Die ergotherapeutische Behandlung von Hemiparese und Hemiplegie erfordert spezialisierte Kenntnisse und Fertigkeiten. Diese Fortbildung bietet Ergotherapeuten die Möglichkeit, ihr Wissen aufzufrischen, neue Techniken zu erlernen und ihre Kompetenzen in der Behandlung von Patienten mit Hemiparese zu erweitern. Im Mittelpunkt steht die praxisnahe Arbeit an oberer Extremität und Rumpf von Patienten mit Hemiparese oder Hemiplegie. Die vorgestellten Methoden sind erprobt und lassen sich unmittelbar in den therapeutischen Alltag übertragen.
Modulares Fortbildungsprogramm
Eine umfassende Weiterbildung zum Thema Hemiparese in der Ergotherapie wird in modularer Form angeboten. Die einzelnen Module können sowohl separat als auch im Rahmen der kompletten Weiterbildung zum "Fachtherapeut Neurorehabilitation®" absolviert werden.
Die Module im Überblick:
- Modul 1 (06.02. - 08.02.2026): Die Rehabilitation der oberen Extremität bei Hemiplegie und Hemiparese: Schwerpunkt Schulter/Rumpf (490,00 EUR - Fortbildungspunkte: 28)
- Modul 2 (24.04. - 26.04.2026): ICF - Assessments und Training der Feinmotorik bei neurologischen Schädigungen (490,00 EUR - Fortbildungspunkte: 28)
- Modul 3 (05.06. - 07.06.2026): Neglectphänomene/Pushersyndrom - neuropsychologische und ergotherapeutische Aspekte in Differentialdiagnostik, Befund und Behandlung (490,00 EUR - Fortbildungspunkte: 28)
- Modul 4 (17.07. - 19.07.2026): Update Neurorehabilitation - Was gibt´s Neues in Befundung und Therapie der oberen Extremität nach Schlaganfall? (490,00 EUR - Fortbildungspunkte: 28)
- Modul 5 (25.09. - 27.09.2026): Constraint - induced Movement Therapy (CIMT) und ihre modifizierten Formen (490,00 EUR - Fortbildungspunkte: 28)
- Modul 6 (21.10. - 25.10.2026): (Grundkurs) - Diagnostik, Befund und Behandlung von Schluckstörungen und Fazialisparesen unter Einbeziehung verschiedenster Therapiekonzepte inklusive Trachealkanülen und deren Management (750,00 EUR - Fortbildungspunkte: 44). Dieser Kurs ist einzeln buchbar oder in Verbindung mit der Weiterbildung „Fachtherapeut Neurorehabilitation®“.
Die Module können unabhängig von der Reihenfolge besucht werden, wobei empfohlen wird, das Modul "Praxisworkshop" am Ende der Ausbildung zu absolvieren, da hier keine Prüfung notwendig ist. Eine 30-minütige Prüfung über das jeweilige Modul wird im nächsten besuchten Modul abgenommen. Die Wertung ist "bestanden / nicht bestanden". Nicht bestandene Prüfungen können zu einem späteren Zeitpunkt wiederholt werden. Für das Abschlusszertifikat „Fachtherapeut Neurorehabilitation®” ist eine Prüfung nach jedem Modul verpflichtend.
Inhalte und Schwerpunkte der Fortbildung
Die Fortbildung deckt ein breites Spektrum an Themen ab, die für die ergotherapeutische Behandlung von Hemiparese relevant sind. Einige der Schwerpunkte sind:
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Rehabilitation der oberen Extremität
Ein zentraler Aspekt der Fortbildung ist die Rehabilitation der oberen Extremität bei Hemiplegie und Hemiparese. Hierbei werden moderne und klinisch etablierte Behandlungs- und Mobilisationsmöglichkeiten vermittelt, um typische Problematiken wie Scapula alata, Subluxationen und den Scapulo-humeralen Rhythmus zu behandeln. Die Bedeutung des motorischen Lernens mit seinen wichtigsten Kernelementen wird hervorgehoben. Evidenzbasierte Therapieverfahren mit „Hands-off-Charakter“ sowie ausgewählte ICF-Assessments als Werkzeug für die tägliche therapeutische Arbeit werden aufgezeigt und anhand ausgewählter Studien und Fallbeispiele untermauert.
Rumpf und Posturale Kontrolle
Gleichgewichtsreaktionen, Lagewechsel und Fortbewegung in der Senkrechten sowie der Extremitäteneinsatz sind von aufgabenspezifisch adäquatem Muskeltonus und aktiven Bewegungsmöglichkeiten des Rumpfes abhängig. Dementsprechend ist die Hälfte der Seminarzeit den aufgabenspezifischen Rumpfaktivitäten in Theorie und Praxis gewidmet. Dabei wird trotz Fokus auf die Rumpfaktivitäten - typisch für das Bobath-Konzept - der Arm keinesfalls vernachlässigt, sondern von Anfang an fördernd einbezogen. Zusätzlich werden bewährte "frühe Aktivitäten" für die (noch) schwer betroffene obere Extremität, vor allem auch in liegenden oder anderweitig stark unterstützten Ausgangsstellungen und im beiläufigen Einsatz bei Bewegungsübergängen, demonstriert und geübt.
Der Kurs Modul 01 beinhaltet folgende Schwerpunkte:
- Posturale Kontrolle / Balance / unterer Rumpf (Patientenvideos)
- Aufgabenorientierte Behandlung der posturalen Kontrolle und Assessments nach ICF
- Gleichgewicht: Reaktionen, Analyse und Befund (Patientenbeispiel, Workshop)
- Rumpfaktivitäten mit Einbindung der oberen Extremitäten (Patientenvideos, Demonstration)
Spastizität und Tonusregulation
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Behandlung von Spastizität und Hypertonus. Hier werden Definitionen, Ursachen und evidenzbasierte Maßnahmen zur Spastik- und Tonusreduzierung vermittelt. Moderne und klinisch etablierte Behandlungsmöglichkeiten für verschiedenste Tonusverhältnisse werden anhand von Patientenbeispielen und Videos demonstriert. adaptive biomechanische Veränderungen, Ursachen, Behandlung (Patientenvideos) sowie Spastizität und Hypertonus als Plus-Symptome des UMNS: Definitionen, Ursachen, Behandlung werden thematisiert. ICF-Assessments nach ICF (Spastikbefund, Tonusbefund) werden ebenfalls behandelt.
Motorisches Lernen und Evidenzbasierte Therapie
Die Fortbildung legt großen Wert auf evidenzbasierte Interventionen im Bereich des motorischen Lernens mit konkretem Therapiebezug. Behandlungssequenzen bei ausgeprägtem Funktionsverlust und bei Funktionswiederkehr, repetitive aktive und zielorientierte Handlungen in der Therapie werden anhand von Patientenvideos veranschaulicht.
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Neurophysiologische Grundlagen
Allen Behandlungsverfahren liegen neurophysiologische Wirkprinzipien zugrunde, die im Seminar praktisch in Partnerarbeit erprobt werden.In Anlehnung an verschiedene Therapieverfahren wie Bobath, Johnstone oder die kognitiv-therapeutischen Übungen nach Perfetti werden Sequenzen erarbeitet. Zusätzlich bleibt Raum für weniger bekannte Zusatztherapien wie „Forced Use“ oder Kontrakturenbehandlung.
Schluckstörungen und Fazialisparesen
Modul 6 widmet sich der Diagnostik, Befundung und Behandlung von Schluckstörungen und Fazialisparesen unter Einbeziehung verschiedenster Therapiekonzepte inklusive Trachealkanülen und deren Management.
Weitere Inhalte
Weitere Schwerpunkte liegen in den Bereichen Spastizität und biomechanische Veränderungen sowie deren Reduzierung bzw. Behandlung. Die Bedeutung des motorischen Lernens mit seinen wichtigsten Kernelementen wird hervorgehoben.
Methodik und Kursaufbau
Die Fortbildung zeichnet sich durch eine praxisorientierte Methodik aus. Vor dem Kurs wird an jeden Teilnehmenden ein Praxispäckchen mit Therapiematerialien wie z.B. Luftpolsterschienen und Tape zum Üben versendet, dass Sie bitte direkt nach dem Kurs zurückschicken. Für diese Materialien benötigen Sie am späten Nachmittag oder am Abend nach dem ersten bzw. zweiten Kurstag einen beliebigen Übungspartner vor Ort. Die Erfahrungen werden am nächsten Kursvormittag benötigt. Teilnehmer:innen, die keine deutsche Postanschrift haben, müssen das Praxispäckchen zum Selbstkostenpreis und auf eigene Veranlassung zurücksenden.
Sie erhalten zudem eine Praxismaterialliste haushaltsüblicher Gegenstände für das Ausprobieren während des Online-Kurses. Sie hören und sehen während des Kurses Vortragsteile und Praxisvideos zu denen Sie über einen Videoportal auch noch bis 6 Tage nach dem Kurs erneut Zugang haben.
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Die hierfür bedeutungsvollen neurophysiologischen Wirkprinzipien werden theoretisch begründet, in der Anwendung demonstriert und in Partnerarbeit geübt. In Anlehnung an verschiedene traditionelle Therapieverfahren werden Therapiesequenzen erarbeitet. Daneben bleibt Raum für weniger bekannte übende Therapiestrategien im Rahmen von Forced-Use-Designs und anderen hochrepetitiven Verfahren.
Der Unterricht umfasst Lehrvorträge mit Visualisierung, Lehrgespräche mit Fallbeispielen, Fallvorstellungen, Fallbrainstorming, Partnerarbeit mit Ergebnisaustausch und Demonstrationen. Das Verhältnis von Theorie zu Praxis beträgt 25:75.
Zielgruppe und Voraussetzungen
Diese Fortbildung richtet sich an Ergotherapeuten und Physiotherapeuten, die Hemiparese-Betroffene kennen und behandeln.
Ein Nachweis über die erfolgreiche Teilnahme an einem der Kurse zum Thema Bobath 24 Stunden, Bobath Grundkurs oder Normale Bewegung mit mindestens 16 absolvierten Unterrichtsstunden muss erbracht werden. Ab 20 Unterrichtsstunden Bobath-Kurs ist die Voraussetzung für die Teilnahme ebenfalls erfüllt.
Online-Lerneinheiten
Ab 2024 werden zwei Lerneinheiten à 45 Minuten im Rahmen der Fortbildung online als Selbstlernmodul absolviert. Dadurch verkürzt sich die Präsenzzeit und die Teilnehmenden bleiben maximal flexibel.
Ziele der Fortbildung
Die Teilnehmer sollen:
- Übende Verfahren für die schwer betroffene obere Extremität kennenlernen, auswählen und anwenden können.
- Die Wirkung verschiedener Ausgangsstellungen in der OEx-Reha beurteilen und auswählen können.
- Zusätzlich erschwerende Komplikationen wie geschwollene Hand oder schmerzhafte Schulter erkennen können.
- Geeignete Prophylaxen und Behandlungsverfahren anwenden können.
Weitere Angebote
ErgoWebinar bietet Live-Webseminare für Therapeuten, um auf dem aktuellen Stand des Berufs zu bleiben. Die Kurzzeit-Seminare bieten durch das kostenfreie Videoportal nach dem Kurs ein Maximum an freier Nutzungszeit. Die Fortbildungen werden von Expert:innen in ihrem Fachgebiet strukturiert und zusammengestellt. Alle einzelnen Web Seminare können mit individualisiertem Zuschnitt als Inhouse Fortbildung auch für das multidisziplinäre Team gekauft werden.
Abschluss
Zum Ende des Seminars erhalten die Teilnehmer ein Trägerzertifikat.
Veranstaltungsort
Die Standorte sind gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Um Staus und die Parkplatzsuche zu vermeiden, wird die Anreise mit der Deutschen Bahn empfohlen. Die Fortbildungen finden in Kellereistr. statt.
Förderung
Es gibt Möglichkeiten zur Förderung durch die Bundesländer.
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