Hirntumordiagnose: Was Neurologen wissen müssen

Viele Symptome eines Hirntumors erscheinen zunächst harmlos, bis die Diagnose feststeht. Ein Hirntumor ist jedoch nicht gleichbedeutend mit einem Todesurteil. Es gibt viele verschiedene Arten, sowohl gutartige als auch bösartige, und ebenso viele Behandlungsmöglichkeiten. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Diagnose und Behandlung von Hirntumoren, um Patienten und ihren Familien zu helfen, die bestmögliche Versorgung zu erhalten.

Einführung

Der Begriff Hirntumor ist ein Sammelbegriff für verschiedene Erkrankungen, denen eine unkontrollierte Zellteilung im Gehirn gemeinsam ist. Diese Tumoren können gutartig oder bösartig sein, je nachdem, wie sie sich im Gehirn ausbreiten und wachsen. Aufgrund der unterschiedlichen Formen variieren auch die Symptome, die Diagnostik und die Behandlung erheblich.

Arten von Hirntumoren

Es gibt verschiedene Arten von Hirntumoren, die sich in ihrem Ursprung, ihrem Wachstumsmuster und ihrer Bösartigkeit unterscheiden. Eine genaue Klassifizierung ist für Neurologen und Neurochirurgen wichtig, um die richtige Behandlung zu wählen und den Krankheitsverlauf abschätzen zu können.

Primäre Hirntumoren

Primäre Hirntumoren entstehen direkt im Gehirngewebe. Die Krebszellen bilden sich aus verschiedenen Zellarten im Gehirn. Zu den häufigsten primären Hirntumoren gehören:

  • Gliome: Diese Tumoren entstehen aus den Stützzellen des Gehirns, den Gliazellen. Es gibt verschiedene Arten von Gliomen, je nachdem, aus welchem Zelltyp der Gliazellen sie sich entwickelt haben, wie z.B. Astrozytome, Oligodendrogliome und Ependymome. Das Glioblastom ist ein besonders aggressiv wachsendes Astrozytom. Gliome sind die häufigsten Gehirntumore und machen über 50 % aller Tumore aus.
  • Meningeome: Diese Tumoren entstehen aus den Zellen der Hirnhaut (Meningen). Sie sind relativ häufig und machen 20-30 % aller Gehirntumore aus. Meningeome wachsen langsam und sind meist gutartig.
  • Neurinome/Schwannome: Diese Tumoren entstehen aus den Zellen, die die Hirnnerven umhüllen (Schwann-Zellen). Im Gehirn entstehen Neurinome am häufigsten im Bereich des Austrittspunktes des VIII. Hirnnervens und beeinträchtigen dann einseitig das Hörvermögen und verursachen häufig Schwindel. Diese Tumore werden als Akustikusneurinome bezeichnet.
  • Medulloblastome: Diese Tumoren entstehen aus unreifen (embryonalen) Zellen im Kleinhirn. Sie sind die häufigsten Gehirntumoren des Kindesalters.
  • Hypophysenadenome: Diese Tumoren sind Geschwülste der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Sie können Hormone produzieren und dadurch Symptome verursachen.

Sekundäre Hirntumoren (Hirnmetastasen)

Sekundäre Hirntumoren sind Tochtergeschwülste (Metastasen) von Krebszellen, die aus anderen Organen in das Gehirn gewandert sind. Betroffene mit Hirnmetastasen erhalten eine Behandlung, die sich auch an der ursprünglichen Krebsart orientiert, von der die Metastasen stammen. Einige Krebsarten siedeln Tochtergeschwülste bevorzugt in spezifischen Bereichen, insbesondere auch im Gehirn, ab. Dazu gehören das Bronialkarzinom (Lungenkrebs), der Brustkrebs, der Nierenkrebs und das maligne Melanom (bösartiger Hautkrebs).

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Symptome von Hirntumoren

Die Symptome eines Hirntumors sind sehr unspezifisch und hängen von der Größe, Lage und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors ab. Einige Tumoren verursachen zunächst keine Beschwerden, weshalb die Patienten erst spät einen Neurologen aufsuchen. Typische Beschwerden sind:

  • Kopfschmerzen (besonders morgens, zunehmend, therapieresistent)
  • Übelkeit und Erbrechen (besonders morgens)
  • Schwindelgefühle
  • Sprach- und Sehstörungen
  • Vergesslichkeit
  • Lähmungserscheinungen
  • Krampfanfälle
  • Persönlichkeitsveränderungen
  • Hormonelle Störungen (bei Tumoren der Hirnanhangsdrüse)

Es ist wichtig zu wissen, dass sich die Symptome oft schleichend entwickeln und zunächst unspezifisch sind. Sollten Sie unter solchen Beschwerden leiden, ist es dringend geboten, einen Neurologen aufzusuchen, der die erforderlichen diagnostischen Schritte einleitet.

Diagnose von Hirntumoren

Bei Verdacht auf einen Hirntumor führt der Neurologe zunächst ein einführendes Gespräch (Anamnese) über die aktuellen Beschwerden und die Krankengeschichte des Patienten. Anschließend folgt eine neurologische Untersuchung, um die Funktionen des Nervensystems zu überprüfen.

Bildgebende Verfahren

Die wichtigsten diagnostischen Methoden zur Erkennung und Darstellung von Hirntumoren sind:

  • Computertomographie (CT): Bei diesem Verfahren wird das Gehirn mit Hilfe von Röntgenstrahlen durchleuchtet und in Schnittbildern dargestellt. Damit ist es möglich, Tumoren, Verkalkungen und Blutungen zu erkennen.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Die MRT ist das bevorzugte Untersuchungsverfahren, da sie Unregelmäßigkeiten im Gehirn noch detaillierter sichtbar macht als die CT. Sie wird selbst dann durchgeführt, wenn die CT trotz entsprechenden Verdachts keinen auffälligen Befund erbracht hat.
  • Positronenemissionstomographie (PET): Die PET ist ein bildgebendes Verfahren, das die Stoffwechselaktivität der Zellen sichtbar macht. Sie kann helfen, Gewebe mit besonders aktivem Stoffwechsel von solchen mit weniger aktiven Zellen zu unterscheiden.

Weitere diagnostische Methoden

  • Elektroenzephalogramm (EEG): Mit dem EEG ist eine grobe Lokalisation eines Hirntumors möglich und kann die Anfallsgefährdung ermittelt werden.
  • Liquoruntersuchung: Die Liquor-Untersuchung dient in manchen Fällen zum Ausschluss einer entzündlichen Erkrankung des Nervensystems. Bei einigen Hirntumoren (etwa dem Medulloblastom) können sich Tumorzellen ablösen und über den Liquorraum im Rückenmarkkanal verteilen.
  • Biopsie: Besteht auch nach der MRT ein Tumorverdacht, wird in der Regel während einer Operation Gewebe aus dem verdächtigen Bereich im Gehirn entnommen (Biopsie). Das ist notwendig, um die Diagnose abzusichern. Nach der Biopsie untersucht ein Facharzt die Gewebeproben unter einem Mikroskop. Dadurch lässt sich der Tumortyp und ebenfalls mögliche Erbgutveränderungen mit molekularbiologischen Tests feststellen.

WHO-Klassifikation von Hirntumoren

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterscheidet zwischen gutartigen (benignen) und bösartigen (malignen) Hirntumoren, die in vier verschiedene Tumorgrade eingeteilt werden:

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  • Grad I: gutartig, langsames Wachstum, sehr gute Prognose
  • Grad II: Übergang in bösartigen Tumor möglich, erhöhtes Risiko für Rezidive
  • Grad III: bösartig, Operation gefolgt von Strahlen- und/oder Chemotherapie notwendig
  • Grad IV: sehr bösartig, schnelles Wachstum, schlechte Prognose, Operation gefolgt von Strahlen- und/oder Chemotherapie notwendig

Therapie und Behandlung von Hirntumoren

Die Behandlung eines Hirntumors ist komplex und wird individuell an jeden Patienten angepasst. Das Alter, die körperliche Befindlichkeit, die Art, Größe und Lokalisation des Tumors sind dabei zu berücksichtigen.

Operation

Ziel der Operation ist es, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen, ohne wichtige Gehirnfunktionen zu stören. Bei gutartigen oder prognostisch günstigen Tumoren können eine Operation und anschließend regelmäßige Verlaufskontrollen ausreichend sein.

Strahlentherapie

Die Strahlentherapie ist nach der Operation die zweitwichtigste Therapiemöglichkeit bei Tumoren des ZNS. Sie ist eine lokale Therapie, die zielgenau auf die vom Tumor betroffenen Regionen wirken kann und so weniger Schaden bei gesunden Zellen und somit weniger Nebenwirkungen verursacht.

Chemotherapie

Chemotherapien werden ergänzend zur Operation und/oder Strahlentherapie eingesetzt, insbesondere bei bösartigen Tumoren. Die bekannteste Chemotherapie für die Behandlung von Gliomen basiert auf dem Wirkstoff Temozolomid.

Zielgerichtete Therapien

Zielgerichtete Therapien kommen in der Regel zum Einsatz, wenn der Tumor nicht auf vorherige Behandlungen anspricht oder wiedergekehrt ist. Es müssen allerdings bestimmte Eigenschaften beim Tumor vorliegen, gegen die sich eine zielgerichtete Therapie richten kann.

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Klinische Studien

Zeigt keine bisherige Therapie den gewünschten Erfolg oder ist eine Mutation vorhanden, für die es bisher noch keine zugelassene Therapie gibt, ist die Teilnahme an einer klinischen Studie eine Option.

Supportive Therapie

Ziel einer supportiven Therapie ist es, Beschwerden zu lindern, die durch die Krebserkrankung selbst und/oder die Behandlung entstehen. Dazu gehören Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, epileptische Anfälle oder eine Hirnschwellung. Insgesamt soll die Lebensqualität dadurch verbessert werden.

Nachsorge bei Hirntumoren

Nach der Therapie sind regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen wichtig, um einen Rückfall der Krebserkrankung (Rezidiv) frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Die Untersuchungen dienen auch zur Tumorkontrolle - sowohl bei Betroffenen ohne als auch mit vorhandenem Resttumor. Treten zwischen den Terminen Beschwerden auf, sollte man auf jeden Fall schon früher zum Arzt gehen.

Lebenserwartung bei Hirntumoren

Die Lebenserwartung bei einem Hirntumor ist sehr unterschiedlich und hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Art des Tumors, seiner Lokalisation, dem Allgemeinzustand des Patienten und seinem biologischen Alter. Demnach kann die Lebenserwartung zwischen wenigen Wochen und einer nahezu unbegrenzten Lebenserwartung liegen.

Fazit

Die Diagnose eines Hirntumors ist eine einschneidende Erfahrung. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass es viele verschiedene Arten von Hirntumoren gibt und dass die Behandlungsmöglichkeiten immer besser werden. Mit der richtigen Diagnose, Behandlung und Nachsorge können viele Patienten mit Hirntumoren ein langes und erfülltes Leben führen.

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