Sulcus-ulnaris-Syndrom: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Der Ellenbogen ist ein komplexes Drehscharniergelenk, das aus drei Knochen besteht: Oberarmknochen (Humerus), Elle (Ulna) und Speiche (Radius). Bänder und Muskeln stabilisieren diese Knochen zusätzlich. Ellenbogenschmerzen können vielfältige Ursachen haben und die Beweglichkeit des Arms stark einschränken. Eine mögliche Ursache für Ellenbogenschmerzen ist das Sulcus-ulnaris-Syndrom.

Was ist das Sulcus-ulnaris-Syndrom?

Das Sulcus-ulnaris-Syndrom, auch bekannt als Kubitaltunnelsyndrom (KUTS), ist eine Kompression oder Läsion des Nervus ulnaris im Bereich des Ellenbogens. Der Sulcus ulnaris selbst ist eine gut tastbare Rinne am Ellenbogen, durch die der Ellennerv (Nervus ulnaris) verläuft. Es handelt sich nach dem Karpaltunnelsyndrom um das zweithäufigste Nervenengpasssyndrom.

Ursachen des Sulcus-ulnaris-Syndroms

Die Ursachen für das Sulcus-ulnaris-Syndrom sind vielfältig und oft unklar. Man unterscheidet zwischen einem primären (idiopathischen) und einem sekundären Kubitaltunnelsyndrom.

  • Primäres/idiopathisches Kubitaltunnelsyndrom: In diesen Fällen wird das bindegewebliche Dach des Kubitaltunnels aus unbekannten Gründen straff und komprimiert den Nerven.

  • Sekundäres Kubitaltunnelsyndrom: Hier spielen Veränderungen des Knochengewebes und des Bandapparats infolge einer Verletzung eine ursächliche Rolle. Auch ein Druckanstieg durch vermehrte Belastung, entzündliche Prozesse oder Tumore können den Nerv einengen. Risikofaktoren können Diabetes mellitus, Übergewicht, rheumatische Erkrankungen und vorausgegangene Verletzungen sein.

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Symptome des Sulcus-ulnaris-Syndroms

Typische Symptome des Sulcus-ulnaris-Syndroms sind:

  • Missempfindungen, Kribbeln (Parästhesien) oder Taubheitsgefühl im Bereich des Klein- und Ringfingers. Die Beschwerden können vom Ellenbogen über die Innenseite des Unterarms bis in die Finger ausstrahlen.
  • Schmerzen bei Druck auf den Ellenbogen.
  • Kraftminderung in der Hand, insbesondere Ungeschicklichkeit und Kraftlosigkeit, so dass Gegenstände fallen gelassen werden.
  • In späten Stadien kann es zur Ausbildung einer "Krallenhand" kommen, bei der die Finger in den Grundgelenken überstreckt und in den Mittel- und Endgelenken gebeugt sind.
  • Atrophie des ersten Zwischenfingerraums (zwischen Daumen und Zeigefinger).

Diagnose des Sulcus-ulnaris-Syndroms

Die Diagnose des Sulcus-ulnaris-Syndroms basiert auf:

  • Anamnese: Genaue Schilderung der Beschwerden durch den Patienten.
  • Klinische Untersuchung: Testen der Sensibilität und Motorik der Hand, Auslösen von Schmerzen durch Druck auf den Ellennerv.
  • Elektrophysiologische Untersuchung (ENG/EMG): Messung der Nervenleitgeschwindigkeit, um die Schädigung des Nervs zu bestätigen und den Schweregrad zu bestimmen.
  • Nervensonographie: Ultraschalluntersuchung des Nervs, um die Engstelle und mögliche Ursachen zu identifizieren.
  • Röntgenuntersuchung: Bei Verdacht auf knöcherne Veränderungen oder Verletzungen.

Behandlungsmöglichkeiten des Sulcus-ulnaris-Syndroms

Die Behandlung des Sulcus-ulnaris-Syndroms richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung und der Ursache.

Konservative Therapie

Bei leichten Formen des Sulcus-ulnaris-Syndroms, bei denen nur Kribbeln und gelegentlich ein leichtes Taubheitsgefühl vorhanden sind, kann eine konservative Therapie versucht werden. Diese umfasst:

  • Druckentlastung: Vermeidung von Druck auf den Ellennerv, z.B. durch Abpolsterung der Ellenbogenregion.
  • Ruhigstellung: Nächtliche Ruhigstellung des Ellenbogens mit einer Schiene in ca. 30° Beugung.
  • Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Verbesserung der Beweglichkeit und Entlastung des Nervs.
  • Medikamentöse Therapie: Entzündungshemmende Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen, Diclofenac) zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen. Lokale Infiltrationen mit Kortikosteroiden können ebenfalls in Betracht gezogen werden.
  • Weitere konservative Maßnahmen: Neuraltherapie, Bandagen, Stoßwellentherapie, Akupunktur.

Operative Therapie

Wenn die konservative Therapie nicht ausreichend hilft oder bereits ausgeprägte Taubheit oder Schwäche vorhanden ist, kann eine Operation erforderlich sein, um eine dauerhafte Schädigung des Nervs zu verhindern. Es gibt verschiedene operative Verfahren zur Entlastung des Nervus ulnaris:

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  • Dekompression des N. ulnaris: Hierbei wird das einengende Gewebe (z.B. das Dach des Kubitaltunnels) gespalten, um den Nerv zu entlasten. Dies kann offen oder endoskopisch erfolgen.
  • Subkutane/submuskuläre Vorverlagerung des N. ulnaris: In manchen Fällen wird der Nerv auf die vordere Seite des Ellenbogens verlagert, um ihn aus der Engstelle zu entfernen. Dies kann notwendig sein, wenn ausgeprägte anatomische Veränderungen vorliegen.

Die Entscheidung für das geeignete Operationsverfahren wird individuell in Absprache mit dem Patienten getroffen.

Nachbehandlung nach einer Operation

Nach der Operation ist es wichtig, den Arm zu schonen und eine rasche Wundheilung zu fördern. Die Nachbehandlung umfasst:

  • Schonung des Arms: Vermeidung schwerer Arbeiten für 2-4 Wochen.
  • Frühzeitige Mobilisierung: Vorsichtiges Bewegen des Ellenbogens bereits am ersten postoperativen Tag.
  • Wundkontrollen: Regelmäßige Kontrollen der Wunde durch den Arzt, um Komplikationen wie Infektionen frühzeitig zu erkennen.
  • Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Wiederherstellung der Beweglichkeit und Kraft des Arms.

Mögliche Komplikationen einer Operation

Wie bei jeder Operation können auch bei der operativen Behandlung des Sulcus-ulnaris-Syndroms Komplikationen auftreten:

  • Nervenverletzung: Verletzung des Nervus ulnaris, die zu dauerhaften neurologischen Einschränkungen führen kann.
  • Wundheilungsstörungen:
  • Blutungen oder Einblutungen:
  • Infektionen:
  • Narbenbildung:

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:

  • Schmerzen nach einem Sturz oder Unfall trotz Schonung, Kühlen und Hochlagern nicht besser werden.
  • Langanhaltende, stechende und starke Schmerzen im Ellenbogen auftreten.
  • Ein rotes, überwärmtes und geschwollenes Ellenbogengelenk vorhanden ist.
  • Taubheitsgefühle oder Kribbeln in den Fingern auftreten.
  • Kraftminderung in der Hand bemerkt wird.

Ein Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie ist der richtige Ansprechpartner bei Schmerzen am Ellenbogen. Bei komplexen Erkrankungen kann es sinnvoll sein, einen Spezialisten für Ellenbogenerkrankungen aufzusuchen.

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