Dimethylsulfoxid (DMSO) ist eine farb- und geruchlose Flüssigkeit, die bei Raumtemperatur vorliegt. Es handelt sich um eine organische Schwefelverbindung, die natürlich vorkommt und aus Baumharz gewonnen wird. DMSO findet sowohl äußerliche als auch innerliche Anwendung, wobei die wissenschaftliche Evidenz für viele Anwendungen noch aussteht.
DMSO: Ein vielseitiges Molekül
DMSO ist ein hervorragendes transdermales Transportmedium, das Medikamente tief unter die Haut transportieren kann, damit diese beispielsweise an Gelenken ihre Wirkung entfalten können. Es hilft, die Aufnahme anderer Substanzen zu verbessern, weshalb es oft in Kombination mit anderen Wirkstoffen eingenommen wird.
DMSO als Trägersubstanz
Besonders bei Verstauchungen wirkt DMSO schmerzlindernd und wird gerne zusammen mit üblichen Medikamenten eingenommen. Es sorgt dafür, dass die entsprechende Substanz schneller in die Haut eindringen kann und fungiert gewissermaßen als Wegweiser. Dieser Effekt ist noch stärker bei Substanzen oder Medikamenten, die über die Schleimhäute aufgenommen werden, wo DMSO als Träger höchst effektiv wirkt, insbesondere bei schmerzlindernden Medikamenten.
Medizinische Verwendung von DMSO
Bereits 1963 entdeckte ein Team der Oregon Health & Science University Medical School, dass DMSO Membranen wie die Haut durchdringen kann, ohne diese zu beschädigen. Die FDA (Food and Drug Administration) hat die Verwendung von DMSO nur für die symptomatische Linderung von Patienten mit interstitieller Zystitis zugelassen. Eine Studie aus dem Jahr 1978 kam zu dem Schluss, dass DMSO bei der Mehrheit der 213 untersuchten Patienten mit entzündlichen Erkrankungen des Urogenitaltrakts signifikante Erleichterung verschaffte. Die Autoren empfahlen DMSO jedoch nur für entzündliche Erkrankungen des Urogenitaltrakts, die nicht durch eine Infektion oder einen Tumor verursacht wurden und bei denen die Symptome schwerwiegend waren oder die Patienten nicht auf eine konventionelle Therapie ansprachen.
DMSO und seine Wirkung auf Schmerzen und Entzündungen
Definitiv nachgewiesen ist die Wirksamkeit von DMSO bei Schmerzen in Muskeln und Gelenken. Es entsteht eine analgetische (schmerzlindernde) Wirkung, die durch eine Entwässerung der angeschwollenen Stelle erreicht wird, wodurch sich der Druck auf die Entzündung lindert. Außerdem blockiert DMSO die beteiligten Nerven, sodass das Schmerzsignal nicht mehr an das Gehirn weitergeleitet wird. Diese Wirkung hält jedoch nur solange an, bis der Körper das DMSO wieder abgebaut hat.
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DMSO bei Sportverletzungen
Insbesondere bei Sportverletzungen sind Salben und Gels mit DMSO sehr beliebt. Die entzündungshemmende Wirkung konnte in Studien belegt werden.
DMSO und Nerven
DMSO penetriert die Haut und fängt freie Radikale, die bei Entzündungen und Ischämien entstehen.
DMSO und Haarwachstum
Schwefel ist ein Spurenelement, das für gesunde Haare unerlässlich ist. Dieses wird im Körper zu Keratin, einem Protein für gesundes und kräftiges Haar, umgewandelt. DMSO ist eine Schwefelverbindung, welche im Körper geteilt wird, wobei ein Teil zu MSM wird, ein organischer Schwefel, welcher auch als Nahrungsergänzung erhältlich ist. Eine koreanische Studie (2009) demonstrierte, wie MSM gegen Haarausfall bei Mäusen half.
MSM als Alternative zu DMSO bei Haarausfall
Sollten Sie also an Haarausfall leiden oder dünnes, brüchiges Haar besitzen, ist ein Kauf von MSM Pulver empfehlenswerter als DMSO, welches mehr bei Schmerzen angewendet wird. Auch Bockshornklee ist besonders effektiv und sorgt für gesundes, glänzendes Haar.
DMSO und MSM: Ein genauerer Blick
DMSO (Dimethylsulfoxid) wird im Körper zu MSM (Methylsulfonylmethan) - auch als Dimethylsulfon oder als DMSO2 bezeichnet - abgebaut. MSM ist im Gegensatz zu DMSO kein Arzneimittel, sondern als Nahrungsergänzungsmittel im Handel. MSM ist ein Schwefeldonator und erhöht die Verfügbarkeit von Schwefel im Körper. Schwefel ist für die Gelenkfunktion und Herstellung der "Gelenkschmiere" wichtig.
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MSM bei Magen-Darm-Erkrankungen
Wenn man an chronischen Magen-Darm-Erkrankungen leidet, sollten Sie die Option des Einsatzes von MSM mit Ihrem behandelnden Arzt / Ärztin besprechen.
DMSO in der interventionellen Radiologie und Kryobiologie
In der interventionellen Radiologie wird DMSO als Lösungsmittel für Ethylenvinylalkohol im flüssigen Emboliemittel Onyx verwendet, das bei der Embolisation, dem therapeutischen Verschluss von Blutgefäßen, eingesetzt wird. In der Kryobiologie wurde DMSO als Kryoprotektivum eingesetzt und ist auch heute noch ein wichtiger Bestandteil von Kryoprotektivum-Vitrifikationsmischungen, die zur Konservierung von Organen, Geweben und Zellsuspensionen verwendet werden. Ohne es werden bis zu 90 % der eingefrorenen Zellen inaktiv. Es ist besonders wichtig für das Einfrieren und die Langzeitlagerung von embryonalen Stammzellen und hämatopoetischen Stammzellen, die oft in einer Mischung aus 10 % DMSO, einem Gefriermedium und 30 % fötalem Rinderserum eingefroren werden.
CRPS (Komplexes regionales Schmerzsyndrom)
Unter einem CRPS versteht man ein Schmerzsyndrom nach Unfallverletzung einer Extremität, bei dem die Schmerzen im Vergleich zum erwarteten Heilungsverlauf unangemessen stark sind und bei dem sich Störungen von Gefühl, Kraft und des vegetativen Nervensystems sowie funktionelle und strukturelle Gebeveränderungen zu finden sind. Wichtig ist festzuhalten, dass diese Symptome nicht mehr auf direkte Verletzungsfolgen zurückzuführen sind. Die Symptome müssen deshalb außerhalb (in der Regel körperfern an Hand oder Fuß) der Verletzung auftreten und dürfen sich nicht auf das Ausbreitungsgebiet eines peripheren Nervens oder einer Nervenwurzel beschränken.
Symptome und Diagnose von CRPS
Es finden sich regelhaft Schmerzen und Gefühlsstörungen. Die Schmerzen sind meist bereits in Ruhe vorhanden und immer bei Belastung verstärkt. An den gelekumgebenden Strukturen findet sich fast regelhaft eine gesteigerte Druckschmerzhaftigkeit, deren Vorhandensein die Diagnose CRPS stützt. Auf der Haut kann eine mechanische und thermische Schmerzüberempfindlichkeit auftreten. Weiterhin finden sich bei CRPS charakteristische Störungen der Körperwahrnehmung und des Körperschemas (sog. Neglect-like-Symptome), die ebenfalls typisch für CRPS sind. Im Bereich des autonomen Nervensystems sind die Hautdurchblutung (Änderungen von Hauttemperatur und Hautfarbe), das Schwitzen und das Extremitätenvolumen (Ödem) betroffen. Diese Symptome ändern sich individuell im Verlauf sehr stark. Die Diagnosestellung des CRPS erfolgt über die Untersuchung, sie ist eine klinische Diagnose. Deshalb sind die Erhebung der Krankengeschichte, die klinische und neurologische Untersuchung die entscheidenden Schritte in der Ermittlung der richtigen Diagnose.
Therapie von CRPS
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass das wichtigstes Therapieziel für die Patienten die Schmerzreduktion ist, die Funktionsverbesserung kommt erst danach. Der Erfolg der Behandlung des CRPS hängt auch davon ab, dass möglichst frühzeitig ein breitgefächertes therapeutisches Angebot, ggf. auch interdisziplinär multimodal, bereitgestellt wird. Ein angemessener Therapiealgorithmus kann wie folgt aussehen: Physio- und Ergotherapie sowie medikamentöse Behandlung der u.U. bereits chronischen Schmerzen als Basismaßnahme. Bei akuter Symptomatik mit Ödem und Temperatursteigerung (sog. „warmes CRPS“): Steroide oder Bisphosphonate. Bei nicht ausreichender Wirksamkeit von A-B: intensive Evaluierung psychischer Komorbiditäten und Einleitung einer diesbezüglichen Therapie. Im Einzelfall einmalige Dauerinfusion von Ketamin nach individueller Titrierung, evtl. in Verbindung mit Punkt C. Jegliche invasive Therapie nur bei Indikationsstellung durch spezialisierte Einrichtungen.
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Medikamentöse Therapie von CRPS
Bisphosphonate sind bei CRPS der oberen und unteren Extremität bezüglich Schmerz, Funktion und Selbsteinschätzung der Patienten wirksam und können somit empfohlen werden. Die Durchführung einer Behandlung mit Steroiden (Cortison) wird insbesondere bei dem sogenannten „warmen“ CRPS, in der Frühphase der Erkrankung, wenn entzündliche Veränderungen (Rötung, Überwärmung, Ödem), im Vordergrund stehen empfohlen. N-Acetylcystein (NAC) kann bei Patienten mit kaltem CRPS versucht werden. Evidenz zur Wirksamkeit ist klein, NAC ist aber so gut wie nebenwirkungsfrei. Der Einsatz von Gabapentin zur Therapie der Schmerzen und Sensibilitätsstörungen bei CRPS kann mit Einschränkungen empfohlen werden. Der Einsatz von intravenös (Infusion) appliziertem Ketamin (NMDA-Rezeptor-Antagonist) als Analgetikum zur Therapie der Schmerzen bei CRPS wird in Einzelfällen und nur zur Anwendung in erfahrenen Zentren empfohlen. Dimethylsulfoxid (DMSO) wird topisch, als 50% DMSO-Creme, eingesetzt. Grundsätzlich kommen beim CRPS, akut oder chronisch, darüber hinaus auch die klassischerweise in der Behandlung von Schmerzen vorgesehen Schmerzmedikamente, einschließlich Co-Analgetika, nach dem modifizierten WHO-Stufenschema zum Einsatz.
Rehabilitative Therapie von CRPS
Die prinzipiellen Therapieziele rehabilitativer therapeutischer Maßnahmen sind Erhalt bzw. Verbesserung von Beweglichkeit und Funktion. Manchmal ist auch eine spezifische Hilfestellung zur Integration der Behinderung in den Alltag nötig. Für die funktionelle Rehabilitation von CRPS-Patienten sind sowohl Physio- als auch Ergotherapie, die sich individuell an der Symptomatik der Patienten orientieren und kompetent durchgeführt werden, unverzichtbar.
Multimodale Schmerztherapie
Allen chronischen Schmerzen ist dabei gemeinsam, dass sie sich ein Stück weit vom Auslöser abgekoppelt haben und nicht monokausal zu erklären sind. Verschiedene Faktoren tragen zu dem Schmerz(erleben) bei, insbesondere auch psychosoziale Faktoren. Man spricht in diesem Zusammenhang von dem biopsychosozialen Schmerzmodell. Aus dieser Erkenntnis heraus hat sich die interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie entwickelt.
Nervenschädigungen und DMSO
Von Kribbeln über Taubheitsgefühle bis zu Lähmungen reichen die Folgen verletzter Nerven. Eine Arznei, welche diese Schädigungen heilt, ist bisher noch nicht zugelassen. Doch ein Medikament, welches in der Behandlung der Multiple Sklerose angewendet wird, eröffnet nun neue Möglichkeiten: Forscher der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) am Universitätsklinikum Essen und des Universitätsklinikums Düsseldorf entdeckten, dass es Nerven „reparieren“ kann, indem es offenbar Schäden an der Myelinschicht behebt. Das Medikament, das im Focus der Wissenschaftler steht, ist Dimethylfumarat (DMF).
DMF und die Regeneration von Nerven
Im Fokus der neuen Forschung an der Uni Duisburg-Essen stand nun die Frage, ob DMF nicht auch bereits geschädigte Nerven wieder regenerieren könnte. Das Team aus Ärzten und Biologen unter Leitung von Dr. Dr. Mark Stettner fand heraus, dass sich Mäuse mit einer Verletzung des peripheren Nervensystems (nicht des zentralen Nervensystems) schneller wieder bewegen konnten, wenn sie DMF bekamen. Die Isolierschicht der Fasern, das Myelin, wurde repariert. Ist das periphere Nervensystem entzündet oder verletzt, können Reize nicht weitergeleitet werden.
Periphere Nervenschädigungen und ihre Ursachen
Schädigungen des peripheren Nervensystems können sich unterschiedlich äußern. Abhängig von den betroffenen Nervenfasern treten starke Schmerzen, sensorische, motorische und vegetative sowie trophische Störungen auf, welche die Betroffenen im Alltag einschränken und ihre Lebensqualität mindern können. Besonders häufig sind Rückenschmerzen wie Lumboischialgien und Zervikobrachialgien, die unter anderem durch Nervenaffektionen in Folge von Bandscheibenvorfällen ausgelöst werden können, Engpass-Syndrome wie das Karpaltunnelsyndrom, sowie Polyneuropathien. Die zugrundeliegenden Ursachen peripherer Nervenschädigungen reichen von mechanisch traumatischen, immunologischen bis hin zu medikamentösen, toxischen, hereditären sowie endokrinen Faktoren. Bei Polyneuropathien gilt Diabetes mellitus als die häufigste Ursache, gefolgt von übermäßigem Alkoholkonsum. Ein Vitaminmangel ist ebenfalls ein nicht zu vernachlässigender Faktor. Insbesondere vegane Ernährung und ein auf diese zurückzuführender Vitamin B12-Mangel kann eine Mangelneuropathie auslösen.
Multimodale Behandlung von Nervenschädigungen
Eine umfassende, multimodale Patientenversorgung kann neben einer sorgfältigen Differenzialdiagnose, eine Symptombekämpfung mittels Membranstabilisatoren, Analgetika und/oder Antidepressiva sowie gezieltes Bewegungstraining und entlastende orthopädische Hilfsmittel beinhalten. Ebenfalls einbezogen werden sollte die Möglichkeit, gleichzeitig kausal vorzugehen, und die Regeneration der peripheren Nerven zu unterstützen.
Uridinmonophosphat (UMP) zur Unterstützung der Nervenregeneration
Bei einer peripheren Nervenschädigung sind meist die Myelin produzierenden Schwann-Zellen der peripheren Nerven betroffen, sodass ein wesentlicher Aspekt der Behandlung in der Regeneration und dem Schutz der Myelinscheide besteht. In klinischen Modellen zu Myelinscheiden- Schädigungen hat sich die Gabe von Nukleotiden wie Uridinmonophosphat (UMP) als sinnvoller Ansatz erwiesen. UMP kann mit weiteren Phosphaten energiereiche Verbindungen eingehen und als Bestandteil gruppenübertragender Coenzyme mit der abgegebenen Energie zahlreiche Stoffwechselreaktionen aktivieren. Dadurch wird die Synthese von Phospho- und Glykolipiden sowie Glykoproteinen angeregt und der Wiederaufbau der Myelinschicht unterstützt.
DMSO Pflanzenextrakte (DMSO Tinkturen)
Bei DMSO Pflanzenextrakten wird als Extraktionsmittel ("Auszugsmittel" / "Lösungsmittel") DMSO anstatt Alkohol genutzt. Es ist also kein Alkohol enthalten. DMSO als Auszugsmittel hat außerdem viele weitere Vorteile. Es kann ein breiteres Spektrum an Inhaltsstoffen lösen als Alkohol. Zudem löst es Inhaltsstoffe vollständiger. Die Anzahl und die Konzentration an Inhaltsstoffen im Extrakt ist also höher.
Penetrationsfördernde Wirkung von DMSO
Ziemlich bald nach seiner Entdeckung als Lösungsmittel erkannte man bereits, dass Dimethylsulfoxid in der Lage ist, die Aufnahme von anderen Stoffen durch die Haut und Schleimhäute zu erhöhen - man spricht von einer sogenannten penetrationsfördernden Wirkung. Der penetrationsfördernde Effekt kommt durch die Interaktion mit den Lipiden der Zellmembran zustande.
DMSO als Schwefeldonor
Viele dieser vorteilhaften Eigenschaften beruhen auf der Tatsache, dass DMSO ein Schwefeldonor ist. Das bedeutet, es versorgt den Körper mit Schwefelatomen. Damit ist dieses Element essentieller Bestandteil von lebenden Zellen. Gleichfalls wird durch Dimethylsulfon, ein Abbauprodukt von DMSO, ein bedeutender entzündungsfördernder Faktor, das NF-κB, in seiner Aktivität gehemmt.
Nebenwirkungen von DMSO
Die perorale Einnahme von DMSO kann Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auslösen. Des Weiteren kann DMSO eine Histaminfreisetzung aus den Mastzellen bewirken, die mit lokalen oder generalisierten Allergien verbunden ist. MSM eignet sich aufgrund seiner hervorragenden Verträglichkeit sehr gut zur innerlichen Anwendung.