nicht an der Studie beteilitgt war die Ergebnisse im Gespräch mit „Medical News Today“. Andere Behandlungen würden sich auf andere Mechanismen konzentrieren. Dieser Ansatz sei relativ neu.
Das Mittel soll nun in weiteren Studien untersucht werden, um künftig als tatsächliche Behandlungsmethode zum Einsatz kommen zu können. Die Ergebnisse erschienen im Fachblatt „Brain“.
Was passiert bei Alzheimer im Gehirn?
Im Gehirn von Alzheimer-Patienten gehen zunehmend Nervenzellen und die Übertragungsstellen dazwischen zugrunde. Verantwortlich sind wachsende Eiweißablagerungen zwischen den Neuronen, die sogenannten Amyloid-Plaques. Außerdem bündeln sich im Zellinneren Tau-Proteine zu den sogenannten Neurofibrillen. Diese „Vermüllung“ des Gehirns führt zu den bekannten Symptomen von Gedächtnislücken bis zum Verlust aller kognitiver Fähigkeiten und der Persönlichkeit.
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Warnzeichen und Früherkennung
Generell gilt bei Alzheimer: Je früher die Krankheit erkannt wird, desto höher die Chancen einer erfolgreichen Behandlung. Bei ersten Warnzeichen sollten Sie deshalb Ihren Arzt aufsuchen. Dazu zählen laut Portal „Demenz-behandeln.de“ etwa:
- Häufiges Verlegen von Dingen
- Probleme mit der räumlichen Wahrnehmung
- Änderungen des Verhaltens
Diagnosemethoden
In der Demenzforschung liegt der Fokus vor allem auf der Alzheimer-Krankheit, da sie mit 60 bis 70 Prozent aller Demenz-Fälle die häufigste Demenzform darstellt. Im Bereich der Diagnoseforschung geht es laut dem wissenschaftlichen Beirat der Alzheimer Forschungsinitiative, Prof. Dr. Thomas Arendt, hauptsächlich darum, körperliche Merkmale zu finden, anhand derer die Krankheit Alzheimer nachgewiesen werden kann. Ein Biomarker kann zum Beispiel ein bestimmter Bestandteil im Blut sein.
Demenzielle Veränderungen haben sehr viele unterschiedliche Ursachen. Es gibt viele Demenzformen. Oft liegen auch Mischformen vor. Dies erschwert die Diagnose und Behandlung. Neben der Diagnose durch Bilder vom Gehirn oder Untersuchungen des Blutes gibt es auch sogenannte psychometrische Demenz-Tests, die Hinweis auf eine demenzielle Erkrankung liefern können. Sie dienen vor allem der Früherkennung bei einem Anfangsverdacht.
Im Jahr 2021 kam in den USA ein Bluttest zur Diagnosestellung von Alzheimer auf den Markt. Der Precivity AD-Bloodtest erfasst unter Berücksichtigung des Alters und einer genetischen Komponente das Verhältnis zweier Proteinvarianten von Amyloid-Beta. Der Bluttest gilt als sehr zuverlässig und übertrifft in seiner Genauigkeit Diagnosetechniken wie bildgebende Verfahren („Bilder vom Gehirn“), die die Krankheit oft erst spät erkennen.
Ein deutsch-niederländisches Forscherteam hat einen Bluttest entwickelt, der die Fehlfaltung des Amyloid-Beta Proteins erkennt. Diese Fehlfaltung des Proteins ist für die Alzheimer-Krankheit charakteristisch. Der Früh-Test des Forscherteams sei mit einer Sensitivität von mindestens 90 Prozent sehr aussagekräftig. Die Sensitivität gibt an, zu wie viel Prozent ein Test bei tatsächlich Erkrankten die Krankheit tatsächlich erkennt. Von Vorteil könne das frühe Erkennen von Alzheimer bei der Medikamentengabe sein, die entsprechend früher passiert. „Unsere Ergebnisse zeigen eindeutig, dass in den klinischen Studien heutzutage die Alzheimer-Medikamente zu spät gegeben werden“, betont Studienleiter Prof. Klaus Gerwert.
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Die Rolle von Amyloid-Plaques
Unter Beta-Amyloid werden Proteine verstanden, die als Hauptauslöser von Alzheimer und anderen demenziellen Veränderungen gelten. Diese Proteine kommen auch bei gesunden Menschen vor. Krankmachend sind sie, wenn sie sich im Gehirn ablagern und nicht abgebaut werden. Sie führen dann wahrscheinlich zu einer Störung neuronaler Impulse, das heißt Signale können im Gehirn nicht weitergegeben werden. Der Erforschung des Beta Amyloids wird in der Wissenschaft viel Aufmerksamkeit geschenkt.
Prävention: Wie Sie Alzheimer vorbeugen können
Noch besser als Alzheimer zu behandeln, ist es, der Krankheit vorzubeugen. Wir haben zwölf Risikofaktoren zusammengestellt, auf die jeder und jede achten kann.
- Bewegung: Was gut für Ihr Herz ist, ist auch gut für Ihr Gehirn. Dazu gehört, sich ausreichend zu bewegen - mindestens 2,5 Stunden pro Woche sind ideal. Regelmäßige körperliche Aktivität verbessert Fitness, Stimmung und Schlaf. Moderate Bewegung wie Walking, Tanzen oder Gymnastik wirkt ausgleichend und baut Ängste ab.
- Geistige Fitness: Lernen Sie Neues - auch im Alter. Das hält Ihr Gehirn auf Trab. Egal ob ein Musikinstrument, eine Sprache oder der Umgang mit dem Computer, probieren Sie etwas Neues aus. Aktivitäten, die das Gehirn fordern, können den Krankheitsverlauf positiv beeinflusen. Geeignet sind Brettspiele, Puzzles, Handarbeiten oder Basteln. Wichtig ist, dass die Beschäftigung Freude macht und nicht überfordert.
- Gesunde Ernährung: Orientieren Sie sich an der klassischen mediterranen Ernährung. Essen Sie viel Obst und Gemüse, Olivenöl und Nüsse. Ziehen Sie Fisch rotem Fleisch vor.
- Soziale Kontakte: Zu zweit oder in der Gruppe machen Aktivitäten mehr Spaß und Ihre grauen Zellen werden gefordert. Verabreden Sie sich zum Sport, zum Musizieren, zum Kartenspielen oder zum gemeinsamen Kochen. Ein gutes Miteinander macht zufriedener - und hält den Kopf fit.
- Übergewicht reduzieren: Achten Sie darauf, dass Sie nicht zu viele Kilo auf die Waage bringen. Eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung helfen Ihnen dabei.
- Ausreichend Schlaf: Sorgen Sie für guten und ausreichenden Schlaf, damit das Gehirn Schadstoffe abbauen und sich erholen kann. Zu diesen Abfallprodukten gehört auch das Protein, das letztendlich für die Tau-Fibrillen und Plaques verantwortlich ist.
- Nicht rauchen: Rauchen schadet auch Ihrem Gehirn. Hören Sie auf zu rauchen, es ist nie zu spät.
- Kopfverletzungen vermeiden: Passen Sie im Alltag und beim Sport auf Ihren Kopf auf und tragen Sie zum Beispiel einen Helm beim Fahrradfahren.
- Bluthochdruck checken: Lassen Sie Ihren Blutdruck regelmäßig kontrollieren. Bluthochdruck sollte auf jeden Fall behandelt werden.
- Diabetes überprüfen: Behalten Sie Ihren Blutzuckerspiegel im Blick. Ist er dauerhaft zu hoch, sollten Sie in Absprache mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin aktiv werden.
- Depressionen behandeln: Sorgen Sie gut für sich. Wenn Sie über eine längere Zeit antriebslos oder niedergeschlagen sind, ist es sinnvoll, Ihren Arzt oder Ihre Ärztin aufzusuchen, um die Ursache abzuklären. Eine Depression sollte nicht unbehandelt bleiben.
- Auf Schwerhörigkeit achten: Nehmen Sie es ernst, wenn Sie merken, dass Sie schlechter hören.
Lebensstil als Schlüsselfaktor
Wir wissen heute, dass Lebensstilfaktoren wie schlechte Ernährung, Bewegungsmangel und Schlafmangel mit dem Alzheimer-Risiko verbunden sind. Laut der Alzheimer Forschung Initiative e. V. ist nur etwa ein Prozent der Alzheimer-Fälle erblich bedingt. Dennoch konnte die Wissenschaft in den letzten Jahren Risikofaktoren ausmachen, die die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken, erhöhen. „Wir wissen heute, dass Lebensstilfaktoren wie schlechte Ernährung, Bewegungsmangel und Schlafmangel mit dem Alzheimer-Risiko verbunden sind“, sagt Isolatus. „Äußere Faktoren spielen eine ziemlich große Rolle: Etwa 40 % der Alzheimer-Krankheit sind bedingt durch den Lebensstil.“ Eine aktuelle Studie hat beispielsweise einen Zusammenhang zwischen der Zeit, die ältere Menschen sitzend verbringen, und der Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken, festgestellt.
Angelehnt an die Risikofaktoren, die in den letzten Jahrzehnten herausgearbeitet wurden, kann man in gewissem Maße auch gegensteuern - sogar bezogen auf den Risikofaktor Alter. „Beispielsweise können eine gesunde Ernährung mit wenig verarbeitetem Fleisch und viel Gemüse, ein Verzicht auf Alkohol und Rauchen, körperliche Betätigung, soziales Engagement und ausreichender Schlaf das Risiko verringern“, sagt Isolatus. Zusätzlich gibt es Hinweise darauf, dass das Trainieren des Gehirns dessen Reserven stärkt. Allerdings müssten, laut Isolatus, stärkere Geschütze als nur das Lösen von Kreuzworträtseln aufgefahren werden. „Das Erlernen einer neuen Sprache kann eine gute Möglichkeit sein, das Gehirn aktiv zu halten“, sagt sie. Lebensstilveränderungen wie besserer Schlaf, eine gesündere Ernährung und mehr Bewegung sind also wichtige Pfeiler der Alzheimer-Prävention - und können auch bei Menschen, bei denen bereits erste Anzeichen einer Alzheimer-Demenz oder eines anderen Demenztyps festgestellt wurden, noch helfen, die Krankheit zu verzögern.
Neue Therapieansätze und Medikamente
In den letzten Jahren haben immer wieder Studien zu neuen Alzheimer-Impfstoffen Aufsehen erregt. Aktuell ist der Wirkstoff Protollin ein besonders vielversprechender Kandidat. Der Impfstoff, der über die Nase verabreicht wird, soll körpereigene Abwehrkräfte mobilisieren, um gegen Ablagerungen an Nervenzellen vorzugehen. Eine erste Humanstudie, das heißt Tests an Menschen, läuft seit 2021 in den USA. Die Studie hat allerdings nur 16 Teilnehmer. Etwas weiter ist die Forschung beim Wirkstoff AADvac1. Dieser Wirkstoff greift bestimmte Proteine im Gehirn an und verhindert deren Verklumpung. So soll die Abnahme der geistigen Fähigkeiten verhindert werden. Zu diesem Wirkstoff gibt es bereits mehrere Studien, die die prinzipielle Wirksamkeit in Bezug auf die Proteine und deren Verklumpung belegen.
Antikörper-Medikamente: Ein Meilenstein?
Alzheimer ist nicht heilbar. Doch nun stehen neue Therapien kurz vor der Zulassung. Antikörper bringen die Amyloid-Plaques im Gehirn nachweislich zum Verschwinden. Das kann das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen, aber nicht rückgängig machen. In Kombination mit einer frühen Diagnostik ließen sich damit allerdings Symptome wirksam aufhalten, sagt Prof. Dr. Dorothee Saur, Neurologin am Universitätsklinikum Leipzig.
Neue zugelassene Antikörper-Medikamente wie Leqembi (Lecanemab) und Kisunla (Donanemab) setzen direkt an einer möglichen Krankheitsursache an und eröffnen erstmals Behandlungsmöglichkeiten im frühen Krankheitsstadium.
„Demenz ist ein multifaktorielles Syndrom, eine one-size-fits-all Therapie ist unwahrscheinlich“, sagt Thyrian. So müsse auch der Therapieansatz individuell sein und auf mehrere Faktoren ausgerichtet werden: Was brauchen Patienten genau, wobei brauchen sie Hilfe, welche Einschränkungen haben sie bereits? Außerdem müsse ein größerer Wert auf die Verbesserung der Lebensqualität und die Bedarfe Betroffener gelegt werden - nicht nur auf die Verbesserung der Kognition.
Lecanemab: Ein Hoffnungsschimmer
Absehbar ist ein Teilerfolg in der Behandlung, also eine Modifikation des Krankheitsverlaufs. Darunter fallen die Medikamente Lecanemab und Donanemab. Diese greifen in den Krankheitsprozess ein, indem sie die Bildung von Amyloid-Plaques verhindern und bestehende Plaques abbauen. Es sei das erste Mal, dass eine Therapie gefunden wurde, die tatsächlich dort ansetzt, wo die Alzheimer-Krankheit entsteht. Dennoch können auch diese Medikamente die Krankheit nicht vollständig aufhalten - ein Heilmittel seien sie somit nicht. Außerdem treten bei vielen Patienten starke Nebenwirkungen auf und sind nicht für alle Betroffenen geeignet. Die Ergebnisse sind dennoch vielversprechend. Ein kleiner Hoffnungsschimmer also im Kampf gegen die gefürchtete Krankheit.
Ja, Leqembi wurde in Deutschland am 15.04.2025 zur medikamentösen Behandlung von Menschen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen und im Frühstadium der Alzheimer-Demenz zugelassen.
Nicht-medikamentöse Therapien
Nicht-medikamentöse Therapien sind ein wichtiger Bestandteil der Alzheimer-Behandlung. Sie können helfen, die Selbstständigkeit zu fördern, den Alltag zu strukturieren und kognitive Fähigkeiten möglichst lange zu erhalten. Zum Beispiel:
- Kognitive Förderung (strukturierte Trainings, alltagsnahe Aufgaben)
- Ergotherapie
- Musik-, Kunst- oder Tanztherapie
- Biografiearbeit zur Aktivierung von Erinnerungen
- Gartentherapie
Wichtig ist, dass die Angebote zu den individuellen Möglichkeiten passen und regelmäßig von geschultem Personal angeleitet werden.
Interventionen wie zum Beispiel Tanzcafés für Menschen mit Demenz fördern die Koordinations- und Bewegungsfähigkeit, nicht zuletzt die soziale Inklusion und damit Wohlbefinden.
Leben mit Demenz: Was Betroffene selbst tun können
Selbst aktiv zu werden zu können erscheint nach einer Demenzdiagnose oft schwer vorstellbar. Doch der eigene Lebensstil kann einen wichtigen Unterschied machen - sowohl für die geistigen Fähigkeiten als auch für die Lebensqualität.
Bewegung und soziale Kontakte
Regelmäßige körperliche Aktivität verbessert Fitness, Stimmung und Schlaf. Moderate Bewegung wie Walking, Tanzen oder Gymnastik wirkt ausgleichend und baut Ängste ab. Ein gutes Miteinander macht zufriedener - und hält den Kopf fit.
Geistige Anregung
Aktivitäten, die das Gehirn fordern, können den Krankheitsverlauf positiv beeinflusen. Geeignet sind Brettspiele, Puzzles, Handarbeiten oder Basteln. Wichtig ist, dass die Beschäftigung Freude macht und nicht überfordert.
Genetische Aspekte und Vererbung
Experten gehen davon aus, dass es bei rund 30 Prozent der Alzheimer-Patienten weitere Betroffene in der engeren Verwandtschaft gibt. Für Verwandte zweiten Grades (zum Beispiel Neffen oder Nichten) liegt die Erkrankungs-Wahrscheinlichkeit bei zehn Prozent.
Eine Form der Alzheimer-Krankheit ist die Familiäre Alzheimer-Krankheit (FAD), die allerdings nur etwa 5 Prozent aller Fälle umfasst. Inzwischen sind zumindest drei Gene identifiziert worden, die dazu führen können, dass Menschen bereits im jüngeren Alter (unter 60 Jahren) an Alzheimer erkranken.
Wenn in einer Familie Alzheimer aufgetreten ist und die Erkrankten noch relativ jung waren (unter 60 Jahren), besteht ein höheres Risiko, dass in der Familie die familiäre Alzheimer-Krankheit (FAD) vererbt wird. Anhand einer Blutuntersuchung des Betroffenen beziehungsweise der Kinder kann festgestellt werden, ob eine genetische Mutation vorliegt. Medizinisch ist das machbar. Ethisch wird oft zu bedenken gegeben, ob man das persönliche Risiko wirklich wissen will. Denn eine Heilung gibt es für Alzheimer bislang nicht.
Während das Risiko für eine Familiäre Alzheimer Krankheit (FAD) recht einfach feststellbar ist, sieht es bei der „gängigen“ Alzheimer-Krankheit bislang anders aus.
Andere Demenzformen
Bei etwa 15 Prozent aller Demenzformen handelt es sich um eine Frontotemporale Demenz (FTD). Diese Demenzform ist auch als Picksche Krankheit bekannt. Das Institut für Humangenetik der Universität Bonn schätzt, dass etwas zehn bis 15 Prozent der FTD vererbbar sind. In diesen Fällen wird oft beobachtet, dass mehrere Mitglieder der Familie von der Erkrankung betroffen sind.
Eine vaskuläre Demenz ist die Folge von Beschädigungen an Blutgefäßen im Gehirn. Ursächlich dafür ist in vielen Fällen ein Schlaganfall, Bluthochdruck oder andere Grunderkrankungen wie Diabetes und Herzerkrankungen. Es gibt eine genetische Mutation, die das Risiko für eine vaskuläre Demenz stark erhöht.
Bislang sind keine Risikofaktoren für eine Lewy-Body-Demenz bekannt. In wenigen Familien wird die Lewy-Body-Demenz allerdings infolge von Veränderungen im Erbgut hervorgerufen.
Patientenverfügung: Selbstbestimmung bewahren
Eine Patientenverfügung stellt sicher, dass Ihre medizinischen Wünsche auch in unerwarteten Situationen respektiert werden und bewahrt so Ihre Selbstbestimmung. Sie greift in Situationen, in denen Sie aufgrund von Krankheit oder Verletzung nicht in der Lage sind, sie selbst auszudrücken. Dieses Dokument entlastet zudem Ihre Angehörigen von schwierigen Entscheidungen, vermeidet Missverständnisse und schützt vor unerwünschter Über- oder Unterbehandlung.